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Mälzer & Witzigmann – Küchenbulle trifft Jahrhundertkoch

Tim Mälzer und Eckart Witzigmann im Gespräch mit Sternekoch Vincent Klink


Klink: Wie treffen eigentlich zwei so unterschiedliche Typen aufeinander? Wie habt ihr euch kennengelernt?

Mälzer: „Ganz einfach. Getroffen haben wir uns auf dem Viktualienmarkt. Einen tollen Tag haben wir dort verbracht – und getratscht wie zwei alte Waschweiber. Eckart und ich sind ja eigentlich grundsätzlich und komplett verschieden. Doch wir waren uns auf Anhieb sympathisch. Daraus entwickelte sich bei mir die Idee, zusammen ein Kochbuch zu machen. Tatsächlich stellte sich heraus: So verschieden sind wir nicht. Vor allem wenn es ums Kochen geht. Sicher, die Herangehensweise, der Umgang mit den Produkten mag unterschiedlich sein. Aber uns verbindet Leidenschaft und Ernsthaftigkeit. Im Buch trifft der Jahrhundertkoch auf den Typen Kasper und Koch – so wirkt es vermutlich. Doch während der Produktion haben wir beide mit äußerster Akribie und Sorgfalt gearbeitet.“

Klink: Halten wir doch mal die Gemeinsamkeiten fest. Seid ihr beide Getriebene?
© Matthias Haupt
Witzigmann: „Ja, stimmt! Ich bin gern ein Getriebener, treibe mich selber an, setze mich unter Druck. Ich bin wissbegierig, will immer noch sehen, was los ist in der Welt, habe alle Zeitschriften, interessiere mich für neue Trends und Ideen. Die Leidenschaft für das Kochen ist einfach noch da!“

Mälzer: „Geht mir genauso. Das Schöne ist, man lernt nie aus. Alle Gedanken kreisen um den Job, ständig! Ich liebe das Leben und übertreibe hin und wieder mal ganz gern.“

Klink: Gibt es in eurem Buch eher schnelle oder langsame Gerichte, oder ist es eine Mischung?

Witzigmann: „Es sind Gerichte, deren Sinn das gemeinsame Essen ist, dass man die Familie um sich hat. Nehmen wir mal den Schweinebraten oder das Brathuhn: Man stellt es in die Mitte, und drum herum sitzen dann die Familienmitglieder.“

Mälzer: „Es ist ja irgendwie unsere Mission. Wir möchten unsere Leser animieren und an den eigenen Herd locken. Nicht immer nur im Fernsehen zuschauen, sondern die Pfanne selbst in die Hand nehmen und kochen – das ist unsere Botschaft, die Leute wieder gemeinsam an den Tisch bringen. Gut, es gibt Rezepte, wie der Fisch in der Salzkruste – so etwas wirkt immer etwas kompliziert. Doch mit Freude am Kochen und mit Hilfe der heutigen Technik wie Thermometern ist das doch überhaupt kein Problem.“

Klink: Erwartet ihr, dass die Leser eures Buches Gourmets sind? Oder geht's mehr um freudige Esser?

Mälzer: „Das Wort Gourmet mag ich nicht. Was dieses Wort soll, ist mir ein Rätsel, und es klingt nach Elitegruppe. Ich finde, dass jedes Kind, jede Frau, jeder Mann, der ein Lieblingsgericht hat, meinetwegen einen Kartoffelsalat, Schweinebraten, Steinbutt – whatever. Also wer etwas wirklich sehr mag, ist doch jemand, der auf seine eigene Weise guten Geschmack respektiert und honoriert.“

Witzigmann: „Da kann ich nur zustimmen. Menschen die Spaß am Essen haben, locker sind und ein liebevoll zubereitetes Gericht einfach zu schätzen wissen, um die geht es.“

Klink: Wenn man eure Rezepte anschaut, riskiert ihr nicht viel. Ihr habt eine reine Produktküche.

Witzigmann: „Einem guten Produkt muss ich kein Paroli bieten.“
© Matthias Haupt
Mälzer: „Im Buch gibt es eine Anleitung für ein gekochtes Ei. Vermutlich eines der kürzesten Rezepte, die jemals den Weg in ein Kochbuch gefunden haben.
Der Verlag hat moniert: Sagt mal, ist das euer Ernst? Darauf habe ich geantwortet: Genau das ist der Unterschied zwischen einem hart gekochten Ei und einem perfekt hart gekochten Ei. Deshalb haben wir diesem Ei eine Doppelseite gewidmet.“


Klink: Was erwartet ihr von euren Lesern oder Gästen? Wie sollen sie mit den Rezepten umgehen? Genau nachkochen? Oder mögt ihr beide, wenn sie was riskieren und vielleicht auch zu weit gehen?

Witzigmann: „Wir wollen die Leute motivieren. Der Tenor ist: Eine Vorlage brauche ich nicht, sondern ich arbeite nach meiner Vorstellung. Das ist auch Sinn und Zweck des ehrlichen Rezepteschreibens. Gerade dafür sind meine Bücher ja oft gelobt worden. Ehrliche Rezepturen, und dass alles zusammen passt. Das sind gerade auch die langen Rezepte.“

Mälzer: „Ich bin nicht sicher, ob das Zitat von dir ist Vincent, aber ich erzähl es gern in der Öffentlichkeit. ›Sehr geehrter Leser oder Betrachter des vorliegenden Kochbuchs, sollten Sie die Rezepte nachgekocht haben und es sieht genauso aus, wie wir das hier auf den Fotos gemacht haben, möchte ich Ihnen an dieser Stelle eins versprechen: Sie haben alles falsch gemacht.‹ Das finde ich wahnsinnig ehrlich.“
Gekürzte Version
Quelle: Mälzer & Witzigmann – Zwei Köche, ein Buch

Mälzer & Witzigmann

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