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Wo niemand uns sehen kann

Roman

(2)
TaschenbuchNEU
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Jess Winters zieht mit ihrer Mutter Maud in das verschlafene Nest Sycamore, irgendwo in der Wüste Arizonas. All ihre Einsamkeit verbirgt Jess in ihrem Tagebuch. Bis sie eines regnerischen Abends spurlos verschwindet. Achtzehn Jahre später werden vor der Stadt menschliche Überreste gefunden, und bei Maud wie auch den anderen Bewohnern von Sycamore kehren die bohrenden Fragen wieder: Was ist an jenem Abend, als Jess für immer verschwand, wirklich geschehen? Ein berührender Roman über Schuld, das Vergessen und die Geheimnisse einer Kleinstadt.


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Amerikanischen von Eva Bonné
Originaltitel: Sycamore
Originalverlag: Harper
Taschenbuch, Broschur, 416 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-71957-0
Erschienen am  14. June 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: Sycamore, Vereinigte Staaten von Amerika

Rezensionen

Kein Thriller, aber mindestens genauso fesselnd

Von: Christoph

20.06.2021

Liest man nur die Kurzzusammenfassung auf der Rückseite des Einbands, könnte man glatt zu dem Schluss kommen, es handele sich bei „Wo niemand uns sehen kann“ (deutsche Übersetzung von Eva Bonné) um einen Kriminalroman oder einen Thriller. An einem stürmischen Abend im Dezember 1991 verschwindet die 17 Jahre alte Jess Winters im Städtchen Sycamore in Arizona spurlos — nur wenige Wochen nach einem handfesten Skandal. Knapp 18 Jahre später findet eine Frau beim Wandern in der Wüste menschliche Knochen, die schnell der lange vermissten Teenagerin zugeordnet werden können und für traurige Gewissheit sorgen. An diesem Punkt würde in einem Krimi die Suche nach einem Mörder beginnen und vermutlich würden auch bald weitere Mädchen verschwinden. Um solche Dinge geht es in Bryn Chancellors Roman allerdings nicht. Natürlich spielt die Frage, was mit Jess passiert ist und warum sie so jung sterben musste, eine zentrale Rolle, aber in erster Linie interessiert sich die Autorin dafür, was das plötzliche Verschwinden eines Menschen für diejenigen bedeutet, die zurückbleiben — zumal in einer Kleinstadt wie Sycamore, in der man sich kennt und fast zwangsläufig Einblick ins Privatleben der anderen hat. Dementsprechend wird die Handlung von „Wo niemand uns sehen kann“ vielstimmig erzählt. Es gibt Rückblenden ins Jahr 1991, in denen wir Jess von ihrer Ankunft in Sycamore, wohin sie nach der Scheidung der Eltern mit ihrer Mutter gezogen war, bis zum Abend ihres Verschwindens folgen. An anderer Stelle begleiten wir Jess‘ Mutter Maud, ihre ehemals beste Freundin Dani und viele weitere Personen, deren Lebensweg fast zwei Jahrzehnte lang von diesem schicksalhaften Ereignis geprägt wurde. Zu Beginn wirkt Bryn Chancellors ruhige Erzählweise fast ein wenig zu gemächlich, aber mit zunehmender Dauer wird der Roman immer fesselnder und damit tatsächlich beinahe spannender als viele Thriller. Vor allem sind die Charaktere so stark und überzeugend gezeichnet, dass man als Leserin oder Leser wirklich Anteil nimmt an ihrem Leben und ihren Sorgen. Am Schluss von „Wo niemand uns sehen kann“ klärt sich auf, was mit Jess damals passiert ist — bleibt zu hoffen, dass die lieb gewonnenen Figuren dieses sehr empfehlenswerten Romans dann endlich ihren Frieden finden und etwas unbeschwerter in die Zukunft blicken können.

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Geheimnisse, Reue und Schuld

Von: Franziska_J

13.06.2021

Erinnerung, Einsamkeit, Schuld und Reue. Darum geht es in Bryn Chancellors Roman Wo niemand uns sehen kann, der jetzt bei btb im Taschenbuch erschienen ist. Chancellor erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das in einer fremden Stadt nach Anschluss und Nähe suchte und am Ende nur den Tod fand. Es ist eine Geschichte, die ein Netz von der Vergangenheit über die Gegenwart bis hin zur Zukunft spannt und beweist, dass die Vergangenheit nie wirklich vergangen ist. Darum geht’s: In Sycamore, einer verschlafenen Kleinstadt in Arizona, werden menschliche Überreste gefunden. Die eingeschworene Gemeinschaft der Stadt vermutet sofort, dass es sich hier um die Überreste der vor achtzehn Jahren verschwundenen Jess Winters handeln könnte. Der Fund löst eine Welle der Erinnerung aus: Was ist vor achtzehn Jahren, an jenem Abend als die junge Frau zum letzten mal gesehen wurde, wirklich passiert und warum schweigen alle so beharrlich? In diesem Roman erzählt Chancellor eine Geschichte, die zum einen spannend wie ein Krimi und zum anderen aber auch hochpsychologisch ist und sich mit Fragen der Moral beschäftigt. Der Aufbau des Romans ist relativ komplex: Hier bekommen viele Protagonisten eine Stimme, so dass sich ein versponnenes Netz aus Beziehungen ergibt, das nicht immer leicht zu durchschauen ist. Doch dranbleiben lohnt sich, denn man wird mit einem wirklich überraschenden Ausgang der Geschichte belohnt. Es fällt eigentlich auch nicht wirklich schwer, dranzubleiben, denn nicht nur die Perspektiven, sondern auch die Erzählstile wechseln im Verlauf des Geschehens: Unterbrochen wird die Erzählung nämlich immer wieder durch Briefe, Monologe in Form eines Gedankenstroms und einmal sogar durch ein kurzes Drama. Besonders gelungen ist auch der Wechsel zwischen der Darstellung von Vergangenheit und Gegenwart, die sich immer weiter annähern, bis schließlich die Lösung des großen Geheimnisses bekannt wird. Wo niemand uns sehen kann ist eine berührende und fesselnde Geschichte über die Macht des Schweigens, die Last von Geheimnissen und die Schuld der Vergangenheit. Für alle empfehlenswert, die psychologische Romane mögen, bei denen auch die Spannung nicht zu kurz kommt.

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Vita

Bryn Chancellor

BRYN CHANCELLOR gewann mit ihrem Erzählungsband »When Are You Coming Home?« den Prairie Schooner Book Prize, ihre Kurzgeschichten sind in zahlreichen Publikationen erschienen. 2014 bekam sie den Maureen Egen Writers Exchange Award. Sie lehrt literarisches Schreiben an der University of North Carolina in Charlotte, wo sie auch lebt.

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