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Ein halbes Lächeln

Die besten Storys
Mit neuen Erzählungen

(2)
Taschenbuch
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Anne Enright at her best: die beliebtesten Kurzgeschichten und weitere bisher unveröffentlichte Erzählungen

Die unausgesprochenen Gefühle zwischen Mutter und Tochter, die Einsamkeit einer Affäre, der Stillstand einer großen Liebe: Mit schonungslosem Blick deckt Anne Enright in ihren Erzählungen alle Emotionen zwischenmenschlicher Beziehungen auf. Die Grenzen zwischen Liebe und Hass, Glück und Enttäuschung sind fließend, und die Autorin trifft ihre Figuren dort, wo es am persönlichsten ist – den Gefühlen. Mit beklemmender Intensität und meisterhaftem Gespür für Zwischentöne entlarvt Anne Enright in ihren Geschichten die Abgründe der menschlichen Seele.
Diese von der Bestsellerautorin getroffene Auswahl präsentiert die beliebtesten Erzählungen aus Enrights Gesamtwerk aus nahezu dreißig Jahren sowie bisher unveröffentlichte Kurzgeschichten.

»Anne Enright zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren.«

The Times

ORIGINALAUSGABE
Taschenbuch, Broschur, 352 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-328-10383-7
Erschienen am  09. March 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Rezensionen

Wunderbare Miniaturen

Von: Kate Rapp

21.02.2021

Kurzgeschichten zu lesen ist wie eine Begegnung mit dem richtigen Leben. Gerade im Lockdown habe ich sie zu schätzen gelernt. Diesen flüchtigen Blick in eine fremde Existenz, die Begegnungen, die den Tag bereichern, wenn man eigentlich nur im Haus sitzt. Natürlich lese ich auch gerne tagelang an einem Roman. Aber diese Kurzgeschichten von Anne Enright sind wie ein kurzer Einkaufsbummel, wie der Plausch über den Gartenzaun. Kurzweilig bereichern sie den Tag, ohne einem Zeit zu stehlen. Und hallen dennoch nach. „Eine Kurzgeschichte schiebt sich in deinen Kopf, wie ein Umschlag unter die Tür deines Zimmers geschoben wird.“ Anne Enright ist eine der wichtigsten irischen Schriftsteller*Innen. Sie erhielt 2007 den Booker Preis für ihren Roman „Familientreffen“ und ihr letzter Roman „Die Schauspielerin“ hat mich ebenfalls sehr begeistert. Sie als Autorin von Kurzgeschichten kennenzulernen, hat mich wirklich fasziniert. Berichtet sie doch im Vorwort von einer sehr persönlichen, durchaus wechselhaften Beziehung zu diesem Genre. „Ich war immer eine Liebhaberin der Kurzgeschichte, in allen schriftstellerischen Phasen, selbst wenn die Gattung meine Liebe nicht erwiderte.“ Ich hingegen finde, dass diese Gattung ihre Liebe durchaus erwidert. Es sind ihr wunderbare Miniaturen gelungen. Menschlicher Schmerz im Alltäglichen, komplexe familiäre Beziehungen mit nur wenigen Sätzen umrissen, treffend, tiefgreifend, berührend. Niemals kommt Langeweile auf, die Porträts sind gelungen, die Dialoge sitzen, das Timing ist perfekt. Eine äußerst empfehlenswerte Lektüre, geeignet für jede Leser*in, jede Situation, jede Tages- und Jahreszeit. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser und Jürgen Schneider, Penguin 2020.

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Geschichten mit viel Raum für Interpretation - amüsant und mit Tiefgang

Von: artWORDising Diana Wieser

03.06.2020

Die mit zahlreichen Preisen überhäufte irische Autorin verwies sogar Ian McEwan in seine Schranken. Zu Recht: Enrights Geschichten treffen den Kern einer Kurzgeschichte auf den Punkt. Sie lassen Raum für Interpretation, Raum für Mehrdeutigkeiten. Sie faszinieren und irritieren. Als Leser sollten wir uns Zeit nehmen, jede einzelne Geschichte nachwirken zu lassen. Denn Enrights Short Storys sind keine Quickies – zumindest nicht im intellektuellen Sinne. Dieser Erzählband vereint ihre besten Geschichten, die zwischen 1989 und 2017 erschienen sind, darunter auch Werke, die bisher noch nicht in deutscher Sprache veröffentlich wurden. Enrights überwiegend weibliche Protagonistinnen hadern mit ihren Lebensentwürfen. Sie trauern ihren ungelebten Träumen hinterher, reiben sich im Mutterdasein auf, haben die falschen Männer geheiratet, lassen sich durch irische Nächte mit Sex und Alkohol treiben. Ihre Figuren sind ganz auf der Höhe der Zeit, dabei brechen immer wieder typische Merkmale der grünen Insel hervor. Denn das Wetter, das eigentlich keines ist, sondern nur ein „unmerklicher Übergang von feucht zu nass“ prägt den Charakter der Menschen. Die Liebe, changierend zwischen Ablehnung und Anziehung, wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Grandios hebt sich dabei Enrights Fabulierkunst hervor, gepaart mit ihrem unverwechselbaren Humor. Ein Beispiel: „Mit ihm zu schlafen ist so, als beobachte ich einen Mann im nassen Anzug, der Fenster putzt und gut mit den Ottern auf der anderen Seite kann.“ Oft bricht das Anarchische, Satirische, Selbstzerstörerische in ihren Geschichten hervor. Es geht um „ein Wochenende schlechter Sex“. Um einen Cutter, den das subversive Bedürfnis überkommt, geheime Botschaften in millisekundenlang aufblitzenden Filmschnipsel einzubauen. Um eine flachbrüstige Arbeitskollegin, deren Freund man aufgrund ihrer physischen Merkmale Bisexualität unterstellt. Eine irische Studentin erhält in einer amerikanischen College-WG einen beinahe mörderischen Kulturschock. Während der Zahlen-Tick einer Bingo-Queen ihren kompletten Alltag in Formeln taktet, sogar die Frequenz ihres Geschlechtsverkehrs. Verpasste Chancen und falsch gewählte Lebensentwürfe ziehen sich ebenso durch Enrights Prosa. Aber nie so, dass die Materie schwer wird. Diese Art von Galgenhumor beherrschen nur die Könner. Eine Mutter träumt während ihres Urlaubs vom sozialen Aufstieg. Sie hat sogar auf dem Campingplatz einen Ort auf der Schattenseite zugewiesen bekommen, so dass ihre Wäsche nie trocknet. Neidvoll blickt sie auf die wohlerzogenen Kinder der Nachbarn, deren Kleider nie mit Flecken verunstaltet sind. Eine junge Frau erkennt erst nach der Hochzeit mit ihrem viel zu alten, wohlhabenden Ehemann, dass sie all die Jahre in ihren psychisch labilen Mitbewohner verliebt war. Den Irrsinn des ehelichen Zusammenlebens verpackt Enright in treffsichere Pointen. Eine Ehefrau verwöhnt ihren Mann mit einem Spargelmenü – woraufhin er in die Küche geht, um sich ein Wurstbrot zu schmieren. Fazit: Anne Enrights Kurzgeschichten sind keine Quickies, sondern große Literatur, die uns den alltäglichen Wahnsinn menschlicher Beziehungen und Lebensentwürfe vor Augen führt. Sprachlich hervorragend geschrieben, doppeldeutig, bodenlos, bisweilen unglaublich komisch. Dabei immer ganz nah am Leben. Wir lesen die Geschichten mit einem lachenden und weinenden Auge. Sozusagen mit einem halben Lächeln.

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Vita

Anne Enright, 1962 in Dublin geboren, zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen englischsprachigen Schriftstellern und wurde 2015 zur ersten Laureate for Irish Fiction ernannt. Für »Das Familientreffen« wurde sie u. a. 2007 mit dem Booker-Prize ausgezeichnet. Auch für ihre Erzählungen erhielt Enright mehrfach Preise.

Zur Autor*innenseite

Pressestimmen

»Enright breitet längst nicht die ganze Geschichte aus, sie dient ihr als Hallraum. Darin zeigt sich ihre Meisterschaft.«

LITERATUR SPIEGEL

»Anne Enright ist die wichtigste literarische Chronistin des zeitgenössischen irischen Lebens.«

The Observer

»Anne Enright ist eine großartige Autorin literarischer Prosa und gleichzeitig ... eine scharfe und satirische Aphoristin, die häufig mehr verbirgt, als sie zu zeigen bereit ist.«

The New Yorker

»Enrights Kunst besteht darin, Lebensgeschichten zu erzählen und Lebenslügen zu entlarven.«

Wetzlarer Zeitung (15. December 2016)

Weitere Bücher der Autorin