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Pere Cervantes

Die Lichter von Barcelona

Roman

(9)
Die Lichter von Barcelona
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Ein verschollener Vater. Ein Bild, das ein lebensgefährliches Geheimnis birgt. Ein kleiner Junge, der Korruption und Verrat zum Trotz niemals aufhört zu hoffen ...

Barcelona, 1945: Der zwölfjährige Nil schlägt sich in der vom Krieg gezeichneten Stadt durch, indem er als Kurier Filmrollen von einem Kino zum nächsten bringt. Manchmal schleicht der Junge sich auch in Vorführungen, um der Stimme seines Vaters zuzuhören – dieser war einst Synchronsprecher, bevor er vor Jahren plötzlich verschwand. Doch eines Tages wird Nil auf seinem Heimweg Zeuge eines Mordes. Er kann nichts mehr für den schwer verletzten Mann tun, dieser steckt ihm jedoch ein Foto zu und flüstert dabei den Namen von Nils Vater. Nil beschließt dem Geheimnis des Fotos auf den Grund zu gehen - und merkt bald, dass er nicht der Einzige auf der Jagd nach Antworten ist …


Eine Hommage an den besonderen Zauber des Kinos, der selbst in den dunkelsten Zeiten einen Ort der Hoffnung und Fantasie erschaffen kann.


ERSTMALS IM TASCHENBUCH
Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen
Originaltitel: El chico de las bobinas
Originalverlag: Ediciones Destino, Barcelona 2020
Taschenbuch, Broschur, ca. 528 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-7341-1236-2
Erscheint am 20. September 2023

Rezensionen

Zeiten der Franco-Diktatur

Von: Sabine Ibing

26.01.2023

1945, Barcelona: Während sich die Stadt von den Folgen des Bürgerkriegs erholt, verdient sich der zwölfjährige Nil neben der Schule ein paar Peseten, indem er als Kurier Filmrollen von einem Kino zum nächsten bringt. Das Gehalt seiner Mutter reicht hinten und vorn nicht, um zu überleben. Hin und wieder schleicht er sich in die Vorführungen, um der Stimme seines Vaters David zu lauschen, der einst Synchronsprecher war, bevor er vor Jahren verschwand; gesucht als Republikaner, einer der Widerstandsgruppen. Als er eines Tages nach Hause kommt, stürzt ein Mann aus dem Hausflur und im Treppenhaus liegt ein schwer verletzter Mann. Er flüstert Nil «David» zu, drückt ihm ein Sammelbildchen in die Hand und stirbt. Der Roman geht zurück in die dunkle Zeit des diktatorischen Franco-Regimes, das erst 1977 sein Ende fand. Buchhändler Leo, der unter seinem kleinen Antiquariat im Keller auch ein geheimes Kino versteckt, gibt einem verzweifelten Kreis von Widerständlern, wie dem Filmvorführer Bernardo und seinem Lebensgefährten und Platzanweiser Paulino die Möglichkeit, verbotene Filme zu sehen und Bücher zu lesen, die auf dem Index stehen; aus der Realität zu flüchten. Es sind Freunde von David; auch der einarmige, filmverrückte Nil wird in diesen Kreis aufgenommen. Im Gefängnis von Montjuïc sind die Keller gefüllt mit ehemaligen Republikanern, Folterungen stehen an der Tagesordnung. «Die Zahl der unbescholtenen Bürger, die in den Gefängnissen einsaßen, hatte ungeahnte Ausmaße angenommen. In diesem düsteren Raum mit den von Feuchtigkeit zersetzten Wänden entkleideten die Wärter die Neuankömmlinge und untergruben ihre Moral, indem sie ihnen von Anfang an die Würde nahmen, was viel schlimmer war als der Kerker, der sie erwartete.» Das Sammelbild scheint einen Wert zu haben, dessen Geheimnis Nil ergründen möchte, denn plötzlich sind ein ehemaliger Gestapo-Kommandant, der in Barcelona wohnt, und der äußerst brutale Geheimdienstler Victor Valiente hinter dem Bild her. Der auktoriale Erzähler gibt dem Leser Informationen, die Protagonisten sind auf der Suche. Der Roman zeigt Barcelona, das durch die Folgen des Krieges zerstört wurde, verwundete Seelen, ein Regime, das unterjocht, das die Freiheit mit Polizei- und Militärstiefel zertritt, Sprache und Traditionen, die verboten sind. Katalanisch ist verboten. Selbst im Gefängnis dürfen sich Gefangene und Besucher nur auf Kastilisch unterhalten. Verbotene Musik, Bücher, Filme, Feste (jegliche eigene Kultur) – man unterhält sich nur flüsternd, immer auf der Hut vor Spitzeln – die Angst sitzt jedem im Nacken. «Sie lebt in einer Welt voller autoritärer, deprimierter oder abwesender Männer. Einer Welt, in der nur die Frauen in der Lage waren, das Elend auszuhalten, das die Männer angerichtet hatten.» Nach einem spannenden Anfang dauert es eine lange Zeit, bis der Roman wieder an Fahrt gewinnt und für meinen Geschmack schreitet die Geschichte zu langsam und ohne unerwartete Wendungen voran. An das literarische Niveau von Carlos Ruiz Zafón, der diese das Thema aufgegriffen hat, reicht Pere Cervantes leider nicht heran. Die Geschichte spielt in einem Armenviertel, in dem es ausschließlich Republikaner gibt, wenige Protagonisten füllen die Story. Frauen, die in dieser Zeit ums Überleben kämpfen, verschwundene oder verhaftete und depressive Männer. Ein Loch im Sozialgefüge. Die Falangisten sind ausnahmslos reiche Menschen und der Antagonist, Geheimdienstlers Victor Valiente, ist ein wirklich böses Exemplar Mensch, der sich nach einer persönlichen Abrechnung mit der Familie von Nil sehnt. Das ist ein wenig einfach dargestellt. Mir fehlen hier die Grautöne – denn die jeweilige politische Zugehörigkeit durchzog alle Gesellschaftsschichten. Die Guten hier, die Bösen dort. Die Charaktere sind für meinen Geschmack etwas klischeehaft und eintönig. Das letzte Kapitel macht einen Ausflug in 2021. Ich war irritiert. Das Kapitel hätte sich der Autor schenken können. Die Reflexionen über die Rolle der Frauen und Mütter in der Nachkriegszeit waren für mich eines der besten Elemente des Buches. Dort wo Gewalt, Hunger, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit die Geschichte durchdringen, kommt man ihr nahe; es gibt ziemlich brutale Szenen durch Polizeigewalt. Eine typische Diktatur: Korrupte Polizei, bestialische Verfolgung von Regimegegnern, Machtmissbrauch, Verrat, Erpressung, Unterdrückung, es herrscht ständige Angst in der Bevölkerung ... «Bedauerlicherweise ist Katalanisch in dieser Festung nicht erlaubt. Die Gefangenen dürfen sich nur in Kastilisch mitteilen, der einzigen Sprache des freien Spaniens.» Das Buch ist auch eine Hommage an den besonderen Zauber des Kinos, eine kinematografische Reise in diese Zeit. Die Menschen von damals flüchteten sich in die Filmpaläste, um all dem Elend und Schmerz zu entkommen, und es wurde zu ihrer großen Zuflucht. Insgesamt ist der historische Roman in Ordnung. Schade, dass der Originaltitel, der Junge mit den Filmrollen, nicht übersetzt wurde – es hätte besser gepasst. Er ist eher filmisch aufgezogen und verliert dadurch seine Kraft. Der große Wurf ist es nicht. Pere Cervantes, geboren 1971 in Barcelona, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften war er zunächst als Soldat für die UN im Kosovo und die Europäische Union in Bosnien-Herzegowina tätig. Zurück in Spanien, wandte er sich allerdings dem Schreiben zu. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet. «Die Lichter von Barcelona» ist Pere Cervantes‘ erster Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde.

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Kino als Hoffnungsschimmer

Von: Eliza

27.11.2022

Wenn der Glaube an eine Zukunft fast verloren ist, sind es die kleinen Lichter des Glücks, welche einem manchmal einen Funken Resthoffnung geben. Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind und dessen Leidenschaft zu den „bewegten Bilder der Zeit“ sind der Botschafter von Hoffnung in einer trostlosen Ära im Barcelona der 40iger Jahre. In der Romanhandlung geht es um den jungen Nil, welcher auf der Suche nach seinem Vater ist. Er lebt zusammen mit seiner Mutter Soledad in ärmlichen Verhältnissen in Barcelona und hat eine Passion für das Filmgeschäft. Er liebt das Kino und alles andere, was mit diesem im Zusammenhang steht. Plötzlich wird er Zeuge eines Mordes und gerät in einer Sache welche ihn, seine Freunde sowie seine Mutter in eine bedrohliche Situation bringt. Wir es Nil schaffen die Angelegenheit zu klären oder muss er sich irgendwann seinem eigenen Schicksal stellen? Der Hauptcharakter der Erzählung ist ein liebevoller leicht verträumter Junge, welcher getrieben wird von seiner großen Leidenschaft Kino. Er liebt seine Mutter über alles und lässt auch auf seine Freunde nichts kommen. Doch leider spielen ihm seine „pubertierenden Gefühle“ den ein oder anderen Streich und er bringt sich des Öfteren in äußerst komplizierte Situationen. Ihm zur Seite stehen als weiteren prägende Figuren der Erzählung seine Mutter Soledad, sein „väterlicher Freund Bernardo Mas, Lolita seine große Liebe, sowie Quim, ein junger Schuhputzer und bester Freund von Nil. Soledad ist dabei meine Lieblingsfigur gewesen. Sie ist eine starke Frau und ihre Mutterinstinkte treiben sie dazu alles für ihren Sohn zu tun damit dieser glücklich werden kann. Dabei muss sie sehr schwere, nicht so ganz legale Entscheidungen treffen. Als weitere noch wichtige Charaktere der Handlung müssen die Polizisten Valiente und Espinosa genannt werden, welche als wahre Scheusale die Antagonisten der Erzählung bilden. Die Geschichte ist aufgeteilt in vier Teile, wobei zwischen den ersten drei Teilen jeweils Zeitwechsel von zwei Jahren (1945-1949) vorgenommen werden. Lediglich der letzte Teil, welcher im Jahr 2021 spielt, birgt einen sehr großen zeitlichen Sprung. Insgesamt sind die zeitlichen Veränderungen aber gut nachvollziehbar und stellen kein Hindernis beim Lesen dar. Die Spannung der Geschichte entwickelt sich stetig und findet in dem letzten Viertel ihren eigentlichen Höhepunkt. Der Schreibstil des Autors ist bildhaft, atmosphärisch der Zeitprägung angepasst und dialogorientiert. In manchen Erzählpassagen zeigt der Autor was schriftstellerisch in ihm steckt. Einzig allein die Auflösung des Romans hätte ich mir anders gewünscht, aber dies ist meine einzige Kritik an diesem Roman. Das Fazit ist sehr positiv. Mit schöner Sprache versehen ist dieser Roman, eine historische Erzählung mit dramatischen und kriminellen Elementen, welche doch dem Leser insgesamt ans Herz und manchmal auch an die Nieren gehen. Ich bin sehr angetan von diesem Roman und kann ihn allen Freunden von historischen Romanen, sowie Anhängern von besonders schön erzählten Geschichten empfehlen. 9/10 Punkten Bitte beachten Sie: Die Rezension geht im Rahmen unseres Weihnachtsspezials am 01.12.2022 online und wird auch dann in den sozialen Kanälen geteilt.

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Vita

Pere Cervantes, geboren 1971 in Barcelona, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften war er zunächst als Soldat für die UN im Kosovo und die Europäische Union in Bosnien-Herzegowina tätig. Zurück in Spanien, wandte er sich allerdings dem Schreiben zu. Seine Werke wurden vielfach ausgezeichnet. »Die Lichter von Barcelona« ist Pere Cervantes' erster Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde.

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