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Ocean Vuong

Auf Erden sind wir kurz grandios

Roman

Taschenbuch
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Ein Roman, der die amerikanische Identität neu definiert. Und der Brief eines Sohnes an die vietnamesische Mutter, die ihn nie lesen wird: Die Tochter eines amerikanischen Soldaten und eines vietnamesischen Bauernmädchens ist Analphabetin, kann kaum Englisch und arbeitet in einem Nagelstudio. Sie ist das Produkt eines vergessenen Krieges. Der Sohn, ein schmächtiger Außenseiter, erzählt – von der Krankheit der Großmutter, den geschundenen Händen der prügelnden Mutter und seiner tragischen ersten Liebe zu einem amerikanischen Jungen. Ocean Vuong schreibt mit traumhafter Klarheit von einem Leben, in dem Gewalt und Zartheit aufeinanderprallen.


Aus dem Amerikanischen von Anne-Kristin Mittag
Originaltitel: Auf Erden sind wir kurz grandios
Originalverlag: Hanser
Taschenbuch, Klappenbroschur, 272 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-77008-3
Erschienen am  14. June 2021
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

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Dieses Buch spielt in: Saigon, Vietnam

Rezensionen

Sprachgewaltig

Von: Zeilentaenzer

20.09.2021

Ein langer Brief eines Sohnes an seine Mutter. Sie ist die Tochter eines amerikanischen Soldaten und einer vietnamesischen Bauerntochter. Lesen und schreiben kann sie nicht und spricht kaum Englisch. Sie verdient ihren Lebensunterhalt mit einem Nagelstudio. Ihr zierlicher Sohn ist ein Einzelgänger, der sich in einen amerikanischen Jungen verliebt. Er berichtet von den prügelnden Händen seiner Mutter, der kranken Oma und den Herausforderungen, die das Leben eines vietnamesischen Jungen in den Staaten so mit sich bringen. Das sprachgewaltigste Buch, das ich bisher gelesen habe. Erschütternd brutal und zart zugleich beschreibt der Protagonist seine Kindheit und Jugend in Briefen an seine Mutter. Die intensiven Erinnerungen und tiefen Einblicke in sein Leben erschaffen sofort Bilder im Kopf eines jeden Lesers. Die Bandbreite an heftigen Themen könnte größer nicht sein. Die Geschichte wird getragen von ihren Emotionen und Metaphern. Die Sprache ist kunstvoll, ästhetisch und die große Stärke des Buches. Dass Vuong bereits für seine lyrischen Texte ausgezeichnet wurde, verwundert nicht. Inhaltlich keine leichte Kost und gleichsam wunderschön geschrieben. Der Autor springt in den Zeiten, ein Element, das hier bewusst eingesetzt wird. So verzichtet er auf chronologische Abläufe. Die autobiografischen Einflüsse sind klar erkennbar. Der Junge durchlebt eine schwierige Kindheit in ärmlichen Verhältnissen bei Mutter und Großmutter. Liebe und Schmerz liegen nah beieinander und prägen den Heranwachsenden auf vielen Ebenen. Er setzt sich mit seiner eigenen Sexualität auseinander und verliebt sich in den gleichaltrigen Trevor. Eine Verbindung zweier traumatisierter Jugendlicher, bei der ich nie ganz wusste, was sie dem Einzelnen bedeutete. Ocean Vuong lässt keine Situation aus und wagt sich auch an unangenehme Textstellen. Der poetische Schreibstil zieht sich durch das gesamte Buch und trägt die Geschichte auf eine sehr zärtliche Weise durch die Zeit. Er beschreibt die Folgen des vietnamesischen Krieges für seine Bewohner anhand des Lebens der Familie des Erzählers. Seine Mutter, geprägt von den schrecklichen Erfahrungen, liebt ihren Sohn und erhebt dennoch die Hand gegen ihn. Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn geht nahe und lässt sich schwer einordnen. Wie ein langes Gedicht, so beschreiben viele Leser:innen ihre Eindrücke über »Auf Erden sind wir kurz grandios« und dem kann ich voll und ganz zustimmen. Eine Mutter-Sohn-Beziehung, schwankend zwischen Verbundenheit und Ablehnung, schonungslos erzählt. Den Platz im eigenen Leben suchend, muss der Junge viel Grausamkeit erfahren. Und trotz dieser Umstände gelingt es dem Schriftsteller auf grandiose Weise diese Wucht an Emotionen auf kompakten 272 Seiten unterzubringen und stets den Balanceakt zwischen Gnadenlosigkeit und Hingabe zu halten. In mir wird das Gelesene noch lange nachhallen und jeder Verfechter:in der Literatur sollte dieses Debüt von Vuong gelesen haben. Das Buch lebt vor allem von seiner sprachlichen Schönheit, die schon außergewöhnlich ist. Ich habe selten so viele Zitate aus nur einem Roman herausgeschrieben. Die Briefe, die der Protagonist seiner Mutter schreibt, sind authentisch und so lebendig, dass ich mir vorstellen kann, dass der Autor aus seinem eigenen Leben erzählt.

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Grandioser Klassiker für die Zukunft

Von: leilanis_books

16.09.2021

„Tut mir leid, dass ich immer Wie geht’s dir? sage, wenn ich tatsächlich meine: Bist du glücklich?“ (S. 209) Wenn beim lesen eines zeitgenössischen Buches auf einmal die Frage auftaucht, habe ich es hier vielleicht mit einem zukünftigen Klassiker zu tun, also mit einem Buch das vielleicht in 100 oder 200 Jahren als Klassiker tituliert wird, dann hat man es mit einem großartigen Buch zu tun und man sollte es tunlichst lesen, denn wer kann schon einen Klassiker in der Zukunft lesen? Warum ich es wage dies zu prognostizieren, und tatsächlich hatte ich bislang nicht annährend so ein Gefühl oder gar eine derartigen Gedanken bei anderen Büchern, so liegt es daran, dass uns Ocean Vuong ein Buch vorlegt, dessen Literatur wie flüssiges Gold ist. Es ist zeitgenössisch, es ist modern, es behandelt aktuelle kontroverse Themen, spricht aber auch einen Teil einer Vergangenheit an, über die man lieber den Schleier des Vergessens legen möchte. Es ist die Geschichte eines Volkes. Es ist vielleicht sogar autobiographisch. Im Klappentext heißt es: „Das kraftvollste Debüt der letzten Jahre, geschrieben in einer Sprache von grandioser Schönheit. Und dem kann ich kann ich nur zustimmen. Es ist einerseits todtraurig aber Ocean Vuong sagt auch an einer Stelle: „Das Problem ist, ich will nicht, dass mir meine Traurigkeit genommen wird, ebenso wenig, wie ich will, dass mein Glück mir genommen wird. Sie gehören beide mir. Ich habe sie verdammt noch mal ins Leben gebracht.“ Ich glaube wenn wir eine Zeitreise machen könnten, würden wir dort einen Klassiker in Händen halten der „Auf Erden sind wir kurz grandios“ heißt. Deswegen lest es lieber jetzt, weil es uns bislang leider noch nicht möglich ist in die Zukunft zu reisen. Was den Inhalt angeht, so möchte ich euch gerne dazu auffordern dieses Buch selbst zu entdecken. Vuong erzählt von Little Dog, dem Sohn von Rose, die als Tochter eines US-amerikanischen Soldaten und einer vietnamesischen Bauerntochter nun in Connecticut lebt, und da ist auch noch seine Großmutter Lan, eine vom Vietnam-Krieg schwer traumatisierte Frau, in der der Krieg weiterwütet. Mehr darüber zu erzählen würde den Rahmen sprengen, und wir befinden uns ja auf einer Zeitreise, in der wir dann einen zukünftigen Klassiker lesen werden. „Deine Mama. Sie ist nicht normal, ja? Sie Schmerz. Sie wehtun. (..) Sie Schmerz, dachte der Junge der sich ihre Worte durch den Kopf gehen ließ. Wie kann man denn ein Gefühl sein ?“

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Vita

Ocean Vuong wurde 1988 in Saigon, Vietnam, geboren und zog im Alter von zwei Jahren nach Amerika, wo er heute lebt. Für seine Lyrik wurde er mehrfach ausgezeichnet, zuletzt unter anderem mit dem Whiting Award for Poetry (2016) und dem T.S. Eliot Prize (2017). »Auf Erden sind wir kurz grandios« ist sein erster Roman.

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