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Rezensionen zu
Kinder des Aufbruchs

Claire Winter

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Reise in die Vergangenheit

Von: Sonja Rauscher aus Weiding

24.11.2022

Meine Meinung: Bei diesem Buch handelt es sich um ein historisches Schätzchen. Ich tu mich mit historischen Büchern nicht immer so leicht, da sie immer mal recht trocken um die Ecke kommen. Doch bei diesem Buch habe ich mich ab der ersten Seite leicht getan. Die Unvorhersehbarkeit und die klugen Endungen in den einzelnen Kapiteln machen es einem fast unmöglich das Buch zur Seite zu legen. Hätte ich ich kein Baby zu Hause und mehr Zeit zum Lesen, wäre ich noch viel schneller fertig geworden, so musste ich jede freie Minute nutzen :) Die Protagonisten sind sehr liebevoll gezeichnet, mag jeden Einzelnen von Ihnen von Anfang an und fiebert richtig mit. Ich hab mich ein wenig geärgert, dass ich den 1. Teil bis jetzt noch nicht gelesen habe, das hat mir aber keinesfalls geschadet, geht also auch ohne Vorkenntnisse. Fazit: Ich habe eine neue tolle Autorin entdeckt, von der ich definitiv noch mehr lesen werde.

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Inhalt: Die Zwillingsschwestern Emma und Alice leben zusammen mit ihren Ehemännern im Westteil Berlins. Der Mauerbau ist 6 Jahre her. Zwischen dem Westen und dem Osten herrscht ein kalter Krieg. Als plötzlich alte Bekannte aus der DDR auftauchen, werden die Schwestern misstrauisch. Sind sie und ihre Männer in das Visier von Spitzel geraten? Leseeindruck: "Kinder des Aufbruchs" ist die Fortsetzung von "Kinder ihrer Zeit". Es geht um die Lebensgeschichte der Zwillingsschwestern Emma und Alice, eingebettet in die turbulente Nachkriegszeit um 1967. Sowohl im Westen, als auch im Osten, konnte man niemanden trauen. Spitzel gab es in allen Positionen. Studentenunruhen haben für viel Gewalt gesorgt. Auch sonst war politisch gesehen viel los. All das fängt die Autorin in ihrem Roman ein. Was ihr durch die hervorragende Recherche gut gelungen ist. Sie lässt die Zeit bildhaft aufleben. Mittendrin die beiden Schwestern mit einer nicht ganz so glorreichen Vergangenheit. Ich liebe die Geschichten von Claire Winter. Auch vorliegender Roman hat mir sehr gut gefallen. Allerdings dauert es bis er so richtig in Schwung kommt. Mir persönlich war es gerade am Anfang mit zu viel politischem vollgepackt. Alice und Emma kamen mir in dieser Phase fast zu kurz. So hat es einige Zeit gebraucht bis ich in einen Lesefluss gekommen bin. Ab da habe ich aber gerätselt, wer denn nun wirklich den beiden etwas Böses will und mitgefiebert, wenn sich die Schwestern meiner Meinung nach in größte Gefahr begeben haben. Dabei konnte mich die Autorin manches mal überraschen. Ein wenig hadere ich damit, dass bis zum Ende alle Protagonisten irgendwie in eines der politischen Ereignisse involviert waren. Das hat zwar gut die Zeit wiedergeben, war mir persönlich jedoch etwas zu viel des Guten. Fazit: Wieder einmal konnte ich bei einem Roman der Autorin viel lernen, was kein Geschichtsunterricht in der Schule geschafft hat. Allerdings waren mir in "Kinder des Aufbruchs" zu viele politische Themen verpackt, die kurz erklärt wurden. Klar, dass ist der damaligen Zeit geschuldet. Aber gerade am Anfang hätte mir persönlich die Konzentration auf ein Thema besser gefallen, um schneller in einen Lesefluss zu kommen. So habe ich lange Zeit gebraucht, um wirklich komplett gefesselt von der Geschichte zu sein. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

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Das Buch „Kinder des Aufbruchs“ ist der zweite Teil der Reihe um die Zwillingsschwestern Emma und Alice, welche in den 1960er Jahre in West-Berlin leben und dort während der Studentenbewegungen mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden. West-Berlin im Juni 1967: Bereits sechs Jahre sind seit dem Bau der Berliner Mauer vergangen, welche die Menschen nach wie vor unerbittlich voneinander trennt. Nach ihrer Flucht hat sich Alice gut in West-Berlin eingelebt und sie führt ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu ihrer Zwillingsschwester Emma. Diese arbeitet als erfolgreiche Dolmetscherin und lebt mit ihrem Mann Julius zusammen, allerdings wird ihr Eheglück von einer Fehlgeburt überschattet. Alice ist Journalistin mit Herz und Seele und lebt mit ihrem Mann Max und ihrer Tochter Lisa zusammen. Mitten in den Studentenaufstände wird Alice von ihrer Vergangenheit eingeholt, baut daraufhin Kontakt mit einer Fluchthilfe-Organisation auf, was ihr Leben für immer verändern wird. Als dann ein schrecklicher Mord an der aus Ost-Berlin geflohenen Sängerin Irma Assmann geschieht, geraten Alice, Emma, Max und Julius zwischen die Fronten der Geheimdienste. Im August 2020 habe ich mit großer Begeisterung den ersten Teil „Kinder ihrer Zeit“ gelesen, welches mich von der ersten Seite an sehr in Atem gehalten hat. Ich freute mich sehr, als die Autorin in den Sozialen Medien im Juni 2022 einen zweiten Teil ankündigte – dieser landete sofort auf meiner Liste. Und was war das für eine Freude, als ich dann Ende Oktober diesen überraschend vom Diana Verlag als Rezensionsexemplar zugesendet bekommen habe, wofür ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte. Das Buch ist, wie der vorherige Band, ein hochwertiges Hardcover mit einem Buchumschlag. Im Inneren befinden sich vorne und hinten Karten von Mitteleuropa, mit dem Schwerpunkt des geteilten Deutschlands. Ein vergrößerter Ausschnitt aus der Karte zeigt das geteilte Berlin. Das stimmige Cover ( welches wunderbar zum ersten Band passt), zeigt eine Menschengruppe von vier Personen, welche vor der Mauer verweilt, dahinter erhebt sich das Brandenburger Tor mit dem Wappen der DDR. Die Handlung setzt sich aus mehreren einzelnen Teilen zusammen, welche sich wiederum in einzelne Kapitel aufteilen. Der Prolog des Buches spielt im Jahr 1965, die eigentliche Handlung setzt dann im Juni 1967 an und wird chronologisch bis Dezember 1968 erzählt. Die Danksagungen, ein ausführlicher Überblick über Wahrheit und Fiktion und ein Personenverzeichnis am Ende runden dieses Buch gelungen ab. Vor über zwei Jahren habe ich den ersten Band „Kinder ihrer Zeit“ gelesen und ich hatte Bedenken, ob ich mich wieder in die Charaktere und ihre Geschichten hineinfühlen kann. In den ersten Kapiteln musste ich immer wieder überlegen, wie das alles war und wie die Figuren miteinander zusammenhängen, aber dann war ich doch wieder in der Geschichte angekommen und die Erinnerungen kehrten zurück. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Zwillingsschwestern Emma und Alice, welche mich bereits in „Kinder der Freiheit“ mit ihrer lebensechten Zeichnung und ihren spannenden Geschichten überzeugen konnten. Die Beiden haben sich authentisch weiterentwickelt: Sie sind jeweils verheiratet und während Alice bereits Mutter einer Tochter ist, bleibt Emma hingegen der Kinderwunsch nach einer Fehlgeburt verwehrt. Nach wie vor verbindet die Beiden eine innige Schwesternliebe und sie vertrauen sich vieles an. Auch wenn Alice einiges für sich behalten muss und vereinzelt Begebenheiten und Sachverhalte anders als ihre Schwester sieht, wissen sie beide, dass sie sich immer aufeinander verlassen können. Neben den beiden Schwestern spielen eine große Anzahl an weiteren Figuren mit. Hier empfand ich es sehr gelungen, dass neben den vielen fiktiven Charakteren auch einige historische Figuren und deren Schicksale (z.B. Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke) den Weg in den Roman gefunden haben – dies förderte noch einmal die Glaubwürdigkeit und Authentizität der Geschichte. Diese historischen Figuren wurden so beschrieben, dass sie mir noch einmal sehr viel näher kamen und ich das Gefühl hatte, die Menschen dahinter kennen gelernt zu haben. Wirklich jeder Charakter, egal ob fiktiv oder historisch und gut oder böse, konnte mich völlig überzeugen. Sie alle zusammen geben ein gutes Bild der Gesellschaft ab, welche 20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs tief gespalten ist: Nicht nur in West und Ost, sondern auch die Generationen sind mit ihren Ansichten und Lebensgewohnheiten weit auseinander gedriftet. Diese Spaltung stellt Claire Winter mit ihren facettenreichen Figuren sehr gut nach und sie verwebt die Geschichten ihrer fiktiven Charaktere perfekt mit den Lebensgeschichten der historischen Figuren und den akribisch recherchierten geschichtlichen Hintergründen. Diese geschichtlichen Hintergründe sind sehr vielfältig: Die beginnenden studentischen Unruhen, welche mit dem Tod von Benno Ohnesorg und dem Anschlag auf Rudi Dutschke, die gesamte BRD erfassten, aber auch die Arbeit von Fluchthilfe-Organisationen in West-Berlin, der Einfluss der (Springer-)Presse, der Gefangenenaustausch zwischen der BRD und der DDR und die mitunter fragwürdige Arbeit der Geheimdienste werden thematisiert und von der Autorin spannend in die Handlung eingearbeitet. Hier wird Geschichte sehr anschaulich, lebhaft und absolut fesselnd dargestellt. Claire Winter hat es mit ihrem bildlichen, lebhaften und detaillierten Sprachstil geschafft, mich direkt wieder in die Handlung zu ziehen. Immer wieder nahm ich das Buch gerne in die Hände, die letzten Seiten las ich mit vor Aufregung feuchten Händen – so spannend wurde es. Die 560 Seiten flogen nur so dahin und wieder einmal war das Buch viel zu schnell gelesen. Die packende Handlung des Buches, welche mich teilweise atemlos machte, baut auf den ersten Teil „Kinder ihrer Zeit“ auf. Ich empfinde es als nicht zwingend erforderlich, dass man diesen ersten Teil gelesen hat – ich empfehle es aber, da man dann einfach die Hintergründe kennt und Begebenheiten und die Denkweisen der Figuren besser einordnen kann. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es ein dritter Teil dieser tollen Reihe. Es gibt noch so viel, was die Zwillingsschwestern und all die anderen Figuren in ihrem familiären Umfeld erleben könnten. Im Geiste sehe ich unter anderem, wie sie am 09. November 1989 den Fall der Berliner Mauer miterleben. Ach … das wäre was. Herzlichen Dank an Claire Winter für dieses wunderbare und stimmungsvolle Lesevergnügen, welches mir einige geschichtliche und politische Themen sehr verdeutlicht und näher gebracht hat. Fazit: „Kinder des Aufbruchs“ ist ein sehr atmosphärischer Roman, mit ordentlich Spannung und Dramatik aber auch viel Emotionalität und Hoffnung. Dieser zweite Teil steht dem Vorgängerband in keiner Weise nach und konnte mich mit den spannungsgeladen historischen Hintergründen, der bildhaften Sprache und den facettenreichen Charakteren wieder komplett in den Bann ziehen. Absolut lesenswert!

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Nachdem ich den ersten Band "Kinder ihrer Zeit" mit großer Begeisterung gelesen hatte, freute ich mich, dass es mit Emma und Alice weiter geht und so begann ich gebannt zu lesen. Die Geschichte spielt nun Mitte der 60er Jahre und die beiden Schwestern nennen West- Berlin ihre Heimat. Als eine alte Bekannte aus der DDR auftaucht und wenig später stirbt, sind die Schwestern voller Angst. Ist jemand hinter ihnen her? Das Besondere an dem Buch war für mich, dass ich so viel geschichtliches Wissen auffrischen und auch teils dazu gewinnen konnte. Die Studentenaufstände, die Fluchten von Ost nach West und die politischen Umbrüche sind sehr realistisch geschildert und man bekommt während der Lektüre Lust mehr dazu zu recherchieren. Auch tauchen wir wieder in das Privatleben von Alice und Emma ab. Alice versucht eine alte Schuld zu begleichen und bringt sich dabei wohl in Gefahr und Emma entdeckt Muttergefühle nach einem schweren Verlust. Mich hat das emotional jeweils sehr berührt. Es handelt sich zwar um einen Roman mit historischem Setting und dennoch liest er sich spannend wie ein Krimi. Die steten Perspektivwechsel sorgen für Abwechslung und immer wieder gibt es eine unerwartete Wende, die mich als Leser staunen ließ. Und auch die ein oder andere falsche Fährte gibt es. Fazit: Eine tolle Fortsetzung, die ich nur zu gern gelesen habe. Klasse!

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Sechs Jahre nach dem Mauerbau holt Emma und Alice die Vergangenheit wieder ein. Besonders Alice ist beunruhigt, da die geflohene Sängerin Irma Assmann versucht Kontakt mit ihr aufzunehmen. Ist sie als Informantin des KGB’S im Westen? Oder ziehen Julius und Max das Interesse, aufgrund ihrer Kontakte zur DDR, an? Durch eine Reportage hat Alice eine Quelle zu einer Fluchtorganisation und begibt sich dadurch für einen Bekannten zusätzlich in Gefahr. Als plötzlich Irma ermordet wird geraten Emma, Alice sowie ihre Ehemänner zwischen die Fronten der Geheimdienste. Mit „Kinder des Aufbruchs“ hat mich die Autorin, wie bisher immer, vollkommen begeistern können. Diese Fortsetzung steht dem Roman „Kinder ihrer Zeit“ nichts nach. Die gut recherchierte deutsche Geschichte wird fesselnd und informativ in den Roman eingebunden. Ich fand es wahnsinnig interessant, da ich mich selbst nicht näher mit der damaligen Zeit beschäftigt habe. Die Macht des KGB’s, Spionage, Häftlingsfreikäufe, die Ereignisse der Studentenbewegungen sowie gefährliche Fluchtaktionen habe ich mit Interesse und Entsetzen verfolgt. Bildhafte Beschreibungen sowie der hohe Spannungsbogen haben mich tief in die Geschichte eintauchen lassen, dabei habe ich mit den Protagonisten regelrecht mitgefiebert. Besonders gefallen haben mir die Cliffhanger, die am Ende einzelner Kapitel eingebaut sind. Diese haben mir das zur Seite legen des Buches sehr erschwert. Die Hauptprotagonisten sind mir wieder ans Herz gewachsen, somit fühlt man sich noch mehr mit ihnen verbunden. Doch besonders hat mir Luca in dieser Geschichte gefallen, der bei mir eine Menge Emotionen ausgelöst hat. Claire Winter versteht es mit gut recherchierten historischen Romanen, dem Leser hochspannende Bücher zu bieten. „Kinder des Aufbruchs“ ist ein Jahreshighlight. Ich freue mich schon auf das nächste Werk der Autorin.

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Lesenswert!

Von: Kristall86 aus An der Nordseeküste

20.11.2022

Klappentext: „Sechs Jahre nach dem Mauerbau lernt die erfolgreiche Dolmetscherin Emma in West-Berlin die aus dem Ostteil der Stadt geflohene Sängerin Irma Assmann kennen. Als sie ihrer Zwillingsschwester Alice davon erzählt, reagiert diese beunruhigt. Alice schreibt als Journalistin über die Studentenbewegung und steht in Kontakt mit verschiedenen Fluchthilfe-Organisationen. Ist Irma mit ihren ehemaligen Beziehungen zum KGB als Informantin im Westen? Oder sind die Schwestern und deren Männer Julius und Max durch ihre Verbindungen zur DDR zu Zielscheiben geworden? Kurz darauf wird die Sängerin ermordet, und die vier geraten inmitten der Studentenunruhen zwischen die Fronten der Geheimdienste.“ Autorin Claire Winter hat das Buch „Kinder des Aufbruchs“ verfasst. Ihre Geschichte spielt in der Zeit nach dem Mauerbau. Um genauer zu sein im Jahre 1966. Die Welt ist nunmehr eine andere. Es gibt nur noch Freund und Feind, Klassenfeind um es noch genauer zu benennen. Winters Geschichte erzählt von den Schwestern Emma und Alice, beides im Westen Berlins lebende Damen und von der Flüchtigen Irma aus dem Osten. Der Leser darf sich hier auf eine spannende und mit Zeitgeschichte vollgestopfte Geschichte freuen, die es in sich hat. Irma ist geflohen aus der DDR aber stimmt das auch? Kann man ihr trauen? Emma würde es gern aber Alice sieht das anders. Es beginnt ein extremes Hin und Her zwischen Vertrauen und Glauben und schlussendlich fragt man sich als Leser dies auch immer wieder selbst. Kann man Irma trauen? Alles kommt dann anders und die beiden Schwestern geraten mit ihren Männern ins Zielfeuer der DDR. Claire Winter hat hier einen bemerkenswerten Spannungsbogen aufgebaut und bringt selbst den Leser ganz schön ins Gefühlschaos. Man weiß selbst nicht mehr wen man im Buch noch Glauben schenken darf und das ist wirklich ein besonderes Leseerlebnis. Der Geheimdienst der DDR macht vor nichts und niemanden halt und es beginnt ein harte Kampf für alle Vier. Mehr werden Sie von mir nicht mehr lesen - das müssen Sie schon selbst erledigen! Fest steht jedenfalls, Winter hat ein ganz tolles Gespür für Spannung, einem runden und glaubwürdigen Ablauf geschaffen und auch die damalige Zeit hervorragend eingefangen. Der Leser hat genügend Raum für eigene Gedanken und dennoch ist der Lesesog enorm. Das geteilte Berlin erscheint vor dem geistigen Auge und die beklemmende Stimmung springt einem durch die Buchseiten förmlich an. Winter zeichnet glaubwürdige Figuren und auch die Nebencharaktere vervollständigen das Gesamtbild. Egal ob Fiktion oder Realität - Claire Winter hat hier eine wirklich famose Geschichte verfasst, die nicht nur spannend ist, sondern die Zeit von damals perfekt eingefangen hat. Ich kann mich den positiven Stimmen nur anschließen die Winters Recherche-Arbeit so hoch loben - hier wurde alles bestens zusammen getragen und stimmig in eine Geschichte gepackt, die so hätte passiert sein können….5 von 5 Sterne hierfür!

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Ein Stück spannende Zeitgeschichte einfühlsam beschrieben

Von: Tanja aus Straßenhaus

19.11.2022

Meine Meinung: Nach "Kinder ihrer Zeit" geht es mit "Kinder des Aufbruchs" endlich weiter und wir dürfen Emmas und Alices Geschichte 6 Jahre nach dem Mauerbau weiterverfolgen. Mit den Zwillingen und ihren Männern Julius und Max erleben wir den Besuch des Schahs in Berlin, die Proteste der Studenten und die Krawalle nach dem Tod Benno Ohnesorgs hautnah mit. Auch werden die Machenschaften der Stasi und des BND beleuchtet und mir hagt es allein beim Gedanken daran einen eiskalten Schauer den Rücken runter. Auch wird die Flucht aus der DDR mit Hilfe von einer Fluchthilfe-Organisation sehr eindringlich beschrieben. An den Büchern von Claire Winter mag ich sehr, dass sie so detailgetreu recherchiert sind. Ihr Schreibstil ist unheimlich spannend, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die relativ kurzen Kapitel verleiten einen, "nur noch ein Kapitel" zu lesen, weil das letzte so spannend aufgehört hat...und noch eins und noch eins. Die Beschreibungen der Flucht durch das Tunnelsystem waren wirklich Gänsehaut-Momente. Claire Winter hat hier auf ganz einfühlsame Art und Weise Geschichte und Fiktion miteinander verwoben. Vieles wusste ich schon aus dieser Zeit, aber es gab auch Sachen, die mir so nicht bewusst waren. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne.

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Der Klappentext verrät schon fast zu viel, denn der Mord an der Sängerin und ehemaligen Freundin von Alice aus dem Kinderheim in der DDR, Irma Assmann, ereignet sich erst im letzten Drittel des Romans. Bis dahin beschreibt der Roman die Lebenssituation der beiden Zwillingsschwestern Emma und Alice, die inzwischen beide verheiratet sind. Emma Laakmann ist Dolmetscherin, die deshalb einiges von den politischen Verwicklungen zwischen Ost und West aus erster Hand erfährt und sowohl beruflich als auch privat den Kalten Krieg zu spüren bekommt. Alice Weiß schreibt für die Tageszeitung Telegraf, worin sie ihre linkspolitisch gerichtete Einstellung zum Ausdruck bringen kann. Der Roman handelt in den späten 1960er-Jahren in West-Berlin, wo auch Alice nach ihrer Flucht ein Zuhause gefunden hat und wo die Studentenunruhen und die geplanten Notstandsgesetze das Tagesgeschehen und die Nachrichten beherrschen. Emma, Alice und ihre Ehemänner Julius Laakmann und Max Weiß haben ihre (dunklen) Geheimnisse und werden jeder auf unterschiedliche Art von ihrer Vergangenheit eingeholt. Dabei spielt stets die politische Situation, die deutsche Teilung und der Ost-West-Konflikt im Mittelpunkt, die jede(n) von ihnen auf unterschiedliche Art und Weise betrifft. Durch die massiven Geheimdienstaktivitäten von BND und Stasi in der geteilten Stadt herrscht ein grundsätzliches Misstrauen vor Fremden und Geflüchteten aus der DDR. Ängste werden geschürt, die vor allem Alice zu spüren bekommt, als sie von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht wird und sich notgedrungen als Fluchthelferin engagiert. "Kinder des Aufbruchs" ist die Fortsetzung des Romans "Kinder ihrer Zeit", der als Vorwissen und zur Einordnung der Charaktere vorab gelesen werden sollte. Er beginnt gut fünf Jahre nach dem Ende von "Kinder ihrer Zeit" und dem Bau der Berliner Mauer, mit dem die deutsche Teilung zementiert wurde. Die bewegende Geschichte der Zwillingsschwestern Emma und Alice geht damit weiter, die so lange von einander getrennt waren. "Kinder des Aufbruchs" ist eine fiktive Geschichte, die eng in die historischen Ereignisse zur Zeit des Kalten Krieges, der Hochzeit der Spionage und der Studentenunruhen eingebettet ist. Sie ist durch die gelungene Mischung mit realen und historisch belegten Geschehnissen sowie die Involvierung bekannter historischer Persönlichkeiten authentisch und vielschichtig, aber weniger emotional als "Kinder ihrer Zeit". Durch die vier Hauptfiguren und ihre Geheimnisse handelt der Roman von vielen unterschiedlichen Themen - von Kinderwunsch, über Familienzusammenführung und Vergangenheitsbewältigung bis hin zu politischem Protest, Widerstand und Spionage - und wirkt deshalb ein wenig überladen. Für meinen Geschmack wäre ein stärkerer Fokus auf weniger Themen einträglicher gewesen, um ihnen die nötige Tiefe zu verleihen. Der Aufbau der Geschichte, die aus wechselnden Perspektiven geschildert ist und wie die einzelnen Handlungsstränge am Ende zusammengeführt werden, ist interessant - für meinen Geschmack aber auch ein wenig zu konstruiert. Viele Zufälle spielen eine Rolle, zu sehr scheinen Emma und Alice in den Fokus der Geheimdienste zu rücken. Nichtsdestotrotz ist der Schreibstil bildgewaltig und flüssig. Es fällt leicht, sich in die Lebenssituation der Charaktere hineinzuversetzen und aktiv an den politischen Geschehnissen der späten 1960er-Jahre teilzuhaben. Claire Winter schafft es, Geschichte lebendig werden zu lassen, indem sie nicht nur historische Ereignisse nacherzählt, sondern sie mit einer fiktiven Geschichte um vier sympathische Charaktere verknüpft. Mir waren es in diesem Roman aber fast schon zu viele reale Ereignisse, die Einfluss hatten, so dass mir die persönlichen Umstände von Emma und Alice zu kurz kamen.

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