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Rezensionen zu
Zur See

Dörte Hansen

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Die Kunst des Frierens

Von: Ingeborg Rosen

23.11.2022

Ab der ersten Seite ist vom Frieren die Rede, egal ob selbst verschuldet oder wegen äusserer Umstände. Es scheint, als sei das Frieren Programm. Und rückblickend auf den gesamten grossartigen Roman mit den faszinierenden Schilderung der unvergleichlichen, individuellen Personen bleibt eine gewisse Kälte, obwohl natürlich jede Figur mitten in (ihrem) Leben steht. Und ich unterstelle, dass das Dörte Hansen nicht einfach passiert, sondern mit voller Absicht: Alle Personen stehen wie bei einer Aufstellung auf Ihrem Platz auf der Insel und bleibt auch auf dem ihr zugewiesenen Platz, es entsteht keine Nähe, es bleibt (gefühls)kalt. Aber gerade die Versuche der Protagonisten, diesen Zustand zu ändern, beschreibt Dörte Hansen so, dass sie jedes Herz erwärmen. Grossartig!

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"Alle Inseln ziehen Menschen an, die Wunden haben, Ausschläge auf Haut und Seele. Die nicht mehr richtig atmen können oder nicht mehr glauben, die verlassen wurden oder jemanden verlassen haben. Und die See soll es dann richten, und der Wind soll pusten, bis es nicht mehr wehtut." Es ist soweit: Spätestens nach #ZurSee möchte ich offiziell Mitglied im #DörteHansen-Fanclub werden - wo muss ich unterschreiben? Es ist der dritte Roman der Autorin, aber erst der zweite, den ich gelesen habe, und das ist gut, denn so kann ich mich direkt auf ihr Debut #AltesLand vorfreuen. Nun aber Zur See: Wir befinden uns auf einer Nordseeinsel (per se schon ein Setting, in dem ich mich wohlfühle), wo die Familie Sander und ihre Vorfahren schon seit 300 Jahren leben, in einem Haus hinter einem Walknochenzaun, Teller mit Goldrand, Zwiebelmuster, Delfter Blau - man fühlt sich sofort auf die Insel, in das Haus gebeamt. Die Männer fahren zur See, die Frauen warten zuhause darauf, dass sie gesund zurückkehren - hin und wieder tun sie es nicht. Derweil ist die Welt nicht mehr die gleiche wie damals; der Tourismus ist da, die Künstler, die Immobilienhaie, und Hansen beschreibt eindrücklich die Gefühle, die das in den Einheimischen auslöst, warum sie so handeln, wie sie handeln. "Sie hätten anders leben können, er und Hanne. Stattdessen haben sie das Leben ihrer Eltern fortgesetzt, Seefahrer und Seemannsfrau gespielt, die Wut für eine alte Wut gehalten und die Verletzungen für unvermeidlich. Ein Erbe angetreten, das man auch hätte ausschlagen können." Passenderweise habe ich das Buch als Touristin auf einer Insel gelesen, verwundet, und die See sollte es richten, der Wind pusten. Ich war allein und hatte doch stets den Drang, aufzublicken und meine nicht vorhandene Begleitung zu fragen, wie es möglich ist, 250 Seiten zu schreiben, in denen sich ein kluger Satz an den anderen reiht. Kein Lückenfüller, einfach nur die geballte Ladung Lebensweisheit, humorvoll-sarkastische Beobachtungen, liebevolles Augenzwinkern und gnadenloses Finger-in-die-Wunden legen. "Der Ring zu groß und dieser Satz zu klein. Nichts, was er für sie hatte, schien ihr je zu passen." Wer nicht viel Handlung braucht, um sich in ein kluges Buch fallen lassen zu können; wer das Meer liebt; ach, wer einfach nur gerne liest - hier ist der nächste Roman für die Wunschliste.

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In ungefähr einer Stunde, je nach Wellengang ist man vom Festland mit der Fähre auf der kleinen Nordseeinsel, auf der seit Generationen Familie Sander lebt. Die Vorfahren waren Walfänger, befuhren regelmäßig die unberechenbare See. Heute ist vieles anders, nur noch der Walknochenzaun, der das traditionelle Wohnhaus der Sanders umgibt, ist Zeuge längst vergangener Tage und ist heutzutage beliebtes Fotomotiv der Touristen, die jeden Sommer die Insel belagern. Die Veränderungen, der Wandel einer Inselwelt haben das Leben der Familie Sander geprägt, alle haben sich mit ihrem Alltag arrangiert, doch sind sie auch glücklich? Dann, im Laufe nur eines Jahres verändert sich das Leben der Familie Sander, erst unterschwellig, kaum spürbar, dann mit voller Wucht… Meine Meinung: „Zur See“ ist mein zweiter Roman von Dörte Hansen und wieder einmal begeistert mich ihr wunderbarer, tiefsinniger Erzählstil. Ein Roman voller Melancholie der das Leben einer Inselfamilie beschreibt, wo Wandel, Verletzungen, unausgesprochene Gefühle immer wieder den Alltag durchbrechen und doch ein starkes Heimatgefühl jeden Einzelnen auf besondere Weise prägt. Eine Insel, über der und ihren alteingesessenen Familien noch immer die Geschichten und Erinnerungen einer längst vergangenen Zeit schweben. Aber Dörte Hansen legt auch den Finger in die Wunden unserer heutigen Gesellschaft. Denn neben dem Massentourismus, oder den von der EU festgelegten Fangquoten ist auch der Klimawandel auf der kleinen Nordseeinsel angekommen. Es ist eine fiktive friesische Insel auf die uns Dörte Hansen entführt und doch wird sie vielen Inselbewohnern aus der Seele sprechen, für die das Inselleben Segen und Fluch zugleich ist. Inseldörfer, die oft ohne Tourismus nicht mehr überleben könnten und die dennoch am Touristenstrom schier zu ersticken drohen. Aber auch Abwanderung ist ein großes Thema geworden. Oft zieht es die jungen Leute raus aus dem Inseltrott und rein in die großen, abwechslungsreichen Städte. Dörte Hansen gewährt tiefen Einblick hinter die Fassade des Sander´schen Familienlebens. Eine Familie, der der Zusammenhalt abhandengekommen ist, wo jeder sein Päckchen zu tragen hat. Da ist Hanne Sander, die den Schein wahren will den es nicht mehr gibt. Ein Ehemann, der nicht mehr zu Hause lebt, sondern einsam in einer Hütte irgendwo auf der Insel. Da ist Eske, die Tochter, die sich regelmäßig aufs Festland flüchtet, aber doch von der Insel nicht loskommt. Oder der Älteste, der immer noch seine Identität sucht, dem Alkohol verfallen ist und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Einzig der Jüngste, Henrik scheint seinen Platz gefunden zu habe, ist Eins mit seinem Leben und der Insel. Obwohl die Geschichte scheinbar ruhig dahinplätschert und gefühlt nicht viel passiert, die Aussagen zwischen den Zeilen sind laut und eindringlich. Die Autorin erzählt sprachgewaltig und stimmungsvoll - fast schon einen Hauch zu schwermütig – und skizziert ihre Protagonisten mit viel Fingerspitzengefühl und Empathie. Ein Roman der bewegt und unter die Haut geht. Mein Fazit: Großartiges Buch, tolles Setting, wundervoll und intensiv geschrieben. Absolute Leseempfehlung!

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REZENSION [Werbung I Rezensionsexemplar] Dörte Hansen – Zur See 4,5/5 Sternen Mitten auf einer Nordseeinsel, umspült von brausigem Salzwasser und kräftigen Winden treffen wir Familie Sander. Umgeben von einem Zaun aus Walfischknochen fristen sie ihr Leben, welches durchzogen ist von ehemaligen stets betrunkenen Seebären, wie den Sohn Ryckmer, den aus angespültem Treibholz Kunstwerke entwerfenden Sohn Henrik, die von oben bis unten tätowierte Tochter und Altenpflegerin Eske, sowie deren Mutter Hanne, die versucht ihr Leben ohne ihren Ehemann neu zu erfinden. Viele liebevolle aber dennoch skurrile Inselbewohner werden Stück für Stück in diesem von Melancholie durchzogenem Buch vorgestellt und man taucht wortwörtlich in all ihre Geschichten ein. Es handelt von allem. Von Touristen, die das Inselleben für kurze Zeit im Sommer entdecken möchten, angespülten Walen, hoffnungslosen Vätern, zu viel grübelnden Pastoren... In diesem wundervoll tiefgehenden Werk können wir erneut in den außergewöhnlich bildhaften Schreibstil von Dörte Hansen eintauchen. Die Geschichten sind ergreifend und schwermütig. Gepaart ist alles wieder mit einem liebevollen Sarkasmus, der Hansens Werke ausmacht. Er bringt einen wieder dazu sich mit den Menschen zu identifizieren, obwohl man in der Regel nichts mit ihnen gemein hat. Während des Lesens packte mich auch dieses wohlige Gefühl der Nostalgie, obwohl ich nicht ansatzweise ein Nordseeinselleben geführt habe. Ganz wundervoll.

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Absolutes Lesehighlight

Von: Aworldbehindwords

04.11.2022

Ich habe die ersten beiden Bücher von Dörte Hansen geliebt, dementsprechend waren die Erwartungen groß. Und was soll ich sagen? Sie wurden nicht enttäuscht. Ich liebe den Schreibstil, der einen sanft in eine andere Welt entführt und eine mit den Charakteren mitfühlen und sich an der Nordsee Zuhause fühlen lässt, selbst wenn man aus dem fernen Bayern kommt. Die Autorin erzählt hier auf wahnsinnig einfühlsame, kluge Weise vom Leben auf einer Insel und vom Leben mit der See. Wie die Kultur der Inseln nach und nach verloren geht und von der See und den Touristen weggespült wird. Wie sich das Leben auf solch einer Insel verändert hat und vielleicht noch verändern wird. Sie schildert, wie Menschen von alten Gesetzen gefesselt sind, aber auch, wie sie sich davon befreien und wie sie lernen, mit Neuem umzugehen und zu leben. Ich fand die Charaktere großartig, konnte mich in jeden hineinfühlen und habe mit ihnen getrauert. Oft musste ich schmunzeln ob schrulliger Bräuche und Eigenarten, aber das Buch hat mich auch tief berührt und traurig gemacht.

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Klappe die dritte für Dörte Hansen. Dieses Mal nimmt sie uns mit auf eine fiktive friesische Nordseeinsel und erkunden das Innenleben und die Verletzungen der Familie Sander. Eine alteingesessene Familie, die Jahrhunderte zur See gefahren ist und nun wie so viele andere die Richtung ihres Lebens wechseln müssen. Brüche, Veränderungen, genau das zeigt uns Dörte Hansen und was eine Heimat und deren Prägung mit uns macht. Wenn da die Tochter der Familie zwar eine Liebschaft auf dem Festland hat, aber die Insel nicht loslassen kann. Verlust an Identität und wie man mit Traumata umgeht, so schauen wir beim ältesten in die Seele, der „nur noch“ die Fähre zum Festland betreut. Der kleinste im Bunde Henrik ist nie so recht erwachsen geworden, aber mit seiner Kunst aus Treibgut hat er sich einen Namen und eine Nische erfunden. Tja und dann sind da natürlich auch die Eltern Hanne und Jens. Er mittlerweile Vogelwart um sich zu beschäftigen. Dörte Hansen lässt tief blicken. Es ist unglaublich sprachgewaltig was Dörte Hansen hier wieder zu Papier gebracht hat. Beeindruckend wie jeder Satz am rechten Fleck sitzt, alles passt genau. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Schon alleine der Sprache wegen ein lesenswerter Roman. Das einzige was fehlt: Plattdeutsch. Aber da ist ja so viel mehr, wenn sie das Leben und deren Veränderungen in den Blick nimmt wie die immer stärkeren und zahlreichen Stürme, der Tourismus der einige auf der Insel ernährt und auch die Fangquoten. Alles drin und doch passiert oberflächlich nicht all zu viel. Wobei, es strandet ein Wal und auch hier wieder sehr metaphorisch, wenn die alten Walfängerfamilien das Wissen verloren haben wie man solch ein Tier nutzbar auseinander nimmt. Ja, der dritte Roman nach zwei Bestsellern. Besser oder schlechter als die anderen beiden? Weder noch, alle drei von herausragender Qualität! Fazit: Ein klingender Roman, der nachhallt.

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Inhalt: Auf einer kleinen, weit entfernt vom Festland gelegenen Nordseeinsel, lebt seit fast 300 Jahren die Familie Sander. Nach alter Tradition fahren die Männer der Familie zur See. Hanne und Jens Sander haben drei Kinder auf dieser Insel großgezogen. Hanne war oft allein mit den Kindern, während Jens auf einem Schiff unterwegs war. Und dann, vor etwa zwanzig Jahren, hat Jens seine Familie verlassen und auch die Seefahrt aufgegeben um ganz einsam als Vogelwart zu arbeiten, während Hanne mit den Kindern zurück blieb. Auch der älteste Sohn Ryckmer, inzwischen schon längst erwachsen, hat nach einem schlimmen Sturm auf See sein Kapitänspatent abgegeben. Er fürchtet sich vor einer großen Flutkatastrophe und sucht Trost im Alkohol. Seine Schwester Eske arbeitet im Seniorenheim und entspannt bei lauter Death und Heavy Metal Musik. Nur Henrik, der jüngste Bruder, scheint zufrieden zu sein. Er liebt das Meer und den Strand, sammelt Treibgut und baut daraus skurrile Kunstwerke. Keiner der Sanders schafft es, die Insel für längere Zeit zu verlassen. Meine Meinung: Ein Jahr lang begleiten wir die Familie Sander, sowie den Inselpastor und einige andere etwas kauzige Inselbewohner. Der Erzählstil von Dörte Hansen ist sehr besonders. Poetisch, ruhig und unaufgeregt, dabei sehr eindringlich und bildgewaltig, erzählt sie aus der Sicht der Inselbewohner von dem steten Wandel des Lebens und der Traditionen auf der Insel. Auch die Einheimischen passen sich zwangsläufig der neuen Zeit an und verdienen ihr Geld mit den Touristen, die in der Urlaubssaison die Insel überschwemmen. Erst in den Wintermonaten kehrt wieder Ruhe ein und das Leben nimmt seinen „normalen“ Gang. Die Autorin beschreibt ihre Charaktere sehr warmherzig, aber keiner von ihnen ist glücklich oder zufrieden mit seinem Leben und es entsteht eine bedrückende und melancholische Stimmung. Auch das Ende habe ich als sehr traurig empfunden. Fazit: Eine großartig erzählte Geschichte, die genau die richtige Länge hat. Bewegend und melancholisch.

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Die meisten Menschen bereisen eine (Nordsee-)Insel um genau das zu erleben, was Dörte Hansen in ihrem neuen Roman beschreibt. Sie suchen eine Auszeit vom Alltag. Weg vom Stress. Eine Insel ist optimal. Für die Ausgebrannten, die Asthmatiker, die Erschöpften, die Gestressten. Manchmal nur für zwei oder drei Nächte in einem modernen Strandresort mit Wellness und gutem Wein. Getrennt vom Festland, als betrete man eine andere Welt. Und in dieser anderen Welt lebt die Familie Sander. Im schönsten Haus der Insel, dem Kapitänshaus. Mit Knochenzaun im Vorgarten, Delfter Fliesen in der Küche und Immobilienhaien vor der Tür, die das Haus lieber heute als morgen kaufen würden. Das Leben ihrer Vorfahren war geprägt von der See. Die Männer monatelang auf den Meeren dieser Welt unterwegs. Die Frauen wartend auf ihre Rückkehr, hüten das Heim und die Kinder. Doch die Zeiten haben sich verändert. Hanne Sanders Mann Jens fährt längst nicht mehr zur See. Vielmehr hat er der Familie den Rücken zugewandt und lebt als Vogelwart auf Driftland. Und auch der ältere Sohn Ryckmer fährt nur noch als Deckmann auf der Fähre zwischen der Insel und dem Festland, fährt die Touristen täglich hin und her. Henrik, das jüngste Kind der Sanders, sammelt, was die See zu Tage befördert um daraus Treibholzwerke zu bauen. Und dann gibt es noch Eske, die Tochter der Sanders. Sie interessiert sich für Sprachen, die längst niemand mehr spricht und pflegt die Menschen, die die Insel nie mehr verlassen werden... Dörte Hansen ist hier - aus meiner Sicht - ein großartiger Roman gelungen. Direkt ab Seite 1 bin ich eingetaucht in die Geschichten um die Menschen dieser fiktiven Nordseeinsel. Dabei schreibt Hansen in einer so bildhaften (und sehr poetischen) Sprache, dass ich die mir bekannten Inseln Borkum, Amrum und Sylt immer wieder vor Augen hatte. Selten habe ich ein Buch in einer derart langsamen Geschwindigkeit gelesen. Ich wollte mich nicht trennen von dieser Insel und den Figuren, die ich - trotz ihrer Eigenarten - direkt ins Herz geschlossen habe. Aber die Geschichte macht auch sehr nachdenklich. Was passiert in Zukunft mit den Nordseeinseln und vor allem mit den Menschen, die dort geboren und aufgewachsen sind? Die Traditionen nur noch in Verbindung mit dem Tourismus leben, für deren Kinder Wohnraum unerschwinglich wird und die der Natur und deren Unberechenbarkeit den Vortritt lassen müssen... Lange wird mir diese Geschichte in Erinnerung bleiben, den Inselurlaub im nächsten Jahr werde ich mit ganz anderen Augen sehen. Zu Recht hat es Dörte Hansen mit diesem Roman direkt auf die Bestsellerlisten geschafft.

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