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Rezensionen zu
Da wo sonst das Gehirn ist

Sebastian Stuertz

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€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

Alinas Leben ist kompliziert. Vater unbekannt, geliebter Stiefdad up and away und ihre Mutter ist ein Clown. Hauptberuflich, aber auch im Alltagsleben. So der Typ dysfunktional mit Kopf in den Wolken. Geld ist knapp und Wohnraum prekär. An ihrer alten Schule kam es zu Mobbing und nun steht der Elternabend für die 13. an der neuen Schule an. Eltern sind ab Teenageralter sowieso peinlich, aber Alina weiß sie muss sich bewähren und da ist so eine Single Clownsmutter mit der zusammen man zum ersten Eltern/SchülerInnenabend tapern muss nicht gerade entspannend. Sebastian Stuertz hat mich mit seinem großartigen Roman „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ begeistert. Ein Buch mit langem Nachhall. Auch, weil die Hauptfigur so charmant, clever und skurril ist. Mit ClownInnentochter Alina hatte ich meine Schwierigkeiten. Vielleicht war es der Jugendslang, der zwar authentisch, für mich aber nervig zu lesen war, oder Alina selbst, die unsicher und ebenfalls sehr realistisch den Weg zum Erwachsenwerden durchläuft. Ich mochte sie nicht besonders. Alles wird kritisch und ohne Gnade beäugt und eingeordnet. Wenig Selbstliebe, resultierend aus dieser Suche nach dem eigenen Sein. Geschmackssache wie immer, ich könnte mir vorstellen, dass sie bei ihren lesenden AltersgenossInnen sehr gut ankommt. Denn sie ist lernfähig, kreativ, zynisch, entwickelt sogar am Ende selbstbewussten Humor und macht sich daran ein Geheimnis aufzuklären, das auf einer anderen Familie, deren Teil sie eine Weile war, lastet. Von meinen kleineren Problemchen mit der Hauptfigur abgesehen, ist die Geschichte schön erzählt. Sie geht in die Tiefe, ist komplex und besonders, obwohl hier der Alltag einer jungen Frau erzählt wird. Nein,nicht obwohl sondern weil man ihr dabei in den Kopf und über die Schulter schauen kann. Wie auch bei seinem vorigen Roman hat der Autor ein ausnehmend feines Händchen dafür mitreissend und mit liebevollem Blick zu erzählen. Seine Beschreibungen sind on point, Atmosphäre ist da und man kann dieses Buch in einem Rutsch lesen, denn wohin die Reise geht ist wirklich spannend. Auch die Themen Stiefkind, Singlemom, Patchworkfamilie, Mobbing, Therapie sind sicher für viele junge LeserInnen sehr interessant. Der Autor widmet das Buch auch allen Patchworkfamilien, Alleinerziehenden, Halbwaisen und Stiefkindern. Stilistisch ist „Da wo sonst das Gehirn ist“ ebenfalls sehr gelungen. Ein spannendes Buch das komisch, traurig, bedrückend, befreiend und ratzfatz wegzulesen ist und noch über ein ausnehmend gelunges Cover samt Aufmachung verfügt. Abgesehen von meinem Dislike der Protagonistin also ein großartiges Buch. Uneingeschränkte Lobhudeleien dazu finden sich hier. https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Da-wo-sonst-Gehirn-ist-Witziger-Roman-von-Sebastian-Stuertz,stuertz104.html

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Inhalt: Sommer 2019. Die 17-jährige Alina beginnt ihr letztes Schuljahr an einer neuen Schule. Wider Erwarten fällt ihr der Einstieg in die neue Klasse recht leicht und erste Freundschaften bahnen sich an. Auch darf sie ihre selbst entwickelte App, ein Network, in dem die Nutzer anonym chatten können, mit der neuen Klasse austesten. Alles könnte so schön sein. Doch dann bandelt Alinas Mutter mit Urs Carstensen, dem Vater von Klassensprecher Corvin an – was die Chance zukünftiger Peinlichkeiten ins Unermessliche steigert. Zu allem Überfluss wird auch noch der Mietvertrag von Alina und ihrer Mutter gekündigt. Gut (oder nicht so gut), dass es Urs gibt, der Alina und ihrer Mutter sofort Unterkunft gewährt. Doch bei den Carstensens läuft nicht alles so perfekt, wie es zunächst den Anschein hat… Persönliche Meinung: „Da wo sonst das Gehirn ist“ ist ein Coming of Age-Roman von Sebastian Stuertz. Erzählt wird der Roman hauptsächlich aus der personalen Perspektive Alinas. Kurzzeitig kommt auch noch eine weitere personale Sicht hinzu, deren Identität ich hier aber nicht verraten möchte. Die Handlung dreht sich – spoilerfrei und grob gesagt – um Freundschaft, (die nicht nur erste) Liebe, das Leben in einer Patchwork-Familie, Mobbing, familiäre Konflikte und Schwierigkeiten in der Eltern-Kind-Beziehung. So finden sich einerseits viele Szenen voller Leichtigkeit und Witz, andererseits Episoden, die stellenweise wirklich starker Tobak sind und in denen die Verzweiflung der Figuren greifbar wird. Der Balanceakt zwischen diesen unterschiedlichen Szenen gelingt Sebastian Stuertz perfekt (Großartig mehr will ich zum Plot gar nicht sagen, um Spoiler zu vermeiden. Nur: Wohin genau sich die Handlung entwickelt, ist nicht vorhersehbar und daher sehr überraschend.) Wie schon im Inhaltsteaser angesprochen, spielt im Roman auch eine Messenger-App, in der sich die jugendlichen Figuren austauschen, eine Rolle. Dementsprechend wird auch viel Jugendsprache genutzt. Diese ist bei „Da wo sonst das Gehirn ist“ sehr authentisch, lebensnah und lebendig (Dadurch hebt sich Stuertz‘ Roman schön von vielen anderen Romanen ab, in denen die Jugendsprache oft gekünstelt und unecht wirkt). Sehr hat mir auch der Humor des Romans gefallen. Die Szenen und die Figuren, die Stuertz beschreibt/entwirft, sind meist hyperbolisch gesteigert und irgendwie schräg, besitzen aber immer eine wahre, lebensechte Essenz, wodurch sie ungemein lustig sind (Tatsächlich musste ich beim Lesen mehrmals auflachen 😂) Der Schreibstil von Sebastian Stuertz ist sehr angenehm und lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Da wo sonst das Gehirn ist“ ein spannender und unterhaltsamer Coming of Age-Roman, der Humor und Ernst schön austariert.

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Die Siebzehnjährige Alina Beinert musste kurz vor dem Abi nochmals die Schule wechseln und hat für die Zeit während des letzten Schuljahres ein ganz konkretes Motto: „Unsichtbar durchs letzte Jahr“ (S. 24). Ob das klappen wird? Spoiler: Natürlich nicht! Auf 352 Seiten erlebt Alina in ihrem nahen Umfeld, bestehend aus Patchworkfamilie, Freundeskreis und Arbeitskontakten eine ganze Menge. Und diese ganze Menge ist so abwechslungsreich wie die Jugend selbst. Stuertz schreibt authentisch über die Lebens- und Gefühlswelt einer neugierigen Jugendlichen, die nicht nur eine gleichaltrige Leserschaft abholen kann, sondern auch mich. Was mir an dem Buch besonders gefällt ist die Dichte der Ereignisse und die Entwicklung der Protagonistin. Eng an eng reihen sich die Erlebnisse von Alina, sie ist immer auf Achse und trotzdem findet der Autor Raum für traurige Momente und das Erleben von Schmerz und Enttäuschung. Dabei kommt der Humor niemals zu kurz. Wie auch in den anderen Werken „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ und „Ruslan aus Marzahn“ kommt es bei „Da wo sonst das Gehirn ist“ zu irre witzigen und skurrilen Momenten, wie sie einfach nur Stuertz beschreiben kann. Ein herausragendes Buch, welches mir sehr viel Lesespaß bereitet hat und über das ich auch im Nachgang noch sehr schmunzeln musste.

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