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Rezensionen zu
bitterer zucker

Avni Doshi

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Avni Doshis Debütroman BITTERER ZUCKER wurde übersetzt von Frauke Brodd. „Einen Augenblick lang wusste sie nicht, wer ich war, und in diesem Augenblick bin ich niemand.“ (S. 22) Ein wirklich beeindruckendes Buch und keine leichte Kost. Mir hat es als Leserin streckenweise mehr abverlangt, als ich zu geben im Stande war. Der Blick in die Welten von Antara, Tochter, Enkelin, das unfreiwillige Aufwachsen im Ashram, Ehefrau, Schwiegertochter, Mutter und doch wieder Tochter hat mich etwas überfordert. Wer aber bereit ist, die Lese-Komfortzone zu verlassen, findet in Avni Doshis Debütroman eine literarisch lohnenswerte Reise vor.

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Eine herzzerreißende Mutter-Tochter-Geschichte, die das unerklärliche Band einer Liebe illustriert, das auch durch Vernachlässigung und Ignoranz nicht auflösbar erscheint. Atari kümmerst sich um ihre Mutter, die in ihren Fünfzigern an einer Form der Vergesslichkeit leidet, die alle Symptome von Alzheimer aufweist, aber keine entsprechenden Gehirnveränderungen. Wenn es aber nicht die Plaques sind, die sie all die schwierigen Situationen, die Antara geprägt haben, vergessen lassen, sondern womöglich Absicht? Sie entzieht sich der Wut und der Liebe, der Abrechnung mit ihrer Erwachsenen Tochter und ihrer eigenen alten Mutter, spinnt sich ein in diesen Kokon des Vergessens und Atara fühlt sich verarscht. Sie lässt ihre eigenen Erinnerungen zu, die eine Zeit in dem Ashram einer Sekte enthalten und ein Jahr in einem Internat, wo sie misshandelt wurde. Nun hat sie sich ein eigenes Leben aufgebaut, Dilip geheiratet, und doch sind da offene Rechnungen mit ihrer Mutter, Dinge, die sie klären will, bevor diese womöglich stirbt. Doch wie zuverlässig sind ihre eigenen Erinnerungen und was, wenn sie ihrer Mutter Unrecht tut? „Vielleicht liegt es daran, dass wir auf derselben Seite der Brücke stehen und ins Leere blicken. Vielleicht sind wir hungrig auf dieselben Dinge, und die Summe aus uns beiden hat dieses Gefühl erst doppelt so groß werden lassen. Und vielleicht geht es darum, um das Loch im Herzen, eine Deformation, von der wir beide niemals genesen werden.“ Der Roman kommt ruhig, streckenweise melancholisch daher und lässt unter all den geäußerten Anschuldigungen und der Empörung eine hilflose Hass-Liebe durchschimmern, die Tochter und Mutter aneinander bindet, wie eine niemals durchtrennte Nabelschnur. Eine Nabelschnur, in der sich die Strömungsrichtung geändert hat, indem die Tochter nun die Mutter versorgt, die Mungobohnen wässert, ihr das Bett bereitet. Ein gut geschriebener Debüt-Roman, der auf der Shortlist zum Booker Preis stand, mich aber irgendwie nicht ganz packen konnte. Und das Ende ließ mich doch ein wenig unzufrieden zurück. Wunderbar aus dem Englischen übersetzt von Frauke Brodd

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Bitterer Zucker erinnert uns daran, dass Kindheit eine Idee über die Beziehung von Kindern zum Erwachsensein ist, die von Erwachsenen erfunden wurde, um ihre Neurosen zu erklären. Das, woran man sich aus der Sicht eines Erwachsenen an seine Vergangenheit erinnert, ist immer gefärbt von den Handlungen der Erwachsenen, die uns mit ihren betrunkenen, psychopathischen, unehrlichen oder grausamen Handlungen am tiefsten enttäuscht haben. Antaras Versuche, das Abgleiten ihrer Mutter in die Demenz durch Erinnerungen, Stichwortkarten, Nacherzählungen und andere Gedächtnisleistungen zu verlangsamen, sind auch Versuche, ihr Verständnis der Ereignisse an eine einheitliche Erzählung anzugleichen, um ihrer Mutter besser verständlich zu machen, was sie falsch gemacht hat. Dies bildet den Grundton einer Erzählung, die durch Antaras freie Assoziation zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her springt. Je mehr Details Antara über ihre Mutter preisgibt, desto mehr wird uns ein Bild ihrer eigenen Entwirrung präsentiert...

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