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Rezensionen zu
Die neue Wildnis

Diane Cook

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€ 16,00 [D] inkl. MwSt. | € 16,50 [A] | CHF 22,90* (* empf. VK-Preis)

Für den Einstieg hat die Autorin direkt eine sehr traurige, erschreckende Szene gewählt, die aber sehr ruhig und eher emotionslos erzählt wird. Der Tod ist in dieser Wildnis, fernab jeglicher Zivilisation, ein ständiger Begleiter. Er gehört dazu und wird angenommen, mehr oder weniger, alles andere wäre auch schwer zu verkraften bzw. muss man sich eine gewisse Härte zulegen. Sterben war so normal wie Leben. Sie sorgten sich umeinander, natürlich, aber wenn einer von ihnen aus welchem Grund auch immer zu überleben aufhörte, schlossen sie die Reihen und steckten ihre Energie in das, was weiter lebendig blieb. Zitat Seite 57 Bea, ihr Mann Glen und ihre mittlerweile 8jährige Tochter Agnes gehören zu dieser auserwählten Gruppe, die das Experiment in der Wildnis gewagt hat. Die Erde ist in dieser Zukunft stark durch Gifte geschädigt und da Agnes schwer krank ist und kaum Überlebenschancen hat, hat sich Bea entschlossen, den Versuch zu wagen. Die frische Luft war das einzige Mittel, um ihrer Tochter zu helfen - und tatsächlich ist Agnes jetzt ein kerngesundes Kind. Wie auch die Erwachsenen beeinflusst dieses Leben natürlich auch das "aufwachsen". Die Sorgen sind völlig anders gewichtet - es geht nicht um gesunde Ernährung, einen erfolgreichen Job, ein tolles Aussehen, "was zieh ich heute an", etc. Kein Handy, kein Fernsehen, keine Nachrichten - reines: Leben! Während dem Lesen kamen mir viele Gedanken. Zum Beispiel auch, dass sich alles verlagert hat. Früher gab es im Äußeren Gefahren und Ängste, die wir heutzutage nicht mehr kennen. Jeder hat genug zu essen und ein Dach über dem Kopf (zumindest in den industriellen Ländern). Das innere Gleichgewicht allerdings, der Natur zu folgen, hat sich ebenfalls gewandelt, so dass wir jetzt die Ängste dafür im Inneren tragen. Bea empfindet ja das Verhalten teilweise unmenschlich, was sich in ihrer Gruppe abspielt bzw. wie es sich entwickelt - wobei man natürlich erstmal überlegen muss, was der Begriff "menschlich" überhaupt beinhaltet. Allerdings denke ich, dass so eine zusammengewürfelte Gruppe nicht immer den Zusammenhalt erfahren kann, als wenn eine Familie, eine Gemeinschaft schon immer beisammen und in diesen Umständen gelebt hat. Das kann man nicht vergleichen. Denn genauso haben wir Menschen ja sehr lange überlebt - ohne die Natur zu zerstören ;) "... ihre eigene Tochter, die seltsam war und affektiert lächelte, die offenbar nicht wusste, was Liebe war, die zu verwildert war, um es zu wissen, die jetzt Aufmerksamkeit wollte, die sie vorher kaum gesucht hatte und jetzt nicht verdiente. Zitat Seite 187 Bea war mir nicht so wirklich sympathisch. Alleine das Zitat spricht für sich, denn woher sollte ihre Tochter lernen zu lieben, wenn sie ihr es selbst nie wirklich gezeigt hatte - außer in Angst und Sorgen. Nichts ist so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hat - doch wann ist das schon so? Ich denke, diese Schuld auf die Tochter zu schieben nagt an ihr und deshalb kann sie ihr nicht wirklich die erwartungslose Liebe entgegen bringen. Doch ein Leben mit einem Kind kann man nicht planen. Man sollte es nicht planen, denn es ist ein eigenständiger Mensch, der da heranwächst, den man unterstützen sollte in allem, was auf ihn zukommt. Kontrolle ist eine Illusion, an die wir uns zu sehr gewöhnt haben und dann völlig überfordert sind wenn wir erkennen, das die Natur über unser Leben bestimmt. Ich fand es sehr gut, dass es einen Wechsel gab und aus Agnes Sicht weitererzählt wurde. Auch für sie ist die Beziehung zu Bea, ihrer Mutter, alles andere als einfach. Zum einen spürt sie natürlich die Sehnsucht nach einer liebenden Mutter in sich, zum anderen spürt sie sehr genau die Ablehnung, die Schuldzuweisung, und entwickelt eine Art Hass. Allerdings kann sie sich an das Leben sehr gut gewöhnen. Für sie ist es normal, da sie ja mit 4 Jahren in die Wildnis gekommen und hier aufgewachsen ist. Agnes konnte mit dieser Diskussion nichts anfangen. Wen interessierte schon das Warum oder Wie? Wen interessiert würde oder würde nicht? Sie hatte noch nie begriffen, warum die Erwachsenen immer über diese Wörter debattierten. Sollen und nicht sollen. Dürfen und nicht dürfen. "Sein und machen", murmelte sie vor sich hin. Das war das Einzige, was zählte. Sein und machen. Jetzt in diesem Moment und kurz danach. Zitat Seite 216 Sie lebt im Augenblick. Sie lebt mit der Natur, mit den Jahreszeiten, die sie einzig durch die Veränderungen erkennt. Sie liest die Fährten, findet Wege, lernt zu überleben. Nur die Menschen, die bleiben ihr fremd. Eine Auswirkung der Gruppe, die nicht an einem Strang zieht, die trotz Zusammenhalt jeder für sich wirkt und auch durch die Auflagen des Staates, die Regeln, die sie zu befolgen haben und keine wirkliche Freiheit zulassen. Der Schreibstil wirkt sehr ruhig und nüchtern, dennoch schafft es die Autorin, grade die Flora und Fauna sehr bildhaft rüberzubringen. Das Lernen von den Tieren zu Beispiel, auf ihre Reaktionen zu achten und dadurch Gefahren zu erkennen oder auch Wasser zu finden fand ich sehr faszinierend! Auch die einzelnen Figuren der Gruppe sind teilweise sehr konkret in ihrer Rolle, andere eher blass, Randfiguren, oder Mitläufer und nicht jeder schafft es, sich den Gegebenheiten anzupassen. Ich war jedenfalls gebannt von der gesamten Situation, dem Leben in dieser Wildnis und wie die Menschen auf unterschiedliche Weise damit umgehen.

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Bea und ihre junge Tochter Agnes haben sich einer kleinen Gruppe Auserwählter angeschlossen, die mit Erlaubnis der Behörden in der ansonsten streng vor menschlichem Einfluss geschützten Wildnis irgendwo auf dem amerikanischen Kontinent leben darf. Das Experiment hat zum Ziel, herauszufinden, ob die Menschheit noch im Einklang mit der Natur leben kann, ohne diese auszubeuten und ihr zu schaden. Die Teilnahme hat das Leben der schwerkranken Agnes gerettet, denn das Leben in den übervölkerten, von Smog geplagten Städten schadet den Kindern am meisten. Vor diesem Panorama werden in der Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Agnes und Bea die großen Themen des Erwachsenwerdens und des Abnabelns verhandelt. Diane Cook hat mit Bea eine widersprüchliche, wütende, auch wankelmütige Mutterfigur geschaffen, in der deutlich wird, dass Eltern, angesichts der Brutalität der Welt und selbst auf Schutz angewiesen, eigentlich unmögliche Entscheidungen für sich und ihre Kinder treffen müssen. Die Gruppendynamik unter den auserwählten „survivalists“ trägt die Handlung voran. Wer eine handlungsgetriebene Geschichte oder an science fiction angelehnte Lösungen für eine globale Krise erwartet, wird enttäuscht werden. Diese Geschichte wird durch ihre Charaktere und ihre Auseinandersetzung mit ihrer herausfordernden Situation getragen und lebt von der Hingabe für die Idee eines unabhängigen, freien Lebens – und von Hoffnung. Einige Nebenfiguren blieben für mich etwas blass, und das 538 Seiten lange Buch hatte zwischendurch „kleinere Längen“, ich bin aber vom berührenden Ende und der grundsätzlichen Idee restlos eingefangen worden und habe sogar ein paar Tränen vergossen. Der Schreibstil ist sehr schön und wurde wunderbar übersetzt von Astrid Finke.

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Dystopien lese ich sehr gerne, aber manchmal machen mir die doch sehr echt gestalteten, düsteren Zukunftsaussichten auch ein bißchen Angst. Der Zukunftsroman ‚Die neue Wildnis‘ hat mir keine Angst gemacht, aber einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, denn so ähnlich könnte auch unsere Zukunft irgendwann aussehen, wenn nicht bald irgendetwas passiert. Der Roman spielt in Amerika in der nahen Zukunft, allerdings wird offen gelassen wann genau. Die Städte sind zu riesigen Metropolen ohne Grün und nur noch wenigen Bäumen geworden. Die Menschen, insbesondere die Kinder, leiden unter dem Smog, der schlechten Luft und viele sind schwer krank. Um diesem Schicksal zu entfliehen, haben sich Bea und Glenn mit ihrer Tochter Agnes, die kurz vorm Tod steht, aufgemacht, um an einem Experiment teilzunehmen. Es gibt, am anderen Ende des Landes, einen geschützten Bereich, ein riesiges Areal, in dem keine Menschen leben dürfen. Dieser Nationalpark ist ursprünglich, mit einer großen Artenvielfalt, sauberer Luft und funktionierender Vegetation und wird sehr streng von Rangern bewacht. Bea und ihre Familie erhalten mit siebzehn anderen Ausgewählten die Erlaubnis dort zu leben. Doch es gibt schwierige Auflagen, die sie unbedingt einhalten müssen: sie müssen als Nomaden leben, etwa sieben Tage an einem Platz verbringen und dann weiterziehen. Alles wieder so hinterlassen, wie sie die Plätze vorgefunden haben, ohne Abfall und menschlicher Hinterlassenschaften. Das Leben ist sehr hart, aber sie lernen damit umzugehen, lernen zu jagen, ihre erlegten Tiere zu verarbeiten, Werkzeuge herzustellen, sammeln Beeren, Früchte und Pilze und lernen sie zu unterscheiden und fügen sich in ihr neues Leben. Doch es ist auch schwer mit der Natur im Einklang zu leben, denn die Gemeinschaft erfährt Hunger, Tod und die Erkenntnis, dass immer der Stärkere überlebt und der Mensch nicht in Frieden leben kann. Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht und noch Tage nach Beendigung sehr beschäftigt. Die Charaktere sind lebendig und kraftvoll dargestellt, besonders Bea und Agnes. Mir hat dieser ungewöhnliche Roman sehr gut gefallen, obwohl er keine ‚leichte‘ Lektüre ist.

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Szenario einer nicht lebenswerten Zukunft

Von: iGirl aus Bad Nauheim

05.06.2022

Es geht um eine Gruppe von Menschen, Teilnehmende an einer Studie zum Leben in der Wildnis, deren Leben auf das Wesentliche reduziert ist, nämlich dem Überleben. Ein Leben in der Steinzeit. Ein Leben in dem das Retten eines Seils wichtiger wird als ein Menschenleben. Ein Leben ohne Zukunft, da es keinen Weg zurück in ein lebenswertes Leben gibt. Das Leben der Wildnisgruppe wird von einer Gruppe von Rangern überwacht, die unbarmherzige Regeln umsetzen und Strafen festsetzen und die Gruppe ohne sichtbaren Grund von einem Ort zum anderen treiben. Ist es wirklich eine Studie oder eher ein Menschenversuch? Der Autorin gelingt es sehr gut die ungewöhnlichen Emotionen der einzelnen Personen der Gruppe hautnah zu beschreiben. Es ist eine eigenartige Mischung von Unberührtheit, Grausamkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen, basierend auf dem zusammen geschweißt sein in der Gruppe wohl wissend, dass man alleine keine Chance hat. Der Schreibstil spiegelt die Charaktere wieder, die fast emotionslos und teils gnadenlos ihr Schicksal dieses unerbittlichen Lebens in der Wildnis angenommen haben. Die Grenzen zwischen Menschsein und Tierwerden verschwimmen. Erzählerisch bildhaft begleiten wir Lesenden wie sich die Sinne der Protagonisten schärfen und sogar die Sprache in der Gruppe, speziell die der Kinder, sich anpasst an Beobachtungen aus dem tierischen Leben („Rudel“, „Junge“). Die soziale Interaktion in der Gruppe ist geprägt von Unterstützung, Rücksichtnahme, Arbeits- und Eigentumsteilung einerseits jedoch andererseits durch Machtstreben, Führungswille, gefühllosem Trennen, Zurücklassen und Tod. Fortwährend hatte ich das Gefühl, dass etwas Unheilvolles über der Gruppe schwebt, dass der Schrecken hinter dem nächsten Baum lauert, dass es keine Gnade gibt, denn es geht um das Überleben des Einzelnen, so dass für Gefühl kein Platz ist. Und doch gibt es Momente des absoluten Zusammenhalts, der Zuneigung und des Sorgens. Sehr eindrücklich geschildert fand ich die heranwachsende Agnes, die einerseits um die Liebe ihrer Mutter Bea ringt und sich gleichzeitig versucht sich von ihr zu lösen. Es scheint ein schier unzertrennbares Band zwischen den beiden zu geben, das gleichzeitig aufgrund der gnadenlosen Umstände nicht sein darf, ja gar gefährlich wäre. Agnes ist ein Kind der Wildnis, einerseits stark, durchsetzungsfähig, eigenwillig, andererseits jedoch verletzlich und verunsichert, Halt und Bindung suchend (gut dargestellt durch das Umklammern des Knöchels ihrer Mutter). Ihre Mutter Bea nimmt ebenfalls eine besondere, bestimmende Rolle ein, sowohl in der Gruppe, also auch zu ihrer Tochter Agnes. Letztendlich war Agnes Gesundheitszustand als Kleinkind der Anlass für die Entscheidung zum Leben in der Wildnis. Der Charakter Beas ist facettenreich, sie ist sowohl hart und unerbittlich, teils abweisend gegenüber Agnes, jedoch ebenso sorgend, behütend, planend. Sehr gut gefallen haben mir die Beschreibungen wie die Gruppe lernt die Natur zu beobachten und daraus Überlebenstechniken ableitet: wo ist Wasser, wie erkenne ich leicht erlegbare Beute, wie mache ich Lebensmittel haltbar, wie schütze ich mich vor Kälte, Wind, Wetter, wie finde ich meinen Weg, was brauche ich in der Wildnis und welche Zivilisationserrungenschaften sind in der Wildnis komplett sinnlos? Mein Fazit: Diane Cook ist es hervorragend gelungen die Grenzen zwischen menschlichem und tierischem Verhalten verwischen zu lassen. 'Die neue Wildnis' ist für mich eine absolute Grenzerfahrung für einen Stadtmenschen, was mich angesichts der vorhandenen Klimaproblematik sehr nachdenklich gemacht hat. Daher gibt es von mir eine 5-Sterne-Bewertung mit absoluter Leseempfehlung.

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Die Flucht in die Wildnis – back to the roots als letzter Ausweg

Von: Dr. Anja Kischel aus Köln

04.06.2022

Ein bequemes Bett oder ein Schlafplatz auf dem Waldboden? Der Gang in den Supermarkt oder die Jagd auf wilde Tiere? Das Siechtum Deines Kindes oder eine letzte Chance auf sein Überleben? Um das Leben ihrer Tochter zu retten, entscheiden sich Bea und Glen zu einem ungewöhnlichen Schritt: Als Teilnehmer*innen einer Studie lassen sie die Stadt mit ihren krankmachenden Lebensbedingungen hinter sich und durchwandern als Teil einer Gruppe die schier endlose Weite des Wildnisstaates. Das Leben als Nomad*innen verlangt ihnen dabei alles ab, und neben Unterernährung, Verletzungen und Todesfällen sind es vor allem die sozialen Konflikte, die den Mitgliedern zusetzen und einen Großteil ihrer Gedanken und Kräfte einnehmen. Trotz all der Widrigkeiten scheinen Bea und Glen ihr ursprüngliches Ziel erreicht zu haben: Ihre Tochter Agnes wächst zu einem starken, selbstbewussten Mädchen heran, wird Teil der sie umgebenden Natur und Ordnung, emotional dabei verschlossen und abweisend ihrer Mutter gegenüber. Bestimmt wird das Leben der Gruppe jedoch nicht nur von der Wildnis und den Lebensbedingungen, welche diese ihnen bietet, sondern auch von den Rangern als Vertreter des Staates, die mit Vorgaben, Regelungen und Sanktionen die Menschen sowohl auf deren Wanderungen lenken als auch deren Annehmlichkeiten auf ein absolutes Minimum beschränken – und sie dabei scheinbar zunehmend ihrer Willkür aussetzen. Der Einbruch der Außenwelt in das abgeschottete Leben der Gruppe lässt zunehmend Fragen nach dem Fortbestand der Studie wie auch nach Vorgängen in dem Wildnisstaat aufkommen, welche darauf hindeuten, dass zentrale Informationen und Entwicklungen deren Mitgliedern vorenthalten werden. Doch wie soll es für die Menschen weitergehen, wenn sie tatsächlich die Wildnis verlassen müssen? Die Ungewissheit über die eigene Zukunft zerrt nicht nur an den Nerven der einzelnen sondern scheint sie in dieser zentralen Frage auch als Gruppe zu spalten. Dass wir Menschen in den Industrieländern verschwenderisch mit unseren Ressourcen umgehen, ist uns bekannt, die Auswirkungen dessen mögen sich viele von uns aber nur ungern vor Augen führen. Diane Cook scheut sich nicht davor, ein mögliches Szenario aufzuzeigen, wohin uns Klimawandel, Umweltverschmutzung und Überbevölkerung führen können. Das alles gelingt ihr, ganz ohne den „mahnenden Zeigefinger“ zu erheben sondern ausschließlich in Form eines packenden Pageturners – der vielleicht nicht mehr lange im Bereich der Science Fiction bleiben wird.

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Überleben!

Von: B.H.

02.06.2022

Irgendwo auf dem amerikanischen Kontinent in nicht allzu ferner Zukunft: Das Leben der in Megacities wohnenden Menschen wird geprägt von den Folgen des fortschreitenden Klimawandels. Immer mehr Menschen leben auf immer weniger Raum. Es fehlt an gesunden Lebensmitteln. Die Luftqualität ist extrem schlecht. Energie ist knapp. Das öffentliche Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Es herrscht eine nächtliche Ausgangssperre. ... Das Mädchen Agnes erkrankt schwer, wie viele andere Kinder ebenfalls. Bea, ihre Mutter, und ihr Stiefvater Glen wissen: Agnes wird sterben, wenn sie in ihrem bisherigen Umfeld bleibt. Als einziger Ausweg scheint die Teilnahme an einem Forschungsexperiment. So landen die Drei, gemeinsam mit 17 anderen Menschen, im Wildnis-Staat. Um Daten für eine Studie zu sammeln, ist es ihre Aufgabe durch die Natur zu ziehen und im Einklang mit ihr zu leben. Ich hatte eine Dystopie erwartet, in der das Leben in und mit der Klimakatastrophe im Vordergrund steht. Dieses Sujet spielt jedoch – erst einmal – eine untergeordnete Rolle. Während wir die Gruppe durch "Die neue Wildnis" begleiten, tauchen Themen wie Überleben, Tod, Macht, Liebe, Gemeinschaft, Gesellschaft, Normen und deren Veränderung, Mutter-Tochter-Beziehung, Kindsein, Erwachsenwerden, Verantwortung... auf. Zwangsläufig wurde ich beim Lesen mit Fragen wie "Was würde ich tun, um zu überleben? Was würde ich unternehmen, um mich (und meine Liebsten) vor dem Tod zu retten?" konfrontiert. Diana Cook schreibt nüchtern und eingängig. Erlebnisse der Gruppenmitglieder werden von ihr eher sachlich und ohne große Emotionen beschrieben. Ob die Figuren sympathisch oder unsympathisch wirken, scheint für sie keine Rolle zu spielen. Vielmehr sollen sie m.E. der Leserin, dem Leser, Raum geben für die Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen des menschlichen Zusammenlebens, um in Folge dessen eine Positionsbestimmung vornehmen zu können, die dann doch wieder zur Klimakatastrophe führt. So lautet m.M.n. die ultimative Frage nun: "Was tust du, liebe Leserin, lieber Leser, jetzt, in diesem Moment, um der aktuellen Klimakrise noch Herr werden zu können?" Insofern ist dieses Buch nicht nur eine Dystopie und ein coming-of-age-Roman, sondern auch ein Weckruf für all diejenigen, die vor den Zeichen der Zeit immer noch die Augen verschließen.

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Wunderbarer Schreibstil

Von: Buchstaebliches aus Balge

28.05.2022

Wir befinden uns in näherer Zukunft, in einer Welt, die fast nur noch von Megacities, Überbevölkerung und Dürre geprägt ist. Eine kleine Gruppe von Menschen bekommt die Gelegenheit, im Rahmen eines Forschungsprojektes in einer Art Wildnis-Reservat zu leben. Bea und ihre Tochter Agnes sind Teil des Experiments und ihre Geschichte hat mich von Beginn an fasziniert. Ich mag diese Art von Roman, dystopisch und kritisch, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu mahnen. Diese Geschichte ist nochmal ganz besonders und ich glaube, es liegt zum großen Teil an dem Schreibstil der Autorin, dieser passt genau zu dem Inhalt. Er ist auf der einen Seite knallhart, nüchtern, manchmal distanziert und unemotional. Damit spiegelt er das Leben in der Wildnis deutlich wieder, das Leben dort ist eben knallhart und das Überleben steht über allem. Auf der anderen Seite ist die Sprache immer wieder poetisch, fein und doch gefühlvoll, wie die Balladen, die sich die sogenannte Gemeinschaft am Lagerfeuer erzählt. Die Autorin lässt die Figuren wachsen, sich entwickeln, aber sie macht sie nicht zwingend sympathisch. Dafür authentisch, in einer rätselhaften Welt. Auch die Zeit entwickelt sich im Verlaufe des Buches besonders, es gibt große Sprünge und dann wieder viele dichte Handlungen. Das passt ebenfalls gut zu der Geschichte, für die Figuren spielen Zeiten und Daten keine große Rolle (mehr). Und dann folgt das Ende, ebenso passend wie der Rest. Vielleicht nicht schön im eigentlichen Sinne. Aber rund. Dieses Buch wird nachhaltig in meinem Kopf bleiben, es hat mir unglaublich gut gefallen und ich vergebe eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Wir befinden uns in näherer Zukunft, in einer Welt, die fast nur noch von Megacities, Überbevölkerung und Dürre geprägt ist. Eine kleine Gruppe von Menschen bekommt die Gelegenheit, im Rahmen eines Forschungsprojektes in einer Art Wildnis-Reservat zu leben. Bea und ihre Tochter Agnes sind Teil des Experiments und ihre Geschichte hat mich von Beginn an fasziniert. Ich mag diese Art von Roman, dystopisch und kritisch, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu mahnen. Diese Geschichte ist nochmal ganz besonders und ich glaube, es liegt zum großen Teil an dem Schreibstil der Autorin, dieser passt genau zu dem Inhalt. Er ist auf der einen Seite knallhart, nüchtern, manchmal distanziert und unemotional. Damit spiegelt er das Leben in der Wildnis deutlich wieder, das Leben dort ist eben knallhart und das Überleben steht über allem. Auf der anderen Seite ist die Sprache immer wieder poetisch, fein und doch gefühlvoll, wie die Balladen, die sich die sogenannte Gemeinschaft am Lagerfeuer erzählt. Die Autorin lässt die Figuren wachsen, sich entwickeln, aber sie macht sie nicht zwingend sympathisch. Dafür authentisch, in einer rätselhaften Welt. Auch die Zeit entwickelt sich im Verlaufe des Buches besonders, es gibt große Sprünge und dann wieder viele dichte Handlungen. Das passt ebenfalls gut zu der Geschichte, für die Figuren spielen Zeiten und Daten keine große Rolle (mehr). Und dann folgt das Ende, ebenso passend wie der Rest. Vielleicht nicht schön im eigentlichen Sinne. Aber rund. Dieses Buch wird nachhaltig in meinem Kopf bleiben, es hat mir unglaublich gut gefallen und ich vergebe eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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