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Rezensionen zu
Über Menschen

Juli Zeh

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€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

INHALT: Dora hat genug von dem Chaos bzgl. Corona und Lockdown, von ihrer komplizierten Beziehung mit Robert, von dessen apokalyptischen Horrorszenarien bzgl. der Pandemie und der Umweltzerstörung, von den stets negativen Nachrichten in den Medien, und von dem hektischen Treiben in der Stadt. Die Menschheit scheint immer mehr den Verstand zu verlieren. Sie muss hier definitiv weg! Sie hat ein altes Gutsverwalterhaus auf dem Land gekauft, in Bracken – ein Dorf in Brandenburg mit 285 Einwohnern. Ohne Möbel, ohne Auto, mit einem sanierungsbedürftigen Haus und einem vernachlässigten Garten in der Größe eines halben Fußballfeldes, versucht sie ihr Glück. Mithilfe von YouTube möchte sie die botanische Katastrophe in einen romantischen Landhausgarten mit Gemüsebeet verwandeln. Und ihren Job in der Werbeagentur führt sie im Homeoffice aus. Doch dann sind da noch die Nachbarn: Mehrere AfD-Wähler, hinter der Mauer der kahlrasierte „Dorfnazi“ und ein vernachlässigtes Mädchen. Trügt die ländliche Idylle etwa mehr, als vermutet? MEINUNG: Meine Erwartungen an das Buch waren nach den vielen positiven Stimmen, groß. Ich war gespannt, was mich bei Juli Zehs neuem Buch erwarten würde. Zuvor hatte ich bereits „Unterleuten“ gelesen, was mir etwas zu ruhig gewesen war, und „Neujahr“, das mich trotz dem weniger authentischen Ende, sehr beeindrucken konnte. Von Anfang an gefielen mir bei „Über Menschen“ das Setting sowie die Vorstellung, vor dem Wahnsinn in der Welt, flüchten zu können. Dora tat mir leid und ich war fassungslos, welchen Schikanen sie in ihrer Beziehung ausgesetzt war. „Ihr gemeinsames Leben verwandelte sich in ein Korsett aus Regeln.“ Als Robert ihr wegen Corona auch noch die Spaziergänge mit ihrer Hündin „Jochen-der-Rochen“ verbieten wollte, war ich froh, dass sie sich dies nicht länger gefallen lassen wollte! Besonders gut ist Juli Zeh die Zusammenstellung der unterschiedlichen und vielschichtigen Charaktere gelungen. Diese wirken lebendig und authentisch, sodass man als Leser*in schnell im Dorf ankommt. Nach und nach lernt Dora ihre Nachbarn kennen und diese Entwicklungen habe ich mit großem Interesse verfolgen dürfen. Ich mochte, in welche Richtung sich das Buch thematisch entwickelt hat, ohne, dass ich hier zu viel verraten möchte. Zwar habe ich anfangs wieder etwas Zeit benötigt, um in die Handlung hineinzufinden - die erste Buchhälfte über gab es für mich einige Längen und der Teil hat mich eher an „Unterleuten“ erinnert, bei dem es mir ähnlich erging. Aber ich hätte nicht gedacht, dass die Lektüre mich noch so sehr für sich einnehmen könnte. Denn spätestens ab der Hälfte fand ich die Handlung so eindrücklich und bewegend - sie hat mich festgehalten und nicht mehr losgelassen! Das war so ein Buch, von dem ich nicht wollte, dass es endet, obwohl es später so unglaublich traurig war. Ich wollte noch eine Weile bei Dora in Bracken bleiben... Der Inhalt hallt noch immer in mir nach und ich werde ihn wohl nicht so schnell vergessen. FAZIT: Juli Zeh ist ein großartiger Gesellschaftsroman gelungen, der das aktuelle Geschehen der Pandemie und dessen Auswirkungen aufgreift. Für mich mit der Botschaft: Egal, auf welche Leute wir treffen – hinter jedem von uns steckt ein Mensch. Das sollten wir nicht vergessen… Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und 4,5/5 Sterne!

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Leute sind auch Menschen

Von: Sonnenschein17

10.05.2021

Dora zieht es aufs Land, ganz weit weg von ihrem fanatischen Freund, der sie erst mit dem Friday-for-Future verrückt macht und später mit Corona. Eigentlich hat sie es schon früher gewusst und sich deshalb – ohne Wissen ihres Lebenspartners – ein Häuschen in den Tiefen der Mark Brandenburg gekauft. Wo sie mit ihrer Hündin "Jochen der Rochen" auf sich allein gestellt leben und arbeiten will. Die Städterin auf dem Land, mit einem renovierungsbedürftigen Haus und einem übergroßen Garten. Schnell merkt sie, dass sie sich wohl zu viel vorgenommen hat. Nun hat sie zwar Nachbarn, doch die interessieren Dora nicht; allerdings interessieren die Nachbarn sich für Dora und das Schicksal nimmt halt seinen Lauf. Dann verliert sie ihre eigentlich feste Arbeit in der Werbeagentur und alles scheint über ihr zusammenzuschlagen. Bei ihr es es nun nicht der Lottogewinn, sondern ihr ziemlich betuchter Vater, der ihr finanziell, aber auch anderweitig hilft. Und Dora, die sich für weltoffen hält, kommt in Gesprächen mit diesen Nachbarn schnell an ihre Grenzen, weil sie unsicher ist, wie sie braunem Geschwafel begegnen soll. In Berlin konnte sie sich immer aus der Affäre ziehen, doch hier muss/müsste sie sich auseinandersetzen, doch so richtig kommt sie nicht mit ihrer Meinung raus. Sie, die angeblich so gut Werbung machen kann, kann sich nicht so artikulieren, wie sie es gern täte. Durch den Bezug auf Corona kam mir halt vieles bekannt vor, auch Gedanken, die wohl fast jeder im Laufe der letzten Monate hatte. Das Aktuelle an dem Buch ist aber nicht nur Corona, sondern sind auch die netten helfenden Nachbarn, die sich als AfDler entpuppen oder gar bekennende Nazis sind. Ja, da kommen Klischees ins Spiel, die zwar nett sind, aber eben Klischees. Das fand ich ein bisschen schade, ich hätte mir auch mehr Wortgefechte gewünscht, leider passt aber gerade das zu Dora, ausweichen, möglichst wenig Konfrontation im Privaten. Mir hat das Buch gefallen, auch wenn das Ende wieder ein Klischee ist.

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TW: Tod eines Elternteils, Hirntumor, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Suizid, Covid-19, finanzielle Sorgen Dieses wunderbare Buch habe ich zum Großteil innerhalb eines Tages verschlungen! Es ist nach „Unter Leuten“ vor einigen Jahren mein zweiter Roman von Juli Zeh und garantiert nicht mein letzter! Auch war es mein zweites Buch, in dem nicht nur im Nachwort (wie beispielsweise bei „Was wir Frauen wollen“ von Isabel Allende), sondern auch im Plot selbst Bezug auf Corona genommen wird, ja teils sogar eine zentrale Rolle spielt. Vorwiegend am Anfang, während in der zweiten Hälfte noch einmal ganz andere Themen im Fokus stehen. Das Lesen war für mich zudem ein gelungener Rückblick aufs vergangene Jahr. Das Buch ist eine hochaktuelle und hervorragende Gesellschaftsanalyse, gerade in Zeiten von Corona, Klimawandel, Rechtsextremismus und Rassismus, in Roman-Form gegossen. Noch dazu alles andere als bedrückend, zumindest am Anfang. Schön, wenn man zur Abwechslung mal herzlich über die aktuelle Lage lachen kann - und Respekt, dass das jemand, noch dazu auf so kluge Weise, schafft (obwohl sich seit letztem Jahr ja noch nichts wesentlich geändert hat)! Zugleich schafft Juli Zeh es jedoch, die richtigen und wichtigen Fragen zu stellen – zum Beispiel bezüglich Effizienz und welchen Beitrag jeder einzelne gegen den Klimawandel leisten kann. Oder inwieweit die Corona-Regeln der Regierung in der Praxis und je nach Umfeld umsetzbar, logisch und gerechtfertigt sind. Selbst vor dem schwierigen Thema Rechtsextremismus scheut sie sich nicht: So verwerflich das klingen mag - sie stellt Nazis menschlich und als Menschen dar, die genauso mit Ängsten zu kämpfen haben, wie alle anderen, nur eben mit anderen, aber mit Ängsten, die man dennoch ernst nehmen sollte. Sie macht deutlich, dass niemand wirklich etwas Besseres ist, obwohl sich viele dafür halten - und dass das eines der Hauptprobleme ist, das im Wege steht, wenn man miteinander reden muss. Und das muss man langfristig, um Probleme zu lösen. Es hilft nicht, sie unter den Teppich zu kehren. Die Gesamt-Atmosphäre vom Leben auf dem Brandenburger Land hat etwas sehr Heimeliges und konnte mich absolut abholen, mit der provisorischen Lebensweise der Hauptprotagonistin Dora (und ihrer Hündin Jochen-der-Rochen), die mit Ideenreichtum und Tatendrang versucht, das Beste aus ihrer verzwickten Situation zu machen, während sie gleichzeitig ihre (vorübergehende?) Trennung von ihrem langjährigen Freund verarbeitet. Dabei ist sie stets getrieben von dem Bedürfnis, auf eigenen Beinen zu stehen. Hilfe anzunehmen, ist also nicht ihre Stärke, lernt sie im Verlauf der Geschichte aber gezwungenermaßen. Am Ende wird sie selbst zur wichtigen Helferin. Ein bisschen ist dieses Buch deshalb auch eine Art Coming-of-Age-Roman für Ü-30-Jährige. Und natürlich eine große Empfehlung! Danke an das Bloggerportal und den Luchterhand Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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Juli Zeh erzählt in „Über Menschen“ von selbstgerechten Besserwissern und inkorrekten Hilfsbereiten. „Dora mag keine absoluten Wahrheiten und keine Autoritäten, die sich darauf stützen. In ihr wohnt etwas, das sich sträubt. Sie hat keine Lust auf den Kampf ums Rechthaben und will nicht Teil einer Meinungsmannschaft sein.“ Eine Seuche schleudert eine Frau in die Einsamkeit, wo sie als Selbstversorgerin zunächst gegen die Natur kämpfen muss und später gegen einen großen, aggressiven Mann. Ach ja, ein Hund ist auch mit von der Partie. Die Parallelen zu „Die Wand“ scheinen offensichtlich, doch Juli Zeh setzt in ihrem neuen Roman „Über Menschen“ andere Maxime als Marlen Haushofer in ihrer berühmten Dystopie. Die Werbe-Texterin Dora tauscht die Kreuzberger Baumwollbeutel-Boheme gegen eine Saatkartoffel-Solitüde im Brandenburgischen. Dort hatte sie vor Ausbruch der Pandemie preiswert ein altes Gutsverwalterhaus erstanden. Es wird zum neuen Zuhause als Dora aus der gemeinsamen Wohnung flieht. Robert, der doch für alle nur das Beste will, hat Dora das Leben schwer gemacht. Der nachhaltige Veganer achtet auf eine korrekte Lebensführung und seit dem Auftauchen des Virus auch auf die Einhaltung aller Hygieneregeln. Schließlich rettet sich Dora, die sich nur noch als „CO2-Problem und Corona-Keimschleuder“ wahrgenommen fühlt, aufs Land. Dort hat sie Ruhe, denn dort ist nichts los. Ihr Haus, so erfährt sie, war einst der Kindergarten von Bracken. Heute gibt es im Ort keinen mehr, genauso wenig wie eine Schule oder einen Lebensmittelladen. Berlin ist nah, doch der Bus fährt selten. Ein Auto hat Dora nicht, dafür einen Hund, ein Rad und schnelles Internet. Bald befällt sie das Gefühl „existentieller Chancenlosigkeit“. Das Stichwort steht auf der ersten Seite des Romans und erinnert mich an den bekanntesten Roman der großen Marlen Haushofer. Wie die Heldin dieser Geschichte greift auch Dora zum Spaten und legt einen Acker an. Ihre einzige Begleitung ist ein treuer Vierbeiner. Und wie in Haushofers Roman tritt auch in dem von Zeh ein Mann auf, der den Hund bedroht. Dora begegnet ihm schon nach wenigen Seiten und nicht erst am Ende. Dort findet sich allerdings ein Satz, der als weitere Haushofer-Referenz gelten könnte. „Seit Doras Umzug hat in Bracken Tag für Tag die Sonne geschienen (…) als wäre das Dorf von einer großen, immer blau gestrichenen Glocke abgedeckt.“ Dora erhält, anders als die Einsame unter der Glasglocke, bald Gesellschaft. Gote, der bedrohliche Nachbar, stellt sich zwar als „Dorf-Nazi“ vor, dann aber doch manierlich an. So wie auch die übrigen Dorfbewohner mit ihrer Hilfsbereitschaft nicht zögern. Der von gegenüber rodet mit schwerem Gerät das Gestrüpp, ein anderer sammelt Dora am Einkaufzentrum ein, wo sie vergeblich auf den Bus wartet. Schließlich bringt jemand Saatkartoffeln. Und das alles ungefragt. Die kulturelle Kluft zur nur räumlich nahen Hauptstadt verstärkt Zeh durch Szenen aus ebendieser. Spätestens wenn sie für die Fahrt dorthin ihren kleinen Hund verstaut, erkennt man, wie weit die Sphären auseinanderliegen. Wer würde in Bracken schon seine Töle in einem Rucksack transportieren? Dora fährt wieder zurück. Ihr Abenteuer ist weniger gefährlich als das des von ihr verehrten Alexander Gerst, doch Mut braucht man nicht nur im All. Juli Zeh erzählt von zwei fremden Welten, indem sie ihre Protagonistin auf wenige, dafür disparate Figuren treffen lässt. Zur Wichtigsten, dem Antagonisten Gote, baut die Autorin eine Brücke mit einem Hund und einem kleinen Mädchen. Das ist glaubwürdig, auch wenn es klischeehaft klingt. Gegen Ende hin droht die Geschichte sentimental zu werden und drückt dann, so wie Dora es Gote vorwirft, ein bisschen auf die Tränendrüse. Doch das ist zum einen inhaltlich bedingt, zum anderen gelingt es Zeh vielleicht gerade dadurch, ihre Motive in gute Unterhaltung zu verpacken. Diese zeigt sich im Erzählfluss, der einen nach fulminantem Start sofort mitreißt. Doras Reflektionen bettet Zeh zwischen überraschende Reaktionen und schlagfertige Dialoge. Zwar „fällt“ zu Beginn etwas oft „der Groschen“, dafür entschädigen jedoch zahlreiche ironische Bemerkungen. Ihren Wortwitz offenbart Zeh nicht nur in den Ideen der Werbetexterin für die Ökojeans „Gutmensch“ des Labels „FAIRkleidung“. Er zeigt sich auch im Titel des Romans. Der erinnert an Zehs anderes Brandenburg-Buch, auf das sie verweist, „In Bracken ist man unter Leuten. Da kann man sich nicht mehr so leicht über die Menschen erheben.“ Der Begriff „Über Menschen“ charakterisiert fast jede Figur des Romans, sei es Robert, der sein Verhalten über das der anderen stellt, oder Steffen, der als Kabarettist Gote aburteilt. Das Schwarz-Weiß-Denken, was bei Gote erwartbar wäre, erkennt Dora im Laufe der Geschichte auch bei sich selbst. „Es geht nicht darum, Widersprüche auszulösen, sondern sie auszuhalten“, so der Rat.

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Was wissen wir über Menschen

Von: Karin

06.05.2021

Wer bin ich und wer will ich sein? Wie will ich leben und wo? Was für Chancen habe ich verpasst, welche Entscheidungen bereut? Wie soll es weiter gehen? Bin ich glücklich? All das fragt sich Dora und als die Corona Pandemie mit voller Wucht auf die Welt trifft, fühlt sie sich zum Handeln gezwungen. Ihre Flucht vor sich selbst hält allerdings nur neue Fragen für sie bereit. Sie wird mit Themen konfrontiert, die bis dato für sie gar nicht relevant waren, doch nun ihren Alltag prägen. An einigen Stellen hat man das Gefühl den Spiegel vorgehalten zu bekommen. Was wissen wir wirklich über unsere Mitmenschen!? Was wiegt mehr: die Wahrheit oder das was wir dafür halten? Wie finden wir einen Weg mit dem umzugehen, was anscheinend nicht ins allgemein gültige Weltbild passen will? Das Buch gibt Anstöße zum Nachdenken und Reflektieren über Menschen - über sich selbst. Fazit: Ich hatte mehr Spannung und Nervenkitzel erwartet, doch über Menschen kann man sich hier einige Gedanken machen und vielleicht was lernen.

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Ich muss sagen, dass ich selten ein Buch gelesen habe, wo der Titel so perfekt passt. Zeh weiß genau, wie sie Gedanken, Gefühle und Verhalten von und über Menschen einfängt. Es fühlt sich natürlich an das Buch zu lesen. Man taucht ein in eine Welt, die auch die eigene sein könnte. Natürlich war es zwischendurch sehr leicht für mich, sich in Dora einzufühlen, da sie ähnliche Einstellungen zu den meinen hatte, jedoch konnte ich dies auch an Stellen, die meinen eher konträr waren. Wer es also mag, nicht nur schwarz-weiß zu denken und seine eigenen Einstellungen und Handlungen sowie Gedanken zu reflektieren, für den ist dieses Buch genau das richtige! Vorsicht Spoiler! Zeh schafft es in ihrem Buch einen Nazi so sympathisch werden zu lassen, dass man ihn anfängt zu mögen. Dabei hat sie genau das richtige Maß. Vergisst man, dass er Nazi ist, so wird man kurz darauf wieder schmerzhaft daran erinnert und muss sich fragen, wie es sein kann, dass man selber mit einem Nazi sympathisiert. Für mich war das tatsächlich nicht leicht. Aber es zeigt vieles sehr gut: aus der Ferne Dinge zu verurteilen oder auch nur darüber zu urteilen, ist nochmal etwas anderes, wenn man diese kennenlernt. Die Autorin schafft es, dieses an vielen Beispielen zu verdeutlichen. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, in ähnliche Gedanken wie Dora zu verfallen und mich und meine Einstellungen selbst zu reflektieren. Zusätzlich dazu, dass das Buch sehr gut geschrieben ist und sich gut lesen lässt, ist es also ein Werk, was an vielen Stellen zum Nachdenken anregt. Große Props an die Autorin für dieses fantastische Buch.

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Gerne mehr „mit Menschen“…

Von: Katka

04.05.2021

Ich habe mich wahnsinnig auf das Buch gefreut und mit viel Elan zu lesen begonnen, ich wollte „über Menschen“ lesen und mich auf diese einlassen. Gleich zu Beginn wurde meine Euphorie getrübt, da es mit mir und Dora, der Hauptfigur, alles andere als „Sympathie auf den ersten Seiten“ war. Sie repräsentierte jedes Klischee, dass an Stadtmenschen, die aufs Land ziehen um sich selbst zu suchen/finden/zusammenflicken, bei Landmenschen sauer aufstößt. Mist! Jochen, der Rochen, war dafür ein Lichtblick – obwohl sich der Name mit der Zeit in bisschen abnutzt. Ich habe mich dann Seite für Seite weitergearbeitet und zwischendurch auch mit viel Vergnügen die Geschichte verfolgt, aber ganz abgeholt hat mich der Roman bis zum Schluss leider nicht. FAZIT: Zeitverschwendung war es sicher keine, dafür war es zu witzig, zu nachdenklich, zu sehr am (pandemiebedingt komatösen) Puls der Zeit – trotzdem blieb es für mich immer an der Oberfläche, also „über Menschen“ und nicht „mit Menschen“. Meine Erwartungen waren möglicherweise etwas hoch, nachdem mich Stefanie Sargnagels mit „Dicht“ derart Fulminant in der Welt der jungen deutschsprachigen Schriftsteller*innen willkommen geheißen hat.

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Über Vorurteile und Selbstreflexion

Von: Lesepingu

03.05.2021

"Über Menschen" gilt zu Recht als der neue Bestseller von Juli Zeh. Auf unterhaltsame Art entführt Juli Zeh den Leser in eine Welt, die für die Protagonistin Dora, mit Klischees bestickt ist und ihre unfreiwilligen Vorurteile zunächst vollends bestätigt werden. Aber im Laufe der Geschichte lernt Dora sich selbst besser kennen und auch zunächst unfreiwillig ihre Nachbarn. Sie muss erkennen das nicht immer alles so ist, wie es im ersten Moment erscheint und was die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind. Ich habe "Über Menschen" sehr gerne gelesen. Es hat mich berührt, gefesselt und zum nachdenken animiert. Ein großartiges Buch der aktuellen Zeit - kritisch und treffend.

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