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Rezensionen zu
Das Versprechen

Damon Galgut

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€ 24,00 [D] inkl. MwSt. | € 24,70 [A] | CHF 33,90* (* empf. VK-Preis)

Inhalt: 
 Spätes zwanzigstes Jahrhundert: Die Swarts sind eine weiße wohlhabende Farmersfamilie in Südafrika. Mutter Rachel, Vater Manie und die drei Kinder Anton, Astrid und Amor. Doch Rachel hat Krebs. Bevor sie stirbt, nimmt Rachel ihrem Ehemann das Versprechen ab, der Schwarzen Hausangestellten, die sie bis zu ihrem Tod gepflegt hat, das Haus zu schenken, das diese mit ihrer Familie bereits seit vielen Jahren bewohnt. Doch Manie erfüllt dieses Versprechen nicht. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten hängt es wie ein Damoklesschwert über den Swarts. Ein totgeschwiegenes und doch immer präsentes Thema, das die Höhen und Tiefen Südafrikas und letztlich auch den allmählichen Zerfall der Familie überdauert. Meine Meinung: 
Auf „Das Versprechen“ bin ich erstmalig aufmerksam geworden, weil es im Jahr 2021 den Booker Prize, und damit den wichtigsten englischsprachigen Literaturpreis gewonnen hat. Seit ich die Biographie von Nelson Mandela gelesen habe (noch in der Schulzeit), verfolgt mich ein gewisses Interesse an der südafrikanischen Vergangenheit, deswegen wollte ich das Buch so gerne lesen. Dabei wird sehr schnell deutlich, dass man es hier mit großer Literatur zu tun hat. Ein allwissender Erzähler berichtet in ironisch, sarkastischem Tonfall über die Geschehnisse innerhalb der Familie und springt dabei in schnellen Sequenzen zwischen den Mitgliedern hin und her. Immer wieder streut die Erzählstimme spöttische Kommentare ein oder stellt Geschehnisse in Frage. Alles ist Erzählung und Gedankenstrom, wörtliche Reden gibt es keine. Auch der Aufbau des Buchs ist besonders. Die Geschichte wird in mehrere Teile gegliedert, jeder davon markiert einen Todesfall. „Das Versprechen“ steckt also voller Zutaten, die das Buch zu einem großartigen und außergewöhnlichen Roman machen. Schade ist allerdings, dass der Text sich fast ausschließlich auf die Familie Swart konzentriert. Vor dem Hintergrund des Versprechens habe ich mir erhofft, dass die Schwarze Hausangestellte Salome und ihre Familie mehr Raum erhalten. Ich hätte mich sehr dafür interessiert, mehr über die Dynamik zwischen den beiden Familien zu erfahren. So bleiben diese Figuren leider nur eine Randnotiz. Gleichzeitig hat es mir gefallen, dass die Geschehnisse innerhalb der Familie immer auch in Beziehung zu historischen und politischen Ereignissen gesetzt werden. Das Buch erklärt hier wenig, macht aber in dieser Wenigkeit die großen politischen Umbrüche innerhalb Südafrikas und den Frust der Bevölkerung eindrücklich deutlich. Abschließend muss ich noch das Ende der Geschichte erwähnen, das in meinen Augen auch das Highlight gewesen ist. Der Autor hat hier wirklich einen würdigen Schlusspunkt gefunden. Gerne hätte ich im Hauptteil noch mehr dieser großen Szenen gelesen. Ich kann allerdings verstehen, warum man einen solchen Moment in dieser Wichtigkeit einzig ans Ende eines Buchs stellt. Fazit:
 „Das Versprechen“ hat die Auszeichung, die es erhalten hat, wirklich verdient. Es ist ein außergewöhnlicher Roman über ein Land, das viel Leid und viele Umbrüche gesehen hat, und über Menschen dort, die all diese miterlebt und gleichzeitig ihre eigenen Tragödien erfahren haben.

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Das Cottage

Von: wal.li

02.01.2022

Die 13jährige Amor denkt, dass Eltern eigentlich unsterblich sein sollten. Und doch stirbt ihre Mutter mit nur vierzig Jahren an Krebs. Amor wird aus dem Internat heimgeholt, ihre Schwester Astrid ist daheim und der älteste der Geschwister Anton, der seinen Militärdienst ableistet, bekommt sieben Tage Urlaub. Auf der Farm der Swarts versammeln sich Familie und Freunde der Toten. Im Jahr 1986 gibt es erste Unruhen zwischen Schwarzen und Weißen. Der Verstorbenen war es ein Anliegen, dass Salome, ihr schwarzes Hausmädchen, das Cottage, in dem sie lebt, bekommen soll. Auf dem Sterbebett verspricht ihr Mann, er wird dafür sorgen, dass das Haus und ein Stück Land an Salome übergehen. Über mehrere Jahrzehnte berichtet der Autor vom Niedergang der eigentlich wohlhabenden Familie Swart. Die Mutter Rachel schien die Familie zusammengehalten zu haben. Nach ihrem Tod vermögen die Überlebenden es nicht, eine Gemeinsamkeit zu finden. Der Vater, früher ein Schwerenöter hat sich schon vor einer Weile der Kirche zugewandt. Anton ist wegen des Wehrdiensts nicht zu hause, Astrid vergnügt sich lieber mit ihrem Freund und Amor, die Jüngste, ist so schockiert vom Tod ihrer Mutter, dass sie das zunächst nicht wahrhaben will. Das Versprechen gerät in Vergessenheit. Schließlich wird Mandela aus der Haft entlassen und Süd Afrika zur Demokratie; Mit schlichten, aber prägnanten Worten bringt der Autor auch Lesern, die nicht direkt im System der Apartheid groß geworden sind, diese Zeit des Umbruchs nahe. Die Strukturen der weißen Familien werden aufgebrochen, während die der Ureinwohner nicht sofort in die Bresche springen können, sie waren ja viel zu lange unterdrückt und klein gehalten. Doch auch ihre Strukturen brechen auf, so dass eine eigentlich sehr positive Entwicklung erstmal zu Unruhen und Tumulten führt. Gebannt verfolgt man wie von einer einst vermutlich stolzen Familie beinahe nichts mehr bleibt. Immer wieder wünscht man, das Versprechen würde nicht beiseite geschoben und immer wieder geflissentlich vergessen werden. Was man freiwillig und mit guten Gründen gibt, birgt die Chance, eine Gemeinschaft erzeugen, die allen zugute kommen könnte. Ein herausragender und wohl zurecht preisgekrönter Roman über eine Zeit eines radikalen Umbruchs. 4,5 Sterne

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