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Rezensionen zu
Klara und die Sonne

Kazuo Ishiguro

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Ein neues Buch von Kazuo Ishiguro mit starken „Alles, was wir geben mussten“-Vibes? Ja, ich bitte, hier! Es ist wieder ein bisschen SciFi (keine Angst davor haben) und auch wieder sehr langsam und ruhig (auch davor nicht) und ich mochte alles daran. Wir betreten eine Welt, in der Kinder alleine zu Hause bleiben und aus der Ferne unterrichtet werden. Damit sie trotzdem einen sozialen Kontakt haben, gibt es KFs (Künstliche Freunde), die man sich nach Hause holt, mit denen gespielt und geredet wird, und die die Entwicklung unterstützen. Klara ist genau so eine KF und wir lernen die Welt mit ihren Augen kennen. Zuerst noch im Laden, später dann in ihrer neuen Familie zusammen mit Josi und ihrer Mutter. Klara lernt die Welt Stück für Stück kennen und versucht das Erlebte mit ihrem vorprogrammierten Wissen zusammen zu bringen. Brauchen wir die Sonne zum Überleben? Wie kann man am besten für eine Person sorgen? Wie ist der Umgang mit Krankheit und Trauer? Es passieren viele wirre Dinge im Buch, auf die man sich einlassen muss. Die Mechanismen dieser Welt bekommen wir dabei aber (leider) nie ganz zu fassen. Generell wird wenig erklärt, es ist mehr ein Gefühl, das bleibt.

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„Unsere Generation ist noch dem alten Fühlen verhaftet. Ein Teil von uns wehrt sich dagegen loszulassen. Der Teil, der nach wie vor glauben will, dass in jedem von uns etwas Ungreifbares ist. Etwas, das einzigartig ist und sich nicht übertragen lässt. Aber es gibt nichts dergleichen, und das wissen wir jetzt.“ Dieser Roman hat viel in mir ausgelöst und hallt noch immer nach… Ein bewegendes, aufwühlendes Buch, das ich sehr empfehlen kann! Ganz unschuldig und leise hat es mich in die Enge getrieben und Fragen aufgeworfen, mit denen ich mich noch immer beschäftige: Kann ein Roboter einen Menschen ersetzten? Oder gibt es in jedem Menschen dieses eine Etwas, das ihn einmalig und besonders macht? Und wenn ja, was ist dieses Etwas? Oder anders herum, was macht uns Menschen zu Menschen? Und wie weit in einen Fortschritt, den ich nicht befürworte, würde ich mitgehen, nur um dazuzugehören? Um meinen Kindern gute Zukunftchancen zu ermöglichen? Kazuo Ishiguro entwirft sein Zukunftsszenario ganz aus der Sicht Klaras. Klara ist eine KF, eine künstliche Freundin, die in einem Laden auf „ihren“ Teenager wartet, dem sie beistehen kann. Schliesslich wird sie von Josie und deren Mutter gekauft und darf mit ihnen nach hause. Josie ist kränklich und gehört zu den „gehobenen“ Teenagern, die zu hause über das Internet unterrichtet werden. Ihr Sozialverhalten muss sie in „Interaktionsmeetings“ üben. Klara dient ihr treu und ergeben, während ihre Mutter fast immer am Arbeiten ist. Aber nicht nur das: Klara trifft auch heimlich und eigenständig Entscheidungen und mischt sich in Josies Schicksal ein. Nach und nach lernt Klara Josies Umfeld kenne und es sickern Details aus Josies Leben durch. Auch die wahren Absichten der Mutter beim Kauf von Klara werden deutlicher, und die Geschichte wird immer beklemmender. Über den fast naiv wirkenden Schilderungen Klaras, die ruhig dahinplätschern, schwebt etwas Düsteres, Bedrohliches. Klaras Beobachtungen werfen viele Fragen auf und entwerfen eine Zukunft, in der jeder einzelne sich entscheiden muss, ober er Eingriffen wie der Genomeditierung und der Gleichstellung von Mensch und Maschine zustimmen und damit dazugehören oder sich aus der Gesellschaft verabschieden und auf Privilegien verzichten möchte. Interessant fand ich auch die Haltung der Menschen gegenüber Klara, diese Ambivalenz, die ich übrigens auch in mir als Leserin gespürt habe. Klara wird manchmal wie ein Mensch behandelt, man tut ihr Gutes, ist nett zu ihr. Dann wieder ist Klara nur ein Ding, eine Maschine. Und auch als Leserin hatte zuerst „Berührungsängste“, wollte mich nicht auf Klara einlassen, habe sie dann aber ins Herz geschlossen. Sie ist ganz klar das Zentrum dieses Buches, sie kommt einem nah, nicht die Menschen, mit denen sie zusammenlebt. Auch das wirft wieder viele Fragen auf und hat mich amüsiert und befremdet zugleich. Und last but not least sind es nicht die Menschen, die in diesem Roman dieses individuelle Etwas eines jeden Menschen beschreiben und definierten können, sondern Klara, die KF, die Maschine…. Irgendwie gruselig! Auf jeden Fall ein hochaktuelles, vielschichtiges und zum Nachdenken anregendes Buch, das viel Diskussionsstoff liefert, ohne aufdringlich oder gar belehrend zu sein.

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„Glaubst du an das menschliche Herz? Ich meine natürlich nicht einfach das Organ, sondern spreche im poetischen Sinn. Das Herz des Menschen. Glaubst du, dass es so etwas gibt? Etwas, das jedes Individuum besonders und einmalig macht?“ […] „Das Herz, von dem Sie sprechen […]. Das könnte tatsächlich das Schwierigste sein, das ich zu lernen habe.“ (S. 251 f.) Klara ist eine sogenannte KF, eine „Künstliche Freundin“, ein einem jungen Mädchen nachempfundener Roboter, dazu geschaffen, Kindern, deren Eltern zu wenig Zeit für ihren Nachwuchs haben, als Gefährtin zu dienen. Klara steht mit anderen Artgenossinnen und -genossen im Shop, wartet darauf, von einem Kind ausgewählt zu werden, um ihm fortan zur Seite zu stehen. Klara beobachtet, nimmt auf, stellt Zusammenhänge her – und sehnt sich nach der Sonne, die ihr Energie spendet. Dank der ausgefeilten selbstlernenden Künstlichen Intelligenz, auf der ihre Software basiert, ist Klara in besonderer Weise „empathisch“, sie „erspürt“ die kleinsten Regungen und Stimmungsumschwünge ihrer Besitzerin Josie. Und das ist auch notwendig, denn Josie ist eine „Gehobene“, ein besonders begabtes Mädchen, dessen überdurchschnittliche Begabungen nicht nur eine spezielle Förderung erfordern, sondern auch mit einer fragilen physischen Gesundheit einhergehen. Klara will Josie helfen, sie gesund machen – und was könnte dazu besser geeignet sein als die Sonne? Am Beispiel der Ich-Erzählerin Klara, die ungeachtet ihrer Artifizialität bisweilen humaner wirkt als die meisten Menschen in ihrem Umfeld, entwirft Kazuo Ishiguro ein Bild einer zeitlich und ideologisch nur allzu nahen Zukunft, die geprägt ist von Künstlicher Intelligenz, Genom-Editierung und Leistungsoptimierung. Ishiguro gibt in seinem Roman keine Antworten. Aber er wirft Fragen auf: wohin und wonach wir streben, wo Menschlichkeit beginnt und wo sie endet, und nicht zuletzt, ob der feste Glaube an eine höhere Macht – man mag es Religiosität oder Spiritualität nennen – nicht unvermeidbar ist. „Klara und die Sonne“ ist ein Buch, das lange in mir nachgewirkt hat. Deshalb: große Leseempfehlung!

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Schon während des Lesens fand ich es schwer meine Gedanken zu diesem Buch zu bündeln. Aber fangen wir mal von vorne an. In „Klara und die Sonne“ verfolgen wir Klara, die eine künstliche Intelligenz ist, geschaffen um Kinder oder Jugendliche zum erwachsen werden zu begleiten. In einigen Rezensionen habe ich gelesen, dass es vielen so erging wie mir. Das Buch hat sich so leicht gelesen! Warum kann ich gar nicht wirklich sagen. Die Handlung war sehr ruhig, und hatte trotzdem erschreckende Wendungen. Definitiv anders als alles was ich bisher gelesen habe. Kazuo Ishiguro vereint Freundschaft mit Loslassen und Trauer. Aber am größten ist die Frage was es heißt zu Lieben. Ich bin etwas traurig es beendet zu haben, aber auch sehr froh dass ich es gelesen habe! Sehr spannend fand ich die Darstellung von Klasse, und die damit verbundene Ungleichheiten bezüglich der Bildung.

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Meine Meinung: Der bekannte Autor hat sich in diesem Buch einem aktuellem Thema gewidmet, nämlich der Frage *Was macht eine Künstliche Intelligenz , im Roman eine *künstliche Freundin* kurz *KF* genannt aus? Ich fand es sehr interessant und in keiner Weise langweilig , obwohl der Autor die *KF* Klara in einer einfachen, manchmal recht naiven Ich-Erzählung sprechen lässt. Eigentlich passiert während der über dreihundert Seiten nicht sehr viel. Die Geschichte spielt in einer nahen fiktionalen , in einer nach merkwürdigen Normen geregelten Welt, in der die Menschen streng nach Leistung und Gesellschaftsstand beurteilt werden. Mit befremdlichen Worten und Ausdrücken wie *gehoben* wird zum Beispiel die obere Bildunsgsklasse bezeichnet. Mir erschienen die *KF'S*, insbesondere Klara menschlicher und positiver dargestellt als die echten Mitglieder dieser unheimlichen Gesellschaft, die mit massiven Umweltproblemen zu kämpfen hat. Die technische Seite oder/und die Entstehung einer *KF* wird im Buch vollkommen ausser Acht gelassen. Klara, die *KF* beobachtet die Menschen, ihr für sie oft nicht nachvollziehbares Verhalten, welches von ihr unbekannten Emotionen und Handlungen geprägt wird. Klara scheint aber ein besonderer Typ von einer *künstlichen Intelligenz* zu sein, denn sie lernt ausserordentlich schnell und hat selber leichte Emotionen und vermittelt sie sogar ihren zugehörigen Menschen. Sie begleitet die Jugendliche Josie während einer schweren Erkrankung und entwickelt eigene Taktiken um dem Kind zu helfen. Dieses Helfen und die Fürsorge für Josie hat für Klara oberste Priorität in ihrem Verhalten. Klara ist eine Protagonistin, die man einfach liebgewinnen kann. So ergeht es auch vielen Menschen in diesem Roman, Allen voran Josie und ihrem Freund Rick, sowie Josie's Mutter, die allerdings ein für mich unheimlich erscheinendes Vorhaben plant...... Meine Bewertung : Fünf ***** Sterne für diese interessante Lektüre. Danke für das Rezensionsexemplar !

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Poetisch, magisch, tragisch, schön: Literatur-Nobelpreisträger Kazou Ishiguro ist ein Meister darin, tiefe Einblicke in die menschliche Seele zu wagen – und zwar aus Sicht menschenartiger Wesen. In seinem mit Keira Knightley und Andrew Garfield verfilmten Meisterwerk „Alles, was wir geben mussten“ waren es Klone, die dafür gezüchtet wurden, ihren Auftraggebern Organe zu spenden. In diesem Roman ist es eine KI, eine künstliche Intelligenz, deren Aufgabe darin besteht, sensible Jugendliche durch die problematische Zeit des Erwachsenwerdens zu begleiten. In der nahen Zukunft hat sich die Welt mir ihren sozialen Konstrukten verändert. Leider nicht zum Besseren. Der Roman entfaltet seine unglaubliche emotionale Wucht durch die außergewöhnliche Erzählperspektive. Wir erleben die Geschichte aus Sicht von Klara, der „künstlichen Freundin“. Unmittelbar wirft der Autor uns ins Geschehen. Erster Satz: „Als wir neu waren, standen Rosa und ich in der Ladenmitte, wo auch die Zeitschriften auslagen, und hatten den größeren Teil des Schaufensters im Blick.“ KIs oder vielmehr KFs haben keine Vorgeschichte, keine Kindheit. Ihr Leben beginnt in dem Laden, wo sie hoffen, bald von einem Jugendlichen als Begleiter ausgewählt zu werden. Durch das Schaufenster beobachtet Klara die Welt. Sie hat eine sehr genaue Wahrnehmung, die beim Lesen sofort in den Bann zieht. Denn Klara ist sowohl hochintelligent, als auch naiv. Als hätte man das Gehirn eines Genies in die begrenzte Lebenserfahrung eines Kindes verpflanzt. Heraus kommen entwaffnend ehrliche, tiefgründige Beobachtungen, die ins Mark der Menschen treffen. Sie sagen das eine und tun das andere. Sie sind innerlich zerrissen zwischen dem, was sie wollen und dem, was die Gesellschaft von ihnen verlangt. Sie ändern ihre Meinung, wollen rational handeln, werden aber emotional zurückgeworfen. In der Zukunft mehr denn je. Was sich genau in der nahen Zukunft verändert hat, erfahren wir langsam im Verlauf des Plots. Subtile, unheilschwangere Vorzeichen baut der Autor geschickt ein. Klara findet ein Zuhause bei der dreizehnjährigen Josie. Diese gehört zu den „Gehobenen“, der privilegierten Klasse. Sie lebt abgeschieden auf dem Land, die beruflich erfolgreiche Mutter ist meist den ganzen Tag unterwegs, während Josie via Online-Tutor unterrichtet wird. Kontakt zu Gleichaltrigen werden über so genannte „Interaktionsmeetings“ eingefädelt. Ihr einziger richtiger Freund ist der Nachbarsjunge Rick mit dem sie eine zarte Romanze verbindet. Doch eine gemeinsame Zukunft scheint unmöglich, da Rick zu den Nicht-Gehobenen gehört. Daher bleibt ihm der Zugang zu College, höherer Bildung und sozialem Aufstieg verwehrt. Doch der Preis, den Josie für ihre Privilegien bezahlen muss, ist hoch. Denn Josie ist krank, todkrank sogar. Ishiguros sprachliches Gespür trägt dazu bei, dass wir LeserInnen seltsam berührt werden. Denn ausgerechnet eine KI erzählt so poetisch, still und mitfühlend, dass die menschlichen Stimmen dagegen geradezu verstummen. Vieles lässt Ishiguro letztendlich in der Schwebe. Da ist zum Beispiel die Metapher der Sonne, die im Buch eine wesentliche Rolle spielt. Auch die Frage, wo die Grenzen zwischen Maschine und Mensch verlaufen, müssen LeserInnen nach der Lektüre des Buches für sich selbst entscheiden. Im Mittelpunkt steht das Thema, ob in jedem Menschen etwas Einzigartiges steckt, das ihn ausmacht. Etwas, dass sich nicht reproduzieren lässt. Nicht einmal durch eine KI. Manche bezeichnen dies schlicht als „Seele“. Der in Nagasaki geborene und in London aufgewachsene Autor erlangte vor allem durch sein Werk „Was vom Tage übrigblieb“ internationale Bekanntheit. Dieses wurde mit Anthony Hopkins und Emma Thompson verfilmt. Ob beim Blick in die Vergangenheit oder beim Blick in eine (mögliche) Zukunft – Ishiguro weiß mit seiner Prosa aufzurütteln. Dabei sind seine futuristisch anmutenden Werke „Klara und die Sonne“ oder „Alles, was wir geben mussten“ näher an der Realität, als viele denken. Mitte April 2021 veröffentlichte die University of Science and Technology im chinesischen Yunnan ihren neuesten Durchbruch in Sachen Chimären-Forschung. Es war den Wissenschaftlern gelungen, Embryonen aus Affen- und Menschenzellen zu erzeugen und mehrere Tage in Petrischalen am Leben zu erhalten. Chimären sollen später dazu dienen, Organe zu züchten oder Versuche an ihnen durchzuführen. An Stoff für seine mitreißende und gesellschaftskritische Prosa dürfte es dem Autor also nicht mangeln. Fazit: Schön und erschreckend, poetisch und brutal, futuristisch und realistisch zugleich: Diesen Spagat meistert der Nobelpreisträger für Literatur so gekonnt wie kein Zweiter. In Ishiguros Werken ist der Mensch sich selbst, anderen sowie dem Planeten entfremdet. Den eigenen Gefühlen sowieso. Wieder einmal ein großartiges Buch dieses Ausnahmeautors.

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Als großer Fan von Kazuo Ishiguro habe ich so ziemlich alle Romane von ihm gelesen. Ich mag diese klare ruhige Sprache, die stillen Charaktere, die sich dennoch stark präsentieren. Klara ist eine KF, eine künstliche Freundin. KFs wurden als Gefährten für Jugendliche entwickelt und konstruiert. Sie sollen ihnen den Weg ins Erwachsenwerden erleichtern. Bis zu ihrem Verkauf steht Klara nun mit anderen KFs in einem Laden und wartet darauf ausgesucht zu werden. Durch das Schaufenster kann sie einen kleinen Ausblick auf die Welt erhaschen. Sie beobachtet sehr genau. Eines Tages wird Klara von der 13jährigen Josie ausgesucht und mit nach Hause genommen. Nun sieht Klara zum ersten Mal eine ganz andere neue Welt, und obwohl KFs ohne jegliche Emotionen ausgestattet sind, spürt sie, dass in dieser Welt etwas nicht stimmt. Ishiguro erzählt in seinem neuen Roman „ Klara und die Sonne“ aus der Sicht Klaras und schafft damit eine intensive klare Atmosphäre. Er zählt mit zu meinen absoluten Lieblingsschriftstellern und auch dieser Roman ist wieder sehr lesenswert!

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In Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro geht es um die KF (Künstliche Freundin) Klara. Klaras Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sich eine Jugendliche mit ihr weniger einsam fühlt. Klara lebt am Anfang des Romans mit vielen anderen KFs gemeinsam in einem Geschäft. Durch das Schaufenster können die KFs die Menschen draußen beobachten. Während Klara eine sehr gute Beobachtungsgabe hat und schnell ihre Schlüsse zieht, erkennt Rosa, ihre beste Freundin, nicht so viel. Einmal sitzen Klara und Rosa direkt im Schaufenster und beobachten zwei Männer, die sich prügeln. Rosa ist der festen Überzeugung, dass die beiden Männer ein Spiel gespielt haben, dass ihnen und den anderen Anwesenden gefallen hat; Klara hingegen ist erschüttert wieso Menschen sich verletzten möchte. Weiterhin beobachtet Klara auch seltsames Verhalten im Laden selbst: Nachdem neue Modelle im Geschäft eingetroffen sind, beobachtet Klara wie die neuen Modelle von den älteren abrücken, obwohl diese älteren Modelle sehr nett zu den neuen sind. Die neuen Modelle lachen immer wieder über die älteren. Sie versteht dieses missgünstige Verhalten nicht und fragt sich wie diese neuen KFs denn auf diese Weise vernünftig für ihre Jugendlichen da sein sollen. Als Klara Josie kennenlernt, verspricht Josie ihr, dass sie sie bald kaufen wird. Nachdem Klara den Kauf durch ein anderes Mädchen abgelehnt hat, ist die Managerin des Geschäfts skeptisch, denn sie weiß, dass KFs häufig Versprechungen von Kindern erhalten, die diese dann aber nicht einhalten. Entweder sie kommen überhaupt nicht wieder oder sie kommen wieder und kaufen einen anderen KF. Klara fristet ihr Dasein weiterhin im Laden und wird letztendlich in die hinterste Ecke des Ladens gestellt. Dort ist sie nur für Käufer zu sehen, wenn diese sehr weit ins Geschäft kommen und sich genau umsehen; ihre Verkaufschancen sinken also. Josie kommt vorbei und möchte Klara immer noch kaufen. Ihre Mutter ist, nach anfänglicher Skepsis, doch überzeugt und kauft Klara. Nach anfänglichen Missverständnissen – Klara hält die Haushälterin für eine Managerin, die sie anleiten soll und läuft ihr immer hinterher – lebt sich Klara gut ein. Josie lebt sehr weit außerhalb der Stadt. In der Nähe gibt es nur noch ein weiteres Haus der Nachbarn. Dort wohnt ebenfalls eine alleinerziehende Mutter, Miss Helene, mit ihrem Kind, Rick. Klara hat also einen sehr engen Kontakt zu Josies Mutter, Josie, Miss Helene, Rick und der Haushälterin. Da Josie viel Zeit Zuhause, bei ihrem privaten, digitalen Unterricht verbringt, kriegt Klara wenig von der Menschenwelt mit. Dennoch kriegt sie an der ein oder anderen Stelle etwas von der Außenwelt mit. Einmal lädt Josie einige gleichaltrige Mädchen und Jungen zu einem Interaktionstreffen ein. Das muss sie aus gesellschaftlichen Gründen tun, allerdings wird nicht so genau klar, woher diese Vorgabe kommt; nur, dass Josie das Treffen eigentlich nicht veranstalten möchte und die Jugendlichen sich auch ziemlich unmöglich verhalten. Ein anderes Mal wollen Josie, ihre Mutter, die Haushälterin und Klara gemeinsam zu einem nahegelegenen Wasserfall fahren. Alle freuen sich tagelang auf den Ausflug bis die Mutter diesen kurzfristig absagt, da sie merkt, dass Josie krank ist. Die Mutter fährt alleine mit Klara und bittet diese beim Wasserfall Josie zu sein, was Klara tut. Klara merkt, dass es Josie teilweise sehr schlecht geht und so vereinbart sie etwas mit der Sonne, die sie für eine Art Göttin hält: Wenn sie die Maschine, die sie vom Laden aus gesehen hat und die eine große Umweltbelastung ausstößt, zerstört, dann bittet sie die Sonne im Gegenzug Klara mit ihrer heilenden Kraft zu heilen genau so wie sie es bei Bettelmann und dessen Hund während ihrer Zeit im Laden gesehen hat. Als Klara zusammen mit Josie, ihrer Mutter, Josies Vater, Miss Helene und Rick in der Stadt ist, schafft Klara es gemeinsam mit dem Vater die Maschine zu zerstören, allerdings schickt die Sonne nicht sofort Hilfe. Ricks Treffen mit jemandem, der ihm helfen soll aufs College zu kommen, verläuft schlechter als erhofft, aber Rick möchte von dem Mann auch gar keine Hilfe mehr, da dieser seine Mutter niedermacht. Weiterhin lernt Klara Mr. Capaldi kennen. Dieser soll ein Gemälde von Josie anfertigen, doch wie sich herausstellt, handelt es sich dabei gar nicht um ein einfaches Gemälde, sondern um eine Art KF, die die Tochter nach deren Tod ersetzen soll. Josies Mutter würde es nicht ertragen nach ihrer ältesten Tochter noch eine zweite Tochter zu verlieren und so plant sie einen Ersatz für den Fall, dass Josies Krankheit zum Tod führt. In der Folge stellt die Mutter Klara die Frage, ob sie sich vorstellen kann, Josie zu werden und Klara antwortet, dass sie das gerne tun wird, wenn es die einzige Möglichkeit ist, Josie zu helfen, doch sie hofft, dass es noch eine andere gibt und denkt dabei an ihr Abkommen mit der Sonne. Josie wird in den folgenden Wochen immer schwächer und der Arzt kommt häufig, die Mutter verbringt viel Zeit Zuhause und wacht gemeinsam mit der Haushälterin und Rick immer wieder am Bett ihrer Tochter. Den Roman Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro habe ich als Hörbuch gehört, deshalb werde ich etwas zum Inhalt und auch zum Medium schreiben. Die Handlung hat mir sehr gut gefallen. Wenngleich zeitweilig nicht so wahnsinnig viel passiert, weil sich der größte Teil der Handlung im Haus abspielt, mochte ich diese ganz gerne. Die Charaktere haben mir auch ganz gut gefallen. Josies Mutter fand ich aber Anfang etwa seltsam, aber sie hat sich für mich positiv entwickelt und ich mochte sie dann eigentlich ganz gerne, sobald man sie besser kennenlernt und ihre Gefühle begreift. Josie mochte ich am Anfang, doch sie wurde mir in den folgenden Jahren unsympathischer. Sie behandelt Klara zwischenzeitlich nicht so sonderlich gut und auch Rick wird von ihr häufig von oben herab behandelt. Rick und Miss Helene sind schwieriger einzuschätzen. Auf der einen Seite tat mir Rick häufig leid. Er tut viel für Josie und seine Mutter, aber er wird von beiden häufig nicht so liebevoll behandelt. Miss Helenes Charakter ist schwer zu durchschauen. Sie wirkt sozial sehr tollpatschig und scheint ständig in irgendwelche Fettnäpfchen zu tappen. Klara war mir mit Abstand am sympathischsten. Sie ist eine kluge, neugierige und fürsorgliche KF und versucht so gut sie kann für Josie da zu sein. Sie stellt ihre Rolle im Haushalt zwar nicht wirklich in Frage und kommt allen Aufforderungen nach, so wie sich das für eine gute KF gehört, doch sie denkt auch eigenständig und löst sich so in gewisser Weise auch von Josie. Die Gesellschaftsordnung im Roman blieb für mich die ganze Zeit über etwas abstrakt, weil Klara – dazu komme ich gleich noch – natürlich nicht versteht wie genau die Menschen ihre Leben organisieren und deshalb wenig dazu berichtet. Wie wir das aus der aktuellen Lage kennen, scheint dort häufig Distanzunterricht gemacht zu werden. Josie geht offenbar in eine Klasse, in der die Kinder alle digitalen Unterricht haben. Um dennoch für das College und die Interaktion mit Gleichaltrigen gewappnet zu sein, nimmt sie an so genannten Interaktionstreffen teil. Offenbar teilt sich die Gesellschaft in zwei Klassen: Die Gehobenen und die, die nicht gehoben wurden. Was man tun muss um gehoben zu werden, bleibt unklar, aber offenbar ist es mit irgendwelchen Risiken verbunden, denn die Krankheit von Josie scheint mit diesem Gehobensein zusammen zu hängen. Ich fand es sehr schade, dass man nicht mehr über die Gesellschaft und das Schulsystem dort erfährt, wobei man über den Roman hinweg natürlich hier und da mal ein paar Details erhält, aber so der große Zusammenhang fehlte mir und ich hätte mir auch noch einige Details mehr gewünscht. Klara ist die Erzählerin des Romans und obwohl das natürlich Sinn ergibt, macht es den Roman alleine deshalb schon total spannend. Klara kann die menschlichen Belange, Beziehungen, Gefühle, Tagesabläufe und Handlungen zwar beobachten – und sie ist eine wirklich gute Beobachterin, weil sie so neugierig und klug ist – aber ihre Erzählung hat doch einige Lücken. Sie versteht manche Dinge schlichtweg nicht und kann für anderes keine Gründe angeben. Sie ist also eine ziemlich unzuverlässige Erzählerin, aber eben nicht aus Absicht. Gerade das finde ich an der Erzählform so spannend. Wie sieht jemand, der die Welt nicht versteht, sondern aus ihr herausgehoben ist, unsere Welt und unsere Gesellschaft? Hier fand ich ein bisschen schade, dass es sich um eine zukünftige Welt handelt, in der der Roman spielt. Das sorgt dann dafür, dass man keinen Außenblick auf unsere aktuelle Gesellschaft erhält, was ich schade fand, weil ich es mir erhofft hatte. Als ich mich aber daran gewöhnt hatte, dass meine Hoffnungen nicht erfüllt werden, hat mir der Roman dennoch gut gefallen, weil natürlich auch in dieser Welt eine Außensicht auf die Gesellschaft spannend ist. Besonders spannend sind an diesem Roman natürlich die Hauptfragen: Kann eine KF ein Mensch werden? Ist sie dazu in der Lage einen Menschen so gut zu lernen, dass sie ihn so gut imitieren kann, dass kein Unterschied zwischen KF und Mensch erkennbar ist? Gibt es eine Seele, die nicht erlernbar ist? Oder steckt unsere Seele vielleicht nicht in uns selbst, sondern in den Menschen um uns herum? Was macht uns, unseren Kern aus? Ist der irgendwo physisch in uns und kann erkannt, gemessen, festgestellt werden? Oder ist das, was uns zu uns selbst macht, etwas nicht Greifbares? All diesen Fragen geht Ishiguro in Klara und die Sonne nach. Und diese Fragen regen toll zum Nachdenken an und haben mich tief beeindruckt, denn Mr Capaldi geht davon aus und kann das auch beweisen, dass nichts in einem Menschen ist, was ein KF nicht nachempfinden und lernen könnte. Doch gegen diese These wehrt sich natürlich etwas in uns. Irgendetwas muss da doch sein, das uns einzigartig macht? Oder müsste eine Maschine nur komplex genug „denken“ können, um alle möglichen Entscheidungsmatrizes eines Menschen durchrechnen und so letztendlich doch so entscheiden zu können wie ein Mensch? Davon unabhängig: Ist die Entscheidung möglicherweise das, was einen Mensch zu einem Mensch macht? Also die Fähigkeit Entscheidungen wissentlich zu treffen? Bei dieser Überlegung hatte ich noch einen interessanten Eindruck vom Roman: Josie darf keine eigenen Entscheidungen treffen oder fast gar nicht. Die Gesellschaft, ihre Mutter, die Haushälterin entscheiden für sie. Erst nach und nach löst sich Josie davon und trifft ihre eigenen Entscheidungen. Auch Klara darf eigentlich nicht selbst entscheiden, sondern muss machen, was man ihr aufträgt. Manchmal muss sie die Entscheidung treffen, ob ein Mensch in einer Aussage eine implizite Aufforderung verpackt hat, aber diese Art der Entscheidung ist die größte Entscheidung, die sie treffen muss. Auch dieser Aspekt regt zum Nachdenken an und könnte sicher diskutiert werden. Dieser gesamte Ideenkomplex hat mir gut gefallen. Das Hörbuch selbst habe ich als physisches Hörbuch erhalten. In der quadratischen Box waren die CDs in Hüllen eingelegt. Die Box selbst sieht ein bisschen aus wie die Box eines Spiels, solch eine Art der Verpackung habe ich bisher noch nie gesehen, gefiel mir aber ausgesprochen gut. Bei dem Hörbuch handelt es sich um die ungekürzte Version, die von Johanna Wokalek gelesen wurde. Ich habe ein bisschen gebraucht, mich an die Stimme zu gewöhnen, aber am Ende hat sie doch ganz gut zur Klara gepasst, wobei sie mir persönlich etwas zu rau war. Dennoch hat die Stimme gut zu Klaras Charakter und zur Stimmung im Buch gepasst. Ich würde das Buch nicht ausschließlich aufgrund der Sprecherin empfehlen, aber würde es auch nicht nicht empfehlen ihretwegen. Alles in allem hat mir Klara und die Sonne von Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro sehr gut gefallen. Man kann über die zuvor genannten Fragen sicherlich ausführlich diskutieren, sodass ich der Roman auch für das Lesen im Lesekreis oder ähnlichem anbietet. Trotz der vielen wichtigen Fragen fand ich den Roman leicht verständlich und ich werde auf jeden Fall mal wieder zu einem Ishiguro greifen.

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