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Rezensionen zu
Der Fall des Präsidenten

Marc Elsberg

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Lange habe ich auf den neuen Thriller des Autors gewartet und war sehr froh, als ich ihn endlich in den Händen gehalten haben. Da meine Erwartungen schon etwas größer waren, habe ich mich ehrlich gesagt nicht sofort getraut, das Buch zu beginnen. Wir wissen alle, wie es ist mit zu großen Erwartungen, aber meine wurden definitiv nicht enttäuscht und ich kann diesen Thriller nur empfehlen. Meine vollständige Buchbesprechung findet ihr unter den folgendem Link: https://youtu.be/61mwFu0PQ_Y

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Marc Elsberg ist zurzeit sicherlich einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Thrillerautoren. Bekannt wurde er mit seinen Büchern ‚Blackout‘, ‚Zero‘ und ‚Helix‘. Zuletzt beschäftigte er sich in ‚Gier‘ auf spannende Weise mit dem Thema Wettbewerb. Mit ‚Der Fall des Präsidenten‘ ist nun von ihm ein Politthriller erschienen. Douglas Turner, der Amtsvorgänger des aktuellen US-Präsidenten trifft mit Privatjet und Bodyguards in Athen ein, wo er für einen Vortrag gebucht wurde. Zu seiner großen Überraschung wird er jedoch direkt am Flughafen im Auftrag des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC) von der griechischen Polizei verhaftet. Der Vorwurf lautet: Kriegsverbrechen. Diese Verhaftung hat in der Welt große Aufmerksamkeit zur Folge und wird insbesondere in den USA mit Entsetzen und Unverständnis aufgenommen. Arthur Jones, der direkte Amtsnachfolger Turners und gerade mitten im Wahlkampf, wird sofort aktiv und macht deutlich, dass die USA die Verhaftung eines Ex-Präsidenten auf keinen Fall akzeptieren werden. So sehen sich nicht nur Griechenland, sondern auch die europäischen Partnerstaaten und speziell die Mitarbeiter des ICC einem steigenden Druck aus Washington ausgesetzt, wo man auf die sofortige Freilassung Turners drängt. Das geht auch an der jungen Juristin Dana Marin nicht spurlos vorüber, die als Vertreterin des ICC eigentlich nur bei der Verhaftung anwesend sein sollte und sich nun mit einem aus Washington entsandten Team renommierter Juristen auseinandersetzen muss, das alle Register zieht, um den ehemaligen Präsidenten freizubekommen. Dana Marin kämpft, weitgehend auf sich alleine gestellt, trotz plötzlich gesperrter Kreditkarten und medialer Verleumdungskampagnen darum, dass Douglas Turner nach Den Haag überstellt wird. Dort soll er sich vor Gericht für seine Taten verantworten. Doch im Hintergrund laufen Vorbereitungen, die notfalls eine gewaltsame Befreiung Turners ermöglichen sollen… Mit ‚Der Fall des Präsidenten‘ ist Elsberg nicht nur (mal wieder) ein äußerst spannend geschriebener Thriller gelungen, sondern auch ein Buch, das sich kritisch mit der Rolle der USA in der Weltpolitik beschäftigt. Man denkt zwangsläufig darüber nach, ob die Verhaftung eines ehemaligen US-Präsidenten und dessen Überstellung an den ICC tatsächlich zu einer solchen Eskalation an Maßnahmen führen würden, wie sie Elsberg beschreibt. Wie schon in seinen anderen Romanen bietet Elsberg auch mit ‚Der Fall des Präsidenten‘ nicht nur spannende Unterhaltung auf hohem Niveau, sondern regt auch zur Beschäftigung mit der uns umgebenden politischen Realität an. In diesem Fall mit der Frage nach dem Selbstverständnis der USA und ihrer Rolle in der Weltpolitik. Die tolle und sehr gut erzählte Story haben die knapp über 600 Seiten für mich zu einem echten Lesevergnügen gemacht. Daher kann ich dieses Buch mit gutem Gewissen allen ans Herz legen, die ebenfalls Freude an einem unterhaltsamen und spannenden Thriller haben möchten.

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Marc Elsberg war für mich kein Unekannter, zwei Bücher habe ich von ihm schon gelesen, „Blackout“ begeisterte mich und für seinen Roman „Zero“ erhielt der Autor 2015 den Wirtschaftspreis der Stuttgarter Kriminächte und ich durfte damals bei der Verleihung die Laudatio halten. Marc Elsberg steht für sorgfältig recherchierte Thriller mit hohem Spannungsfaktor und ich war gespannt, was mich dieses Mal erwarten würde. Der Inhalt Athen in einer nicht allzufernen Zukunft (aber auf jeden Fall nach Corona): Am Flughafen wird der ehemalige amerikanische Präsident Douglas Turner im Auftrag des Internationalen Strafgerichtshofes von der griechischen Polizei festgenommen. Der Grund: Kriegsverbrechen. Sofort nach der Festnahme beginnen hektische Aktivitäten: Der aktuelle Präsident steckt mitten im Wahlkampf – nichts kommt ihm ungelegener als ein Skandal dieses Ausmaßes. Mit diplomatischen Mitteln und wirtschaftlichem Druck auf Griechenland und Europa versucht er, Turner frei zu bekommen. Dana Marin wiederum, die Vertreterin des Internationalen Gerichtshofes vor Ort hat jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet. Mit Hilfe eines griechischen Anwalts und der griechischen Staatsanwaltschaft soll es ihr gelingen, daß Turner nach Den Haag ausgeliefert wird. Ihr Problem: Die amerikanische Regierung erkennt die Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofes für US-Bürger nicht an. Wird es gelingen, Turner tatsächlich in Den Haag vor Gericht zu stellen? Eines jedoch ist am Ende des Buches auf jeden Fall klar: Das ist nicht nur der juristische Fall des Präsidenten, sondern auch der tiefe Fall eines einst mächtigen Mannes im Ansehen der Weltöffentlichkeit. Meine Meinung Marc Elsberg versteht sein Handwerk: Dieser Thriller ist spannend und voller gut recherchierter Fakten. Er spinnt dabei mehrere Handlungsfäden: Da ist Dana Marin, die mit ihren Eltern aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen ist. Sie kämpft leidenschaftlich um Gerechtigkeit für die zahlreichen zivilen Opfer der Kriege im Irak, Afghanistan und anderen Bürgerkriegsregionen. Schnell gerät sie ins Visier der amerikanischen Entourage, die versucht, sie mit allen Mitteln zu diskrediterien und ihre Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Parallel dazu lesen wir von Steve, einem Amerikaner, der in Deutschland lebt und ein Geheimnis zu haben scheint. Nach und nach stellt sich heraus: Er hat dem ICC ein Video zugespielt, das eine entscheidende Rolle in der Beweisführung gegen Turner spielen soll. Nach der Festnahme von Turner droht seine Identität aufzufliegen und er weiß, was Whistleblowern in Amerika blühen kann. Sean Delmario ist ehemaliger Soldat, arbeitet als Securitymann und ist bekannt dafür, besonders kniffelige Aufträge professionell und zuverlässig auszuführen. Ein lybischer Millionär beauftragt ihn, Turner aus dem Gefängnis zu befreien. Er stellt eine Trupe zusammen und macht sich an das scheinbar aussichtslose Unterfangen. Diese Handlungsfäden verknüpft Elsberg geschickt, baut immer wieder Rückblenden ein, die sowohl in Dana’s, Steve’s als auch Seans Vergangenheit führen. Es gibt noch jede Menge weiteres Handlungspersonal, hier fiel es mir manchmal schwer, die Übersicht zu behalten. Besonders spannend waren für mich die Gerichtsszenen, in denen Staatsanwaltschaft und Verteidigung darum ringen, ob Turner nach Den Haag ausgeliefert werden darf oder nicht. Sie sind voller juristischer Spitzfindigkeiten, denn eigentlich geht es vor dem Athener Gericht nur darum, ob Turner’s Rechte bei seiner Festnahme beachtet wurden, ob die Anklage des ICC rechtmäßig ist und seine Auslieferung nach Den Haag deshalb auch eine gültige rechtliche Grundlage hat. Aber natürlich wird in dem Verfahren dennoch aufgerollt, was für Kriegsverbrechen es sind, die Turner begangen haben soll. Dabei gelingt es Marc Elsberg gut, herauszuarbeiten, wie schwierig, ja eigentlich unmöglich es ist, hier Recht zu sprechen oder gar für Gerechtigkeit zu sorgen. Wenn Dana ein Video zeigt, bei dem eine ganze Familie ausgelöscht wird durch einen amerikanischen Drohnenangriff, präsentiert die Gegenseite eine seitenlange Liste von zivilen Opfern von terroritischen Anschlägen. Opfer werden gegen andere Opfer aufgerechnet. Ist also nicht der Angeklagte einer, der für Gerechtigkeit sorgt? Es stellt sich im Laufe der Handlung aber auch immer wieder die Frage, wie unabhängig die Justiz eigentlich wirklich von der Politik ist. Gleichzeitig macht er noch ein zweites Thema auf, nämlich das der Desinformation in den sozialen Medien. Dana wird diskreditiert durch gefälschte Videos und erhält irgendwann Unterstützung durch eine Gruppe junger griechischer Aktivisten, die eine unabhängige Onlinezeitung betreiben. Drohnen filmen aus der Luft, Demonstrationen werden über die sozialen Netzwerke organistert und was letztendlich Tatsache und was Fake ist, weiß im Grunde genommen kaum noch jemand. Hier merkt man, daß sich der Autor in diesem Thema wirklich gut auskennt. Aber diese Fülle der hervorragend recherchierten Fakten gerät dem Buch ein Stück weit auch zum Nachteil: Die Figuren haben für mich nie an Tiefe gewonnen, sie sind eher Prototypen, die für eine bestimmte Handlung oder Einstellung stehen. Und so spannend das Buch ist – am Ende erliegt Elsberg der Versuchung, ein actionreiches Finale zu kreieren, das vor technischen Details und Klischees nur so strotzt und jede Glaubwürdigkeit vermissen lässt. Mein Fazit: Marc Elsberg hat ein wirklich starkes Thema aufgegriffen, nämlich wie lassen sich Menschenrechtsverletzungen juristisch aufarbeiten, ja, lassen sie sich überhaupt aufarbeiten? Leider hat er dieses wichtige Thema letztendlich (zumindest in meiner Wahrnehmung) einer Thrillerhandlung untergeordnet wenn nicht gar dafür instrumentalisiert. Das ist legitim, aber bei mir hinterlässt es, trotz aller Spannung und trotz aller sorgfältiger Recherche, die das Buch auszeichnen, einen faden Nachgeschmack. Ich hätte mir ein paar Drehungen in der Handlung weniger und vor allem ein weniger achtionreiches Ende mit mehr Substanz gewünscht.

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Ein "Elsberg"?

Von: WolfgangB

12.04.2021

Was wäre, wenn ein ehemaliger US-Präsident sich für Kriegsverbrechen in seiner Amtszeit vor einem internationalen Gerichtshof verantworten müsste? Der österreichische Autor Marc Elsberg wurde mit Thrillern aus Hightech und Wissenschaft bekannt und wagt sich mit seinem neuen Roman an jene Untergattung aus dem Spannungsfach, die in der Justiz angesiedelt ist. Elsberg verliert keine Zeit. Gleich zu Beginn wird der ehemalige amerikanische Präsident Douglas Turner auf dem Athener Flughafen in Gewahrsam genommen, die griechischen Behörden müssen über das weitere Vorgehen entscheiden. Die Frage ist nun: Wie reagieren die USA, andere Staaten, die Öffentlichkeit auf diesen beispiellosen Schritt? Der Autor hat sich den Ruf erarbeitet, sich mit fundiertem Fachwissen an die Tastatur zu setzen. Schnell entfaltet sich ein spannendes Szenario, in dem die USA zunächst diplomatischen Druck auf die Beteiligten ausüben. Der griechische Botschafter wird einbestellt, über Mitarbeiter des Internationalen Gerichtshof (ICC) werden Reiseverbote verhängt und ihre Konten eingefroren. Ein kleines Team von Spezialisten reist nach Athen, um die Verteidigung Turners vor Ort zu organisieren. Eine mögliche gewaltsame Befreiungsaktion als Plan B wird selbstverständlich auch vorbereitet. Als klar wird, dass die Situation nicht innerhalb weniger Stunden gelöst sein wird, brechen die Börsenkurse ein, europäische Staaten verlegen ihre Truppen im Mittelmeer. Auch der Journalismus steht vor einer sehr aktuellen Herausforderung: " 'Warum veröffentlicht es deine Quelle nicht einfach online?' 'Weil es dann in dem Meer von Desinformation da draußen untergehen würde. Da kommst du doch mit echter Information nicht mehr durch. Und selbst wenn, wird sie sofort zerpflückt, umgedeutet, zerteilt, verfälscht ...' " (S. 99) Marc Elsberg will ein möglichst umfassendes Bild der dipolmatischen Ausnahmesituation zeichnen. Dafür benötigt er zahlreiche Figuren, denen man in rascher Abfolge begegnet. Durch das anfangs hohe Tempo bleibt nicht immer ausreichend Zeit, mit den zahlreichen Namen und Funktionen auch vertraut zu werden. Rasant auf der Erzählstraße unterwegs, verpasst das Gehirn leicht eine wichtige Abzweigung. innerhalb eines Kapitels sind solche Abzweigungen. Weil aber tpyographische Markierungen fehlen, die wie Hinweisschilder zur Orientierung dienen, braust das Gehirn ungebremst weiter. Nach kurzer Zeit aber wieder umkehren zu müssen, trägt nicht zur Lesefreude bei. In einem Interview mit einer österreichischen Zeitung bezeichnet sich der Autor als "proamerikanisch". Dennoch fällt es wesentlich leichter, Sympathien für Dana Marin, die Vertreterin des ICC zu entwickeln als für ihre amerikanischen Kontrahenten. Von der Verstärkung aus Den Haag abgeschnitten, findet sie Unterstützung vor Ort. Mit einer bunten Gruppe sympathischer Anarchisten gegen die geballe Macht der US-Geheimdienste anzutreten, das ist doch eine plakative David-Goliath-Situation. Die emotionale Rede, zu der sich der angeklagte Ex-Präsident vor Gericht hinreißen lässt, wirkt wie ein verzweifelter Versuch, Dana Marins Vorsprung in der Gunst der Leserinnen und Leser noch aufzuholen. "Wir könnten Ihnen Bilder zeigen. Ganze Hallen voll von Bildern. Von den Opfern der Vigilanten, Warlords, Terroristen und anderen Barbaren, die wir zu stoppen versuchen. Wollen Sie Bilder sehen? Von Hunderten entführter Schulmädchen in Afrika? Wollen Sie Bilder sehen von Abertausenden Menschen, die von Autobomben und Selbstmordattentätern zerfetzt wurden?" (S.341) Eindringlich versucht er, die Rolle der Weltmacht USA im Wahnsinn der internationalen Konflikte einzuordnen. Damit wirft er jedoch eine entscheidende Frage auf: Warum beschäftigt sich die Strafverfolgungsbehörde im Roman gerade mit den USA? Warum erhebt sie nicht Anklage gegen verbrecherische Regime, Staaten, die weitaus offensichtlicher gegen internationales Recht verstoßen, gegen jene, die Kriege anzetteln? Marc Elsberg setzt sich damit dem Vorwurf aus, den scharfen Wind, der den USA in den letzten Jahren entgegengeschlagen ist, in den Segeln seiner Geschichte zu nutzen. Die Initialen des Delinquenten sind wohl nicht zufällig gewählt. Nach dem Hochgeschwindigkeitsauftakt verliert die Erzählung an Fahrt. Das griechische Gericht achtet in diesem delikaten Fall penibel darauf, nur ja keinen Fehler in der Prozessführung zu begehen. Sehr ausführlich beschäftigt es sich daher mit der Frage, ob der Angeklagte überhaupt an den ICC ausgliefert werden kann. Die immergleichen Abläufe, das wiederholte Vertagen der Entscheidung kosten unnötig viel Erzählzeit. Die Geschichte handelt zu weiten Teilen in Griechenland. Elsbergs reizvolles Gedankenexperiment bleibt im Ansatz stecken, wirkt nicht vollständig durchgespielt. Denn wie interessant wäre es wohl gewesen, Douglas Turner und die immer nervöser werdende Weltöffentlichkeit beim eigentlichen Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof zu beobachten? Wie spannend wäre es wohl, den gesamten Prozess mitsamt all seinen politschen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Nebenwirkungen durchzuexerzieren? Nach dem Umblättern der letzten Seite dürfte wohl auch die Frage hängenbleiben, ob "Der Fall des Präsidenten" ein echter "Elsberg" war. Aber was ist das eigentlich, was ist unverwechselbar typisch für den Autor? Bekannt wurde Elsberg mit dem 2012 erschienenen "Blackout", das vom Zusammenbruch der Stromversorgung handelt. Der Folgeband "Zero" handelt von der algorithmischen Macht von Social Media, und "Helix" von den Möglichkeiten der Gentechnik. Ein fühlbarer Stilbruch folgte 2019 mit "Gier", in dem nicht mehr Naturwissenschaft oder neue Technologien die Handlung vorgaben, sondern die weltweit verflochtene Wirtschaft. (Bereits in der Rezension ist dieser Umstand nicht zu übersehen: https://buecherkaffee.de/2019/11/marc-elsberg-gier-rezension.html) Diese Zäsur ist auch auf dem Cover erkennbar. Während auf den ersten drei Büchern lediglich der jeweilige Titel farblich hervorgehoben prangt, präsentiert "Gier" ein konkretes Objekt, ein Containerschiff. Hier schließt "Der Fall des Präsidenten" und zeigt das Projektil einer Schusswaffe über einem nächtlichen Straßenzug. Die veränderte inhaltliche Gewichtung ist offensichtlich auch dem Verlag bewusst. Mit "Blackout", "Zero" und "Helix" hat sich Elsberg den Ruf als Seismograph für die Bruchlinien zwischen Technologie und Gesellschaft erarbeitet. Die in den Romanen zum Leben erweckten Innovationen wurden zuverlässig zwei Jahre später in den Abendnachrichten mit sorgenvollem Unterton in die Wohnzimmer getragen. "Gier" ist zwar als Roman nicht minder spannend, hat aber Bild des Autors als Wissenschaftsorakel getrübt. Nun verhalten sich neue Ideen und der Drang nach Weiterentwicklung für einen kreativen Geist wie Sonnenlicht für eine Pflanze. Eine wohl etablierte, scharf konturierte Marke ist jedoch von unschätzbarem Wert. Wer sich für Claudia Rossbacher entscheidet, schätzt steirisches Lokalkolorit. Wer Andreas Gruber liest, stellt sich auf nervenzehrende Stunden über dem Buch ein. Würde jemand, der "Blackout", "Zero" und "Helix" gelesen hat, auch den "Fall des Präsidenten" sofort Marc Elsberg zuordnen? Persönliches Fazit "Der Fall des Präsidenten" ist ein spannender Justiz-Thriller mit detaillierten, weitreichenden Überlegungen. Allerdings wirkt der Roman wie eine in die Länge gezogene Vorgeschichte zu einem deutlich weitreichenderen Gerichtsprozess. Außerdem scheint Marc Elsberg nicht mehr daran gelegen, seinen Ruf als Seismograph für aufkommende technologische Entwicklungen zu kultivieren.

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Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, Douglas Turner, wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen seiner Kriegsverbrechen angeklagt und tatsächlich bei einem Besuch in Athen noch am Flughafen von den griechischen Behörden festgenommen. Eine Tatsache, die die USA und ihren amtierenden, mitten im Wahlkampf steckenden Präsidenten in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Das Weiße Haus fordert nicht nur die sofortige Freilassung Turners sondern droht dem Internationalen Gerichtshof und allen Staaten der Europäischen Union. Dana Marin, Juristin beim ICC hätte dieses Szenario nie für möglich gehalten. Doch bald gerät sie in ihrem Kampf, einen der mächtigsten Personen der Welt für seine Vergehen zur Rechenschaft zu ziehen, in die Schusslinie scheinbar übermächtiger Gegner… Meine Meinung: Marc Elsbergs Bücher greifen immer wieder wichtige, oft politische Themen auf und haben meist einen aktuellen Bezug. Sein neuestes Buch „Der Fall des Präsidenten“ hat mich gepackt und überzeugt. Gut recherchiert, spannend, informativ und trotz relativ hohen Anzahl an Seiten, kommt kein einziges Mal Langeweile auf. Es dauert ein bisschen, bis das Szenario dargelegt und alle in dieser Story vorkommenden Personen vorgestellt werden. Doch bald habe ich kein Problem mehr, die Figuren mit den richtigen Namen in Verbindung zu bringen und den Überblick über alles zu behalten. Temporeich und in relativ kurzen Kapiteln erzählt Elsberg seinen gewagten und für mich perfekt inszenierten Plot, der gekonnt Fakt und Fiktion miteinander verschmelzen lässt. Man muss schon bei der Sache bleiben, um die einzelnen Facetten des rasanten Wettstreites zu verstehen. Wer verfolgt welche Ziele, wer sind die Guten, welche die Bösen? Letztlich peitscht mich hauptsächlich nur eine Frage durch die Seiten: Ist es wirklich möglich, eine politisch mächtige Person wegen Verletzung der Menschenrechte zu Fall zu bringen, oder setzt der schier allmächtige Polit-Apparat alles in die Wege, um dies zu verhindern? Ein Kampf, David gegen Goliath. Ein nervenaufreibendes, von Machtspielen durchzogenes und detailliert geschildertes Gerichtsverfahren beginnt, dass absolut authentisch dargestellt ist und mich völlig in seinen Bann gezogen hat. Natürlich kommt auch ein bisschen Action nicht zu kurz, die sich vor allem im großen Showdown Bahn bricht. Sehr gut und absolut passend in die Story eingebunden ist das Thema Soziale Medien und deren Einfluss auf ihre Nutzer. In unglaublicher Geschwindigkeit verbreiten sich über die diversen Dienste aktuelle und leider nicht immer der Wahrheit entsprechende News. Social Media dienen nicht selten als Meinungsfinder und Plattform für Fake News und Bashing. Die Protagonistin Dana Marin bekommt die negativen Seiten der modernen und schnelllebigen Welt am eigenen Leib zu spüren. In den meisten Fällen sind mir die einzelnen Figuren und ihre Geschichten wichtig. Wir haben es hier aber mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Personen zu tun und so werden nur einige von ihnen tiefgründiger gezeichnet, jedoch wirken alle auf mich glaubhaft und lebendig in ihrem Handeln. Mein Fazit: Marc Elsberg hat in seinem Polit-Thriller einem ganz besonderen, gewichtigen und aktuellen Thema eine perfekte Bühne bereitet. Toll inszeniert, rasant, packend und sehr informativ. Lesens- und empfehlenswert!

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Marc Elsbergs neuester Thriller „Der Fall des Präsidenten“ beschäftigt sich mit der Verhaftung eines Ex-Präsidenten und dessen Folgen. Erschienen ist der Roman im Februar 2021 bei blanvalet. Ein Skandal der seinesgleichen sucht: Als der amerikanische Ex-Präsident Douglas Turner in Athen landet, wird er sogleich von der griechischen Polizei im Namen des Internationalen Strafgerichtshofes festgenommen. Dana Marin, eine junge Juristin, die im Auftrag des ICC bei der Verhaftung anwesend ist, hat nun dafür zu sorgen, dass die Verhaftung bestätigt und eine Überstellung nach Den Haag erreicht wird. Dies ist gar nicht so einfach, denn sofort nach Bekanntwerden erhöhen die USA den politischen Druck auf die Europäische Union und das Gericht massiv. Es ist Wahlkampf und der amtierende US-Präsident kann sich solche Schlagzeilen nicht leisten, wenn er wiedergewählt werden möchte. Zwei Gegner prallen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dana Marins stärkste Waffe in diesem ungleichen Kampf ist ein Zeuge, der mit seiner Aussage den Ex-Präsidenten zu Fall bringen kann. Doch auch die US-Geheimdienste sind an diesem schon dran und auch eine gewaltsame Befreiung Douglas Turners ist nicht ausgeschlossen. Wem wird es gelingen am Ende die Oberhand zu gewinnen? Zuerst war ich ein bisschen traurig, dass es diesmal kein wissenschaftliches Thema ist, das Marc Elsberg in seinem neuen Roman behandelt. Nachdem ich in einem Interview Einiges zum neuen Roman erfahren hatte, war ich dann aber doch sehr neugierig und wollte wissen, wie es einem Ex-Präsidenten in einem der berüchtigsten Gefängnisse Griechenlands ergehen wird. Der Schreibstil ist so, wie wir es von Marc Elsberg gewohnt sind. Die Kapitel sind insgesamt alle recht kurz. Das Tempo wird teilweise durch stakkatoartige Sätze hoch gehalten, der Autor nimmt sich an anderer Stelle aber auch die Zeit, um die Umstände und Gegebenheiten kurz zu beschreiben. Das hat mir wieder gut gefallen und ich bin gut mit dem Buch vorangekommen. Der Aufbau der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Das Buch beginnt direkt mit einem Paukenschlag - der Verhaftung des Ex-US-Präsidenten Douglas Turner. Die Ereignisse werden meist chronologisch erzählt und die Spannung baut sich immer mehr auf. Zwischendurch gibt es einige kleinere Rückblenden, die etwas mehr zum Hintergrund der Anklage und der Protagonisten verraten. Wir erleben die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und sind so bei allen wichtigen Entwicklungen dabei. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Wir erleben, wie die USA auf die Verhaftung reagieren und was alles in Gang gesetzt wird, wir sind bei einem Team dabei, dass sich auf die mögliche gewaltsame Befreiung des Ex-Präsidenten vorbereitet, wir erleben wie sich Dana Marin auf die Gerichtsverhandlungen vorbereitet, sind hautnah am Zeugen dran, der den Präsidenten zu Fall bringen könnte und erleben natürlich auch mit, wie die europäische Union und der ICC auf den massiven politischen Druck reagieren. Marc Elsberg hat hier einen sehr umfassenden und meiner Meinung nach auch recht realistischen Blick auf eine solche Situation erschaffen. Zu jeder Zeit war ich mitten im Geschehen drin und konnte mich gut in die unterschiedlichen Perspektiven hineinversetzen. Dieser Thriller hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Es spielen viele unterschiedliche Themen in die Bewertung der ganzen Situation hinein. Ich war teilweise erschüttert, ich habe mich gefragt, wozu wir eine Institution wie den Internationalen Strafgerichtshof haben, wenn wir nicht bereit dazu sind, die Rechtsprinzipien konsequent umzusetzen. Es war spannend für mich zu sehen, wie unterschiedlich eine Situation, je nach Erfahrungshorizont oder Informationsstand, bewertet werden kann. Ich fand es grandios, wie Marc Elsberg die vielen unterschiedlichen Bausteine (Politik, Social Media, Journalismus, etc.) zusammengebracht hat. Zusätzlich hat er es geschafft, kleine Szenen einzubauen, die das Ganze ein bisschen auflockern und einen nicht alles nur düster betrachten lassen. Sonst habe ich auch gerne an seinen Thrillern bemängelt, dass es mir irgendwann zu sehr ins actionlastige abdriftet. Das ist diesmal überhaupt nicht der Fall. Es gibt zum Ende hin ein bisschen Action und ein bisschen Verfolgungsjagd, aber das Übertriebene fehlt diesmal, für mich persönlich, vollkommen. Es gibt Menschen, die in diesem Roman über sich hinauswachsen, aber es wirkt nicht so, dass man sagt, jeder normale Mensch wäre bei diesen Ereignissen schon fünf mal tot. Es wirkt machbar, es wirkt nahbar und schmälert dennoch nicht die Leistungen der Personen, die an den Ereignissen beteiligt waren. Für mich ist dies definitiv der beste Roman, den Marc Elsberg bisher vorgelegt hat, und ich fand Helix bis auf ein oder zwei Kleinigkeiten schon grandios. In einem kurzen Nachwort gibt Marc Elsberg kurz ein paar Informationen zu Fiktion und Wahrheit. Wer das Buch kauft, findet in der Innenseite einen Code für eine Veranstaltung, in der Marc Elsberg nochmals ausführlich mit Dietmar Wunder und einem US-Experten über das Thema spricht. Fazit: Ein rundum gelungener Thriller von Marc Elsberg, der wie immer am Puls der Zeit ist und ein spannendes Thema bespricht. Ich bin mir sicher, wir werden in Zukunft bei so mancher Schlagzeile an diesen Roman zurückdenken. Empfehlenswert für politisch interessierte Menschen, die einen Thriller lesen möchten, der nicht ins Übertriebene abdriftet und zum Nachdenken anregt und natürlich für alle Marc Elsberg-Fans.

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Athen, Griechenland. Als der Ex-Präsident Douglas Turner in Griechenland zu einem Besuch eingeladen wird, wird er dort sofort verhaftet. Zuständig für die Verhaftung ist der ICC, der Internationale Gerichtshof. Vor Ort die junge Juristin Dana Marin. Sie soll eigentlich nur die Verhaftung beaufsichtigen. Die Verhaftung schlägt jedoch so große Wellen, dass sie völlig auf sich alleine gestellt in die Gerichtsverhandlung muss. Ihr zur Seite steht nur ein griechischer Jurist, der ihr aber auch nicht sehr viel weiter helfen kann. Eigentlich geht es nur darum, ob die Verhaftung des Ex-Präsidenten rechtskonform abgelaufen ist oder nicht. Der Ex-Präsident schmachtet im schlimmsten Gefängnis von Athen. Währenddessen von anderer Seite bereits die Befreiung geplant wird. „Der Fall des Präsidenten – HB“ ist ein Thriller aus der Feder des Autors Marc Elsberg. Ich fand die Inhaltsangabe mega spannend, also musste ich das Buch auf jeden Fall hören. Der Sprecher Dietmar Wunder hat wieder eine fantastische Arbeit geleistet. Wie immer habe ich ihm gerne gelauscht. Nennt mich kleinlich, doch der Titel des Buches ist schon falsch. Es geht hier nicht um den Präsidenten, sondern um den Ex-Präsidenten. Ich dachte nämlich, nach dem Titel würde auch noch der amtierende Präsident in dieses Thema mit hinein gezogen. Es geht jedoch nur um den Ex-Präsidenten. Man sollte den Titel eventuell etwas anpassen. Dazu kommt, dass ich einen „vollständigen Fall“ erwartete. Verhaftung, Gericht in Athen und Verhandlung in Den Haag. Da habe ich leider viel zu viel erwartet. Es geht in dem kompletten Buch wirklich nur darum, ob der Ex-Präsident jetzt rechtens verhaftet wurde oder nicht. Es ging nur um die Prüfung, ob ihm seine Rechte vorgelesen wurde, ein Dolmetscher dabei war etc. Das Gericht prüfte ewig lange die Beweise, wozu es eigentlich überhaupt nicht befugt war. Und das dauerte fast das ganze Buch über. Was soll ich sagen, das Buch wurde von Minute zu Minute langweiliger. Dazu kam eine Szene, in der eine Familie erschossen wurde, was gar nichts mit dem Fall des Präsidenten … Ex-Präsidenten zu tun hatte. Warum wurde die Szene erwähnt? Ebenso die Leidensgeschichte von Dana Marin in ihrer Kindheit. Man kann hier natürlich auf das Mitleid der Leser pochen. Ja, Krieg ist nie etwas Schönes. Die Abschnitte hatten hier im Buch aber ebenso nichts zu suchen, wie die Ermordung dieser Familie. Es gab einfach keinen Zusammenhang mit diesem Fall des Ex-Präsidenten. In einem Buch hätte ich sie überblättert, im Hörbuch habe ich sie halt gehört und mich gefragt, wann das noch wichtig werden sollte. Interessant war, wie weit die USA gehen würden, um ihren Ex-Präsidenten zu retten. Ich denke, in Wirklichkeit wäre das auch nicht anders. Dass ein amerikanischer Präsident großkotzig ist, kann man so auch stehen lassen. Wobei amerikanische auch nicht anders sind, als die Präsidenten aus manch anderen Ländern. Genauso wie der Dreck, den sie am Stecken haben. Wenn man einen nach Den Haag zerrt, müsste man fast alle dort hin zerren und anzeigen. Wenn man das Buch mächtig gekürzt hätte, dafür noch die Verhandlung in Den Haag dazu geschrieben hätte, wäre die Story echt Bombe geworden. Warum es hier aber stundenlang nur darum ging, ob Turner jetzt in allen vier Punkten anständig verhaftet wurde oder nicht, weiß ich bis jetzt noch nicht. Gut, das war auch noch einigermaßen zu verkraften. Ab dem Zeitpunkt, als ich merkte, dass es gar nicht mehr nach Den Haag gehen kann, langweilte ich mich dann auch nicht mehr ganz so sehr. Ich wusste dann ja, es wird nicht mehr spannender. Als dann aber noch in die über Stunden gehende, ich nenne es mal Endschlacht ging, wurde es mir fast zu viel. Muss man wirklich stundenlang diese Flucht beschreiben? Mein Hirn driftete mehrmals weg und ich hörte stellenweise schon gar nicht mehr zu. Der Fall war leider so gar nicht mein Fall. Ich hatte mir wirklich mehr von dem Titel versprochen, auch gerade wegen dem Autor des Buches. Ich wurde hier leider mehr als enttäuscht. Auch die Personen waren nicht sympathisch. Dana Marin war irgendwie blass, auch wenn sie sich anstrengte. Was dann der Rückblick in ihre Kindheit auch nicht besser machte. Hier wurde auch nicht wirklich etwas ausgebaut. Was macht man in einem fremden Land, wenn man nur noch das Bargeld zur Hand hat, das man gerade im Geldbeutel hat? Dana hat sich da überhaupt keine Gedanken darüber gemacht. Es wurde auch gar nicht mehr groß Thematisiert. Ich fand das schon als mächtig bedrückend, wenn man nur noch seine Barschaft zum Leben hat. Oder hat man als junge Juristin in einem fremden Land so viel Bargeld im Geldbeutel, dass man sich keine Sorgen zu machen braucht? Die Leute um Dana kamen auch nicht wirklich richtig ins Licht. Alexander, gut, böse, gut? Seine Freunde, die Spezialisten, die alles konnten, ja klar. Welch ein Zufall und wie praktisch. Die Amerikaner, egoistisch, großkotzig, rechthaberisch. Klar, wie kann man es auch wagen, in Griechenland einen Ex-Präsidenten verhaften zu lassen. Und am Ende zählt irgendwie nur die Meinung des Mobs, der verlangt, den Ex-Präsidenten zu richten, anstatt dass dies der Richter im Amt tut. Ich weiß nicht, will man wirklich, dass Leute in Facebook, Twitter und Co. über Leute richten, anstatt die Richter in den Gerichtshöfen? Den griechischen Juristen, vom Hörbuch her weiß ich den Namen nicht mehr, und die Befreiungstruppe an sich fand ich ganz gut. Ein Viertel des Buches war spannend, der Rest für mich leider eher langweilig. Ein paar Personen waren gelungen, viele nicht. Es gab viele unnötige Szenarien, die nichts mit dem eigentlichen Fall zu tun hatten. Dazu gemischt ein genialer Sprecher. Mit Hängen und Würgen vergebe ich hier dann noch die drei Sterne.

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Meine Meinung zur Handlung Also ob man es schaffen kann, unbeschadet an der Security eines ehemaligen US-Präsidenten vorbeizukommen, um ihn zu verhaften, ist natürlich fraglich. Doch alles Weitere; sowohl die Reaktionen der USA als auch Griechenlands, die dargestellten Machtverhältnisse (á la David gegen Goliath) und die daraus resultierende Ohnmacht bzw. Hilflosigkeit des ICC sowie aller Beteiligter auf Seiten der Anklage sind weder unlogisch noch wirken sie konstruiert. Durch die Wahl eines ehemaligen Präsidenten der USA als „Bösewicht“ scheint der Politthriller zeitlos. Die Handlungsweise würde man diesem Land unabhängig von der Epoche jederzeit zutrauen. Die Aktualität entsteht durch geschickt eingeflochtene Bezüge zur Corona-Krise und neueste technische Möglichkeiten. So komplex die verschiedenen Handlungsstränge, so zahlreich sind die Charaktere. Bei Marc Elsberg braucht es aber immer etwas, um die Figuren zu sortieren und den Überblick einzelner Perspektiven zu behalten. Der Charakter des ehemaligen US-Präsidenten Douglas Turner soll lt. dem Autor auf einer Mischung der letzten drei US-Präsidenten, also Trump, Obama und Bush basieren. Diesen Mix fand ich recht spannend. Die angedeutete Romanze der Protagonistin lockert die Geschichte auf und trägt gleichzeitig dazu bei, überall Misstrauen zu schüren. Wer kann wem vertrauen? Trotz der 600 Seiten habe ich das Buch an wenigen Abenden weggesuchtet. Man könnte meinen, die juristischen Begriffe hemmen den Lesefluss, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Stattdessen wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der einen durch die Seiten fliegen lässt. Gleichzeitig sind die politischen und rechtlichen Schachzüge so interessant, dass man zum sorgfältigen Lesen angehalten wird. Die Geschichte ist wie immer ausgezeichnet recherchiert. Fazit Ein hervorragend recherchierter Politthriller mit einer gruselig-faszinierenden Storyline, authentischen Figuren und einer guten Balance aus Spannung, Action und Information.

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