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Rezensionen zu
München 72

Markus Brauckmann, Gregor Schöllgen

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München 72 Ein Deutscher Sommer

Von: Reinhard Engler aus Bad Salzuflen

09.08.2022

Dieses Buch habe ich in drei Tagen verschlungen. Ich war 1972 ein Augenzeuge dieser Tat. Als Mitarbeiter (Sportstudent als Helfer)im Infocenter im Olympischen Dorf habe ich die Sportler(Marc Spitz uva) mit Trainingsplänen versorgt. Am Tag des Anschlages hatte ich Dienst. Alle Schilderungen spiegeln die Stimmung damals gut wieder. Das Buch ist gleichzeitig eine wunderbare Schilderung der damaligen Zeit. Beim Lesen sind mir alle Bilder wieder in den Sinn gekommen, als wäre es gestern gewesen. Danke dafür.

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München im Sommer 1972. Vor 50 Jahren begannen dort die zweiten Olympischen Spiele auf deutschem Boden, nach 1936. Für die Veranstalter war es die Herausforderung nach den Propaganda Spielen der Nazis in Berlin einen Gegenpol zu zeigen, heitere Spiele auszutragen und der Welt zu zeigen, wie sehr Deutschland sich gewandelt hat. In diesem Buch erfahren wir als Leser nun w es dazu kam, wer alles mit dazu beigetragen hat und wie die Spiele abgelaufen sind. Die Autoren berichten dabei von prominenten Zeitgenossen, deren Namen man heute noch mit diesen Spielen verbindet, wie Otl Aicher, Blacky Fuchsberger, Ulli Hoeneß und andere. Aber eben auch von Menschen, an die sich heute vielleicht niemand mehr erinnert, wie der Fackelläufer Günther Zahn. Wir erleben die Wettkämpfe, die Triumphe und Niederlagen und natürlich auch das Grauen des Attentates auf die israelische Mannschaft. In zwanzig Kapiteln, die chronologisch aufgebaut sind, erinnern die Autoren an diese Spiele, die so heiter begannen und so tragisch endeten. Dabei gelingt es ihnen nicht nur den Flair der Spiel einzufangen, sondern auch ein Bild der Bundesrepublik und der Weltpolitischen Lage zu zeichnen. Die Leser:innen werden mitgenommen auf eine Zeitreise in die frühen siebziger der Bunderepublik, als Willy Brand noch um seine Annäherungspolitik kämpfen musste und Frauen in Deutschland außer Küche, Kirche und Kinder noch nicht viel zugetraut wurde. Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Ich bin selbst in München aufgewachsen und habe von den Neuerungen, die die Spiele der Stadt brachten, profitiert. Die Spiele selbst habe ich nicht miterlebt, dafür bin ich einige Monate zu spät geboren worden. Dieses Buch hat mir meine Geburtsstadt noch einmal nähergebracht. Ich fand es toll von den kleinen und großen Skandalen und Anekdoten der Spiele zu lesen und mich in diese Zeit versetzen zu lassen. Der Vergleich zu Berlin 1936 von Oliver Hilmes drängt sich natürlich auf und die Autoren erwähnen auch im Nachwort, dass sie sich durchaus an diesem Buch orientiert haben. Die Aufteilung in Wettkampfstage ist dieselbe und auch der Blick über den Tellerrand hinaus. Allerdings hatten die Autoren hier das Glück noch Zeitzeugen interviewen zu können, die selbst Teil der Spiele waren. Das gibt dem Ganzen noch einmal einen anderen Blick. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen, er ist eine gelungene Chronik dieser olympischen Spiele und ein gut zu lesendes Sachbuch.

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Bald jähren sich die olympischen Sommerspiele von 1972 in München. Sie sollten als die Spiele des Jahrhunderts in die Geschichte eingehen, doch was heiter geplant und begonnen hatte, endete dramatisch und traurig und spaltet das Sportereignis in ein Davor und ein Danach. Markus Brauckmann und Gregor Schöllgen schaffen es ein außergewöhnliches Bild des sportlichen Großereignisses und des Mythos Olympia zu malen und das damalige Lebensgefühl und die Zeit mit all ihren Facetten einzufangen. Danke @bloggerportal und DVA Verlag für das lebendige Rezensionexemplar. Die zweiten deutschen olympischen Spiele 1972 sind das erste große Sportereignis auf heimischen Boden nach der dunklen Ära des Dritten Reiches. Deutschland und besonders München möchte sich als moderner und heiterer Gastgeber präsentieren. Die Bundesbürger fiebern der internationalen Aufmerksamkeit und den Wettkämpfen entgegen. Im neu erbauten Olympiastadion und -dorf herrscht unter den berühmten Athleten, zahlreichen Helfern und attraktiven Hostessen aus aller Herren Länder gute Stimmung. Bruckmann und Schöllgen werfen ein Blick hinter die Kulisse und fangen das Lebensgefühl der 70er ein: von Willy Brandts Wahlkampf, dem neue U- und S-Bahn Netz, dem ersten deutschen Playboys und einem Wettkampf zwischen beiden deutschen Staaten. Natürlich widmen sie sich auch dem terroristischen Akt an der israelischen Mannschaft und dem schrecklichen Ausgang dessen. Die zwei Autoren haben das Buch chronologisch aufgebaut. Im ersten Kapitel widmen sie sich der Ausschreibung und Vorbereitungen auf das Sportfest und es gibt Erklärungen wie die Olympiade relativ spontan nach München kam. Danach wird jedem Olympiatag ein Kapitel gewidmet (26.08.-11.09.1972). Vor jedem Kapitel befindet sich auch immer noch ein Bild, welches den Tag besonders geprägt hat. Den Anfang liest man in neugieriger Manier aber da man den Ausgang kennt mit einer unguten Vorahnung. Besonders schmerzlich ist das Kapitel des Terroranaschlags. Man begreift den Zeitgeist und kommt so nah wie nie an persönliche Geschichten heran. Man wird informiert, unterhalten und emotional stark gefordert. Nette Anekdoten werden von großen Geschichten und Helden und Opfern abgelöst. Ich begebe mich die Tage auf jeden Fall noch in den Olympiapark, werde das architektonische Bauwerk begutachten und das Denkmal für die Opfer des Attentats besuchen…

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Vor knapp zwei Monaten habe ich an einer Führung durch das olympische Dorf in München teilgenommen. Kaum wieder zuhause, bekam ich vom DVA-Verlag das Angebot, dieses Buch als Rezensionsexemplar zu lesen. Dieses Jahr jähren sich die olympischen Spiele von München zum 50. Mal, aus diesem Anlass gibt es eine ganze Reihe von Publikationen. Diese hier sprach mich aber schon aufgrund einer Leseprobe ganz besonders an und jetzt, nachdem ich die Lektüre beendet habe, kann ich sagen: Dieses Sachbuch liest sich so spannend wie ein Krimi, ist fröhlich, traurig, sehr beklemmend, emotional und informativ zugleich. In 20 Kapiteln, davon je eines für jeden Wettkampftag, erzählen die beiden Autoren die Geschichte der olympischen Spiele von München, angefangen von der Bewerbung, an deren Erfolg anfangs kaum jemand geglaubt hat, über die Bemühungen, wirklich alles anders zu machen als in Berlin 1936, über die erste Woche der sogenannten „heiteren Spiele“ bis hin zu dem furchtbaren Terroranschlag, der zwölf Tote gefordert hat, und der Zeit danach. Für jedes Kapitel haben die Autoren zwei, drei Personen herausgepickt, deren Geschichte sie genauer erzählen: mal sind es Athleten, mal ist es die Ausbilderin der Olympia-Hostessen, der Stadionsprecher Joachim „Blacky“ Fuchsberger, ein extra angereister jugendlicher Besucher (Dietmar Holzapfel, späterer Wirt der „Deutschen Eiche“) oder ein anderer Zeitzeuge. Dafür haben die Autoren akribisch recherchiert und zahlreiche Interviews geführt. Viele dieser Personen kommen im Laufe des Buches mehrmals vor, so dass man als Leser*in eine persönliche Beziehung zu ihnen aufbaut und mit ihnen mitfiebert. Eine der vorgestellten Personen ist Chef-Designer Otl Aicher: Ganz bewusst sollten die Spiele von München einen Kontrapunkt setzen zu den Spielen von Berlin 1936. Im Gegensatz zur Machtdemonstration der Nazis wollte sich Deutschland nun von seiner heiteren, weltoffenen Seite präsentieren. Das war die Vorgabe für sämtliche Planungen und fing schon bei der Auswahl der Farben an. Aicher hat einen umfangreichen Richtlinienkatalog erstellt, der die komplette Gestaltung regelte, vom Plakat über die Hostessenuniformen bis hin zur Verpackung der Zuckerwürfel, „Corporate Design“ in Vollendung. Wunderbar gelungen ist es den Autoren, die wirklich heitere Atmosphäre der ersten Olympiawoche zu vermitteln, die in den Medien als „Summer of Love“ tituliert wurde. Hätte ich nicht gewusst, wie dramatisch sich das noch ändern würde, so hätte dies bis dahin ein wirklich fröhliches Buch sein können. So aber fühlte ich beim Lesen immer eine gewisse Beklemmung, weil ich ja im Gegensatz zu den im Buch vorgestellten Personen schon wusste, was wenig später passieren würde. Geschildert werden längst nicht nur die sportlichen Ereignisse, vielmehr vermittelt das Buch viele Eindrücke der damaligen Politik und Gesellschaft, zum Beispiel zum Thema DDR: Erstmals wurden in München 72 die Sportler aus der DDR als eigene Mannschaft mit eigener Fahne und Hymne anerkannt, was nicht zuletzt eine Folge der Politik des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt war. Wie umstritten das war und wie die DDR-Sportler und die handverlesenen Fans, die mitreisen durften, das erlebt haben, schildert das Buch auf eindrückliche Weise. Geschildert werden auch Episoden, die vom damaligen Frauenbild oder alltäglichem Rassismus erzählen, von den politischen Rahmenbedingungen und von der Stadtentwicklung, die durch Olympia beschleunigt wurde. So wurde 1972 beispielsweise die Münchner S-Bahn eingeweiht, die wiederum für eine starke Siedlungstätigkeit im Umland, auch in meiner Heimatgemeinde, sorgte. Es ist kein Zufall, dass unser hiesiges Gymnasium und die Gemeindebücherei heuer ebenfalls ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Wirklich beklemmend wird die Lektüre bei der Schilderung des Olympia-Attentats vom 5. September 1972. Beinahe minutiös werden die schrecklichen Ereignisse dieses Tages und der darauffolgenden Nacht aus der Sicht von mehreren Zeitzeugen und anhand verschiedenster Quellen erzählt, so dass sich für mich ein umfassendes Bild ergab, das ich in dieser Form zuvor noch nicht hatte. Als die olympischen Spiele 1972 eröffnet wurden, hatte ich gerade erst meinen zweiten Geburtstag gefeiert, so dass ich die Geschehnisse damals zwar schon irgendwie mitbekommen, aber natürlich noch nicht verstanden habe. Seitdem habe ich zwar viel darüber gehört und gelesen, aber noch nie zuvor in dieser Genauigkeit. Und gerade weil man vorher im Buch schon einige der damals Beteiligten näher kennenlernen durfte, bekommt das Ganze eine persönliche Dimension, die das Geschehen noch tragischer macht. Sehr interessant fand ich auch die Schilderungen, wie später mit dem Terroranschlag umgegangen wurde, wie um die Entscheidung, die Spiele fortzuführen, gerungen wurde und wie erbärmlich es viele Jahre lang um die Aufarbeitung der Geschehnisse bestellt war. So konnte ich das Buch manchmal kaum noch aus der Hand legen, weil es so spannend war, während ich es an anderen Stellen ganz bewusst zugeschlagen habe, um das Gelesene erstmal sacken zu lassen. Nach der Lektüre dauerte es dann auch einige Tage, bis ich so weit war, ein neues Buch anzufangen. Unterm Strich war dies eine sehr bewegende und sehr lehrreiche Lektüre, die mich den schönen Münchner Olympiapark nochmal mit ganz anderen Augen betrachten lässt.

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