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Rezensionen zu
Die Einwilligung

Vanessa Springora

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Mitte der 80er Jahre in Paris: Die 13-jährige V. lernt auf einem Abendessen der Verlagsbranche den 36 Jahre älteren Autor G. M. kennen. Sie ist geschmeichelt von dessen Aufmerksamkeit, lässt sich von den zahlreichen auf diesen Abend folgenden Liebesbriefen einfangen - und in eine Beziehung führen, in der G. M. sowohl auf sexueller, als auch auf psychologischer Ebene die Macht inne hat. Obwohl sie sich Jahre später aus der Beziehung lösen kann, wirkt sich der dadurch angerichtete Schaden auch heute noch auf ihr Leben aus. G. M. veröffentlicht in der Zwischenzeit mehrere Bücher über seine Beziehung mit der minderjährigen V., ohne vorher ihr Einverständnis einzuholen. Durch ihr autobiographisches Buch "Die Einwilligung" setzt Vanessa Springora G. M. nun aber etwas entgegen: ihre eigene Stimme. Sie bricht ihr Schweigen und erzählt die Geschichte ihrer Beziehung, des Machtmissbrauchs seitens G. M. und sein konsequentes Ausnutzen der Schwachen. Und sie berichtet, wie alleine sie gelassen wurde: Ihre Mutter wusste von der Beziehung zwischen der Minderjährigen und dem 50jährigen, tat aber nichts dagegen - vielmehr lud sie G. M. noch zu gemeinsamen "Familienessen" nach Hause ein. Die Polizei erhielt anonyme Briefe über den Missbrauch, ermittelte aber nur halbherzig. Die Gesellschaft wusste sie auch nicht auf ihrer Seite, denn gerade in den 70er und 80er Jahren gab es in Frankreich in der linken Intellektuellenszene eine Bewegung, die sich stark machte für die freie Entfaltung der Sexualität. Sie wurde unter anderem unterstützt von prominenten Autor*innen wie Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre - und forderte in diesem Zusammenhang, das Strafrecht bei Beziehungen zwischen Erwachsenen und Minderjährigen zu lockern, das Einvernehmen zwischen den Beteiligten vorausgesetzt. Das hat mich besonders schockiert, denn ist es Minderjährigen überhaupt möglich, hier ein Einvernehmen zu erteilen? Die Autorin meint: Nein. Und dass sie Jahre später immer noch unter den psychischen Folgen der Beziehung zu leiden hat, spricht wohl Bände. G. M. konnte bis zur Veröffentlichung des Buches jedoch in Ruhe und mit Erfolg sein Leben weiterleben - und seine Neigungen weiter ausleben. In seinen Büchern spricht er ganz offen über sein sexuelles Interesse an minderjährigen Jungen und Mädchen. Er hält mit seiner Pädophilie nicht hinter dem Berg, wird 2013 jedoch trotzdem mit einem französischen Literaturpreis ausgezeichnet und darf in zahlreichen Talkshows auftreten. Für mich absolut unfassbar. Vanessa Springora hat es mit "Die Einwilligung" geschafft, den Menschen die Augen für ihre Geschichte zu öffnen. Sie kommt dabei ohne wütende Anklage aus, legt vielmehr die Fakten dar und schafft es durch ihren nüchternen Schreibstil, dass das Buch noch erschütternder wirkt. In diesen unter 200 Seiten steckt so viel Schockierendes und so viel Zündstoff - ich kann wirklich nur allen, die sich mit diesem Thema auseinander setzen können, raten, das Buch zu lesen.

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Vanessa Springora hat nach Jahrzehnten die Kraft gefunden, über den Missbrauch zu schreiben, den sie als Minderjährige durch den Literaten Gabriel Matzneff über Jahre ausgesetzt war. Sie lernte ihn als 13 jährige kennen, er war zu diesem Zeitpunkt fast 50. Nach diesem Treffen schrieb er ihr glühende Liebesbriefe. Irgendwann antwortete sie ihn und dann kam es zur „Einwilligung“. Jeder wusste es, auch ihre Mutter. Diese sträubte sich am Anfang, was aber nicht lange anhielt. Es war nicht „nur“ der sexuelle Missbrauch, sondern auch der psychische, der ihr Leben zerstörte. Im ganzen literarischen Umfeld sah dies niemand als Problem an, dass Matzneff dieses Kind als Freundin hatte. Es war schon lange bekannt und akzeptiert, dass er pädophil ist, da es in seinen Büchern um genau das geht. Auch diese „Beziehung“ wird für ein neues Buch verwendet. Ich frage mich, wie ein Verlag so einen Dreck drucken konnte. Auch nach Beendigung dieser „Beziehung“ hat er sie weiter belästigt und gestalkt. Der sogenannte „Zeitgeist“ erklärt Springora, war gerade zu dieser Zeit für „alles“ offen und wollte sich nichts verbieten lassen. Es gab immer wieder Petitionen, die von namhaften französischen Intellektuellen unterschrieben wurden, wie z.B. eine für drei pädophile Künstler, wo man von einer Verurteilung absehen sollte!🤮 Die meisten haben sich später dafür entschuldigt, hinterlässt bei mir aber einen schalen Nachgeschmack. Sehr erschütternd finde ich auch, dass die Autorin erst nach so vielen Jahren den Mut hatte, darüber zu schreiben. Nach der Veröffentlichung gab es in Frankreich einen großen Aufschrei. Gabriel Matzneff lebt heute noch und ich hoffe, dass es noch eine Möglichkeit gibt, ihn und noch viele andere zur Rechenschaft zu ziehen! Vanessa Springora war nicht das einzige Opfer dieses Pädophilen, sondern noch viele andere Kinder, Mädchen und Jungen. Bemerkenswert ist es, dass die Autorin ihre Geschichte so klar und kein bisschen voyeuristisch erzählt. Ein wichtiges und eindringliches Buch, das in Deutschland viel mehr Aufmerksamkeit bekommen muss!

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"Ich bin vor kurzem vierzehn geworden. Er wird bald fünfzig. Na und?" Mit diesen Worten startet V. in die Liebesbeziehung mit G. M. einem bekannten französischen Schriftsteller. Wie falsch sich das anhört ist jedem klar, nur ihr damals nicht. Vom Vater verlassen freut sie sich über die Aufmerksamkeit eines älteren Mannes, findet dort endlich Liebe, die sie so dringend sucht. Oder zumindest glaubt sie das. Langsam und bedacht kappt G. M. alle ihrer Beziehungen zu gleichaltrigen, bis sie fast alleine steht und niemand ihr hilft aus der Beziehung zu fliehen. "Das Stockholm-Syndrom ist mehr als ein Gerücht." Keine Schminke, keine Schokolade, ihr jugendliches, fast kindliches Aussehen soll sie behalten, was Pädophil bedeutet, lernt sie viel zu spät und wie falsch das ist auch. Seine Bücher, in denen er sich mit Liebschaften zu Kindern brüstet, darf sie nicht lesen. Nur die harmlosen. Am Ende sieht sie eher sich als Ungeheur als ihn. Ich weiß nicht genau wie ich dieses Buch beschreiben soll. Noch nie haben mich 114 Seiten so aufgewühlt. Man fühlt mit V., versteht ihr Denken und Handeln und möchte sie am liebsten von diesem Mann wegziehen. Mich überraschte die Ehrlichkeit mit der die Autorin berichtet. Von der Liebe, der Beziehung und dem Leid, dass sie noch Jahre verfolgte, ebenso wie G. M. selbst es ebenfalls tat. 5 / 5 Sternen. Aber definitiv keine Leseempfehlung für jeder man. Ich möchte hiermit eine Triggerwarnung für Missbrauch jeglicher Form aussprechen, auch mir ist das Lesen nicht immer leicht gefallen. "Solange mir nicht bewiesen werden kann - mir, wie ich jetzt, heute, bin, mit meinem Herzen und meinem Bart und meinem beginnenden körperlichen Verfall -, dass es im unendlichen Lauf der Dinge kein Jota ausmacht, wenn ein minderjähriges nordamerikanisches Mädchen namens Dolores Haze von einem wahnsinnigen ihrer Kindheit beraubt wird, [...] sehe ich kein anderes Mittel gegen mein Elend als die schwermütige und sehr punktuelle Linderung, ihm künstlerischen Ausdruck zu geben." - Vladimir Nabokov, Lolita

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