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Rezensionen zu
Das Land der Anderen

Leïla Slimani

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https://www.denkbar.net/das-land-der-anderen-von-leila-slimani-fremd-sind-wir-alle-irgendwo/

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Eine Fremde

Von: SambacYasmin

16.10.2021

Leila Slimani beweißt nicht nur in ihrem brandaktuellen Roman "Das Land der Anderen" ihren dynamischen Schreibflusss auf fast 400 Seiten, sondern auch einen Einblick in ein Land, wo die Sonne hoch steht. Dabei finden sich die Protagonistin, Mathilde, nach dem zweiten Weltkrieg, durch die Liebe zu einem Araber, fernab von ihrem Zuhause wieder. Deutlich hervor hebt Leila Slimani die Unterschiedlichkeiten beider Kulturen; denn Mathilde ist gebildet, aber unweit von Marokko rücken andere Werte in den Vordergrund. Die Beziehung zwischen dem jungen Liebespaar ist tückisch: geprägt von Armut, Differenzen mit- und untereinander, Leidenschaft, Kindern, häuslicher Gewalt und Angehörigen. Im Verlauf der Geschichte wird Mathilde einige Jahre ihrer Lebzeit begleitet. Vor allem, wie sie sich in einem fremden Land vollkommen neu kultivieren und orientieren muss. Die gebürtige, aufbrausende Elsässerin beweißt dabei oftgenug Mut, sich gegen die strickten, familiären Gewohnheiten aufzulehnen, bis zu den letzten Seiten des Buches. Hauptsächlich dreht der Roman um die junge Elsässerin und ihrem Ehemann Amine Belhaj. Deren zwei Kinder und auch die Schwester Mathildes, sowie Amines Familie und alt Bekannte erfüllen den Roman mit Nebenrollen, die dem Werk im Ansatz einen roten Faden verliehen. Ich wusste allerdings zu keiner Sekunde, wo der Roman zum Ende hin führen wird, was zum einen ein positiver Aspekt sein könnte, verbuche ich eher auf die Seite der "Stimmungslosigkeit". Der Roman wird zu beginn im konstanten Gleichgewicht gehalten, die Spannungskurve ist sehr niedrig; gleicht eher der Biografie Mathildes, die ihren mühevollen Alltag und Integrationsprozess gestaltet. Erst zum Ende hin, als das Verhältnis zwischen Mathilde und Amine einen Bruch erfährt, verfolgte ich die letzten Seiten mit erzeugter Anspannung. Leila Slimani hat hingegen eine leichte Feder. Ihr Wortfluss ist authentisch, leicht und anschaulich. Ich selbst habe mich in der Welt von Mathilde wiedergefunden. Die Vermischung von Kulturen, beeinflusst von dem zweiten Weltkrieg, die Nachhut und Vorsicht aber auch das einfache Leben haben zu meiner Entscheidung beigewogen, mich auf das Buch letztlich einzulassen. Für meinen Teil kann ich nicht zum Ausdruck bringen, was mir zum fünften Stern gefehlt hat. Eventuell lag es an der gleichsamen Kontinuität von minderer Spannung,... Daher hat sich meine Bewertung für dieses Buch auch deutlich hinausgezögert. Nicht zu wissen, ob ich nie ganz warm mit dem Buch wurde, mir etwas fehlte, oder ob ich wirklich einen Stern von dem Gesamtpaket abziehen sollte aber dennoch hatte ich das Buch gerne als Abendlektüre an meinem Bett herbeigezogen und gebe, mit einem kleinen Zwinkern, eine Buchempfehlung für einen interkulturellen Roman mit vier Sternen heraus ;-).

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Interessant!

Von: Easy Peasy

14.09.2021

Genau wie erhofft, thematisiert das Buch die Schwierigkeit einer interkulturellen Beziehung/Ehe zu Beginn bis Mitte des 20.Jahrhunderts. Diese geht weit über das bloße Zusammenleben zweier Menschen hinaus. Es setzt sich fort beim Annähern der Ausübung verschiedener Rituale und gipfelt in der Zerrissenheit der Kinder, die sich schon aufgrund ihres "andersartigen" Aussehens fremd fühlen und die Ablehnung ihrer Mitmenschen spüren. Die Autorin nimmt den Leser an die Hand, lässt ihn teilhaben am Alltag der Protagonisten, ohne belehrend erhobenen Zeigefinger oder Wertung. Es bleibt genug Raum für eigene Interpretationen und Gedanken und plötzlich, unverhofft, mittendrin, wenn man sich an das Begleiten der Charaktere gewöhnt hat, endet das Buch und lässt den Leser zurück, wie nach einer Welle, die über ihn hinweg gespült ist und aufgewirbelten Sand zurück lässt. Mit eben diesem Gefühl der Erfrischung, aber auch ein wenig Schmerz und - Atemlosigkeit.

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Eine Liebe in Marokko

Von: mimitatis_buecherkiste

11.09.2021

Mathilde ist eine junge Elsässerin, naiv, lebenshungrig und voller ungestilltem Verlangen nach Liebe und Vergnügen. Amine ist ein marokkanischer Offizier im Dienst der französischen Armee. Die beiden verlieben sich Ende des Zweiten Weltkrieges ineinander und heiraten, als Mathilde gerade mal zwanzig Jahre alt ist. Amine ist acht Jahre älter, dunkelhäutig und einen ganzen Kopf kleiner als seine Frau. Zusammen wollen sie sich in der Nähe von Meknès niederlassen, auf einem Hof, den Amine von seinem Vater geerbt hat. Mathilde hat ein aufregendes und abenteuerliches Leben erwartet, jedoch zieht sie vorerst mit ihrem Mann zu dessen Mutter, da der Hof noch verpachtet ist und der Pächter auf eine Vertragserfüllung besteht. Von einem exotischen Abenteuer ist das weit entfernt. Wie ernüchternd muss es für Mathilde sein, als sie feststellt, dass ihre Kulturen so unglaublich unterschiedlich sind, als der Alltag in Marokko einkehrt. In einem fremden Land mit dem alltäglichen Rassismus der französischen Kolonialgesellschaft konfrontiert, lernt sie die patriarchalischen Traditionen der Einheimischen kennen und stößt auf das Unverständnis ihres Mannes. „Manchmal empfand er das heftige und quälende Verlangen, zu seiner Kultur zurückzukehren, seinen Gott, seine Sprache und sein Land von ganzem Herzen zu lieben, und Mathildes Unverständnis machte ihn verrückt. Er wollte eine Frau wie seine Mutter, die ihn ohne viel Worte verstand, mit der Geduld und der Selbstverleugnung seines Volkes, die wenig sprach und viel arbeitete.“ (Seite 115) Die Geschichte war so unglaublich spannend zu lesen, dass ich das Buch in einem Rutsch verschlungen habe. Die Autorin vermischt gekonnt Fiktion mit historischen Fakten. Der Zweite Weltkrieg, die Kolonialzeit, die Auflehnung und der Aufstand der Einheimischen gegen die fremde Macht, all das findet Raum im Buch, wenn auch nicht vordergründig, denn hauptsächlich geht es um Mathilde und Amine, um die Beziehung zwischen diesen so unterschiedlichen Menschen. Hier treffen zwei Welten aufeinander. Da ist einerseits Mathilde, die jung, wild, kapriziös und ausgehungert nach dem Leben ist. Die fasziniert ist von diesem gut aussehenden, exotischen Mann aus dem fremden Land. Zum anderen ist da Amine, ein Araber, der anfangs bezaubert ist von dieser Frau, die vor Charme und Begeisterung nur so sprüht, später aber immer mehr genervt ist. Spannend fand ich, dass nicht nur Mathildes Sicht der Dinge aufgezeigt wurde, sondern auch der Grund für das Verhalten von Amine. So fiel es mir leichter, Verständnis für beide aufzubringen, wenn ich auch vieles aus seiner Sicht nicht nachvollziehen konnte. Zu unterschiedlich sind die Kulturen, in denen wir aufgewachsen sind. Ein toller Familienroman, der auf der Geschichte der Großeltern der Autorin basiert. Von mir gibt es 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

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Ein wunderbarer Roman

Von: Kassandra1961

09.09.2021

Leîla Slimani erzählt in diesem Roman die Geschichte von Amine, einem Marokkaner und seiner aus dem Elsass stammenden Frau Mathilde. Beide haben sich 1944 kennengelernt, als die französische Armee, in der Amine als Offizier diente, das Elsass von der Naziherrschaft befreite. Nun leben beide im Norden Marokkos auf einer Farm, die sie zusammen mit ihren Kindern bewirtschaften und die bereits der Vater Amines betrieb. Zur Freude der Tochter pfropft Amine einen Zitronenzweig auf einen Orangenbaum auf und dieser „Zitrangenbaum“ wird zum wiederkehrenden Motiv des Romanes: „ Wir sind wie dein Baum, halb Zitrone, halb Orange. Wir gehören zu keiner Seite." Der Baum trägt zwar Früchte, doch sie sind sehr bitter und ungenießbar. Als 1953 auch in Marokko die Unanhängigkeitsbewegung aktiver wird, wird auch die Situation für die Familie schwieriger. Mathilde wird von den französischen Nachbarn verachtet, da sie einen Marokkaner geheiratet hat, Amine verschanzt sich hinter seinem Schweigen und einer Sprachlosigkeit. Offiziell hat er kein Problem mit Frankreich, leidet aber gleichzeitig unter dem Zwiespalt einerseits für Frankreich sein Leben im Zweiten Weltkrieg riskiert andererseits aber unter dem Gefühl sein eigenes Volk verraten zu haben. Man fragt sich öfters während des Lesens, wer „die Anderen“ aus dem Titel des Romans sind. Die französischen Nachbarn, die sich das beste Land gesichert haben und bessere Erträge als ihre marokkanischen Nachbarn einfahren, die Frauen, die auf unterschiedliche Weise in beiden Ländern unterdrückt sind, auf Marokko oder Frankreich? Spannend! Ein wunderbar erzählter, kluger Roman, der sich zu lesen wirklich lohnt. Danke dafür!

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Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani kann man nur feiern. Wieder ein Buch, dass es zu lesen lohnt! Sie packt viele Themen in ihren neuen Roman ‚ Das Land der Anderen‘ und erzählt eine Geschichte aus dem letzten Jahrhundert, aber trifft uns in der Gegenwart. Es ist der erste Teil einer Familiensaga, die sich der Geschichte Marokkos widmet. Mathilde ist die Protagonistin dieses Romans. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges verliebt sie sich als junge Frau in einen marokkanischen Offizier, der für die Franzosen kämpfte - Amine. Sie wagt es mit ihm nach Marokko zu gehen um ein eigenes Leben zu führen fernab der eigenen Familie. Dort leben sie dörflich bei Meknes auf dem geerbten Hof von Amine. Hier möchte er in trockener Eben als Bauer leben und den Traum seines Vaters verwirklichen hier ernten zu können. Angekommen ist Mathilde, aber findet zum einen patriarchalische Strukturen vor mit sehr traditionellen Lebensweisen in der sie als Frau eine bestimmte Rolle einzunehmen hat. Sie kümmert sich vorrangig um die beiden Kinder, hat aber als „Andere“ Privilegien, darf sich dafür aber auch nicht einmischen. On top kommt die Sicht auf Marokko als Land, dass die Franzosen kolonialisiert haben und spürt den lokalen Rassismus, die immer die „Anderen“ trifft – egal auf welcher Seite. Eine französische Perspektive, aber von unten auf diesen Kolonialmacht und Wehr gegen die Besatzungsmacht. Ein spannender Ansatz. Dieser erste Band endet mit dem Jahr 1955. Turbulente Zeiten in Marokko -aber ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, lest selbst. Ich war bisher recht unbewandert in marokkanischer Geschichte und wie Frankreich als Kolonialmacht dort herrschte und wie die Unabhängigkeitsbewegung ihren Lauf nahm. Ich fand diesen Aspekt des Romans äußerst bereichernd. Außerdem war der Themenkomplex der „Mischehe“ besonders spannend geschrieben, die beiden im Verhältnis zueinander, das Verhältnis zu den Lokalen inklusive der Familie und wie die Franzosen es aufnahmen. Diese ganze Geschichte wird nüchtern erzählt von Leïla Slimani, aber so durchdringlich, dass es einen fasziniert. Wie immer reibt sie sich an den Themen und es knirscht auch mal und rüttelt den Leser auf ihre ganz eigene Weise auf. Lesenswert!

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Zeitzeugnis marokkanischer Geschichte

Von: Helga Hensel aus Herzogenrath

20.08.2021

Mathilde verliebt sich in den Marokkaner Amine Belhaj und folgt ihm nach Ende des Zweiten Weltkriegs in seine Heimat. Amines Vater hat einen Hof in der Nähe von Meknès bewirtschaftet und seinem Sohn hinterlassen. Entgegen gewisser Hoffnungen, die einem jugendlichen Freiheitsdrang entsprangen, erwartet Mathilde ein hartes, entbehrungsreiches Leben als Hausfrau und Mutter, während ihr Mann versucht, dem kargen Land Erträge abzuringen, um seine Familie zu ernähren. Bei den wenigen Gelegenheiten, wo Mathilde für Besorgungen oder gesellschaftliche Verpflichtungen in der Stadt ist, erlebt sie den alltäglichen Rassismus der französischen Kolonialisten, deren Einstellung eine Misch-Ehe überdies nicht vorsieht. Auch das Frauenbild der Einheimischen sowie ein gewisses sich-nicht-verständlich-machen-Können gegenüber ihrem eigenen Ehemann ernüchtern die junge Frau. Schnörkellos und bar jeglicher Schönfärberei schildert Slimani den Alltag, durch den ich Mathilde, Amine und ihre Familie begleite. Die landestypischen und historischen Gegebenheiten erscheinen mir fundiert und verleihen dem Buch eine gewisse Schwere, welche mich umfängt. Umso bewundernswerter Mathilde, die – abgesehen von einem kleinen Moment der Schwäche – sich in ihr Schicksal fügt, die Herausforderung annimmt und sich letztlich sogar ein klein wenig Eigenständigkeit verschaffen kann. Grundlage des Romans bietet die Geschichte der Großeltern von Leïla Slimani. Dadurch ist dieser Roman auch ein Zeitzeugnis. Dieses Buch habe ich gerne gelesen. Es ist eine ernste Form der Unterhaltung, die mir auch ein Stück Weltgeschichte nahegebracht hat, welches mir so nicht bekannt war. Dieses eBook habe ich im Rahmen des Angebots von PenguinRandomhouse-Testleser vorab lesen dürfen. Leïla Slimani, Das Land der Anderen, Roman, eBook, Luchterhand Verlag, 17,99 €, 384 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 24.05.2021

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Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Ich bin schnell in die Geschichte reingekommen und hätte das Buch in einem Rutsch durchlesen können. Mathilde war als Protagonistin schön ausgearbeitet und ich konnte ihre Handlungen zu jedem Zeitpunkt gut nachvollziehen. Auch Amine hat mir als Charakter ebenfalls gut gefallen; sein Zwiespalt - der Soldat, in den sich Mathilde verliebt, und der Mann, der in die Sitten und Gebräuche seines Landes eintaucht - kommen gut zum Ausdruck. Die schwierige Miteinander der beiden im für Mathilde fremden Marokko, fernab der Illusion und von Abenteuerlust, hat mich überzeugen können. Ihre wie eine Flucht aus dem Elsass und einem vermeintlich biederen Leben endet nicht, wie sie es sich vorgestellt hat, lässt sie als Frau und später auch Mutter aber enorm wachsen und reifen. Das vorherrschende Klassensystem und das dort herrschende Patriarchat werden sehr gut dargestellt und regen zum Nachdenken an. Auch die Nebencharaktere fand ich gut ausgearbeitet, sowohl die mir sympathischen als auch die mir unsympathischen. Die Handlung an sich hat mich von sich überzeugen können. In dem Buch wurden ziemlich viele wichtige und teilweise schwierigen Themen dargestellt, angefangen bei Frauenrechten, Tabus und (fremden) Traditionen, und noch so vieles mehr. Das Buch regt zum Nachdenken, vielleicht auch einmal über unsere Selbstverständlichkeiten.

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