Sie haben sich erfolgreich zum "Mein Buchentdecker"-Bereich angemeldet, aber Ihre Anmeldung noch nicht bestätigt. Bitte beachten Sie, dass der E-Mail-Versand bis zu 10 Minuten in Anspruch nehmen kann. Trotzdem keine E-Mail von uns erhalten? Klicken Sie hier, um sich erneut eine E-Mail zusenden zu lassen.

Rezensionen zu
Das Land der Anderen

Leïla Slimani

(13)
(7)
(0)
(0)
(0)
€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

Das Land der Anderen

Von: selztaler

17.06.2021

Während seiner Stationierung in Frankreich lernt der 28- jährige Marokkaner Amine Belhaj die im Elsass beheimatete 20- jährige Französin Mathilde kennen. Mathilde ist eine gebildete, starke junge Frau, die sich nach Abenteuer sehnt. Die beiden verlieben sich und werden trotz der kulturellen und augenfälligen Unterschiede ein Paar, heiraten in Frankreich. 1947 folgt Mathilde ihrem Mann nach Marokko, die gegenseitigen Erwartungen sind groß. Der Vater von Amine hat ihm Grund und Boden in der Nähe der Stadt Meknès vermacht. Um die Farm aufzubauen, den Boden fruchtbar zu machen, arbeitet Amine unermüdlich von früh bis spät. Mathilde ist sich zumeist selber überlassen, versorgt den Haushalt und erzieht die gemeinsamen Kinder Aicha und Selim. Die neue Heimat ist ihr fremd, sie fühlt sich einsam und langweilt sich, wird täglich konfrontiert mit in Beton gegossenen Moralvorstellungen. Harte und entbehrungsreiche Jahre liegen vor ihnen, die auch eine Zeit der politischen Umbrüche sind. Trotz aller Zweifel und Schwierigkeiten, gegen alle Widerstände, findet Mathilde einen gangbaren Weg. Angelehnt an ihre eigene Familiengeschichte, ausgelegt auf drei Teile, stehen die Großeltern Slimanis im Mittelpunkt dieses ersten Teils, dessen Handlung in den 1940er und 1950er Jahren in Marokko angesiedelt ist. Ein wirklich beeindruckendes, emotionales und gut geschriebenes Buch, welches die besondere Atmosphäre Marokkos einfängt, den Zeitgeist vermittelt. Bleibe eine große Bewunderin der Autorin!

Lesen Sie weiter

„Das Land der Anderen“ ist der erste Teil einer geplanten Trilogie, in der die französisch-marokkanische Autorin und Prix Goncourt Preisträgerin Leïla Slimani Teile ihrer Familiengeschichte verarbeitet. Angelehnt ist der Roman an die Geschichte ihrer Großmutter, die 1944 im Elsass ihren Anfang nimmt. Der Zweite Weltkrieg nähert sich seinem Ende, als Mathilde den Offizier Amine Belhaj kennen und lieben lernt. Amine ist Marokkaner, stationiert in Mulhouse und kämpft im Zweiten Weltkrieg wie so viele seiner Landsleute auf Seite der Franzosen gegen die deutschen Besatzer. Nicht weiter verwunderlich, denn der Maghreb-Staat steht unter französischer Protektoratsverwaltung und hat bereits im Ersten Weltkrieg die Truppen des Mutterlandes unterstützt. Die beiden heiraten, möchten sich eine gemeinsame Existenz aufbauen. Und da kommt es gerade recht, dass Amine von seinem Vater einen abgelegenen Hof nahe Meknès am Fuß des Atlas-Gebirges erbt. Dort liegt ihre Zukunft. Er wird sich um den Hof kümmern, sie um Küche und Kinder. Nach Kriegsende verlassen sie Frankreich in Richtung Marokko. Dort angekommen wird Mathilde schnell klar, dass ihrer Abenteuerlust in der patriarchalischen Gesellschaft strenge Grenzen gesetzt sind. Aber noch schlimmer trifft sie die Gewissheit, dass sich ihr Mann verändert, dass sich sein Verhalten, auch ihr gegenüber, an den traditionellen Werten dieser Gesellschaft orientiert, dass er ein Teil dieser Männerwelt wird. Aber resignieren ist für Mathilde keine Option. Auch die Politik beeinflusst ihre Beziehung. Marokko kämpft um die Unabhängigkeit, da kommt es bei Amines Landsleuten nicht gut an, dass er mit einer Französin verheiratet ist. Und die französischen Kolonisten? Ziehen die Nase hoch, wenden sich ab, meiden Mathilde. Die beiden sind sich ihres Sitzens zwischen den Stühlen bewusst, fühlen sich deplatziert, leben im Land des Anderen. Es sind die Widersprüche, die diesen Roman lesenswert machen. Tradition oder Moderne, Beharren in alten Mustern oder Fortschritt, Männergewalt oder Frauenrechte, Fügsamkeit oder Rebellion, Leiden oder Kämpfen. Diese Gegensätze arbeitet Slimani elegant heraus und macht daraus ein Plädoyer für Freiheit, Emanzipation und Veränderung.

Lesen Sie weiter

Eindringlich und authentisch

Von: Verena-Seraphina

15.06.2021

Gegen Ende des 2. Weltkrieges regiert in Mathildes Heimat in Frankreich sehr viel Angst. Fast selber noch ein Kind lernt sie Amine, einen Marokkaner, kennen, der mit seinem Regiment in der Nähe stationiert ist. Sie zeigt ihm Frankreich und seine Gebräuche, er nimmt alles sehr interessiert auf und ist für Mathildes Empfinden sehr liebenswert. Sie verlieben sich und heiraten. Sie folgt ihm in seine Heimat. Doch dort ist Amine wie verwandelt, sie leben zunächst bei seiner Mutter, die Mathilde mit offenen Armen aufnimmt, weil sie Europäerin und gebildet ist. „So ist das hier!“ - Diesen Satz wird Mathilde noch sehr oft hören. In Briefen an ihre Schwester schreibt Mathilde ihr Leben schön. Sie war auf der Suche nach Exotik und Abenteuer, sie möchte nicht preisgeben, wie es ihr wirklich geht. Die unterschiedlichen Vorstellungen von Partnerschaft und von der Rolle in einer Beziehung prallen aufeinander. Mathilde und auch ihre Tochter erfahren viele Anfeindungen, die ihnen zusetzen. So denkt der Arzt, dass Mischlinge das Ende der Welt ankündigen. Amine schlägt sie, doch das ist eben so in diesem Land. Er liebt seine Frau und zeigt ihr das auch. Doch sie darf sich in seine Belange nicht einmischen, auch wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass Mathilde mit ihrer Einschätzung richtig lag. Eindringlich gelingt es der Autorin Leila Slimani die Umstände und Situationen in diesem für Mathilde fremden Land zu skizzieren. Sie ergreift keine Partei für Mathilde, sie formuliert auch das Denken und Fühlen von Amine sehr genau. Beim Lesen entstehen leicht vorstellbare Bilder, es läuft ein Film ab. Die Sprache und Wortwahl sind sehr vielseitig und fein. Es entsteht ein Verständnis für die marokkanische Kultur, Lebensweise und deren Werte. Die Geschichte beruht auf wahren Gegebenheiten der Großeltern der Autorin. Über die Autorin sowie über die Geschichte von Marokko selbst ein wenig zu recherchieren, ist sehr lohnenswert, jedoch nicht Bedingung zum Verständnis. Das Zeitfenster des Romans reicht vom Ende des 2. Weltkriegs bis September 1955, die Unabhängigkeit erlangte Marokko Anfang 1956.

Lesen Sie weiter

spannende Reise nach Marokko

Von: gabiletta

15.06.2021

Der Roman entführt den Leser nach Marokko nach dem zweiten Weltkrieg, in ein Land das für seine Unabhängigkeit kämpft. Die persönlichen Probleme der Hauptpersonen spiegeln diesen Kampf wider. Liebe, Verlust, Entfremdung, Unterwerfung sind Themen dieser kraftvollen Familiensaga. Das Buch liest sich sehr flüssig, es fesselt den Leser und lässt ihn die Geschichte mitfühlen. Jeder, der sich für fremde Länder und Kulturen interessiert, wird seine Freude daran haben.

Lesen Sie weiter

Leïla Slimani zeigt mit ihrem historischen Roman „Das Land der Anderen“ das Leben einer französisch-marokkanischen Familie nach dem Ende des zweiten Weltkriegs bis in die Mitte der 50er-Jahre. Der Autorin gelingt ein authentischer Einblick in deren Lebenswirklichkeit durch die Verarbeitung der Geschichte ihrer eigenen Großeltern. Im Mittelpunkt des Romans steht dabei die Französin Mathilde, die sich nach dem Krieg in Amine Belhaj verliebt, der als marokkanischer Offizier der französischen Armee diente. Nach ihrer Heirat verlassen sie Mathildes Heimat, um ein Leben in Marokko zu führen, wo Amine von seinem Vater ein Stück Land geerbt hat. Zuerst müssen sie eine Zeit lang bei Amines Mutter und Geschwistern leben, bevor sie sich mit harter Arbeit aus dem Nichts eine Farm aufbauen. Schon kurz nach ihrer Ankunft in Nordafrika wird Mathilde klar, dass ihr Leben nicht das erhoffte Auswandererabenteuer wird, sondern hart und entbehrungsreich. Immer wieder zeigt sich, dass ihre Art zu denken, ihre Sozialisation, ihre Religion, ihrer Wünsche sich von denen Amines derart unterscheiden, dass ihre Vorstellungen vom Leben oft in Konflikten aufeinanderprallen. Auch Mathildes Schwägerin Selma und ihre Tochter Aïcha sind hierfür Spiegelbilder. Als Mathilde nach dem Tod ihres Vaters für kurze Zeit in das Elsass zurückkehrt, wird deutlich, wie vielschichtig die Autorin den Titel des Werks angelegt hat. Mathilde merkt, dass sie sich ihrer alten Heimat, in der sie sich zwar nach wie vor wohlfühlt, doch entfremdet hat, da sie den Draht zu ihrer Schwester verloren hat und ihre eigenen Kinder in Marokko leben. Dort gehört sie als Französin jedoch zu den Besatzern, die von den Marokkanern selbst als Unterdrücker und Fremdlinge wahrgenommen werden. Ein Konflikt, der auch in der Familie der Belhajs schwelt. Mit ihrer eingängigen Sprache macht es Leïla Slimani dem Leser leicht in die Welt der personalen Erzähler einzutauchen und sie aus ihren Augen zu betrachten. Ein lesenswertes Buch für alle, die sich für interkulturelle Konflikte und französische Geschichte interessieren.

Lesen Sie weiter

Die Elsässerin Mathilde verliebt sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Amine und zieht mit ihm nach der Hochzeit nach Marokko, wo er versucht, den von seinem Vater geerbten Hof zu bewirtschaften. Während sie ihre beiden kleinen Kinder aufzieht, stößt sich immer wieder an ihre Grenzen bezüglich der Traditionen, der Ablehnung als Französin, die ihr widerfährt. Während man einerseits durch die Sprache der Autorin von der ersten Seite an gebannt in die Geschichte gezogen wird durch die Beschreibung der Gerüche, Farben etc. fehlt mir der rote Faden im Buch. Die Szenen sind relativ beliebig aneinandergereiht bzw. für mich oft nicht auserzählt genug. Trotzdem ein interessantes Buch über eine starke Protagonistin.

Lesen Sie weiter

Bewegende Bestandsaufnahme

Von: Eddie1998

13.06.2021

Zugegeben, ein klassischer Roman mit Spannungsbogen sieht anders aus. Dennoch habe ich das Lesen als eine große Freude empfunden, da es Slimani durch ihren deskriptiven und minimalistischen Stil gelungen ist, den Figuren viel Raum zu geben, sich entfalten zu können. Somit erinnert Das Land der Anderen eher an eine Dokumentation der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ich habe das Gefühl, jetzt einiges besser zu verstehen oder einordnen zu können, was mit dieser Zeit und der Kultur, die sich bis heute spürbar daraus entwickelt hat, zu tun hat. Das ist mit Sicherheit auch deshalb so gut gelungen, da Slimani ihre eigenen Erinnerungen und Erfahrungen (bzw. die ihrer Familie) verarbeitet. So wird auf jeder Seite deutlich, wie persönlich das Buch eigentlich ist, nicht zuletzt, da Emanzipation eine so zentrale Rolle einnimmt. Daher kann ich jeder und jedem nur empfehlen, sich auf die Reise ins Marokko der Fünfzigerjahre zu begeben und sich von der Geschichte einer Familie mit für diese Zeit tragisch normalen Problemen und Strukturen fesseln zu lassen. Ich habe es nicht bereut und finde es gut, dass es diese Bücher gibt, die nachdenklich machen und zu Reflexion anstacheln.

Lesen Sie weiter

Leïla Slimani nimmt uns in ihrem Buch "Das Land der Anderen" mit nach Marokko. Wie begleiten die Reise der Elsässerin Mathilde nach dem zweiten Weltkrieg in das Heimatland ihres Ehemanns Amine, der für Frankreich im zweiten Weltkrieg als Soldat gedient hat. Wir lernen auf dieser Reise aber nicht nur Mathilde und ihre Ehemann kennen, sondern auch dessen Bruder Omar, der für ein freies Marokko kämpft, seine Schwester Selma, die für ein freies Leben kämpft und weitere Menschen die Mathildes Leben prägen. Der/die Leser*in erlebt die Zerissneheit der jungen Frau zwischen ihren europäischen Wurzeln und dem tradiotionellen Sein auf dem marokkanischen Land, zwischen dem Islam und dem Christentum, zwischen den eigenen Bedürfnissen und der Aufgabe für die Familie. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es hat mir (wie so oft) Einblicke ein Teil unserer Geschichte gegeben, welche ich bisher noch nicht auf dem Schirm hatte. Ich war zwar schon in Marokko im Urlaub, habe mich aber leider nicht mit der Geschichte des Landes beschäftigt, mit der Besetzung der Franzosen und dessen Folgen. Dies wurde mir durch dieses Buch sehr bewusst und ich werde mich nach dem Lesen noch einmal genauer mit der Geschichte des Landes beschäftigen. Neben den geschichtlichen Faktoren hat mich vor allem das Schicksal von Mathildes Leben gefesselt und ich habe mit der Protagonistin mitgelitten und mitgefiebert. Mathilde ist mir ans Herz gewachsen. Die Autorin Leïla Slimani hat, wie Mathilde, ebenfalls ins Marokko und in Frankreich gelebt. Vermutlich macht dies das Buch so authentisch. Die Beschreibungen der Medina, der Riads sind so passend, dass ich mich dirkt zurück in dieses Land gesetzt gefühlt habe. Wenn die Autorin eine Einsamkeit Mathildes beschreibt, kriecht diese Einsamkeit ebenfalls in mich hinein. Vor allem die Art zu schreiben von Leïla Slimani hat mich dazu gebracht das Buch nicht nur zu erlesen, sondern wirklich zu erleben. Es ist das erste Buch der Autorin, welches ich gelesen habe. Nach dieser Lektüre möchte ich aber auch unbedingt ihre weiteren Werke lesen.

Lesen Sie weiter