Sie haben sich erfolgreich zum "Mein Buchentdecker"-Bereich angemeldet, aber Ihre Anmeldung noch nicht bestätigt. Bitte beachten Sie, dass der E-Mail-Versand bis zu 10 Minuten in Anspruch nehmen kann. Trotzdem keine E-Mail von uns erhalten? Klicken Sie hier, um sich erneut eine E-Mail zusenden zu lassen.

Rezensionen zu
Kindern mehr zutrauen

Michaeleen Doucleff

(2)
(1)
(0)
(0)
(0)
€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

Michaeleen Doucleffs dreijährige Tochter Rosy ist sehr süß, sieht schlafend aus wie ein kleiner Engel (welche Eltern kennen das nicht) im Wachzustand ist sie eine entsetzliche Nervensäge, mit Wutausbrüchen und Tobsuchtsanfällen, bei denen sie ihre Mutter schlägt. Da hilft der Mama auch das Chemiestudium in Berkely samt Doktortitel nicht weiter. Im Privatleben fühlt sie sich zunehmend als Versagerin. Doucleff ist in den USA bekannt als Radiomoderatorin und arbeitete für Cell, einem angesehen Wissenschaftsmagazin, daher macht sie sich auf die Suche, nach der erfolgreicheren Erziehungsstrategie nachdem sie mit der oft widersprüchlichen pädagogischen Ratgeberliteratur der westlichen Welt abgeschlossen hat. Dabei stößt sie auf interessante Tatsachen. Die Wissenschaft der Psychologie des Menschen, beschränkt sich in ihren Studien zu 96 % auf Menschen mit europäischer Abstammung und Hintergrund, obwohl diese nur 12 % der Weltbevölkerung ausmachen. „Das gesamte Gebiet der Psychologie studiert also nur einen geringen Teil der Menschheit.“ Verallgemeinernde Aussagen hinsichtlich der Menschheit werden also aus der zahlenmässig am wenigsten repräsentativen Bevölkerungsgruppe gewonnen. Damit war ich gepackt und fasziniert am Lesen, die Autorin hat aber auch ein Händchen dafür gefällig zu schreiben. Ein Forscherteam das 2010 zu dieser Thematik publizierte nannte unsere westliche Kultur in einem Akronym das für: Western, Educated, Industrialized, Rich and Democratic steht: WEIRD. Die Untersuchungen und Studien sind aufschlussreich und hochinteressant. Ebenso wie die Nachforschungen von Michaeleen Doucleff zur westlichen Erziehungsmethoden und den daraus resultierenden Ratgebern. Viele unserer Methoden gibt es erst seit etwa hundert Jahren, einige auch nur wenige Jahrzehnte. Zum Beispiel haben sich die Empfehlungen bezüglich Stillen und Schlafpositionen für Säuglinge rasant verändert. Zudem machten sich früher vor allem Männer um die Erziehung verdient. Zumindest wenn es an die intellektuelle Betrachtungsweise ging und es ist auffällig, dass sie sich auf diese Art bemühten, sich bevorzugt ihr Leben zu erleichtern. Wie wir Eltern alle wissen bringt so ein neu hinzugeborenes Familienmitglied nicht nur eitel Sonnenschein, sondern auch eine Menge neue Aufgaben und stellt lautstark Forderungen denen umgehend zu entsprechen ist. Damals war das den Patriarchen lästig. Man erinnere sich nur an den großartigen französischen Philosophen und Schriftsteller Voltaire, der sich diesen familiären Zumutungen geschickt entzog, indem er seine Kindern schnurstracks im Waisenhaus abgab. Nach dem theorethischen Überbau ihrer Nachforschungen begibt sich die Autorin mit uns in die praktische Welt der indigenen Erziehungsmethoden. Diese sind absolut sinnhaft, aber ein irrsinnige Geduldsprobe, besonders für uns westliche, doppelt und dreifach belastete Mütter. ZEIT und GEDULD sind gefragt, wenn es darum geht die kids in Übung Nr.1 zur Hilfsbereitschaft zu erziehen. Wer schon mal das Bad von seinem 4 jährigen Sohn gewischt bekommen hat weiß was ich meine. Sie wollen sich nützlich machen, sie lieben es zu helfen, wir müssen sie nur dabei unterstützen, aber wir könnten diese heißbegehrten Aufgaben in einem Minimum der Zeit selbst erledigen. Warum es so wichtig ist sich helfen zu lassen und wie man es ohne eigenen Nervenzusammenbruch hinkriegt steht im Buch. Ein Satz der mir sehr gefiel: „Holen. „Hol mir doch mal bitte“, ist einer der häufigsten an kleine Kinder gerichteten Sätze“ zumindest auf der salomonischen Insel Tikopia laut des Athropologen Raymond Firth. „Kleine Kinder sind ganz großartige Holer.“ Sie fallen nicht auf ein „Halt mal kurz“ rein wie beim Känguru sondern sie lieben es „Halt doch bitte“ zu hören. Die Tipps und Tricks samt abgestimmter Wortwahl der Indigenen sind beachtenswert, sie fordern Geduld und Zeit, aber die Nachhaltigkeit hat mich überzeugt. Es gibt aber auch Erziehungshilfen und Tipps die ich kritisch sehe. Beispielweise Geschichten zu erzählen um die Kinder in die gewünschte Richtung zu bringen. So hat die Autorin ein Monster im Kühlschrank, das wächst wenn es ihm zu warm wird; hier geht es darum die Kühlschranktür rechtzeitig zu schließen um keinen Strom zu verschwenden. Das und andere in diese Richtung gehende Geschichten halte ich für fragwürdig. Hätte ich das meinem Ältesten erzählt wäre der Kühlschrank immer offen gewesen um endlich das Monster zu entdecken, mein Jüngster hätte Angst vor dem Kühlschrank gehabt. Hier sollten sich Eltern äußerst genau überlegen ob sie ein solches Mittel einbeziehen wollen. Ich halte es für Lügen. Das lässt Eltern später, wenn die Kinder mehr gelernt haben ziemlich mies dastehen und verängstigte Kinder möchte niemand. Andererseits erzählen religiöse Menschen ihren Kindern auch Geschichten deren Wahrheitsgehalt sehr fragwürdig ist und auch bei uns gab es traditionell bedingt und auch weil es mit Geschenken und schöner Spannung verbunden ist den Nikolaus, den Osterhasen und das Christkind. Was mir an diesem Buch sehr gut gefiel, war die Haltung die den Erwachsenen Kindern gegenüber empfohlen wird und auch die klaren Sprachanweisungen die zu dieser Haltung gehören. Es ist entscheidend in der Erziehung, sich zuallererst selbst bewusst machen welche Werte einem wichtig sind und wie diese vermittelt werden können. Die Autorin kritisiert auch unser westliches kindzentriertes Bespaßen, das übermäßige Loben, das kontraproduktiv ist und die diskutiererei insbesondere mit kleinen Kindern. Wer sich angesprochen fühlt findet hier gute Denkanregungen. Lesens- und beachtenswert sind die Berichte von Michaeleen Doucleffs Reisen mit ihrer Tochter Rosy für alle Eltern von kleinen Kindern, besonders aber für werdende Eltern, die noch ganz am Anfang ihrer Erziehungsarbeit stehen. Hier kann „Kindern mehr zutrauen“ sehr wertvolle Hilfestellung sein um sich gegen die Übergriffigkeiten unserer Gesellschaft, die unsere Erziehung nicht selten mit Argusaugen und unerbetenen Kommentaren beggleitet. „Kindern mehr zutrauen“ zu lesen kann zu entspannten, reflektierter, emotional gefestigter Elternschaft führen und das gut begründet. Wenn dann die Schwiegermutter nölt, weil sie es nicht gutfindet wie man erzieht ist gelassen, freundliche Ablehnung kein Problem. Wissen wohin man möchte und wie man dahinkommt. Was man letztendlich innerhalb der eigenen Familie umsetzt bleibt jeder/m LeserIn selbst überlassen. Die Handreichung dazu ist gehaltvoll, gut begründet und variabel. Das Konzept von Doucleff, sie nennt es TEAM funktioniert. T eamwork – wir sind eine Familie und helfen alle zusammen E rmutigung A utonomie M inimales Eingreifen Stressfrei, gelassen und liebevoll so sehen die Erziehungsmethoden in den indigenen Kulturen aus die Doucleff besucht hat. Das Konzept samt Erläuterungen, Tipps und Übungen hat mich beeindruckt. Basiert es doch hauptsächlich auf gesundem Menschenverstand und den kann man neu lernen.

Lesen Sie weiter

Was für ein fröhliches Mädchen, das einen vom Cover dieses Buches anstrahlt. Man möchte direkt zurücklächeln und es weckte direkt den Wunsch mir, die Botschaft des Titels umzusetzen. Generell bin ich ein Mensch, der Kindern gerne etwas zutrauen und wenig bevormunden will. Es war früh wichtig, meine Tochter ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen und ihre Selbständigkeit zu fördern. Erziehungsratgeber habe ich wenige gelesen. Die wenigen die ich mir angeschafft habe, waren von der Montessori-Pädagogik inspiriert und der eine oder andere von Jesper Juul war auch dabei. Bei ihm schätze ich ebenfalls die respektvolle und wertschätzende Sicht auf das Kind. Trotz aller Bemühungen komme auch ich immer wieder mal an einen Punkt, an dem ich vieles hinterfrage und das Gefühl habe, alles läuft aus den Bahnen. Unzufriedenheit, Wutanfälle und Stress stehen plötzlich im Weg und man fragt sich, was gerade falsch läuft. Besonders schlimm finde ich es, wenn einem der Geduldsfaden platzt und man laut wird oder das Kind anschreit. Der Journalistin Michaeleen Doucleff ging es wohl nicht anders und sie stellte irgendwann fest, dass die Beziehung ihrer Tochter Schaden nimmt. Sie lebten nicht als Team, eher sah sie das Kind als kleine Feindin an, die ihr alle Kraft raubte. Sie bemerkt, dass sie sich unentwegt für die Bespaßung ihrer Tochter zuständig fühlt und fast schon gezwungen wird ständig neue Aktivitäten zu planen, damit ihr Kind friedlich und beschäftigt ist. Denn wäre dem nicht so, droht Chaos. Das alles kostet sie so viel Kraft und bringt mehr Zweifel in ihr auf. So machte sie sich eines Tages mit ihrer Tochter auf den Weg zu drei indigenen Kulturen, um zu den Ursprüngen der Kindererziehung zurückzufinden und Antworten auf ihre Fragen zu finden. Sie reist zu den Mayas, den Inuit und den Hazda. Die Autorin interviewt diese Familien nicht nur, sondern lebt mit ihnen zusammen und lernt von verschiedenen Generationen. Ich fand diese Vorstellung wahnsinnig interessant. Schon oft habe auch ich mir die Frage gestellt, wie diese Kinder und Familien leben. Immer wenn ich eine Reportage im Fernsehen über diese Kulturen sah, wunderte ich mich wie ausgeglichen und zufrieden die Kinder wirken, obwohl sie so wenig besitzen. Sind sie auch schon mal hyperaktiv, langweilen sie sich oder haben sie Wutanfälle, so wie viele Kinder in der westlichen Welt? Dieses Buch gibt Antworten darauf und es ist wirklich besonders. Ich würde es auch nicht als Erziehungsratgeber sehen, sondern eher als einen Erfahrungsbericht, aus dem man so viel für sich mitnehmen kann. Es gibt nicht nur einen neuen Blick auf unsere Erziehungskultur, es legt wahrlich den einen oder anderen innerlichen Schalter um und verändert die Sichtweise und bringt einiges wieder ins Bewusstsein zurück. Mit 384 Seiten gibt es einiges zu lesen und dennoch wollte ich dieses Buch am liebsten nie aus der Hand legen. Es ist informativ und spannend und bringt so viele Gedanken ins rollen, dass ich mich auch nach dem Lesen noch lange damit auseinandersetzen werde. Was besonders deutlich wird ist die Tatsache, dass Erziehung immer eine Mehrgenerationenaufgabe war und nie alleine auf einer Mutter oder Kernfamilie lastete. Ein Kind kann so viel lernen, wenn verschiedene Generationen verfügbar sind und ein stabiles Netz besteht. Und dabei lernt es nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von anderen Kindern, die vielfältige Aufgaben übernehmen. Und es lernt auch dadurch, dass es schon sehr früh in familienzentrierte Aufgaben einbezogen wird und sich nicht alles um kindzentrierte Bespaßung dreht. „Nehmen Sie sich täglich eine Auszeit, in der Sie ihr Kind weder unterhalten, noch ihm Anweisungen geben.“ Hier wird deutlich, wie sich die Familie als funktionierendes Team versteht und diese Werte auch an die Kinder weiter gibt. So ist die Erfahrung der Autorin beispielsweise die, dass die Maya besonders hilfbereite und koopertative Kinder haben. Bei den Inuit lernt sie sehr viel über den Umgang mit Wut. Team, was bedeutet das? Teamwork Ermutigung Autonomie Minimales Eingreifen Diese Sichtweise spricht mich sehr an. Jede Familie sollte sich diese kleine Gedankenstütze gut sichtbar irgendwo aufhängen, denn es vereinfacht so viel. Ich ertappte mich in diesem Buch sehr oft dabei, dass ich bestimmte Ansätze auch aus der Montessoripädagogik kenne und werschätze und dabei wieder daran erinnert wurde, dass viele dieser Sichtweisen auch im Alltag so schnell vergessen werden. Man sollte achtsamer sein, in dem was man tut und wie man spricht um eine gute Beziehung zu seinem Kind zu finden und zu erhalten. Beachtenwert empfand ich das in sich Ruhen, das alle diese indigenen Völker zu leben scheinen. Erwachsene, die Kind anschreinen gelten als unreif, sie werden ausgelacht. „ Schau, er benimmt sich wie ein Kind!“ Schreie nie ein Kind an! Kinder die oft angeschrien werden hören nicht mehr zu. Wie wahr. Wenn es doch immer so einfach wäre. Mit etwas Übung vielleicht schon. Vielleicht reicht es schon, die Sichtweise auf das Kind zu ändern, die emotionale Intelligenz nicht zu überschätzen. Was deutlich wird ist auch der Schwall an Redefluss, der in der westlichen Kultur auf Kinder eiprasselt. Sie sind von morgens bis abends Anweisungen und Verbesserungen ausgesetzt. Weniger Worte, dem Kind mehr zutrauen und zur eigenen Ruhe zurückfinden können so viel bewirken. Das alles und noch viel mehr fasst die Autorin am Ende jedes Kapitels in wertvollen, alltagstauglichen Tipps zusammen, so dass man immer wieder reinlesen kann ohne den Überblich zu verlieren. Sicher passt nicht alles für jeden gleichermaßen, manches mag man anders sehen oder nochmal hinterfragen. Aber alles in allem ist dies ein wunderbares Buch aus dem man sehr Wissen und Hilfe herausziehen kann. Es ist sehr gut recherchiert, zum Teil mit wissenschaftlichen Hintergrundinformationen. Die Autorin erzählt von ihren Erfahrungen mit ihrer eigenen Tochter und spricht hauptsächlich Mütter an . Der Vater oder die Kernfamilie als Ganzes, egal in welcher Form findet dadruch in diesem Buch keine besondere Erwähnung. Man könnte dies als Kritikpunkt anbringen, mich persönlich störte dies aber nicht. Mir persönlich hat dieses Buch sehr viel gegeben und die Inhalte werden noch lange nachwirken. Ich möchte es allen Eltern sehr ans Herz legen, dieses Buch zu lesen. Herzlichen Dank an den Kösel Verlag und das Bloggerportal für dieses wunderbare Rezensionsexemplar.

Lesen Sie weiter

„Vielleicht hatte ich nicht deshalb so viele Schwierigkeiten mit Rosy, weil ich eine schlechte Mutter war, sondern weil ich einfach nur niemanden gehabt hatte, der mir beigebracht hätte, wie man eine gute Mutter ist? Hat meine Kultur schlicht vergessen, wie man Kinder am besten erzieht?“ Wie bringt man Kinder dazu, Aufgaben zu erledigen, ohne, dass man sie darum bitten muss? Wie bringt man Geschwister zur Kooperation, statt dass diese streiten? Wie diszipliniert man, ohne zu schreien, zu schimpfen oder zu bestrafen? Wie stärkt man Resilienz, Geduld und Impulskontrolle? Autorin Dr. Michaeleen Doucleff, welche Chemie studierte und als Bloggerin für ihre Artikel mit gesundheitlichen und pädagogischen Themen bekannt ist, spricht in diesem Buch in erster Linie als Mutter zu den Leser*innen, welche mit den Wutanfällen ihrer kleinen Tochter Rosy häufig an ihre Grenzen stößt. Sie fragt sich, was sie tun kann, um die Mauer zwischen ihnen nicht noch höher wachsen zu lassen. Denn sie zweifelt an sich selbst und bekommt beinahe Angst vor der nächsten Begegnung mit ihrem Kind. Als sie feststellt, dass sie hauptsächlich so reagiert, wie ihre Eltern sie behandelt haben (mit Wut, Zorn, Strenge und lauten Worten), reist sie gemeinsam mit Rosy um die Welt, um anderen Eltern bei der Erziehung über die Schulter zu schauen. Von ihnen lernt sie, wie sie mit Wutanfällen von Rosy umgehen kann, wie sie mit ihrer Tochter sprechen kann, ohne zu schreien oder zu bestrafen. Sie erkennt, wie sie mit Rosy konfliktfrei kommunizieren und wie sie ihr Werte und Normen vermitteln kann. Die Autorin stützt sich dabei vor allem auf eigene Erfahrungen und Beobachtungen, denn die Anzahl der Studien zur Erziehung von Kindern in indigenen Kulturen sind Mangelware. Das sollte man wissen, wenn man sich für das Buch interessiert. Doch als gelernte Erzieherin weiß ich, wie wertvoll es sein kann, Vorbilder (wie meine ehemaligen Kolleginnen) zu erleben, durch die man neue Blickwinkel kennenlernen und dadurch seinen eigenen Umgang finden und ein Bauchgefühl entwickeln kann. Daher können auch Erfahrungsberichte nicht schaden. Als solche sollte man das Buch wohl sehen (auch wenn die Autorin einzelne Studien und Berichte von Psychologen, Anthropologen, Neurowissenschaftler und Evolutionsbiologen, usw. mit eingearbeitet hat). Dann kann man durchaus zahlreiche Impulse für das eigene Handeln mitnehmen. Die Autorin geht davon aus, dass durch unsere eingeschränkte Sichtweise auf Erziehung (europäisch- amerikanisch), nützliche „Werkzeuge“ ausgeblendet werden, wir isolierter leben und es deshalb heute so anstrengend für uns ist, Kinder großzuziehen, und dass bei uns daher so viele Kinder und Jugendliche einsamer, ängstlicher und depressiver geworden sind. Auch sind die Eltern heute mehr auf sich allein gestellt, während Erziehung in anderen Kulturen und auch bei uns früher, eine Mehrgenerationenaufgabe war. Andere haben etwas, das unserer westlichen Kultur fehlt: tief verwurzelte Erziehungstraditionen und einen Wissensschatz, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dr. Michaeleen Doucleff bereist Familien und Menschen drei indigener Kulturen und stellt deren positive Merkmale in den Vordergrund: So gewinnt sie den Eindruck, dass die Kinder der Maya besonders hilfsbereit und kooperativ sind, gemeinschaftlich und eine gute Konzentrationsfähigkeit besitzen. Bei den Inuit bewundert sie die emotionale Intelligenz und die Wutkontrolle. Schreien z. B. gilt hier auch bei den Erwachsenen als unreifes Verhalten. Scheinbar gebären manche Mütter ihre Babys komplett lautlos – diese Schilderungen haben mich besonders beeindruckt! Die Kinder der Hadza erlebt sie dagegen als sehr selbstbewusst, selbstbestimmt und es soll dort keine kindlichen Angststörungen oder Depressionen geben. Jede der Kulturen hat einen Hauptteil im Buch, es werden verschiedene Familien besucht und man bekommt Einblicke in den Tagesablauf und in die Erziehungsformen der Leute. Außerdem gibt es viele Tipps, praktische Anleitungen zum Ausprobieren im eigenen Alltag (z. B. wörtliche Formulierungen, Aufgaben…), die sich gut umsetzen lassen, manchmal aber auch eine Herausforderung darstellen können, sowie anschauliche Zusammenfassungen am Ende der Kapitel. Die Autorin nennt ihre Methode die „TEAM-Erziehung“ - das Fundament der Eltern-Kind-Beziehung - welches aus vier Kernelementen bestehen soll: Teamwork, Ermutigung, Autonomie und minimales Eingreifen. Die Haltung, die im Buch vermittelt wird, diesen respektvollen, liebevollen, wertschätzenden, zwanglosen und kooperativen Umgang mit dem Kind und weg von einer Bespaßung und Ablenkung nach der nächsten (was Kinder und Eltern schnell ermüden kann), mochte ich sehr. Auch deshalb, weil man in der Montessori-Pädagogik (mit der ich gearbeitet habe und die ich sehr schätze) so vieles davon wiederfindet. Obwohl ich vieles, was im Buch steht, bereits wusste, konnte ich einiges mitnehmen. Vor allem die kulturellen Unterschiede fand ich interessant und haben mir zu denken gegeben. Zahlreiche wörtliche Formulierungen, weise Sätze und Ratschläge der indigenen Bevölkerung, habe ich mir ebenfalls herausgeschrieben. Ein Kritikpunkt wäre, dass das Buch fast nur Mütter anspricht und wenig auf die Väter/ andere Familienformen eingeht. Aber auch, dass die Autorin innerhalb der Kulturen ziemlich verallgemeinert (wie sehr, kann ich schlecht einschätzen), auch deshalb, da es nur wenige Studien gibt. Daher mein Tipp: Das Buch mehr als Erfahrungsbericht lesen und wertvolle Impulse für sich herausziehen! Denn als solches betrachtet, kann es sicherlich einiges für einen bereithalten! 4,5/5 Sterne!

Lesen Sie weiter