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Rezensionen zu
Der Bunker

Clemens Murath

Die Frank-Bosman-Serie (2)

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€ 16,00 [D] inkl. MwSt. | € 16,50 [A] | CHF 22,50* (* empf. VK-Preis)

Der Hardboiled-Krimi ,,Der Bunker“ von Clemens Murath ist am 10. August 2022 im Heyne-Verlag erschienen und für mich auf jeden Fall eine gelungene Fortsetzung nach seinem Krimi-Debüt und Auftakt ,,Der Libanese“. Erneut hat mich eine abgefahrene Handlung mit dem Ermittler Frank Bosman vom Berliner LKA bestens unterhalten und mir außerordentlich spannende Lesestunden beschert. ‎432 Seiten hartgesottene Fiktion haben mich komplett in den Bann gezogen, sodass ich in eine Welt eintauchen konnte, die mich fasziniert und gleichzeitig fassungslos zurückgelassen hat. Nicht nur Antiheld Frank Bosman hat wieder bewiesen, dass er korrupt und skrupellos sein kann, auch sein Kollege Schuster hatte einiges zu bieten. Einige seiner Handlungen waren mir bis zur endgültigen und absolut überraschenden Aufklärung unklar, sodass mich gelungene und unvorhersehbare Wendungen erwartet haben. Schuster ist deutlich ruhiger als Bosman, doch diesmal wird sein Privatleben ordentlich aufgewühlt und ich konnte gut erkennen, dass ihn dieser Zustand arg beschäftigt. Denn nicht nur seine Vergangenheit bringt überraschende Erkenntnisse ans Licht, auch wer in sein Privatleben eingedrungen ist, hat für einen besonderen Knüller gesorgt. Die Anzahl der Leichen steigt regelmäßig an und es herrscht ein konstant hohes Tempo. Bosman und Schuster haben für eine extrem fulminante Handlung gesorgt, die unheimlich spannend und rasant ist. Obwohl Schuster in dieser Geschichte schon eine große Rolle spielt, lauert er eher im Hintergrund. Seine kompletten Aktivitäten kommen dafür jedoch an den richtigen Stellen zur Sprache, während Bosman das Wasser diesmal bis zum Hals steht und er von Anfang bis Ende präsent ist. Da er plötzlich durch fatale Umstände unter Mordverdacht steht, fehlen selbst ihm die Worte und er zweifelt sein komplettes Leben an. Auf der Suche nach der Wahrheit und Antworten muss er deshalb einige Hürden überwinden. Wer ein falsches Spiel mit ihm spielt und vor allem warum er aus dem Weg geräumt werden soll, hat mich ebenfalls in einem nicht vorhersehbaren Ausmaß überrascht. Bosman bringt definitiv Leben in die Handlung und zieht, trotz seiner korrupten Art, Sympathien auf sich. Dass er es mit dem Gesetz nicht immer ganz genau nimmt, tut dem Ganzen keinen Abbruch. Dieser ist detailgenau charakterisiert und passt einfach perfekt in diesen Hardboiled-Krimi, da er genauso korrupt ist wie das organisierte Verbrechen selbst. Der hartgesottene Ermittler mit zwei Seiten lebt den krassen Kreislauf der Gewalt schamlos aus. Seine zynische und knallharte Art sowie sein weicherer Kern, wenn es privat um seine Familie geht, konnte ich regelmäßig beobachten. Ich konnte mich in seine Gedanken, Handlungen und Gefühle besonders gut hineinversetzen, da unter anderem aus seiner Perspektive geschildert wird. Ich finde, dass der Hauptcharakter des knallharten Bullen im Gegensatz zum Debüt viel besser ausgearbeitet ist und er sich diesmal deutlich durch mehr Tiefe auszeichnet. Es hat mir viel Spaß gemacht, seinen Feldzug gegen seine Gegner mitzuerleben. Auch die restlichen Charaktere sind einfach herrlich, denn sie tragen einen sehr großen Teil zu diesem überaus lesenswerten Krimi bei. Nicht nur korrupte Bullen, auch schräge Vögel wie der depressive und übergewichtige Warlord Remi Ekrem mit einer Vorliebe für eine türkische Seifenoper bieten großen Unterhaltungswert. Ein alkoholkranker Schauspieler, der seine besten Jahre hinter sich hat, vermasselt seinen Job als Lockvogel fürs LKA und landet anschließend als Geisel beim Köfte-Fressenden Kingpin Ekrem. Doch für den kaputten Schauspieler hätte es nicht besser treffen können, denn es entsteht eine chaotische Freundschaft zwischen den beiden. Ein Haufen Rechtsradikaler und das Wiedersehen mit Nazi-Uwe runden unter anderem den krassen Inhalt klasse ab. Dabei werden Terroranschläge geplant und ausgeführt, auch extrem grausamer Organhandel wird skrupellos betrieben. Das und vieles mehr passiert, während Bosman und Schuster sich ihrer Vergangenheit stellen müssen. Denn sie waren vor einigen Jahren nach dem Kosovo-Krieg zusammen als Polizeiausbilder in Prizren stationiert, um im Rahmen einer UN-Mission die lokalen Einsatzkräfte auszubilden. Doch ihre Einsätze waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weshalb sie nun dafür büßen müssen. Außerdem geben sie nicht auf, Ekrem wegen Organhandel dranzukriegen, da dank Elaine Szolnay neue Hoffnung geschöpft werden kann. Der derbe, schwarze Humor und die teilweise vulgäre Sprache passen inhaltlich perfekt zum rasanten und abwechslungsreichen Geschehen, welche mich regelmäßige zum Lachen gebracht haben. Diese kommen nicht albern oder gestellt rüber, sondern passen sich dem originellen und gut durchdachten Plot und dem hier vorkommenden Milieu perfekt an. Ich mochte diesen Mix schon sehr aus dem Vorgängerband, worauf ich hier ebenfalls gehofft habe. Meine Erwartungen an dieser gelungenen Fortsetzung wurden in diesem Punkt erneut erfüllt und ich habe mich neben reichlich erschreckenden Phasen köstlich amüsiert. Denn bei dieser skurrilen Geschichte konnte ich hervorragend abschalten und alles um mich herum vergessen. Ich war sofort mitten im Geschehen, die Handlung zu unterbrechen fiel mir unheimlich schwer. Aber da ich den Inhalt wieder so genial fand, brauchte ich für das Buch nur drei Abende, was ich auf der anderen Seite schade finde. Denn nun hoffe ich auf schnellen Nachschub, da ich ein richtiger Bosman-Fan geworden bin. Die kompletten 432 Seiten haben bei mir während des Lesens unheimlich klare Bilder erzeugt, sodass dieses atemberaubende Schauspiel gleichzeitig wie ein Film vor meinen Augen ablief. Obwohl ich die ganze Zeit über eine deutlich angespannte Atmosphäre wahrnehmen konnte, haben regelmäßig und an den richtigen Stellen eingebaute Dialoge die Handlung authentisch und humorvoll aufblühen lassen. Deshalb kommt die Geschichte für mich auch so lebendig rüber, der Spannung und Action hat dies nicht geschadet, im Gegenteil. Neben rasanter Action und einer gut durchdachten Struktur punktet der Krimi durch sozialkritische und realistisch wirkende Einblicke in die Korruption. Nicht selten wird deutlich, dass in der hier beschriebenen Gesellschaft grundlegend etwas nicht stimmt. Eine weitere Stärke dieses Hardboiled-Krimis ist das enorme Tempo und die eigenwillige und bizarre Figurendarstellung. Es sind unglaubliche Verbrecher-Organisationen im Spiel, die viel mehr als nur krumme Geschäfte zu bieten haben. Die Entwicklungen der Charaktere konnte ich jederzeit gut erkennen. Da zwei Zeitebenen, Perspektivenwechsel und mehrere Handlungsorte eingebaut wurden, beinhaltet der Inhalt alles, was die Spannung und das Lesevergnügen enorm steigen lässt. Es ist eine originelle Handlung mit einigen Überraschungen und Wendungen, abgerundet durch einen flüssigen, bildlichen und authentischen Schreibstil, der bei mir für einen schnellen Lesefluss gesorgt hat. Der regelmäßige Perspektivenwechsel der schrägen Figuren macht die umfangreiche und vielschichtige Geschichte gleich doppelt interessant. Von mir gibt es für ,,Der Bunker" eine ganz klare Leseempfehlung. Besonders für alle, die es gerne mal etwas härter mögen. Ich freue mich deshalb schon sehr auf eine weitere Fortsetzung, die hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt.

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Zwischenzeitlich haben die Kosovo-Albaner das Drogengeschäft in Berlin fest im Griff. Deren Oberboss und ehemaliger Warlord Remi Ekrem zieht von Albanien aus die Fäden. LKA-Ermittler Frank Bosman will ihn endlich zur Strecke bringen und tut sich mit UN-Sonderermittlerin Elaine Szolnay zusammen, die eben diesen wegen Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen will. Sie stellen ihm eine Falle und … scheitern. Je tiefer die Ermittler in Ekrems Geschäfte eintauchen, umso gefährlicher wird es für sie persönlich. Und für Erfolge muss man auch schon mal mit den Wölfen heulen. Meine Meinung: Ich muss gestehen, der zweite Band um den knallharten Ermittler Frank Bosman von Heyne Hardcore hat mir sogar noch besser gefallen. Es kommt definitiv keine Minute Langeweile auf und die Spannung ist durchweg auf hohem Niveau. Anders als beim Vorgänger „Der Libanese“ beschränkt sich das Setting dieses Mal nicht auf Berlin, sondern führt auch zu einer Zelle Rechtsradikaler in Sachsen, die den Umsturz planen und nebenbei unfassbare Verbrechen begehen, und nach Albanien in der heutigen sowie weit vergangenen Zeit während des Kosovo-Krieges. Wirklich Gute gibt es in diesem Krimi nicht. Aufseiten der Polizei sind Korruption, Unterschlagung, Selbstjustiz und kompromisslose Härte sowie Gewalt an der Tagesordnung. Auch wenn man einiges menschlich vielleicht nachvollziehen kann, ist es doch starker Tobak. Die Handlung ist komplex, werden doch verschiedenste Themen aufgegriffen: Drogenhandel, Rechtsradikale, Organhandel, Flüchtlinge, Reichsbürger, Kriegsverbrechen und die Glamourwelt von Film und Fernsehen. Das Ganze untermalt mit einem schwarzen Humor, der zwischen deutschen Buchdeckeln selten so zum Tragen kommt. Der Autor peitscht den Leser gnadenlos durch die Handlung, man ist hin- und hergerissen zwischen Mitleid mit Frank Bosman und den Seinen und Abscheu gegenüber seinen Handlungen. Nichts für empfindliche Gemüter, aber sehr zu empfehlen, wenn man auf knallharte Action steht.

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Clemens Murath hat sich mit seinen über dreißig verfilmten Drehbüchern einen Namen gemacht. Unter anderem wurde er für „Im Schatten des Jaguar“ mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet und „Es ist nicht vorbei“ stand auf der Nominierungsliste für den Grimme-Preis. Im vergangenen Jahr wagte er sich nun auf neues Terrain und veröffentlichte mit „Der Libanese“ den ersten Band einer Thriller-Reihe. Nun also die Fortsetzung „Der Bunker“, im Zentrum Frank Bosman vom LKA Berlin, ein unkonventioneller Ermittler, kein strahlender Held, dessen Blick auf das, was ihm tagtäglich im Beruf unterkommt, durch seinen Einsatz im Kosovo, wo er für die EULEX ziemlich erfolglos als Ausbilder tätig war, nachhaltig geprägt wurde. Nun holt ihn die Vergangenheit in Gestalt der UN-Sonderermittlerin Elaine Szolnay ein, mit der er damals zusammengearbeitet hat und die jetzt auf der Spur Remi Ekrems ist, der für seine Kriegsverbrechen zur Verantwortung gezogen werden soll. Damals wurde er von oberster Stelle beschützt und war somit für Szolnay und Bosman unantastbar. Mittlerweile hat er andere Einkommensquellen erschlossen, überschwemmt mit Helfern und Helfershelfern die Hauptstadt mit Drogen jeder Art, und dafür will ihn Bosman drankriegen. Als ein Zeuge mit schockierenden Informationen auftaucht, die dafür sorgen könnten, dass Ekrem endlich zur Rechenschaft gezogen wird, schmieden Szolnay und Bosman einen Plan, nicht wissend, dass dieser nicht nur für sie lebensgefährlich ist. Ab diesem Zeitpunkt überschlagen sich die Ereignisse. Kriegsverbrechen, Organhandel, Drogen, Rechtsradikale, Umstürzler, Reichsbürger, Migranten. Falsche und richtige Entscheidungen. Die Vergangenheit, die bis in die Gegenwart nachwirkt. Während im Vorgänger die Handlung ausschließlich im Berliner Kiez verortet ist und sich auf Clan-Kriminalität konzentriert, erweitert sich hier der geografische Radius von Berlin über Bernau bis nach Durrës und Prizren, was sich natürlich auf die Story auswirkt. Diese kommt wesentlich komplexer und rasanter als der Vorgänger daher, auch wenn die Plot Twists stellenweise fast zuviel des Guten sind. Doch darüber habe ich gerne hinweggesehen, denn Murath überzeugt zusätzlich einmal mehr mit jeder Menge Grau, rotziger Sprache und einem speziellen Humor. Respektlos und rau, und um Klassen besser, als vieles, was in Deutschland den Weg zwischen zwei Buchdeckel findet. Zugreifen, wenn ihr auf spannende Hardboiled Fiction steht!

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