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Rezensionen zu
Waggon vierter Klasse

Robert Domes

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Eine Pflichtlektüre für jeden

Von: meine.literaturliebe

04.02.2022

1948 muss die 16-jährige Martha mit ihrem Vater in ein Dorf nach Bayern fliehen. Ihre Mutter und ihre Geschwister bleiben in Ostpreußen zurückb. Martha und ihr Vater werden in einem ausrangierten Zugwaggon untergebracht. Schon bald erfährt Martha, dass bereits vor Ihnen kurz nach dem Ersten Weltkrieg ein kleinkrimineller Bewohner im Waggon gelebt hat, der jedoch während der NS-Zeit plötzlich spurlos verschwand. Sie wird neugierig und versucht mehr über ihn herauszufinden... Auch wenn zu Beginn ausdrücklich betont wird, das es sich hier um einen größtenteils fiktiven Roman handelt, lässt sich aus dem Nachwort entnehmen, dass es sowohl beide Familien, den Ort als auch den Wohnwaggon tatsächlich gegeben hat. Es wird abwechselnd von zwei Familien berichtet, die durch Krieg und Verfolgung aus unterschiedlichen Gründen zu Geschädigten wurden. Dieses Buch wird mich noch lange beschäftigen. Die Frage nach Schuld und Moral dürfte niemanden kalt lassen. Insbesondere hat mich hier die Geschichte von Alois Roth sehr bewegt. Dass ein junge Mann, der durch unglückliche Zufälle, fast schon unverschuldet, in eine so tiefe Lebenskrise geraten konnte, ist nur schwer auszuhalten. Hier gilt es auch zu bedenken, dass der Bundestag erst 2020 (kleinkriminelle) Verbrecher, Arbeitsscheue oder Sozialschwache, die in den KZ kamen, als Opfer des NS-Rimes anerkannt hat. Wie bereits der erste Roman von Robert Domes "Nebel im August" (s. Bild 2) wird auch dieses Buch als Schullektüre empfohlen. Eine geeignetere Lektüre kann es, meiner Meinung nach, auch gar nicht geben. Es vereint die beiden Weltkriege. Zeigt zudem den seit Generationen ähnlichen Ablauf mit Geflüchteten auf. Was früher ausrangierte Bahnwaggons waren, dürften heute jedem von uns das Bild von provisorischen Wohncontainern präsent sein. Man sollte diesen Roman keineswegs als Jugendroman betrachten. Aus meiner Sicht, ist es eine Pflichtlektüre für jeden.

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