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Rezensionen zu
Nichts, was uns passiert

Bettina Wilpert

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€ 10,00 [D] inkl. MwSt. | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis)

"Nichts was uns passiert" erzählt von einem (möglichen) Vergewaltigungsfall. Er sagt es war einvernehmlich, sie nicht. Spannend dabei: es wird aus der Perspektive eines aussenstehenden Ermittlers beschrieben und man bekommt Einblick in beide Protagonisten. Ein wirklich wichtiges Buch meiner Meinung nach!

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Aussage gegen Aussage.

Von: lesebesen.books

15.09.2020

Sommer 2014: Studierendenleben in Leipzig, ausgelassene Partys, Alkohol, Gespräche über Literatur, Fußball-WM, Anna wird vergewaltigt, Jonas sagt es sei einvernehmlich gewesen. Er hat schließlich ein Kondom benutzt und das würde man bei einer Vergewaltigung doch wohl nicht tun. Zwei Monate später beschließt Anna, die Tat zur Anzeige zu bringen. Der Freundeskreis ist hin und her gerissen. Es steht schließlich Aussage gegen Aussage und wem soll man da nur glauben? Jonas ist doch so ein Guter, sowas würde er doch nie tun? Und sie hatten doch vorher auch schon ein One Night Stand und haben sich an dem besagten Abend auf dem Spielplatz geküsst. Schnell hängt das Wort „Falschbeschuldigung“ in der Luft. „Nichts, was uns passiert“ zeigt anhand unterschiedlicher (und glaubwürdiger) Zeugenaussagen sehr umfassend, wie unsere Gesellschaft mit dem Thema Vergewaltigung umgeht. Bemerkenswert finde ich die Umstände, die es den Lesenden selbst schwierig machen, eine Seite einzunehmen. Ist Jonas wirklich davon ausgegangen, es sei einvernehmlich gewesen oder hat er ihr „Nein“ bewusst ignoriert? Es sind diese Umstände, die das Buch zu so einem wichtigen machen. Bettina Wilpert beschreibt in ihrem Debütroman eindringlich die sozialen und psychischen Folgen einer Vergewaltigung und widerspricht dem Vorurteil der Vergewaltigung durch Fremde in dunklen Gassen. Sehr lesenswert!

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Man braucht einige Zeit. Zeit, um zu begreifen, zu realisieren, was und wie viel in diesem einzigartigen Debütroman von #bettinawilpert steckt. Der legendäre Sommer 2014. In Brasilien ist Fußball-Weltmeisterschaft. Ganz Deutschland feiert. Auch Leipzig. Auch die Studenten. Auch Anna und Jonas. Die sich an diesem Abend kennenlernen. Sie verbringen eine bedeutungslose Nacht miteinander. Danach keine große Liebe. Keine Dates. Beide haben keine Erwartungen. Zufällig treffen die beiden sich wieder. Auf einer Geburtstagsparty. Landen erneut miteinander im Bett. Sturzbetrunken. Ohne zu ahnen, dass diese Nacht alles verändert. Anna behauptet, Jonas habe sie vergewaltigt. Jonas spricht von einvernehmlichem Sex. Zwei Monate später zeigt sie ihn an. Der Fall zieht Kreise. Freunde. Universität. Die ganze Stadt. Alle wissen Bescheid und stehen vor der Frage: Wer sagt die Wahrheit? Was ist in dieser Nacht tatsächlich passiert? Welche Version der Geschichte stimmt? Bettina Wilpert entzieht sich dieser Frage. Ihr Roman nimmt keine Wertung vor, sie urteilt nicht. Sie legt vielmehr dar, wie unmöglich es ist, sich ein Urteil zu erlauben. Es sind die beiden Versionen von Anna und Jonas, die beide gleichermaßen glaubhaft erscheinen. Könnte Jonas durch zu viel Alkohol doch übergriff gewesen sein? Könnte Anna ihre Enttäuschung über Jonas Wunsch, keine Beziehung zu wollen umgedeutet haben? Brisanter und aktueller kann Literatur diese wichtigen Fragen nicht stellen. Ein anonymes Ich erzählt diese Geschichte. Von Anna und Jonas. In der aber doch viele zu Wort kommen: Freunde, Kommilitonen, Professoren, Mitbewohner. Eine ganze Gesellschaft. Es entsteht ein unfertiges, widersprüchliches Bild. Ein Bild über eine Gesellschaft, in der jeder alles zu wissen glaubt. Fatal.

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Kurzmeinung Nichts, was uns passiert von Bettina Wilpert hat mich sehr beeindruckt. Die Autorin nimmt sich des sensiblen Themas Vergewaltigung an und macht daraus einen spannenden, reflektierten und bewegenden Roman. CN: Vergewaltigung Meine Meinung: Dieses Buch hat mich sehr bewegt und noch lange in mir nachgehallt. Immer wieder musste ich beim Lesen Pausen machen und über den Inhalt nachdenken. Gleichzeit hat es mich aber auch so gefesselt, dass ich es sehr schnell durchgelesen hatte. Zunächst möchte ich die vielen interessanten Perspektiven betonen, in denen diese Geschichte erzählt wird. Zunächst wird abwechselnd die Sicht von Anna und Jonas geschildert, später kommen auch weitere Zeugen zu Wort, Freunde, Familie und Bekannte. Aber Erzähler ist eine unbekannte dritte Person. Das ist zunächst etwas ungewöhnlich zu lesen, dann habe ich mich aber daran gewöhnt und fand diesen Stil sehr interessant. Es macht diesen Text besonders und passt auch zum Thema. Es schafft unweigerlich eine größere Distanz zu den Personen und dem Geschehen, und das ist bei so einem sensiblen Thema vielleicht auch ganz gut so. Sehr gelungen sind auch die unterschiedlichen Sichtweisen und Interpretationen dargestellt. Wenn man nur die Perspektive einer Figur kennt, ist man schnell „auf deren Seite“, nimmt die Schilderungen als gegeben hin. Durch die zweite (und mehrere andere) Perspektiven führt die Autorin den Leser:innen vor Augen, wie vielschichtig soziale Interaktionen sind und wie viele Sichtweisen und Interpretationen es für die selbe Situation geben kann. Das Thema an sich ist natürlich sehr sensibel. Man sollte sich vorher darüber im Klaren sein und wissen, worauf man sich einlässt. Allerdings finde ich den Umgang damit in diesem Roman sehr gelungen. "Vergewaltigung? Die hatte sie sich anders vorgestellt: Ein Mann, der einen nachts auf dem Nachhauseweg überfällt, oder der Onkel, der die Nichte als Kleinkind missbraucht. Oder der Nachbar. Aber kein Doktorand, den man kennt, zu dem man Vertrauen aufgebaut hat. Ein Geliebter. Ein Freund." (Aus: Nichts, was uns passiert. S. 65) Die Autorin lässt uns an den Gefühlen der Protagonistin teilhaben. Zweifel, Angst, Schuld. Hätte sie es verhindern können? Sich mehr wehren müssen? Die Zweifel, ob sie eine Anzeige machen soll. Und schließlich die Wut. Die Wut, die sie doch zur Anzeige bringt. Die Wut über den Polizisten, der fragt, was sie anhatte, mit wie vielen Männern sie schon geschlafen habe. Sie mit den Worten verabschiedet, sie solle doch nicht so viel Alkohol trinken. Klar ist nicht jeder Polizist so. Aber allein zu wissen, dass so etwas vorkommt macht mich so unfassbar wütend. Frauen, die sowieso schon vulnerabler sind, dann auch noch mit so einem unangemessenem Verhalten zu konfrontieren. Victim Blaming, als würde sich die Protagonistin nicht schon schuldig genug fühlen. Gleichzeitig wird auch die Rolle der gesellschaftlichen Strukturen, in denen wir leben, betont. "Dass wir in einer Rape Culture leben. Vergewaltigung war ein strukturelles Problem – kein persönliches. Die Gesellschaft ist patriarchal. (...) Nie wurde als Erstes gefragt: Ist er schuldig? Sonder: Hat sie gelogen?" (Aus: Nichts, was uns passiert. S. 137) Daneben kommt aber auch der vermeintliche Täter zu Wort. Wie er mit den Anschuldigen umgeht, wie die Anzeige und die Gerüchte sein Leben verändern, seinen Alltag, seine Freundschaften, seine Hobbys und seinen Arbeitsplatz. Fazit: Nichts, was uns passiert von Bettina Wilpert war ein großes Highlight für mich. Ein Buch, das mich bewegt hat. Das mich zum Nachdenken gebracht hat. Das es mir nicht leicht gemacht hat. Es gibt dort kein schwarz-weiß, keine einfachen Entscheidungen. Kein "Sie hat recht", kein "Er ist der Böse". Das Thema Vergewaltigung wird von vielen Seiten betrachtet und, wie ich finde, sehr gelungen dargestellt. Mit all den Konsequenzen für das vermeintliche Opfer, den vermeintlichen Täter und den Einfluss der Gesellschaft.

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„Nichts, was uns passiert“ von Bettina Wilpert lag lange bei mir. Ich habe es angelesen, für gut befunden und dennoch weggelegt. Denn das Buch geht nah, wirkt so echt und kann sich durch Inhalt und Stil schnell nach Realität anfühlen. Im Sommer war mir das zu viel, im Sommer habe ich mich getriggert gefühlt. Aber ich wollte „Nichts, was uns passiert“ auch nicht abhaken. Ich wusste, Bettina Wilpert hat da ein ganz großartiges und ganz wichtiges Buch geschrieben. Also habe ich jetzt zum Jahreswechsel den zweiten Versuch gestartet und siehe da: Ich habe das Buch verschlungen. Zwar fühlte sich die Geschichte, die vermeintliche Vergewaltigung, immer noch so an, als wäre sie im eigenen Freundeskreis passiert. Aber genau aus diesem Grund mochte ich das Buch nun einfach nicht mehr aus der Hand geben. Ich musste die ganze Geschichte hören bzw. lesen. Wollte unbedingt wissen, ob es am Ende „die eine Wahrheit“ gibt. Denn was da so unschuldig und einvernehmlich beginnt, entwickelt sich schmerzvoll und tragisch. Der Stil, in dem Wilpert den Fall einer Vergewaltigung im Freundeskreis schildert, ist etwas ganz besonderes. Erzählprotokolle werden aneinandergereiht, es entsteht das so typische „Er sagt, Sie sagt“-Bild einer Geschichte. Zwei Seiten der Medaille. Ich war wirklich erstaunt, wie gut Inhalt und Form aufeinander abgestimmt sind, ohne, dass das Werk dabei wahnsinnig inszeniert wirkt.  Ein wirklich unbeschreiblich gutes Buch, das die Frage danach aufwirft, wem wir Böses zutrauen, wie wir damit umgehen, wenn im eigenen Umfeld ein Übergriff passiert und welche Bedeutung Worte in dieser Gesellschaft haben.

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Es ist Sommer. Es ist Fußball-WM. Überall wird ausgelassen gefeiert. Besonders im universitären Umfeld wird die vorlesungsfreie Zeit ausgelassen genutzt. Es gibt reichlich Alkohol. Die Leute haben Spaß. Es wird geflirtet, es gibt Trinkspiele, Deutschland wird Weltmeister und Anna wird vergewaltigt. Bettina Wilperts Debütroman kommt gerade rechtzeitig zur #metoo Debatte. Und so liest man das Buch unwillkürlich als Debattenbeitrag, der als Roman daherkommt. Oder ist es ein Roman, der einen Debattenbeitrag liefert? Unzweifelhaft ist es ein Roman wider die Verflachung und Banalisierung des Diskurses. Während die Herrschaften darüber diskutieren, dass man ja nun Frauen keine Komplimente mehr machen dürfe, legt Wilperts den Finger zurück in die Wunde. Mehr noch, es ist ein Debüt, dass sich nicht scheut, Salz in die Wunden der ach so aufgeklärten und emanzipierten Gesellschaft zu streuen. Was bedeutet es für eine Frau vergewaltigt worden zu sein? Wilpert nimmt sich alle Vorurteile, Ressentiments und Stereotype vor und verarbeitet sie literarisch. Dabei verortet sie die Protagonisten in einem vermeintlich liberaleren und empathischeren universitären Umfeld. Damit nicht genug, handelt es sich auch noch um eine linke Szene im Umfeld des Leipziger Stadtteils Connewitz, der seit dem Überfall von über 200 Rechtsradikalen im Januar 2016, traurige bundesweite Berühmtheit erlangte. Und selbst in dieser Peergroup, die sich herrschaftskritisch und damit auch feministisch-emanzipatorisch geriert, laufen die brutalen gesellschaftlichen Mechanismen ab. Wurde Anna überhaupt vergewaltigt? War es nicht viel eher einvernehmlicher Geschlechtsverkehr, wie Jonas aussagt? Ist Anna nicht eh ziemlich schnell ins Bett zu bekommen? Außerdem betrinkt die sich doch auf allen Partys. Kann die sich überhaupt richtig erinnern? Kann man Anna glauben? Jonas ist so ein sensibler, netter Typ. Der, ein Vergewaltiger? Kann das sein? Und überhaupt, ist nicht der Alkohol Schuld? So wenig wie es irgendjemand außer den Beteiligten wissen kann, was wirklich passiert ist, so wenig wissen auch die Leser*innen. Wilpert spielt und reizt mit dem Unwissen, dem unguten Gefühl, der Ambivalenz. Opferschutz muss vor Täterschutz gehen. Aber reicht bereits die Anklage oder bedarf es eines richterlichen Beweises? Wie positioniert man sich, wenn man überhaupt nicht weiß, was passiert ist. Vergewaltigung ist solange ein theoretisches Problem, bis es in den Freundeskreis einbricht. Denn ansonsten gilt, wie es so häufig bei emotional anstrengenden Themen gilt: Es passiert anderen Leuten. Es ist nichts, was uns passiert. Bettina Wilpert legt ein schwermütiges Debüt vor. Es ist ein wichtiges Debüt. Ein Roman über den man diskutieren kann und muss. Hier wird das Versprechen eingelöst, dass Literatur nicht lediglich Unterhaltung ist, sondern tief bewegen kann und damit versucht Veränderungen anzustoßen. Es ist zugleich eine einfühlsame Beschreibung der erschütternden Gefühlswelt Betroffener. Die Demütigung, der Selbsthass, die alles zerfressende Scham. Und immer wieder die Umkehrung der Schuld, das Victim Blaming, der Psychoterror der die Opfer in die Isolation und die Selbstzerstörung treibt. Wilpert meistert das schwierige Thema und führt mit leichter Sprache in herausfordernde Gedankengänge ein.

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