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Rezensionen zu
44 TAGE - Und Deutschland wird nie mehr sein, wie es war

Stephan R. Meier

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Die Entführung

Von: wal.li

27.03.2022

Am 05. September 1977 wird der Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer entführt. Seine Personenschützer werden getötet. Die in Stuttgart Stammheim einsitzenden Terroristen sollen freigepresst werden. Der Chef des Verfassungsschutzes Roland Manthey soll die Ermittlungen koordinieren, die sofort mit höchster Priorität aufgenommen werden. Er leitet den Stab aus den Spitzen der verschiedenen Behörden und der Politik. Alles muss unternommen werden, um Schleyer zu finden. Wohnungen müssen durchsucht, Fahrzeuge kontrolliert, Informationen gesammelt werden. Die Öffentlichkeit ist schockiert und steht doch hinter den Staatsdienern. Sind die Terroristen diesmal zu weit gegangen? Oder haben sie immer noch Unterstützer in der Bevölkerung? Aus verschiedenen Blickwinkeln wird die Zeit nach der Entführung Hanns Martin Schleyers geschildert. Da geht es um die fieberhafte Arbeit der Behörden, aber auch um die Gedankenwelt der Politiker, die sich fragen, wie sie mit den Forderungen der Terroristen umgehen sollen, wie weit sie den Rechtsstaat aussetzen können, gar müssen. Doch auch wie die Briefe der Erpresser zu ihren Empfängern gelangen und wie auf die Entführung des Lufthansa Flugzeuges „Landshut“ hingearbeitet wird. Die immer hektischer und verzweifelter wirkenden Politiker und Mitglieder des Stabes, die alles versuchen, um Schleyer zu finden. Nur eines nicht, die Forderungen der Terroristen zu erfüllen. Der Deutsche Herbst wird diese Zeit genannt, die wohl als unheimliche Bedrohung empfunden wurde und in der viele Fragen aufgeworfen wurden. Wie weit kann der Staat gehen, um an Ermittlungsergebnisse zu kommen? Muss der Staat sich erpressen lassen? Es war sicher eine Bewährungsprobe für den noch jungen Staat, die wohl bestanden wurde, da der Staat noch besteht. Trotz der eher ruhigen Darstellung entwickelt dieser Roman, der zum großen Teil auf Tatschen beruht, einen großen Sog. Und er animiert zum Nachlesen über eine Zeit, die man vielleicht als Kind miterlebt hat oder die einem ob der Jugend doch eher fremd ist. Der Autor kann sich dabei neben seinen eigenen Recherchen auch auf die Erfahrungen seines Vaters stützen, der an den Ermittlungen beteiligt war. Ein packender Thriller über eine der schlimmsten Krisen, die der deutsche Staat zu bestehen hatte.

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Ungemein spannend liest sich der kürzlich erschienene Roman „44 Tage“ des deutschen Autors Stephan R. Meier (63) über eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Der Autor schildert in seinem Buch jene hysterischen 44 Tage im September 1977, die mit der Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer (1915-1977) ihren Anfang nahmen und mit seinem Tod ihr bitteres Ende fanden. Mit Schleyers Entführung wollten die RAF-Terroristen der zweiten Generation die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt erpressen, ihre seit fünf Jahren einsitzenden Vorbilder und Anführer um Andreas Baader und Gudrun Ensslin aus der Justizvollzugsanstalt Stammheim freizulassen. Dieser in Deutschland einmalige, von der älteren Generation bis heute unvergessene und den Staat erschütternde Terrorakt bildete den Höhepunkt jahrelanger RAF-Aktivitäten. „44 Tage“ ist nur ein Roman – dies betont der Autor zu Recht, sind doch reale und fiktive Personen vermischt, manches Geschehen nur erdacht. Allerdings muss man sich dies beim Lesen immer wieder bewusst machen, hält sich doch der Autor sogar in Details ungemein nah an den Fakten, die teilweise erst Jahre später, manche nach der Auflösung der DDR bekannt wurden. Vieles hat Autor Stephan R. Meier sogar nur in Gesprächen mit seinem Vater Richard Meier (1928-2015) erfahren. Dieser hatte als Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz jene 44 Tage in vorderster Front miterlebt und die internationalen Aktivitäten des deutschen Geheimdienstes mit dem israelischen Mossad und dem amerikanischen CIA koordinieren müssen. Dem Autor gelingt es in seinem Thriller durch Verknüpfung von Fakten und Fiktion hervorragend, auch nachgeborenen Lesern diese für den Fortbestand der Bundesrepublik so wichtige Zeit in atmosphärischer Dichte zu schildern. Immerhin stand die von den Westmächten aufmerksam beobachtete noch junge Republik vor dem kritischen Punkt, die Position eines Rechtsstaates zu verlassen und erneut in einen Polizei- und Überwachungsstaat zurückzufallen: Um Schleyer und seine Entführer zu finden, hatte der Kanzler alle Bürger aufgerufen, Verdächtiges der Polizei zu melden, womit er der Denunziation missliebiger Nachbarn Tür und Tor geöffnet hatte. Die Polizeiarbeit, eigentlich Aufgabe der Länder, wurde unter Leitung des Bundeskriminalamts in Bonn zentralisiert. Grenzen, Flughäfen und Bahnhöfe wurden überwacht, Telefone möglicher RAF-Sympathisanten abgehört und deren Post kontrolliert. Die Stimmung im Staat drohte zu kippen: Zwei Drittel der Bevölkerung waren für die Wiedereinführung der Todesstrafe. „Sie spielten mit den Grundfesten der Verfassung. Es war ein verzweifeltes Ringen … um die Glaubwürdigkeit der Demokratie.“ An anderer Stelle wird die missliche Lage deutlich: „Wie sollen wir die Terroristen vor Gericht stellen, wenn wir sie freilassen? Und wie unser Land schützen, wenn Mörder und Entführer frei herumlaufen? Wir müssen abwägen, was uns wichtiger ist. Und damit sind wir automatisch schuldig.“ Trotz hektischer Aktivität war die Bundesregierung im Grunde handlungsunfähig und konnte nur abwarten. Außerdem hatte Kanzler Schmidt die Devise „Der Staat darf sich nicht erpressen lassen“ ausgegeben – im Bewusstsein, dass dies dem Todesurteil Schleyers gleichkam. Der Roman „44 Tage“ kann allen Zeitzeugen ebenso wie den Nachgeborenen, die den „Deutschen Herbst“ nicht miterlebt haben, zur Lektüre unbedingt empfohlen werden. Man erfährt viel über die Hintergründe des damaligen Geschehens und die Zusammenhänge internationaler Politik zu jener Zeit, in der es letztlich Helmut Schmidt und seinem entschlossenen „Ritt auf der Rasierklinge“ zu verdanken war, dass die Bundesrepublik vor ihrem Rückfall in den Totalitarismus bewahrt wurde.

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REZENSION – Ungemein spannend liest sich der kürzlich im Penguin Verlag erschienene Roman „44 Tage“ des deutschen Autors Stephan R. Meier (63) über eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Der Autor schildert in seinem Buch jene hysterischen 44 Tage im September 1977, die mit der Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer (1915-1977) ihren Anfang nahmen und mit seinem Tod ihr bitteres Ende fanden. Mit Schleyers Entführung wollte die RAF-Terroristen der zweiten Generation die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt erpressen, ihre seit fünf Jahren einsitzenden Vorbilder und Anführer um Andreas Baader und Gudrun Ensslin aus der Justizvollzugsanstalt Stammheim zu entlassen. Dieser in Deutschland einmalige und von der älteren Generation unvergessene und den Staat erschütternde Terrorakt bildete den Höhepunkt jahrelanger RAF-Aktivitäten. „44 Tage“ ist nur ein Roman – dies betont der Autor zu Recht, sind doch reale und fiktive Personen vermischt, manches Geschehen nur erdacht. Allerdings muss man sich dies beim Lesen immer wieder bewusst machen, hält sich doch der Autor sogar in Details ungemein nah an den Fakten, die teilweise erst Jahre später, manche nach der Auflösung der DDR bekannt wurden. Vieles hat Autor Stephan R. Meier sogar nur aus Gesprächen mit seinem Vater Richard Meier (1928-2015) erfahren. Dieser hatte als Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz jene 44 Tage in vorderster Front miterlebt und die internationalen Aktivitäten des deutschen Geheimdienstes mit dem israelischen Mossad und dem amerikanischen CIA koordinieren müssen. Dem Autor gelingt es in seinem Thriller durch Verknüpfung von Fakten und Fiktion hervorragend, auch nachgeborenen Lesern diese für den Fortbestand der Bundesrepublik so wichtige Zeit in atmosphärischer Dichte zu schildern. Immerhin stand die von den Westmächten aufmerksam beobachtete noch junge Republik vor dem kritischen Punkt, die Position eines Rechtsstaates zu verlassen und erneut in einen Polizei- und Überwachungsstaat zurückzufallen: Um Schleyer und seine Entführer zu finden, hatte der Kanzler alle Bürger aufgerufen, Verdächtiges der Polizei zu melden, womit er der Denunziation missliebiger Nachbarn Tür und Tor geöffnet hatte. Die Polizeiarbeit, eigentlich Aufgabe der Länder, wurde unter Leitung des Bundeskriminalamts in Bonn zentralisiert. Grenzen, Flughäfen und Bahnhöfe wurden überwacht, Telefone möglicher RAF-Sympathisanten abgehört und deren Post kontrolliert. Die Stimmung im Staat drohte zu kippen: Zwei Drittel der Bevölkerung waren für die Wiedereinführung der Todesstrafe. „Sie spielten mit den Grundfesten der Verfassung. Es war ein verzweifeltes Ringen … um die Glaubwürdigkeit der Demokratie.“ Einen Staatssekretär lässt der Autor sagen: „Wie sollen wir die Terroristen vor Gericht stellen, wenn wir sie freilassen? Und wie unser Land schützen, wenn Mörder und Entführer frei herumlaufen? Wir müssen abwägen, was uns wichtiger ist. Und damit sind wir automatisch schuldig.“ Trotz hektischer Aktivität war die Bundesregierung im Grunde handlungsunfähig und konnte nur abwarten. Außerdem hatte Kanzler Schmidt die Devise „Der Staat darf sich nicht erpressen lassen“ ausgegeben – im Bewusstsein, dass dies dem Todesurteil Schleyers gleichkam. Der Roman „44 Tage“ kann allen Zeitzeugen ebenso wie den Nachgeborenen, die den „Deutschen Herbst“ nicht miterlebt haben, zur Lektüre unbedingt empfohlen werden. Man erfährt viel über die Hintergründe des damaligen Geschehens und die Zusammenhänge internationaler Politik jener Zeit, in der es letztlich Helmut Schmidt und seinem entschlossenen „Ritt auf der Rasierklinge“ zu verdanken war, dass die Bundesrepublik vor ihrem Rückfall in den Totalitarismus bewahrt wurde.

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