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Rezensionen zu
Das geheime Liebesleben der Pinguine

Lloyd Spencer Davis

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€ 22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] | CHF 30,90* (* empf. VK-Preis)

Auch wenn die Tage wieder länger werden, wird es hier doch irgendwie kälter. Draußen glitzert der Schnee. Was passt thematisch also besser als ein Buch über die Antarktis? Ich habe mir das Werk von Lloyd Spencer Davis, dem berühmten Polarforscher, „Das geheime Liebesleben der Pinguine: Ein vergessener Polarforscher, ein aufregender Fund und eine erstaunliche Erkenntnis“ vorgenommen. Vielen Dank für diese Reise in die Antarktis an die Deutsche Verlags-Anstalt und das @bloggerportal. Lloyd Spencer Davis deckt bislang unbekannte Geschichten der großen Polarveteranen auf. 1912 trat Robert F. Scott seine letzte Reise zum Südpol an, um den Norwegern zuvor zu kommen. Im Basislager bleiben 6 tapfere Männer zurück, die sich mit anderen wissenschaftlichen Aufgaben vertraut machen. Unter ihnen ist George Murray Levick, ein Mediziner, der sich aber vor Ort die Zeit mit Fotografie und Dokumentation des Lebens der Adeliepinguine vertreibt. Über Monate muss das Team in unwegsamen Gebiet überleben. Wo es Pinguine geschafft haben die Natur für sich zu nutzen, müssen die Forscher hart kämpfen. Was Levick dabei beobachtete waren die ersten gut fundierten Ergebnisse des skandalösen Liebeslebens der Pinguine. Jedoch wurden sie in dieser Form nie veröffentlicht. Dem viktorianischen Kodex nicht zu verletzten, hat man sich auf die „langweiligeren“ Beobachtungen gestürzt. Erst 100 Jahre später sollten diese Erkenntnisse wieder ausgegraben werden, als Davis selber Nachforschungen über Levick anstellt. So kam heraus, das Levick der eigentliche Held der Pinguinforschung sein müsste, da er seiner Zeit weit voraus war. In seinem Buch widmet Davis sich akribisch dem Leben Levicks und der Polarforschung dieser Zeit. Es ist eine Überlebensgeschichte und ein Forschungsbericht über Pinguine zugleich. Davis Schreibstil ist eine Mischung aus leicht verdaulichem Sachjargon und angenehm bildlichen Schilderungen, gespickt mit geschichtlichen Auszügen. Der Autor bettet die Pinguinforschung in seine Suche nach Levick mit ein und verknüpft unterhaltsam beide Ergebnisse. Die Darstellungen der herausfordernden Expedition auf den Menschen haben mich extrem beeindruckt, wie überlebensfähig der Mensch in so einer gewaltigen Naturkulisse ist. Als Tierliebhaberin habe ich mich natürlich immer über die Diskurse zu den Adeliepinguinen gefreut. Hatte ich bei dem Titel aber noch vordergründiger erwartet. Die Forschungsergebnisse über Pinguine und ihr Liebesleben lassen das Bild des treuliebenden Pinguins zerstört zurück: Polygamie, Nekrophilie, Vergewaltigung und Prostitution sind unter dem flugunfähigen Vogel an der Tagesordnung. Besonders gefallen haben mir die Bilder im Mittelteil, die den Figuren ein Gesicht gegeben haben. Auch die Pinguine wurden durch Levicks Bleistiftzeichnungen lebendig. Wahrlich ein gelungener Mix aus Forschung, Abenteuerbericht und Naturbeschreibung.

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Fast vierhundert Seiten Pinguinporno. Da wird gevögelt was das Zeugs hält. Noch nie wurden Pinguine so erotisch gezeigt. Okay, all das ist Quatsch. Das Buch mag anhand des Titels vielleicht Liebe, Romantik und auch Sex erwarten, aber es ist weit mehr und geht weit über ein Buch über das Fortpflanzungsverhalten von Pinguinen hinaus. Homosexualität, Vergewaltigung, Seitensprünge, als das ist Teil davon, aber neben den Vögeln spielen auch Menschen eine Rolle. George Murray Levick war ein britischer Arzt, Antarktis-Forscher und Gründer der British Schools’ Exploring Society. Levick studierte Medizin am St Bartholomew’s Hospital in London, bevor er 1902 der Royal Navy beitrat, wo er als Spezialist für Kraft- und Wiederaufbautraining tätig war. Während der Terra-Nova-Expedition (1910–1913) unter Robert Falcon Scott war er Schiffsarzt im Rang eines Leutnants. Als Mitglied der sogenannten Nordgruppe verbrachte Levick das erste Jahr der Forschungsreise am Kap Adare, wo er die Biologie und das Sozialverhalten von Adeliepinguinen untersuchte. 1914 schrieb er ein Buch darüber (Antarctic penguins. A study of their social habits). G. M. Levicck war demnach der erste ernsthafte Pinguinforscher, der jedoch (genauso wie seine Beteiligung am der Terra-Nova-Expedition) in Vergessenheit geriet. Lloyd Spencer Davis versucht mehr über den Forscher herauszufinden und so widmet er sein Buch nicht nur den Pinguinen, sondern auch dem Forscher, der seine wahren Erkenntnisse vor der Öffentlichkeit verbarg. Denn wie bereits geschrieben, die niedlich erscheinenden Adeliepinguine haben es faustdick hinter den Ohren. Jeder der das Bild der kleinen und süßen Frackträger genau so im Auge behalten möchte sollte die Hände von DAS GEHEIME LIEBESLEBEN DER PINGUINE lassen, denn dann wird er Abgründe erkennen, die man sonst nur Menschen zutrauen würde. Davis reist in die Vergangenheit und lässt die frühen Südpolexpeditionen lebendig werden. Nebenbei besucht er historische Stätten auf und entwirft ein Blick der großen Forscher Amundsen und Scott, aber auch von Levick. Fast treten die Pinguine in den Hintergrund, denn die Expeditionsbeschreibungen nehmen einen Großteil des Buches ein und lesen sich ebenso spannend wie das geheime Liebesleben der Pinguine. Davis legt ein interessantes Buch vor, das neben den Adeliepinguinen auch die Menschen nicht vergisst und dabei Fakten offenbart, die man erst nach und nach wahrhaben möchte und die Pinguine in einem ganz anderen Bild darstellen lässt. Außerdem wird ein vergessener Forscher in den Vordergrund gestellt, der seine Forschungen zu seinen Lebzeiten nicht so veröffentlichen konnte wie er wollte und seine eigene Arbeit selbst zensierte. Levick und andere haben Mitschuld daran, dass man Adeliepinguine lange Zeit als liebenswerte, niedliche Tiere wahrnahm. Spannend und Informativ. Nature Writing in Bestform. Geeignet für diejenigen, die sich für die Entdeckungen und Expeditionen rund um den Südpol zu Beginn des 20. Jahrhunderts interessieren und keine Probleme damit haben, die dunklen Seiten der Pinguine kennen zu lernen.

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