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Rezensionen zu
Die Skrupellosen

Sadie Jones

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Die Verlockungen des Geldes

Von: Tatiana Anderheiden

07.09.2021

Dan ist ein erfolgloser Künstler, der sein Geld als mittelmäßiger Immobilienmakler verdient, Bea ist angestellte Psychologin. Die beiden leben in London und kommen gerade so über die Runden. Um dem Trott zu entkommen, entschließen sie sich, eine dreimonatige Auszeit zu nehmen und in dieser Zeit von Ersparnissen zu leben. Am Anfang der Reise steht ein Besuch bei Beas Bruder Alex an, der in Frankreich ein Hotel betreibt. Dort angekommen, stellen sie fest, dass das Hotel überhaupt nicht in Betrieb ist. Zu allem Überfluss kündigen sich Beas Eltern zu Besuch an, mit denen Bea keinen Kontakt haben möchte. Warum das so ist, verschweigt sie Dan. Sie verschweigt ihm auch, dass ihr Vater nicht nur reich, sondern millionenschwer ist. Als Dan dies herausfindet, ist es schwer für ihn, den Verlockungen des Geldes zu widerstehen. Als Alex plötzlich stirbt, werden Dinge in Gang gesetzt, die alle erschüttern. Die Story kommt anfangs nur langsam in Fahrt, das erste Drittel ist eher ruhig und zieht sich etwas in die Länge. Erst als Beas Eltern auftauchen und Alex stirbt, komme ich in das Buch rein, bin neugierig und gespannt, wie es weitergeht. Das Dilemma von Dan, das die Autorin ausgezeichnet in Worte und Gedanken fasst, kann ich gut nachvollziehen; seine Frau und er leben am Existenzminimum, dabei könnten sie im Luxus leben, weil ein Treuhandfond vorhanden ist. Dass Bea das nicht will, ist für ihn schwer nachzuvollziehen, da sie ihm die Gründe dafür verschweigt. Trotz seiner Gedanken ist Dan ein sympathischer Charakter, der aber bis zuletzt blass bleibt, wie auch alle anderen im Buch. Das macht aber nichts, denn hier geht es eher um das große Ganze, als um einzelne Personen. Dieses Buch ist eine Liebesgeschichte mit Dan und Bea in den Hauptrollen; eine Tragödie, was die Familienverhältnisse angeht; ein Drama, falls Alex sich umgebracht hat, und ein Krimi, falls es Mord war. Im letzten Drittel ist es ein Thriller, weil die Spannung da am höchsten ist, und ein Roman rundet die Geschichte ab. Bis auf den schwachen Anfang hat mir die Story sehr gut gefallen und die Auflösung fand ich gleichermaßen verstörend und genial. Ein Buch, das nachhallt und zum diskutieren einlädt. Von mir gibt es 4 Sterne.

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Seit „Der Außenseiter“ bin ich ein Fan der britischen Autorin. Ich schätze ihre Wandlungsfähigkeit, die sie bislang in jedem ihrer vier Romane unter Beweis gestellt hat. Ganz gleich, ob sie die Kunstszene im London der siebziger Jahre oder die untergehende Welt des englischen Landadels beschreibt, ist sie immer ganz nah an ihren Protagonisten und hat ein ganz besonderes Gespür für die Dynamik der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Autorin nimmt uns in „Die Skrupellosen“ mit in die Gegenwart der dysfunktionalen Familie Adamson, in er sich alles um Geld, Macht und Einfluss dreht, verkörpert durch den Familienpatriarchen Griff, ein Immobilienmogul, der sein Vermögen mit krummen Geschäften gemacht hat. Liv, die Frau an seiner Seite, verkörpert das typische Bild einer auf Hochglanz gewienerten Society Lady ohne Hirn und Herz, egozentrisch und narzisstisch, in deren Universum kein Platz für ihre (inzwischen erwachsene) Kinder ist und war. Klingelt da etwas? Richtig, die Ähnlichkeiten mit dem ehemaligen US-Präsidenten sind nicht zu übersehen und beeinflussten auch den Schreibprozess, wie die Autorin in einem Interview verlauten ließ. Alex, der Sohn flüchtet sich in Drogen, lebt als Besitzer eines heruntergekommen Provinzhotels in Frankreich, übereignet von seinem Vater. Einzig Beatrice hat einen anderen Weg gewählt. Sie arbeitet als Therapeutin und lebt mit ihrem Mann Dan in einer winzigen Wohnung in London. Das Geld ist immer knapp, aber dennoch ist sie zufrieden, bis bei dem Zusammentreffen der Familie in Alex‘ Hotel Zwietracht und Misstrauen gesät werden, alte Konflikte aufbrechen und das Unvorstellbare geschieht. Diese Milieustudie entfaltet sich in klaren, nüchternen Worten, ganz so, wie wir es von der Autorin auch aus ihren anderen Werken kennen. Und genau das macht dieses Buch umso eindringlicher und erschütternder. Es ist ein Roman über Gier und Moral, Verletzungen, Isolation und Entfremdung, aber auch über die Liebe und die Sehnsucht nach Glück. Warum man den Originaltitel „The Snakes“ allerdings nicht beibehalten hat, ist mir ein Rätsel. Sind es denn nicht die Schlangen, die für die Vertreibung aus dem Paradies verantwortlich sind? Lesen. Unbedingt!

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Licht und Schatten. Schlangen. Täuschung und Gier. Ein marodes Hotel in Frankreich. Ohne Gäste. Ein Kratzen in der Nacht. Auf dem Dachboden. Ein Schleifen, über ihren Köpfen. Dabei ist doch niemand hier? Ein Leben in Scherben. Sein Leben in Scherben. Bruder. Freund. Hotelbesitzer, Atheist, Alkoholiker, hyperaktiv, verpeilt, fängt alles an und beendet nichts. Tagträumer, Luftikus. "Sponsort by Daddy". Was hat ihn aus der Bahn geworfen? Ein Aufeinandertreffen nach zwei Jahren Funkstille. Von Vater und Tochter. Von Mutter und Tochter. Die Eltern, Bernard "Griff" und Liv Adamson sind reich. Sehr reich. Er, ein Macher, Immobilienspekulant, im ganz großen Stil. Sein Ego: Gigantisch. Er ist jetzt Siebzig, aber noch immer ganz da. Gierig. Ein Raubtier. Nie ist genug genug. Seine Frau Liv, medikamentenabhängig, kapriziös und mit Neigungen ausgestattet von denen ich lieber nichts wissen will. Ihre Kinder Bea und Alex. Bea ist verheiratet mit Dan und hat dem Wohlstand abgeschworen. Mit den Eltern gebrochen. Was ist da los? Links. Rechts. Links. Ich wende meinen Kopf zwischen den Figuren hin und her. In Streitgesprächen fliegen die Bälle. Über meinen Kopf hinweg. Weil ich ihn eingezogen habe. Ich denke ich weiß wer wo steht. Dann nimmt mir Jones mit einem Schlag die Gewissheit. Aus einem Unfall wird ein Mordfall und über dem Tal der Ahnungslosen kreisen die Geier. Die Pressegeier. Welchen Preis ist man bereit zu zahlen, für den Weg den man einschlägt? Wer sind hier die Guten? Wem kann man noch trauen? Wem vertrauen? Eine Polizeiuniform scheint mir da keine Garantie zu sein. Lag ich mit meiner Einschätzung wirklich so daneben? Die Grenzen verschwimmen nicht nur, sie werden neu gezogen. Ich knirsche mit den Zähnen. Geld ändert alles. Viel Geld verändert jeden. Geld regiert die Welt. Ein Plottwist erwischt mich eiskalt. Mit einem bitteren bitteren Ende. In Sachen Showdown kennt sie sich aus die Frau Jones und nicht nur damit. Chapeau!

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Sadie Jones ist meines Wissens noch nicht so bekannt im deutschsprachigen Raum. Ich habe sie entdeckt durch den schönen Roman „Jahre wie diese“, der im Schauspielmilieu in London spielt. Die 1967 geborene Britin, die auch Drehbuchautorin ist, schreibt Romane, die zwar nicht hochliterarisch sind, aber in die Tiefe der jeweiligen Themen eintauchen und absolut mitreißend erzählt sind. Also durchaus mehr als gute Unterhaltung. Diesmal sogar mit Elementen eines Kriminalromans. Im neuen Roman geht es um das junge Paar Bea und Dan, die in London leben. Eine Eigentumswohnung muss abbezahlt werden. Dan, der eigentlich Künstler sein will, verdient sein Geld als Immobilienmakler, Bea ist Psychotherapeutin. Gleich eingangs wird klar, dass die beiden sehr sparsam leben müssen, denn das Leben in London ist teuer. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft, führen sie eine liebevolle Beziehung. Als beide vom Leben und Arbeiten frustriert sind, beschließen sie eine Auszeit zu nehmen. Vom finanziellen „Polster“ und von der Vermietung ihrer Wohnung wollen sie drei Monate lang durch Europa reisen. Ein altes Auto wird gekauft und die erste Station ist Frankreich, wo Beas Bruder Alex ein Hotel leitet. Alex scheint es endlich geschafft zu haben, Drogen und Alkoholmissbrauch hinter sich gelassen zu haben. Doch als sie ankommen entpuppt sich das Hotel als Luftnummer. Es gibt keine Gäste außer ihnen selbst, vieles ist marode und Alex scheint sich dennoch dort wohl zu fühlen. Im Gespräch erfahren Dan und Bea, dass der durch allerlei illustre Immobilienspekulationen extrem reich gewordene Vater von Bea das Hotel für Alex gekauft hat. Dan, der kaum etwas von Beas Familie weiß, da Bea keinen Kontakt zu den Eltern hat, wundert sich immer mehr. Sie versuchen die freien Tage zu genießen, doch irgendwie schwebt Unheil in der Atmosphäre. Als schließlich auch die Eltern mit teurem Auto auftauchen, nicht wie sonst mit dem Privatjet (!), fragt sich Dan, wieso er nichts über den immensen Reichtum seiner Schwiegereltern weiß und weshalb Bea nicht die immer wieder angebotene Unterstützung ihres Vaters annimmt. Sie hätten damit ein so viel leichteres Leben. „Dan dachte, dass er sie gerade zum ersten Mal in einer solchen Umgebung sah, und es verstörte ihn, mit welcher Sicherheit sie sich in diesem Habitat bewegte. Nur ein Mädchen, das mit dem goldenen Löffel im Mund geboren war, würde ihre Missachtung für den Luxus demonstrieren, indem sie etwas bestellte, was gar nicht auf der Karte stand.“ Doch für Bea ist es ein rotes Tuch, etwas von den Eltern anzunehmen. Sie hat ihre Gründe. Nach und nach bekommen wir Einblick in das merkwürdige Familienkonstrukt, dass von einem dominierenden Vater beherrscht wird, der über den dunkelhäutigen Schwiegersohn so gar nicht froh ist. Wir tauchen in die Kindheit der Geschwister, zu denen noch ein älterer Bruder gehört, der es im Gegensatz zu Alex „geschafft“ hat. Doch die, die Bea mit aller Macht von sich schiebt, ist die Mutter. Als Kind hat sie die Mutter zusammen mit dem 7 Jahre älteren Bruder gesehen, in einer übergriffigen Situation … „Schwarze waren in den vergangenen Jahren hochgestuft worden, denn jetzt hatten sie noch ausländischere Ausländer mit Akzenten und Religionen, vor denen sie sich fürchten konnten.“ Es herrscht statt Urlaubsfeeling eine extreme unangenehme Spannung zwischen allen. Als Alex eines Abends losfährt, um für den Vater etwas zu erledigen, kommt er nicht mehr zurück. Dafür taucht die Polizei auf, die ihnen mitteilt, dass Alex einen tödlichen Unfall hatte. Die Erschütterung ist groß, bei der Mutter extrem. Vor allem als langsam klar wird, dass Alex vermeintlicher Unfall ein Mord war. Es folgt eine äußerst spannende, bestens gelungene Geschichte, in der sich sichtlich Abgründe dieser Familie auftun. Und Dan als eine Art Außenstehender kommt aus dem Fragen nicht mehr heraus. Die Beziehung der beiden leidet unter den Geschehnissen. Kann man sich noch gegenseitig vertrauen? Kennt man einander wirklich? Und inwiefern ist Beas Vater, der den Sohn mit einem Auftrag losschickte mit Schuld an den Ereignissen? Psychologisch interessant und erwähnenswert ist noch das Motiv der Schlange, das immer wieder auftaucht, in Beas Träumen und in echt. Das englische Original übernimmt das Motiv sogar in den Titel: The Snakes. Mehr verrate ich nicht vom Inhalt, denn es würde dem Lesen die Spannung nehmen. Neugierig gemacht habe ich hoffentlich auf diesen gut konstruierten Roman, der mit feiner Gesellschaftskritik und einem für mich überraschenden, wenngleich heftigem Ende aufwartet. Einige wenige Male begegneten mir sprachliche Unfeinheiten, die vielleicht der Übersetzung geschuldet sind.

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Bea ist die Tochter einer sehr vermögenden Familie. Gewählt hat sie allerdings ein viel bescheideneres Leben. Gemeinsam mit Dan lebt sie in einer Wohnung in London. Bea und ihr Lebensgefährte nehmen sich eine Auszeit und reisen nach Burgund zu ihrem Bruder. Alex führt in Frankreich ein Hotel und das Wiedersehen ist für beide Seiten längst überfällig. Kurz darauf kündigt sich Besuch an: die Eltern kommen. Mehr wird nicht verraten. Ich finde schon den Klappentext zu ausführlich. Was ich verraten kann: Die Skrupellosen ist ein Roman mit Protagonisten, die bleiben. Sadie Jones hat Charaktere erschaffen, die einfach nachhallen, sehr eigenwillige, höchst interessante Persönlichkeiten! Es geht um viel und um große Themen: Geld, Familie, Hoffnung, Verzweiflung und Macht. Ich fand den Schreibstil großartig, die Autorin bringt in diese Ansammlung von Tragik eine Leichtigkeit hinein, wirklich beeindruckend! Große Leseempfehlung! 🌟 🌟🌟🌟🌟

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Hallo Ihr Lieben Die Srupellosen von Sadie Jones Ein atmosphärisch, dysfunktionaler Roman, der so viel Raum zum Nachdenken hinterlässt ⭐⭐⭐⭐/5 Inhalt: Dan ahnt nicht, wie millionenschwer die Familie seiner Frau Bea ist. Das junge Paar lebt bescheiden in einem kleinen Apartment in London. Um der Enge zu entfliehen, nehmen sich die beiden eine Auszeit. Meinung Dan und Bea besuchen während ihrer Auszeit deren Bruder Alex in seinem vom Vater bezahlten Hotel. Der Leser wird von Anfang an mit einer sehr bedrückenden Stimmung konfrontiert. Bea die nach und nach ihre Konflikte mit ihrem Vater und allen voran mit ihrer Mutter offenbart machen diesen Roman auf eine Besondere Art aus. Hier werden viele Themen der Autorin aufgegriffen allen voran die Frage was Geld mit Menschen machen kann. Rigoros lehnt Bea das Millionen schwerde Vermögen ab, was zu Spannungen zwischen Dan und ihr führt. Der Schreibstil hat mich überzeugt, trotz der Schwere das zwischen den Zeilen mitschwingt konnte ich es kaum aus der Hand legen, viel zu gespannt war ich das Ende zu erfahren. Und zum anderen muss ich ja gestehen, dass ich solch Persönlichkeiten in Büchern sehr gerne lese, Dysfunktionale Familien, die die Gemüter spalten, Raum für eigene Denkprozesse in Gang setzten und die noch lange in einem nachhallen. Jediglich das Ende war für mich zu undurchsichtig, zu überraschend. Wer ebenfalls wie ich auf ausgearbeitete Protagonisten mit ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmalen mag, dann eignet sich dieser Roman hervorragend.

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Geld und Macht ... wer träumt nicht davon? Ist man glücklich mit dem, was man hat und wer man ist? Hätte man gern mehr oder wäre gern jemand anderes? Fragen, mit denen ich mich noch nach Beenden des Buches beschäftigt habe. Die Story fing relativ ruhig an, nahm dann allerdings so schnell und unerwartet an Fahrt auf, dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen hab. Sadie Jones hat einen angenehmen Schreibstil, so dass man gut in die Geschichte eintauchen kann und sogartig mitgerissen wird. Sie hat eine bildhafte Sprache und verliert sich nicht in unnötigen Erklärungen. Show don't tell - klappte hier vorbildlich. Die Protagonisten Bea und Dan waren mir von Anfang an sympathisch. Beas Motive, das Geld ihrer Eltern auszuschlagen, wurden authentisch dargestellt und glaubhaft vermittelt. So war es mir möglich, eine Verbindung zu ihr herzustellen, mit ihr zu fühlen, zu denken wie sie. Zitat Pos. 354: Bea wollte die Klimaanlage nicht anschalten, es hätte ihr Schuldgefühle bereitet. „Ja, Süße, jedes Mal wenn jemand die Klimaanlage benutzt, stirbt ein Eisbär“, sagt Dan schwitzend.“ Diese Aussage bleibt mir garantiert noch lange im Gedächtnis. Als Dan nach und nach herausbekommt, wie reich Beas Eltern tatsächlich sind, ist er stinkesauer auf seine Frau. Er kann der Macht der Geldes nicht widerstehen und lässt sich von seinem Schwiegervater Griff um den Finger wickeln. Ein Teufelskreislauf, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Erst zu spät versteht er Bea und ihre Abneigung gegen das viele Geld. Insbesondere an der Stelle, als sich das Blatt wendete, hatte ich eine Gänsehaut. Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst ... Mir vorzustellen, was Bea und Dan passiert ist, und mir dann vor Augen zu führen, dass so vielen Menschen da draußen Ähnliches widerfahren ist, trieb meinen Adrenalinpegel bis nach ganz oben. Ich habe keine Angst vor Reichen und Mächtigen, aber davor, dass Geld und Macht sie zum Negativen verändern. Persönliches Fazit: Sadie Jones hat mit „Die Skrupellosen“ einen Roman geschrieben, der spannend, zeitgemäß und nachdenklich stimmend daherkommt. Am Ende muss man sich als LeserIn selbst fragen, wie wichtig einem Geld und Macht sind. Und wie weit man dafür gehen würde. Lesetipp!

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Sadie Jones ist eine wirklich begnadete Erzählerin. Wie sie in diesem Psychothriller die Richtung vorgibt, unterschwellig, konsequent und unnachgiebig, ist beeindruckend und beängstigend. Sie benennt die Dinge nicht, sie zeigt sie in den Aktionen und Reaktionen der Menschen und darin liegen eine seltsame Unausweichlichkeit und Spannung. Bea und Dan sind verheiratet und leben von ihrem kargen Gehalt eine Psychologin und seinen Einkünften als Immobilienmakler mehr schlecht als recht im teuren London der Gegenwart. Bea stammt aus einem extrem reichen Elternhaus, doch sie weigert sich, das Geld ihrer Familie anzunehmen, will sich unbedingt unabhängig und selbstständig von ihr machen. Dan kommt aus einfach Verhältnissen, seine Mutter alleinerziehend und schwarz, sein Vater weiß und abwesend. „Schwarze waren in den vergangenen Monaten hochgestuft worden, denn jetzt hatten sie noch ausländischere Ausländer mit Akzenten und Religionen, vor denen sie sich fürchten konnten.“ Anlässlich eines Ferienaufenthalts bei Beas ehemals drogenabhängigen Bruder in Frankreich trifft das Paar Beas Eltern. Ihr Vater versucht, mit seinem Geld einen Keil zwischen die beiden zu treiben, indem er Bea vorwirft, Dans Versuche, als Künstler Fuß zu fassen, die sie mit ihrem Geld unterstützen könnte, durch ihre kindische Weigerung, sein Geld zu nehmen, zu ignorieren. Dan wird erst jetzt richtig klar, wie reich seine Frau wirklich ist und er schämt sich für seinen Ärger darüber, dass sie so bescheiden leben müssen, obwohl sie eine reiche Erbin ist. Als Beas Bruder Alex ums Leben kommt, spitzt sich die Lage zu. Ein gelungene Familientragödie um Geld, Klassismus und Rassismus, die packend und im Gewand eines psychologischen Thrillers daherkommt. Wie die Autorin die korrumpierende Wirkung von Reichtum auf Beziehungen beschreibt und mit den Gefühlen, Hoffnungen und Illusionen der Protagonisten jongliert, ist bemerkenswert und fesselnd bis zum Schluss. Aus dem Englischen von Wibke Kuhn.

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