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Rezensionen zu
Dieses entsetzliche Glück

Annette Mingels

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Nahe dran

Von: ulrike rabe

06.09.2020

Hollyhock ist eine kleine Stadt im ländlichen Virginia. Die Menschen, die dort zu Hause sind, leben ihre gewöhnlichen Leben. Aus den verschiedensten Gründen hat es sie dort hin verschlagen oder auch wieder von dort weggeführt. Bruchstückhaft erzählt Annette Mingels in 15 Geschichten von diesen Menschen, die auf unterschiedlichste Weise miteinander in Beziehung stehen. Das sind zum Beispiel Amy und Robert, die eine offene Ehe versuchen, die Maklerin Susan, die erkennt, dass sie von ihrem Lebensabschnittspartner keine Ahnung hat, die Schwestern Tara und Lizzie, die Ärzte Saul und Nomi und deren erwachsene Kinder Aiko und Kenji. Mit Kenji, seiner gescheiterten Beziehung zu Lucy und dem Ende seiner Freundschaft zu Basil beschäftigen sich viele der Episoden. Es ist vor allem Kenji, der den Schlüssel zu Hollyhock in Händen trägt, als er nicht nur einen Band von Kurzgeschichten veröffentlicht, in dem sich viele seiner Wegbegleiter wiederfinden, sondern auch seine ganz persönliche Beziehungskiste in einem Roman verarbeitet. „Ich mag Ihren Roman…Ich mag ihn wirklich sehr. Er ist persönlich. Er ist…relevant. Bedeutend.“ Sagt Kenjis Lektorin Tessa zu dem jungen Autor. Die deutsche Autorin Annette Mingels lebt in San Francisco. Sie schreibt auf Deutsch, hat ihr Buch „Dieses entsetzliche Glück“ aber in den USA angesiedelt. Ist es ein Roman oder doch eher eine Sammlung von Erzählungen? Das ist nicht eindeutig zu beantworten. Es gibt keinen chronologischen Handlungsbogen, dafür eine Fülle von Protagonisten, deren Lebenswege direkt oder indirekt in Verbindung stehen, sich kreuzen, zusammenlaufen oder endgültig auseinander gehen. Wie kleine Zahnräder greifen die Geschichten ineinander. Wo ist denn nun die Relevanz bei dem vorliegenden Buch? Zuerst dachte ich, ich vermisse die Relevanz in diesem Roman. Denn genaugenommen sind sämtliche Begegnungen, die wir mit den Protagonisten haben, sehr banal. Wenn wir uns mit Freunden, Nachbarn, Kollegen zusammensetzen und ihren Lebensgeschichten zuhören, würden wir sehr viel von dem finden, was den Menschen in und um Hollyhock so alles passiert im Leben. Unsere Mitmenschen würden sie nur nicht mit so schönen Worten erzählen. Aber bei allem was Annette Mingels erzählt, zeigt sich die Relevanz im Alltäglichen. Denn für den Einzelnen, die betroffene Person, ist es relevant, wie es sich mit einer offenen Beziehung, einem Vertrauensbruch, dem Verlassenwerden, der Suche nach der Herkunft... lebt. Abschied, Verlust, dem Abwenden von etwas Altem, dem Wissen, dass etwas endet, ohne etwas Neues zu beginnen. Lücken im Leben, die sich nicht oder nur sehr langsam schließen lassen. "essen und trinken und arbeiten und nicht zu spät ins Bett gehen"...eine "lauwarme Existenz". Was ist es, was unserem Leben mehr Wärme gibt. Wofür können wir brennen? Alles schon erlebt, oder? Annette Mingels beobachtet diese Alltäglichkeiten mit einem ganz klaren Blick für das Wesentliche, was uns Menschen bewegt. An manchen Geschichten war ich sehr nahe, vielleicht sogar zu nahe dran. Ander wiederum wollte ich gar nicht so genau wissen. So ist das aber nun mal, dass sich das Leben auch mit Dingen konfrontiert, die man lieber nicht sehen möchte. Lebenswege, die sich kreuzen, Perspektiven, die sich verschieben. Veränderte Wahrnehmung, wenn sich der Standpunkt verlagert. Das ist die Quintessenz des ganzen Buches: „Was weiß man schon? ...Vielleicht war es einfach nicht möglich, jemals wirklich etwas über den anderen zu wissen. Doch was bleibt dann? Momente des Verstehens…leuchtende Scherben des Glücks.“

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Meine Meinung: Mit dem Roman „Dieses entsetzliche Glück“ hat mich die in Deutschland geborene Autorin Annette Mingels in die fiktive Kleinstadt Hollyhock, irgendwo in Virgina gelegen, eingeladen und sie platziert darin fünfzehn divers/vielschichtig gezeichnete Figuren/Einwohner, deren Leben in 15 Episoden auf verschiedenste Weise, bewusst oder unbewusst, aufeinander Einfluss nehmen. Mich hat vor allem der sich Zeit nehmende, durch eine großartige Beobachtungsgabe geprägte, Schreibstil und die feinfühlige Charakterzeichnung sehr begeistern können, denn dadurch ist es mir leicht gefallen, einen emotionalen Bezug bzw. Interesse für das Leben/Alltag in Hollyhock aufbauen zu können. Die Handlung wird zwar insgesamt nicht von einem durchgehenden Spannungsbogen begleitet und lässt auch nicht unbedingt erkennen, auf welches Ziel sie hinsteuert, dafür lebt diese aber von einer Vielzahl von mal „lauten“ oder „leisen“ zwischenmenschlichen Spannungsmomenten, in die sich die Autorin wirklich ganz hervorragend/sehr authentisch hinein gefühlt hat und ebenso transportiert. So durfte ich viele „Hände schütteln“ und Part ihrer teilweise sehr berührenden Lebensabschnitte werden, die im Kern auch meine Sehnsüchte und den natürlichen Wunsch nach Glück teilen. Fazit: Sprachlich großartig & mit tollem Ensemble, das zeigt, dass es oft nur zarte Berührungspunkte braucht, um das Leben Anderer zu beeinflussen!

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