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Rezensionen zu
Dieses entsetzliche Glück

Annette Mingels

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Wir begeben uns ins fiktive amerikanische Kleinstädtchen Holbrook in den USA, das der gemeinsame Nenner zwischen den verschiedenen zahlreichen Protagonisten und den 15 verschiedenen Episoden, man könnte sie eigentlich auch Kurzgeschichten nennen, ist. Es sind keine allgemein spektakulären, aber individuell bedeutsamen Geschichten, die durchaus eine poetische und philosophische Dimension haben. Wir begegnen ganz alltäglichen Menschen mit ebenso alltäglichen Sorgen und Nöten, Wünschen und Sehnsüchten. Das wird aber niemals eintönig oder langweilig! Im Gegenteil! Der Roman ist originell und äußerst ansprechend konstruiert, die Charaktere sind interessant und die Autorin schreibt feinfühlig und unaufgeregt. Die Personen werden in all ihrer Vielschichtigkeit, Unterschiedlichkeit und Komplexität gezeigt, wodurch sie sehr glaubwürdig und authentisch erscheinen und man einen detaillierten Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt bekommt, was mir außerordentlich gut gefällt. Annette Mingels ist eine gute Beobachterin mit Menschenkenntnis, die noch dazu wunderbar erzählen und beschreiben kann. Erst mit der Zeit erkennt man zwischen den Figuren Verbindungen, die über den o.g. gemeinsamen Nenner, die Kleinstadt Holbrook, hinausgehen. Man entdeckt familiäre, bekanntschaftliche, freundschaftliche Verbindungen, Liebesbeziehungen oder berufliche Überlappungen. Eine deutliche Gemeinsamkeit ist auch deren Suche nach Sinn und Glück. Dadurch, dass jeder Protagonist seine Geschichte selbst erzählt und dann oft später in der Geschichte eines Anderen wieder auftaucht, wird er noch „runder“ und kommt er einem noch näher. Man lernt ihn sozusagen aus der Perspektive seiner Selbst- und einer Fremdwahrnehmung kennen. Und dann kommt ja unsere eigene Wahrnehmung noch dazu. Ein origineller Kunstgriff! Ich empfehle diesen Episodenroman, der mir mit seinen tiefgründigen Geschichten aus dem Alltag und mit seiner darüber liegenden leichten Schwermütigkeit und melancholischen Stimmung, die aber im Verlauf hoffnungsvoller wird, sehr gerne weiter. Man kann und sollte ihn nicht „schnell weglesen“, sondern aufmerksam und bedächtig genießen, damit man die Zusammenhänge sowie die vielen Protagonisten und deren Verbindungen gut „verdauen“ und die Lektüre somit bis ins Letzte auskosten kann. „Dieses entsetzliche Glück“ bereitete mir sehr viel Lesevergnügen! Unbedingt lesen!

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Scherben des Glücks

Von: Ruth Leukam aus 76534 Baden-Baden

09.09.2020

Schauplatz des neuen Romans von Annette Mingels ist die fiktive Kleinstadt Hollyhock im ländlichen Virginia. In insgesamt 15 Geschichten lässt die Autorin ein großes Figurenensemble auftreten. Dabei greift sie einzelne Episoden aus deren Leben heraus, stellt sie in Beziehung zu deren Biographie und wechselt dann im nächsten Kapitel zu einer weiteren Figur. Mit der Zeit stellen sich Verbindungen her; manche stehen in enger Beziehung zueinander, andere Lebenswege kreuzen sich nur kurz. Dabei sind es oft nur kleine Sequenzen, die Bezug nehmen auf frühere Szenen. Dadurch erfährt der Leser, wie es weitergeht bzw. sieht das Ganze aus einer anderen Perspektive. Eine zentrale Rolle spielt Kenji, ein junger Mann, der erste Versuche als Schriftsteller macht. Zuerst lernen wir ihn kennen als Bruder von Aiko und Sohn des Ärzte- Ehepaars Saul und Nomi. Die treten wiederum in eigenen Kapiteln auf. Nomi entschließt sich, nachdem die beiden Kinder aus dem Haus sind, ihren Mann zu verlassenen und in ihre frühere Heimat zurückzukehren. Sie fühlt sich abgetrennt von ihrer ursprünglichen Kultur und bedauert, jemals überhaupt Japan verlassen zu haben. In einer späteren Geschichte erleben wir, wie Saul versucht, sich allein zurechtzufinden und müssen lesen, dass er damals lieber in Japan geblieben wäre, aber Nomi ihn zu einem Umzug in die USA gedrängt hat. So zeigt Annette Mingels immer wieder, wie unterschiedlich Menschen ihre Situation bewerten, welche Wahrheiten sie sich im Laufe ihres Lebens zurechtlegen. Kenji ist aus Hollykock weggegangen, tief verletzt, weil seine frühere Freundin Lucy sich von ihm getrennt hat und nun mit seinem ehemaligen Freund Basil zusammenlebt. Welche Gründe zur Trennung führten, erfahren wir beim Weiterlesen und auch welches Geheimnis Basil mit sich herumträgt. Es geht oft um die weniger schönen Erfahrungen im Leben, um Trennungen, Verluste und Kränkungen und hinter allem steht die Sehnsucht eines jeden nach dem „ entsetzlichen Glück“, jener Mischung aus Glück und dem Wissen um dessen Vergänglichkeit. Oft ist es wenig spektakulär, was die Protagonisten erleben, aber trotzdem ist es von Bedeutung für sie. Alle Geschichten handeln von Beziehungen jeglicher Art - zwischen Paaren, zwischen Eltern und Kinder, zwischen Geschwistern, zwischen Freunden - und die unterschiedlichen Wahrnehmungen davon. Nicht alle Geschichten finden ein Ende, manche Fäden bleiben lose, manche Fragen unbeantwortet ( wie im richtigen Leben). Was diesen Roman so lesenswert macht, ist neben der genauen Beobachtungsgabe und der feinfühligen Zeichnung der Figuren, vor allem die Sprache der Autorin. Obwohl der Roman mit seinem umfangreichen Personal einige Konzentration erforderte, so war er für mich doch ein wunderbares Leseerlebnis. Ich war gern bei diesen Bewohnern von Hollyhock, habe teilgenommen an ihrem alltäglichen Leben und einige der Figuren sind mir sehr nahe gekommen. Was sich anfangs als Band mit Erzählungen gelesen hat, war am Ende für mich ein stimmiger Roman.

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Meine Meinung: Mit dem Roman „Dieses entsetzliche Glück“ hat mich die in Deutschland geborene Autorin Annette Mingels in die fiktive Kleinstadt Hollyhock, irgendwo in Virgina gelegen, eingeladen und sie platziert darin fünfzehn divers/vielschichtig gezeichnete Figuren/Einwohner, deren Leben in 15 Episoden auf verschiedenste Weise, bewusst oder unbewusst, aufeinander Einfluss nehmen. Mich hat vor allem der sich Zeit nehmende, durch eine großartige Beobachtungsgabe geprägte, Schreibstil und die feinfühlige Charakterzeichnung sehr begeistern können, denn dadurch ist es mir leicht gefallen, einen emotionalen Bezug bzw. Interesse für das Leben/Alltag in Hollyhock aufbauen zu können. Die Handlung wird zwar insgesamt nicht von einem durchgehenden Spannungsbogen begleitet und lässt auch nicht unbedingt erkennen, auf welches Ziel sie hinsteuert, dafür lebt diese aber von einer Vielzahl von mal „lauten“ oder „leisen“ zwischenmenschlichen Spannungsmomenten, in die sich die Autorin wirklich ganz hervorragend/sehr authentisch hinein gefühlt hat und ebenso transportiert. So durfte ich viele „Hände schütteln“ und Part ihrer teilweise sehr berührenden Lebensabschnitte werden, die im Kern auch meine Sehnsüchte und den natürlichen Wunsch nach Glück teilen. Fazit: Sprachlich großartig & mit tollem Ensemble, das zeigt, dass es oft nur zarte Berührungspunkte braucht, um das Leben Anderer zu beeinflussen!

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