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Rezensionen zu
Geblendet

Andreas Pflüger

Die Jenny Aaron-Reihe (3)

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Spannend – Spannender – Andreas Pflüger

Von: Karin Elsen aus Fürth /Bayern

07.03.2020

Pflüger liefert uns hier (wieder einmal!) einen Thriller der Extraklasse. Rasant wechselnde Schauplätze, Paris, Barcelona, USA, Rügen, Berlin, um die wichtigsten zu nennen. Personen, die sich bekämpfen oder verbünden, schwere Entscheidungen die blitzschnell getroffen werden müssen (werde ich sehend oder bleibe ich blind und rette die Abteilung?), Allianzen die geschmiedet und gesprengt werden, filmreife heftige Kampf- und Verfolgungsszenen die James Bond und Jason Bourne in den Schatten stellen, herrlich zynische Repliken, wie sie ein Bruce Willis oder John Wayne kaum besser hinkriegen könnten, zarte Liebesgeschichten im Kugelhagel. Kurz, es ist alles da, was das Herz eines Thrillerfans nur begehren könnte. Atemlos, vom Prolog bis zum letzten Satz hetzt uns das Buch durch all die Schauplätze, zu all den Gestalten, den Lesern wird keine Verschnaufpause gegönnt. Wer das nicht mag, kann gerne Virginia Woolf oder Marcel Proust lesen… Ich jedenfalls mag Andreas Pflüger. Vor allem, er hat es sich nicht leicht gemacht. Gründlich in allen Bereichen des Romans recherchiert und dokumentiert, scheinen die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Jenny Aaron plausibel und auch nachvollziehbar. Manche Szenen, voller Gewalt, stecken jedoch voller Poesie und Musik, könnte man schon sagen. So das große Showdown in Barcelona, als der Kampf in Sekunden fragmentiert und dargestellt wird, so dass man das Gefühl hat, zeitgleich alle einzelnen Kampfszenen vor Augen zu haben. Und das schafft nicht einmal Hollywood! Auch die Aufmachung des Buches ist grandios. Ein giftgelber Schutzumschlag, auf dem in schwarzen Lettern versetzt und unscharf und in weißer Brailleschrift der Titel steht, weil intensives Gelb die Schutzfarbe für Blinde ist. Dann sind der eigentliche Buchumschlag, Vorder- und Seitenschnitte des Buches in schlichtes Schwarz gehalten, ebenso die Trennblätter zwischen den einzelnen Kapiteln. Zehn Dinge die ich anschließend tun werde: „Niemals“ kaufen „Endgültig“ kaufen Irgendwann das Buch wiederlesen und versuchen mich nicht wieder so von Seite zu Seite hetzen zu lassen, wie beim ersten Lesen. Mich für einen Braillekurs anmelden, sobald er von unserer VHS angeboten wird Im Yogakurs beim Meditieren achtsamer mitmachen Mich über menschliche Echolotung informieren Mich über Strategien und Bewältigungsmechanismen blinder Menschen im Alltag informieren Weiterhin blinden Menschen im Straßenverkehr meine Hilfe anbieten, auch wenn ich mal auf Superhelden wie Jenny stoße Ein herzliches Dankeschön für das Leseexemplar an den Suhrkamp-Verlag aussprechen Das Buch wärmstens weiterempfehlen

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Geblendet

Von: ZeilenZauber

30.01.2020

‘*‘ Meine Meinung ‘*‘ Ähm, tja, das ist ein Thriller und ich fragte mich, wo bleibt die Spannung. Brutale Kämpfe werden nicht meist recht klinisch beschrieben, nicht erlebt und die Sprecherin Nina Kunzendorf blieb auch ziemlich gleich in ihren Tonalitäten. Wären hier mehr Emotionen transportiert worden, wäre es garantiert spannender geworden. Auch wenn die Beschreibungen der Kämpfe recht sachlich waren. Somit trat die Spannung nur punktuell auf und flachte anschließend sofort wieder ab. Als im Hörbuch selber Daredevil erwähnt wurde, fielen mir die Parallelen von Aaron dazu auf. Dann hätte das Ganze aber als Fantasy, Sci-Fi oder sonstwas deklariert werden sollen und nicht als Thriller. Denn dass Aaron durch ihre Blindheit einen sechsten Sinn entwickelt hat, der über das normale Maß hinausgeht, war total unrealistisch. Ich hätte mir das gefallen lassen, wenn die Action gestimmt hätte. Tja, diese wurde allerdings auch durch den wortgewaltig ausschweifenden Schreibstil des Autors gebremst. Das grenzte teilweise echt an Lyrik und die Weisheiten, die präsentiert wurden, waren auch alle ziemlich platt und abgedroschen. Also mich konnte das Hörbuch nicht überzeugen, aber für den Ansatz, die Idee und die überraschende Auflösung zum Prolog vergebe ich knappe 3 geblendete Sterne. ‘*‘ Klappentext ‘*‘ Die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron setzt alle Hoffnungen in eine Therapie, die ihr das Augenlicht zurückgeben soll. Doch die Männer, die im letzten Winter für sie starben, lassen sie nicht los. Aaron weiß, was sie ihnen schuldet und muss sich die Frage stellen, was wichtiger ist: ihr Augenlicht vielleicht wiederzubekommen oder die Abteilung, jene Spezialeinheit, der sie ihr Leben verschrieben hat, vor ihrer größten Bedrohung zu beschützen? „Es ist niemals leicht” lautet der Kodex der Abteilung. Das gilt mehr als je zuvor. Aber ist die Abteilung wirklich das, wofür Aaron sie immer hielt?

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Bereits der Prolog ist atemberaubend: Ohne Vorwarnung wirft Andreas Pflüger sein Publikum in eine Welt, die die allermeisten (zum Glück) niemals kennenlernen werden. Es ist dies die Welt der Geheimdienste, der Spitzendiplomatie, der anderen Seite der Tür an der gepolsterten Wand. Hier werden zwischen Amuse-Gueule und Aperitiv im Plauderton Entscheidungen getroffen, die unvorstellbare Mengen an Kapital bewegen und ganze Nationen ins Unglück stürzen können. Hier sind Spielgeld und reales Vermögen nicht mehr zu unterscheiden, hier werden stundenlange Verhandlungen auf ein Achselzucken komprimiert und die Politik darauf reduziert, deren Ergebnisse zu verkaufen. Das nicht Ausgesprochene kann alles bedeuten, kann der Wunsch sein, grausame sexuelle Phantasien auszuleben, kann ein unverhandelbares Bestechungsangebot oder ein Mordauftrag sein. Hier herrschen klare Hierarchien, jedes Stückchen Information kann lebenswichtig sein, die Kontrolle der eigenen Affekte eine Schlüsselfähigkeit. Es ist die Welt von James Bond, nur wesentlich realistischer, eine Welt ohne Mittelmaß, in der es nur Extreme gibt. Es ist die Welt von Jenny Aaron, in die wir zum dritten und letzten Mal eintauchen. Diese Umgebung ist ein Teil unseres eigenen Lebensraumes und zugleich so fremdartig, dass man froh ist, den Umgang mit ihr an die Mitglieder der "Abteilung" delegieren zu können. Und doch, mit dem Wissen um die vierte Wand, der sicheren Trennung zwischen Geschichte und Publikum, mit derselben Lust, mit der wir den bekanntesten Agenten des MI6 bei seiner Arbeit begleiten, vor allem aber mit der Erinnerung an das freiwerdende Adrenalin beim Hören der ersten beiden Bände wollen wir so nahe wie möglich an das Geschehen. Mit dem Wissen um das Finale der Serie mischt sich diesmal aber auch ein beträchtlicher Anteil Wehmut in den Blutkreislauf. Noch einmal wird Jenny Aaron als weibliche Version von Daredevil gegen das Verbrechen und ihre eigenen Dämonen kämpfen. Und ganz bestimmt wird ihr Andreas Pflüger einen Abgang spendieren, der ihrer würdig ist. Aarons persönliche Geschichte handelt vom Verlust ihres Sehvermögens. Seit sie im zweiten Teil von einer revolutionären Therapie erfahren hat, darf sie darauf hoffen, eines Tages wieder sehen zu können. Im Abschluss wird ihr nun die Möglichkeit geboten, sich auf ein Tauschgeschäft einzulassen: Wenn sie ihr Augenlicht wiedergewinnt, wird sie dafür ihre Superheldenfähigkeiten, die extreme Wahrnehmungsschärfe der übrigen Sinne, verlieren. Genau darin besteht nun Aarons Dilemma, denn sie wird auf diese Fähigkeiten dringend angewisen sein. Eine Superheldin braucht nämlich auch einen mindestens ebenbürtigen Widerpart. So, wie sich jede Eigenschaft erst im Vergleich erweist, wird auch Aarons Geschichte erst interessant, wenn sie auf eine adäquate Gegnerin trifft. Bei dieser handelt es sich um eine geheimnisvolle Attentäterin. Ulf Pavlik, Aarons engster Freund und selbst ein Ausnahmetalent als Scharfschütze, überlebt eine Konfrontation mit ihr nur mit Glück und allergrößter Anstrengung. Diese Kostprobe ihrer Fähigkeiten schafft eine Legende: Pavliks Bericht sät Zweifel und Angst innerhalb der Abteilung, und als Aaron der Unbekannten schließlich gegenübertritt, geschieht dies mit sehr viel Respekt. Aufgrund ihrer lautlosen und präzisen Bewegungsabläufe wird sie von Aaron vorläufig "Nachtschatten" getauft ... was der Autor zugleich nutzt, um die Erwartungen seiner Leser zu steuern. Ihr wahrer Name lautet schließlich Malin - und sie fühlt sich durch weitaus mehr als einen einfachen Auftrag an Aaron gebunden. ' "Sie ist mir im Traum begegnet", flüstert Aaron, "wir waren wie Schwestern. Aber du glaubst bestimmt nicht an Träume" "Ich träume jede Nacht von Afghanistan", sagt Fleming rau, "meine Träume sind so wahr wie deine. Vielleicht ist sie deine Schwester, aber es kann für sie nur auf eine Weise ausgehen." "Wer sagt dir, dass wir besser als Malin sind?" erwidert sie. "Beweist die Existenz von schmutzigen Bomben, dass es saubere gibt? Hast du dich nie gefragt, was wir eigentlich tun?" ' (Position im Hörbuch: 12:09:24) Wie Aaron selbst immer wieder feststellt, könnten die beiden Frauen genauso gut Schwestern sein. Beide wurden von einem dominanten Vater zu hocheffizienten Killerinnen geformt, beide haben sie einen Schicksalsschlag erlitten. Doch während Aaron durch diesen buchstäblich zu einer Heldin wurde, die Anspruch auf einen Platz in gutsortierten Comic-Regalen hätte, hat Malin sich der Rache verschrieben. Nach ihrer Auffassung tragen Aaron und Pavlik die Schuld am Tod ihres Vaters. Während Aaron im Auftrag des deutschen Staates hauptberuflich Terroristen zur Strecke bringt, verdingt sich Malin als Auftragsmörderin, die durch außerordentliche Kreativität und Einsatz bis hin zur Selbstaufgabe die schwierigsten Aufträge erfolgreich abschließt. Malin ist Aarons dunkler Zwilling. Malin ist jene Frau, zu der Aaron geworden wäre, hätte sie sich an entscheidenden Weggabelungen anders entschieden. Malin ist Aarons Spiegelbild. "Das Leben ist die Summe aller Pläne minus der richtigen und falschen Entscheidungen multipliziert mit sämtlichen Zufällen. Plus den Dingen, die man verhindern kann." (Position im Hörbuch: 02:09:02) Der Spiegel ... das ist auch ein zentrales Symbol in Jenny Aarons drittem Roman. Aaron wird mit Malin, ihrem verkehrten Ebenbild konfrontiert. Ein Spiegel erfüllt seinen Zweck nur über die visuelle Wahrnehmung. Und schließlich ist ein Spiegel auch ein Instrument zur Selbsterkenntnis. Andreas Pflüger wählt seine sprachlichen Bilder sehr sorgfältig, um sie in möglichst vielen Facetten ihrer Bedutung nutzen zu können. Mit erkennbarer Leidenschaft bedient er sich dabei auch an der Weltliteratur und der Populärkultur. Referenzen auf den "Glöckner von Notre Dame" bilden ein durchgängiges Motiv, manche Passagen erinnern an den Tarantino-Film "Kill Bill", und zum Showdown tritt sie gemeinsam mit ihren sechs verbliebenen Mitstreitern wie Akira Kurosawas "Sieben Samurai" an. Selbstverständlich muss sich im Finale der über drei Bände gezogene Kreis wieder schließen und die Geschichte dort enden, wo sie ihren Ausgang genommen hat. Zuvor zommt der Autor noch aus der kleinen Gruppe um Aaron heraus und lässt den größeren politischen Kontext erkennen, in den sie eingebettet ist. "Die Abteilung", wie sie in einem aktenordnerschweren Euphemismus genannt wird, ist eine Einheit zur Terrorbekämpfung, die offiziell nur wenigen bekannt ist und die inoffiziell die härtesten aller Helden berherbergt. Für die Abteilung bewirbt man sich nicht, sondern man wird berufen, und in der Abteilung geht man auch nicht in Pesnsion. Die Abteilung ist einer von vielen Bausteinen in einem fragilen Gebäudes aus Behörden und Dieststellen, deren Fugen mit spröder Beamtendiplomatie gefüllt sind. Als Geheimdienst mit nahezu unbegrenzten Befugnissen wird sie in diesem Teil der Serie zum Spielball der Poliitk - denn die Befehlsgewalt über die Abteilung bedeutet, in verfahrenen Verhandlungen eine über eine entscheidende Option mehr zu verfügen. Letztlich erlebt die Abteilung ihren spektakulären Niedergang: Eine Bombe löscht sie nahezu vollständig aus und läutet damit das Finale ein. Andreas Pflüger ist ein Regisseur, der seine Actionszenen sorgfältig arrangiert wie ein physikalisches Experiment. Zunächst kontrolliert er, ob alle Requisiten und Figuren an ihrem Platz sind, verteilt klare Anweisungen, vermisst die Flugbahnen der Projektile, der leblosen Körper und der exakt gesetzten Hiebe seiner Heldin. All das arrangiert er in einem Zeitplan mit zehntelsekundengenauer Auflösung ... um schließlich das Startsignal zu geben. Beim Lesen erlebt man eine solche Szene als erzählerische Komposition in Zeitlupe, in dem die messerscharfen Metaphern jede kleinste Wahrnehmung erfassen und jedes Wort wie eine Sechzehntelnote in einer Partitur gesetzt ist. Der Autor fordert dabei vom Leser volle Aufmerksamkeit und bietet dafür ein synästhetisches Surrounderlebnis im Kopfkino. "Mit seinem nächsten Satz fliegt ein Molotovcocktail in das hingebungsvoll dekorierte Schaufenster ihrer Hoffnungen" (Position 01:54:54 im Hörbuch) Pflügers Erzählsprache ist stark verdichtet, die millimetergenau aneinandergereihten Sätze verleihen dem Text seine eigene Intensität. Zugleich hören sich die Dialoge seiner Figuren an, als sei er der große Bruder von Quentin Tarantino. Bei seiner ersten Begegnung mit Malin, kann sich Ulf Pavlik nur durch einen waghalsigen Sprung in die stürmische, eiskalte See in Sicherheit bringen. Mit nahezu übermenschlichem Überlebenswillen rettet er sich ans Ufer und wird von seinem Partner aufgefunden. Dabei entspinnt sich folgender Wortwechsel: " Sie schweigen bis Pavliks Lunge aufhört zu rasseln. 'Und sonst so?' fragt Fricke 'Man hat sein Tun', krächzt Pavlik 'Hmm, wie war das Wasser? Badewanne?' 'Kälter als das Bett deiner Ex' 'Oh, dann wärst du Schlittschuh gelaufen' 'Von allen Arschgeigen bist du die Stradivari' 'Ich wollte mir ansehen, womit du dir die Zeit vertreibst', sagt Fricke, 'ich habe dem Trio zwei Magazine spendiert. Die Frau hat den Houdini gemacht und ein hübsches Loch in der Luft hinterlassen. Ihrem Kumpel habe ich meine gesammelten Werke in Bleisatz geschenkt, die liest er jetzt unter Wasser.' " (Position im Hörbuch: 02:23:41) Wenn man auf den ersten Blick nicht mehr zwischen erwachsenen Männern und Buben beim ersten heimlichen Bier ihres Lebens unterschieden kann, erinnert der Autor augenzwinkernd, dass es sich immer noch um Fiktion handelt. Und in einer guten Geschichte zählen manchmal coole Dialoge und ästhetische Action mehr als radikaler Realismus. Tatsächlich wirkt der dauerhaft überhöhte Testosteronpegel wie eine spezielle Ausleuchtung der Szenen, wie die unverwechselbare Klangfarbe, die charakteristisch für den Roman ist. Für den Autor ist er das Stilmittel schlechthin, um die Welt der harten Hunde dauerhaft von jener der sich in glücklicher Ahnungslosigkeit wiegenden Zivilbevölkerung zu unterscheiden. Als Nebenwirkung dieses Stilmittels entstehen unbewusst geschlechtliche Rollenbilder, die aus einer Zeit zu stammen scheinen, als James Bonds zotiger Charme (zumindest laut Drehbuch) noch die beabsichtigte Wirkung zeigte. Auch in der Hörbuchfassung des dritten Teils fungiert Nina Kunzendorf wieder als virtuose Interpretin von Andreas Pflügers erzählerischer Partitur. Sie spürt emotionale Nuancen auf, siedelt den Schmerz der Figuren dicht unter der eigenen Haut an, lässt die Unsicherheit hinter den abgeklärten Worten erkennen. Besonders deutlich ist diesmal die Sehnsucht jeder einzelnen Figur zu verspüren. Kunzendorf zieht jeden gedankendurchsetzten Moment in die Wolken, jede Feststellung wird zu einer Frage, jedes Ja zu einem Vielleicht. Wie kaum ein anderes Werk in den gegenwärtigen Thriller-Abteilungen drängt sich für die Trilogie um die erblindete Actionheldin mit ihrem melancholischen Gepäck die Hörbuchfassung auf. Die Sätze finden ihren Weg über den Gehörgang in den Kopf, wo sie sich zu szenischen Landschaften entfalten. Dadurch fühlt man sich der Hauptfigur stärker verbunden und beginnt gleichzeitig unbewusst, verstärkt auf seine eigenen Sinne zu lauschen. Persönliches Fazit "Geblendet" ist das unbedingt notwendige Finale der Trilogie um Jenny Aaron und wie die beiden Vorgängerbände ein actionreiches Gesamtlerlebnis aus mitreißender Geschichte und intensivem Vortrag. Dabei kombinieren sich der Harte-Männer-Mythos und nachdenklich-zweifelnde Momente wie ein raffiniertes Gericht aus geschmacklichen Gegensätzen zu einem einzigartigen Thrill(er).

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REZENSION – Nach seinen Bestsellern „Endgültig“ (2016) und „Niemals“ (2017) hat der deutsche Schriftsteller, Dramatiker und Drehbuchautor Andreas Pflüger (62) nun mit „Geblendet“ seine Thriller-Trilogie um die erblindete Elitepolizistin Jenny Aaron in einem beeindruckenden Finale abgeschlossen. Dank ihrer herausragenden Fähigkeiten ist Aaron Mitglied der „Abteilung“, einer weltweit operierenden, geheimen deutschen Sondereinheit. Waren die beiden Vorgänger noch reine Thriller, wenn auch stilistisch herausragend und aus der ungewöhnlichen Perspektive einer blinden Heldin erzählt, wird dieser abschließende Band zu einem spannenden Psychodrama. Wir lernen die bisherige „Kampfmaschine“ Jenny Aaron als verletzlichen, auch an sich selbst zweifelnden Menschen kennen. Wer die ersten Bände nicht kennt, sollte dies vor der Lektüre des dritten möglichst nachholen. Zwar kommt der Leser durch eingestreute Rückblenden und Erinnerungsfetzen stückweise der Vorgeschichte näher, die vor fünf Jahren zur Erblindung Jenny Aarons geführt hat, doch reicht dies allein nicht aus, die Charakterprägung der Heldin und ihr Verhältnis zu den anderen, nur männlichen Agenten in jeder Einzelheit zu erfassen, zumal in „Geblendet“ immer wieder auf Vergangenes Bezug genommen wird. Fünf Jahre nach dem durch einen Anschlag erlittenen Verlust ihres Augenlichts, beginnt Jenny Aaron auf Rügen eine medizinische Behandlung, die ihr die Sehkraft vollständig zurückbringen soll. Erst nach langen inneren Kämpfen hatte sie sich dazu entschlossen, allerdings in dem Wissen, damit zugleich ihre bis ins Extrem verstärkten Gehör- und Geruchssinne wieder zu verlieren, mit deren Hilfe sie in den vergangenen Jahren „sehen“ gelernt hatte und dadurch bei Einsätzen ihren Kollegen gegenüber sogar Vorteile hatte. Die Therapie scheint bereits zu wirken, doch erste optische Eindrücke verwirren Aarons Sinne, überanstrengen und schwächen sie, machen sie letztlich verwundbar. Als ihre Abteilung bedroht, nach einem vernichtenden Bombenanschlag, den nur sechs Männer durch Zufall überstehen, fast vernichtet ist und sie selbst sich auf Rügen vom Feind beobachtet und bedroht fühlt, muss sich Aaron entscheiden – für sich selbst und die Wiederherstellung ihres Sehvermögens oder für ihre „Abteilung“ und weitere Blindheit. Geblendet, verblendet, blind – Pflüger zeichnet in seinem ungewöhnlich gefühlsbetonten Thriller die Charaktere seiner Figuren psychologisch nachvollziehbar und in ihrer Unterschiedlichkeit interessant. Jeder sieht nur das, was er sehen will oder was man ihn zu erkennen antrainiert hat. So ist nicht nur Aarons Gegenspielerin Malin zeitweilig ebenfalls blind, sondern beide sind durch die einseitige stringente Erziehung der Väter derart verblendet, dass es einen ganzen Roman braucht, bis jede im Wust ihrer von Hass und Rache beherrschten Gefühle endlich die Wahrheit zu erkennen und den symbolhaften Spiegel, der doch nur die Oberflächlichkeit des eigenen Ichs zeigt, endlich zu zerbrechen vermag. Erst dann kommt beiden, so unterschiedlich sie auch sind, die Erkenntnis eines auf einer Lüge aufgebauten Lebens. Bis dahin durchlebt der Leser eine von Spannung getriebene Achterbahnfahrt der Gefühle, die sowohl stilistisch als auch in der Vollkommenheit erforderlicher Recherche beeindruckt und über alle 500 Seiten anhaltend begeistert. „Geblendet“ ist ein Thriller auf hohem Niveau, wie man ihn von deutschen Autoren nur selten findet.

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Die Elite-Polizistin Jenny Aaron ist seit fünf Jahren blind, und sie muss sich entscheiden: Sie könnte einfach so weiter machen oder eine Therapie beginnen, um wieder sehen zu können. Dabei würden sich allerdings all ihre anderen Sinne, die sich seit dem Verlust ihres Augenlichts extrem entwickelt haben und die ihr bei der Lösung vieler Fälle halfen, wieder zurückbilden. Bevor sie sich zu einem Entschluss durchringen kann, kommt ein dringender Fall herein. Es geht um korrupte Machenschaften auf hoher politischer Ebene und um eine Profikillerin, die schnellstens dingfest gemacht werden muss. Jenny Aaron zögert nur einen Augenblick – war das schon ein Augenblick zu viel? Andreas Pflüger versteht es, knallharte Thriller zu erzählen. In seiner rasanten und fesselnden Jenny Aaron-Reihe stellt er eine blind gewordene Elitepolizistin in den Mittelpunkt, die aufgrund ihres Handycaps alle anderen Sinne bis zur Perfektion geschäft hat – und damit sehr erfolgreich Fälle löst. Auch dieses Mal muss Aaron mit ihren Kollegen gegen hochkarätige Schurken kämpfen und zusätzlich noch mit einer Profikillerin fertig werden, die ähnliche Fähigkeiten aufweisen kann, wie sie selbst. Die präzise Beschreibung der Kampfsporttechniken von Pflügers Heldin sind das besondere I-Tüpfelchen seiner fesselnden Story. Nebenbei beweist sich der Autor als begnadeter Sprücheklopfer, der seinen Figuren auch in den schwierigsten Situationen noch eine passende Parade in den Mund legt. So ist “Geblendet”, wie schon seine beiden Vorgänger, wieder ein aufregender Thriller, der großartig von der Schauspielerin Nina Kunzendorf erzählt wird.

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Meinung: Die Reihe rund um die blinde Jenny Aaron war schon immer etwas Besonders. Nicht nur, dass Aaron als Blinde genauso tödlich ist, wie als Sehende, sondern auch der Schreibstil von Andreas Pflüger hebt sich von anderen ab. Nun war ich natürlich gespannt, wie die Reihe enden würde. Der Einstieg ins Buch ist sehr rasant. Im Prolog begleiten wir ein junges Mädchen, das von ihrem Vater in eine schreckliche Situation gebracht wird und dabei auch töten muss. Man frägt sich schnell, wer dieses Mädchen ist, hat am Anfang natürlich gleich Jenny Aaron im Kopf, aber es wird schnell klar, dass sie es nicht sein kann. Deshalb bleibt die Frage, wer ist dieses Mädchen und was hat es mit ihr auf sich. Die Haupthandlung selbst startet eher ruhiger, obwohl es auch da ab und an ziemlich zur Sache geht. Jenny Aaron beginnt mit der Therapie, um wieder sehen zu können, aber diese verläuft nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Gleichzeitig wird die Abteilung so gut wie ausgelöscht und es gibt neue, große Gefahren. Leider nimmt sich der Autor viel Zeit zwischendrin um nochmal die Vergangenheiten oder auch andere Details genau zu beleuchten, weshalb es manchmal doch ganz schöne Durststrecken gibt und die Geschichte zwischendurch einfach echt langatmig wird. Dies ist wirklich der größte Kritikpunkt, da er sich dieses Mal einfach ein bisschen zu sehr darin verzettelt. Dabei fand ich vor allem die vielen Weisheiten zu viel des Guten, aber auch die vielen Wiederholungen der immer gleichen Wortphrasen, die der Autor bewusst einbaut, haben mich oft total genervt. Seine Metaphern und die direkte, aber doch lebendige Sprache mag ich aber sehr gerne. Den Plot fand ich an sich eigentlich schon echt gut. Auch die Idee hinter der Antagonistin fand ich gut und spannend, aber das mit der Schwester im Geiste und ihrer Verbundenheit und der mentalen Komponente zwischen den beiden war mir einfach zu viel und schon etwas abgedreht. Die Figuren an sich sind wieder sehr besonders und tiefgründig. Es gibt wieder neue Infos zu allen, und Jenny Aaron ist auf jeden Fall keine klassische Sympathieträgerin. So fand ich sie dieses Mal auch teilweise unnötig stur und eigensinnig, hab sie aber trotzdem gern auf ihren Weg begleitet. Vor allem ihre vielen Zweifel wurden sehr deutlich und glaubhaft dargestellt. Das Ende fand ich eigentlich ganz gut so, auch wenn es durchaus noch etwas Raum für eigene Vorstellungen oder eine weitere Fortsetzung lässt. Aber ich bin froh, dass die Reihe jetzt abgeschlossen ist, es ist erstmal genug. Und man sollte auf jeden Fall die Vorgänger kennen, damit man sich in der komplexen Geschichte auch zu Recht findet. Sprecherin Nina Kunzendorf hat definitiv eine spezielle Stimme, weshalb sie auch zur Besonderen Protagonistin passt. Sie wirkt anfangs fast immer etwas monoton, aber wenn man dann in der Geschichte drin ist, hört man die Feinheiten und Besonderheiten. Besonders fand ich auch, dass Herr Pflüger das Nachwort selbst eingesprochen hat. Eigentlich ist es nicht die Regel, dass das Nachwort mit vertont wird, hier passt es aber gut dazu. Fazit: Von der Idee und Komplexität her wieder ein toller Thriller und auch ein zufriedenstellender Abschluss, hätten sich zwischendurch nicht so viele unnötige Längen eingeschlichen, weil der Autor zu sehr in die Details geht und es auf der mentalen Schiene auch ein bisschen übertreibt. So hab ich Jenny Aaron auch dieses Mal zumeist gern begleitet, aber es war bisher der schwächste Teil und es ist gut, dass die Reihe jetzt beendet ist. Insgesamt gibt’s 3,5 Sterne.

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