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Rezensionen zu
Das Haus meiner Eltern hat viele Räume

Ursula Ott

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€ 18,00 [D] inkl. MwSt. | € 18,50 [A] | CHF 25,90* (* empf. VK-Preis)

Im März 2019 erschien im btb Verlag der Spiegel Bestseller „Das Haus meiner Eltern hat viele Räume“ von Ursula Ott. Das Buch erschien im Juni 2021 auch als Taschenbuchausgabe und umfasst 192 Seiten. Inhaltlich befasst es sich mit dem Thema -Abschied nehmen- vom Loslassen, Ausräumen und Bewahren. Die Autorin, Ursula Ott, ist 1963 geboren und gehört zu der Generation der Kinder, deren Eltern den Krieg miterlebt haben und folglich in bitterer Armut leben mussten. Der Wohlstand kam mit den Jahren und folglich auch die materiellen Dinge, die die Häuser befüllen. Frau Ott schreibt über das persönlich Erlebte und mit einer unglaublichen Offenheit. Das Buch ist ein Mix aus einem Sachbuch, z.B. welche Maßnahmen muss ich ergreifen, wenn meine Eltern sich verkleinern müssen und je nach Situation in ein Heim ziehen oder in eine kleinere Wohnung. Dabei werden nicht nur die behördlichen Aspekte betrachtet, sondern vor allem auch die emotionalen. Wie führen wir als Familien Entscheidungen herbei, mit denen alle Mitglieder leben können, sich gut fühlen und vor allem niemand bevormundet wird. Zusammengefasst ist dieses Buch gespickt mit zahlreichen hilfreichen Tips und andererseits eine persönliche Offenbarung und Einblicken in die familiären Strukturen der Autorin. Das im Anhang befindliche ABC der Dinge ist ein wichtiger Hinweisgeber für die vielen Gegenstände im Haus der Eltern und wie wir damit umgehen bzw. sie verwerten oder auch entsorgen können. Ein leseenswertes Buch, welches ich jedem ans Herz legen möchte, der sich irgendwann oder vielleicht auch schon jetzt mit einer neuen Wohnsituation der Eltern befassen muss. Ich fand das Buch unglaublich interessant und wichtig zu lesen. Verrückt, dass vieles, was die Autorin und Ihre Angehörigen erleben auch in meinem Leben zu finden ist. Das Gefühl „ich bin nicht allein“ kam immer wieder auf und im Laufe des Buches entwickelte ich eine andere Sichtweise auf die Dinge, die im Haus meiner Eltern stehen und den damit verbundenen Emotionen. Gerne bewerte ich dieses Buch mit 5 von 5 Sternen.

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Auch wenn man am Elternhaus hängt, geht das Leben manchmal Wege, die uns vorschreiben von geliebten Erinnerungen Abschied zu nehmen. Damit ergeben sich auch Möglichkeiten für die Bewohner, einen neuen Anfang zu starten. Doch was macht man mit der Einrichtung, den gesammelten Lebensbegleitern, Büchern, Sammlungen, geerbten Kunstgegenständen,Vasen, Geschirr und vielen anderen Dingen? Von was kann man sich besser trennen und was bewahrt man sich auf? "Einen alten Baum verpflanzt man nicht!" Das ist eine Aussage, die heute nicht mehr unbedingt Geltung hat. Manchmal braucht der Baum einfach nur neue Umgebung, frische Erde und Hilfestellung, um wieder neu austreiben zu können. "Der Baum braucht einfach ein bißchen Zeit. Er braucht Zuwendung, er braucht Luft und Nahrung,..." Zitat Seite 34 Die Journalistin Ursula Ott hat eine betagte Mutter, die nun ihr Haus verlassen soll, um näher bei ihren Töchtern wohnen zu könnnen. Das Elternhaus wird deshalb verkauft und für Ursula Ott steht das große Ausräumen an. Es ist nicht so einfach, sich von diesem Stück Heimat zu trennen. Aber welche Gegenstände haben für die Familie wirklich einen Wert? Sie beschreibt, wie man vorgehen kann, gibt ihre Erfahrungen weiter und erklärt auch, warum wir nicht alles sammeln müssen. Sie gibt Tipps, welche Einrichtungsgegenstände man auch gut weitergeben kann und wo man das Aussortierte lassen kann. Es gibt einige Wohltätigkeitsorganisationen, bei denen man anfragen kann, welche Dinge sie benötigen oder gebrauchen können. In diesem Buch bringt Frau Ott private Erlebnisse unterhaltsam mit ein. Man erlebt Probleme innerhalb der Familie mit, sieht, welche Konflikte sich um Gesammeltes ranken können und überlegt gleichzeitig, was man selbst tun würde. Es ist in gewisser Weise ein Ratgeber entstanden, der Fragen aufwirft und machbare Möglichkeiten dann mit einigen Hilfestellungen aufzeigt. Es fließen auch Gespräche mit Psychologen und Anwälten ein, diese Ansätze und Überlegungen bereichern das eigene Empfinden über die Loslösung vom Elternhaus. Münzen, Briefmarken, Familienbibeln, Bücher, Sammelgeschirr und die Diasammlung, hier wird beim Lesen klar, diese Gegenstände füllten mehrere Leben mit Inhalten. Doch muss man das alles behalten, woran hängt man noch und was kann weg? Wohin mit Werkzeug, Teppichen und Haushaltsgeräten? Zu diesen Themen gibt es ein übersichtliches und hilfreiches "ABC der Dinge". Am Ende des Buches findet man weiterführende Literatur, die sich auch mit der Generation Kriegskinder befasst. Diese Generation hält durch ihre Kriegserfahrungen fest an Besitz, sie möchte bewahren, was die Familie erworben hat. Dieses Buch zeigt hilfreiche Tipps, bringt persönliche Erfahrungen und Gedanken der Autorin ein und lässt dem Leser die Möglichkeit, sich selbst eine Meinung zu diesem Thema zu bilden. Denn auch erwachsenen Kindern fordert der Abschied und das Loslassen vom Elternhaus einiges ab. "Das Haus meiner Eltern hat viele Räume" ist kein trockener Ratgeber, hier gibt die Autorin mit persönlicher Note Vorschläge und hilfreiche Tipps für dieses nicht ganz einfache Thema.

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A.Schiebelbein

Von: Angelika

09.08.2021

Vergesst, was dahinter liegt. Und euren Weg beschwert. Was ewig eurer Herz vergnügt, ist wohl des Opfers wert. S.11 Ursula Ott erzählt hier von ihrer 87-jährigen Mutter, die ihr Haus in Ravensburg verkauft hat und in eine Wohnung nach Stuttgart zieht, näher zu ihren beiden Töchtern. Der Vater verstarb vor vielen Jahren. Die Mutter ist nun vollkommen allein, einfach ist dieser Entschluss definitiv nicht, es fließen viele Tränen. Die Trauer über den Abschied vom Zuhause ist viel zu groß und jetzt heißt es, Erwachsen zu werden. Ursula Ott schreibt sehr locker und mit einem hauch von Witzigkeit von die Entscheidungen und Herangehensweisen an das Ausräumen des Hauses. Dinge wegzuwerfen fühlt sich ständig falsch an, aber niemand braucht dutzend Gläsern oder riesengroße Eichenholzschrankwände, wo die Wohnungen doch immer flexibler und kleiner werden. Wohin also mit all den Sachen? Beim Aussortieren beobachtet sie sehr genau, wie sich manche Dinge anfühlen. Es gibt warme und kalte Dinge. Warme Dinge, die man liebt und die ein positives Gefühl vermitteln, werden aufgehoben. Kalte Dinge, an denen schlechte Erinnerungen hängen oder die negative Gefühle hervorrufen, kommen weg! Sie nimmt sich viel Zeit und hinterfragt über die fragwürdige Fundstücke die sie findet und so wird das Haus nach und nach leergeräumt und nach einem Jahr schließlich verkauft. Fazit Die Autorin hat hier keinen Sachbuch oder ein Ratgeber geschrieben, sondern in einer Erzählung aus ihrer privaten Sicht, die sie sehr Liebevoll und warmherzig aufgearbeitet hat. Es ist zwar eine kurze Lektüre mit schwerem Thema, aber die jeder gelesen haben sollte. Mir hat es sehr gefallen! In jedem Kapitel lernt man dazu.

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Ein weiteres Buch über die Generation der Kriegsenkel

Von: signalhill aus Bodensee

11.04.2020

Insgesamt bin ich sehr geteilter Meinung bei meiner Rezension zu Ursula Otts kleinem Büchlein "Das Haus meiner Eltern hat viele Räume". Zuerst einmal kann man sagen, dass viele interessante Themen angesprochen werden, und die Generation der Babyboomer wird viel Bekanntes in dem Buch wiederfinden. Ich bin etwas jünger, zähle aber dennoch in die Generation, da ich relativ alte Eltern habe und mich daher auch in diesem Buch wiederfinden kann. Für die Generation der nach 1980 Geborenen würde ich das Buch aber nicht mehr empfehlen. "Das Haus meiner Eltern hat viele Räume" ist kein Ratgeber. Wenn Sie gerade also das Haus Ihrer Eltern leer räumen, wird Ihnen dieses Buch nicht helfen, denn mit diesem Buch hat die Autorin eher ihr eigenes Loslassen vom Elternhaus verarbeitet. Und so ist das Buch einerseits ein genauer Bericht darüber, was die Autorin in den zwei (!) Jahren gemacht hat, in denen sie das Haus ihrer Eltern leer geräumt hat, andererseits ist es aber auch eine Analyse der Gesellschaft der Eltern, die Kriegskinder waren, sowie die Generation der nach dem Krieg Geborenen, der Kriegsenkel. Die Autorin sagt selbst, dass sie ca. 20 Bücher über Kriegsenkel besitzt, und da ich auch einige davon kenne, finde ich viele Theorien und Beobachtungen aus diesen Büchern in Ursula Otts Buch wieder. Für mich ist das immer noch interessant, und es ist immer wieder wie eine Erleuchtung, wenn man sich in bestimmten Dingen wiederfindet, die einen großen Teil einer ganzen Generation betrifft, von denen man das aber nie wirklich wusste. Die größten Schwachstellen des Buches sind meines Erachtens die Sprache der Autorin sowie die Pseudo-Tipps, die wirklich keine sind. Wenn überhaupt, dann sind die Tipps so subjektiv, dass jeder darauf kommt, dass einem beim Abschied und Aussortieren der Dinge im Elternhaus keiner helfen kann. Zur Sprache: Die Sprache der Autorin ist leicht süddeutsch "angehaucht", was mir nicht so gut gefällt. Weiterhin gibt es natürlich eine literarische Freiheit des Autors, aber bei einem Sachbuch würde ich mich über einen grammatisch korrekten Satzbau freuen. Die Punkte setzt die Autorin aber nach Belieben und oft direkt vor den Nebensatz. Als Höhepunkt kommen dann noch Fragmente dazu, die eher nach Kindersprache klingen und komplett unpassend scheinen (z.B. S. 113: "Opa doch böse?") Werde ich hier als Leser wie ein Säugling angesprochen? Am Ende des Buches gibt es noch ein "Ausräumglossar", genannt "Das ABC der Dinge". Hier konnte ich nur noch den Kopf schütteln, denn da gibt es u.a. die Feststellung auf Seite 158: "Bibeln wirft man nicht weg". Und weil das so ist, schlägt die Autorin vor, die Bibeln, die man zuviel hat, z.B. dann unter ein wackelndes Tischbein zu legen! Am besten lassen sich Frau Otts Tipps beim Christbaumschmuck auf S. 154 entlarven. Spätestens hier merkt der Leser, dass er hier keine Tipps bekommt, wenn die Autorin schließt: "Wegwerfen kann man alles, was kaputt, brutalst hässlich oder verdorben ist, (...) Den Rest behält oder verschenkt man." Fazit: Man kann also alles wegwerfen, verschenken oder behalten. Oder man hat das Buch gelesen und gemerkt, dass man an das Ausräumen mit eigenem Menschenverstand und Gefühl herangehen muss und einem keiner helfen kann. Auch das ist eine Erkenntnis. Dem Buch würde ich 3,5 Sterne geben, habe es aber trotz der vielen Schwachstellen und auch Aufreger schnell und ganz gern durchgelesen. Dass mir die Bewertung nicht leicht fiel, zeigt die Länge dieser Rezension.

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Ich habe mir das Buch von Frau Ott gekauft, da ich gerade in der selben Situation war. Ich konnte mich in vielen Punkten wiederfinden. Unterm Strich finde ich das Buch sehr empfehlenswert. Was ich aus der Situation gelernt habe: Ich muss nicht alles alleine machen. Bei einigen Punkten kann man sich von der Familie und den Freunden helfen lassen, bei anderen kann man die Sachen auch mal ganz von sich wegschieben und Profis dafür engagieren. Das spart Nerven, und man kann sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren.

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Erwartet hatte ich vom Buch etwas anderes, was gleich vorweg, nicht heißen soll, dass es mir nicht gefallen hat. Als ich das Buch in den Händen gehalten hatte, hatte ich ein Buch erwartet, das davon handelt, was passiert, wie man damit umgeht und wie man entrümpelt, wenn man endgültig aus dem Elternhaus auszieht und auch die Eltern dabei sind sich eine neue Bleibe zu suchen, die kleiner und günstiger ist. Denn das ist nun mal die Situation, in der ich mich momentan befinde. Als ich dann merkte, dass das Buch auf eine andere Situation abzielt, dachte ich mir zu Erst "Super! Dann habe ich mir das ja umsonst besorgt." Doch dem war gar nicht so. Obwohl Frau Ott und ich völlig unterschiedliche Generationen und Personen sind, sind unsere Gedanken doch ganz ähnlich, und dazu unsere Situation, gar nicht so verschieden wie man erst denkt. Denn in unseren beiden Elternhäuser heißt es: Loslassen, aufräumen und bewahren. In unseren beiden Elternhäusern häufen sich die gebastelten Geschenke, die die Kinder in der Grundschule gemacht haben im Keller. Ob sie da nun seit 10 Jahren oder 40 Jahren liegen ist hier bei kein großer Unterschied. Es wird ja dennoch ausgemistet. Und so konnte auch ich etwas lernen, aus einem Buch das sich an die Generation meiner Eltern wendet. Selbst in der Buchhandlung in der ich arbeite hatte ich schon Kunden, die genau dieses Buch suchten um nach dem Tod ihrer Eltern, das Haus leer zu räumen. Man sieht auch dafür, ist der Ratgeber sehr hilfreich. Also, alles in allem, lässt sich sagen, dass dieses Buch, ein Ratgeber ist für alle die vor der großen und scheinbar unschaffbaren Aufgabe stehen das Haus der Familie zu entrümpeln. Sei es nun, weil die Mutter in eine Rentnerwohnung zieht, die Eltern verstorben sind, oder ob man endlich seine Flügel ausbreitet, in die Welt hinauszieht und das Elternhaus verlassen wird.

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sprecht rechtzeitig miteinander!!

Flummi die Buchhandlung

Von: frauflummi aus Duisburg

11.06.2019

Früher oder später werden die Eltern alt. Sie kommen in der Wohnung nicht mehr alleine zurecht. Werden vergesslich oder krank. Brauchen Unterstützung und Betreuung. Und oft ist da das Elternhaus, in dem die Kinder groß geworden sind, das aber keins der Kinder haben will. Ursula Ott erzählt, welche Schwierigkeiten sich ihr gestellt haben und welche Lösungen sie gefunden hat: Kommunikation mit den Geschwistern, Umzug der Eltern, Ausräumen und Entrümpeln von Wohnung oder Haus, Vermietung oder Verkauf. Dieses schmale Buch ist zum Nachdenken, aber auch eine unterhaltsam geschriebene Handreichung; sehr praktisch orientiert, und mit vielen Tipps, wie man mit den Gegenständen umgehen kann, die keins der Kinder behalten möchte, die man aber auch nicht einfach wegwerfen will. Die Empfehlung für dieses Buch habe ich von einer Freundin bekommen. Deren über 80-jährige Eltern haben es allen drei Töchtern geschenkt. Das entspricht ganz dem Plädoyer von Ursula Ott: sprecht rechtzeitig miteinander!!

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Wie kann es uns gelingen, respektvoll Abschied vom Haus unserer Kindheit zu nehmen? Uns zu befreien von Dingen, die nicht zu uns gehören, aber Teil von uns sind? Dieser spannenden Frage geht die Autorin nach. Schreibstil: Stell‘ dir vor, du geht mit einer alten Freundin aus Kindheitstagen wandern. An einer erhabenen Stelle macht Ihr Rast. Ihr nehmt schweigend nebeneinander Platz und genießt den Blick in die Weite. In die Stille hinein fängst du an zu reden. Mehr zu dir selbst als zu deiner Freundin. Du sprichst über das Haus deiner Eltern. Über das Leben dort. In deiner Kindheit. In deiner Jugend. Und über die Lebensspuren, die es in dir hinterlassen hat. Und wie es dir ergangen ist, als dieses Haus nun verkauft wurde. Genauso fühlt sich der Schreibstil der Autorin an. Es fühlt sich an, als ob zwei Freundinnen nebeneinander auf einer Bank sitzen und eine davon in Gedanken redet und die andere ihr zuhört. Ihr gerne zuhört und hin und wieder eine Frage stellt. Diesen Schreibstil liebe ich. Und so habe ich die 149 Seiten in einem Rutsch gelesen. Okay, eigentlich sind es 188 Seiten. Aber der Rest ist für mich Anhang. Das Spannende befindet sich im ersten Teil. Ursula steht wie ich in der Mitte des Lebens. Sie wurde 1963 in Ravensburg geboren. Das liegt bei mir um’s Eck. Zumindest gefühlt. Einzugsgebiet Bodensee, Schwaben. Ihr Lebenslauf liest sich beeindruckend. Aber tatsächlich ist es erleichternd, wenn du im Buch liest, dass auch sie mal ‚pleite‘ war, in größter finanzieller Not. Auch ich kenne das. Und du vielleicht auch. Und so hast du beim Lesen des Buches niemals nur annähernd das Gefühl, dass Ursula vom hohen Ross der wissenden Journalistin schreibt. Sie ist auf Augenhöhe mit dem Leser. Und schreibt über sich und ihre Erfahrungen. Und an diesen lässt sie uns teilhaben. Bringt uns in Dialog mit uns selbst. Wie ist’s bei mir? Wie wird es sein? Auch Ursula gehört der Generation der Kriegsenkel an. Ihre Eltern waren zum Zeitpunkt des 2. Weltkrieges Kinder. Und diese Kinder haben ganz spezifische Erfahrungen gemacht, die sie über den sogenannten Generationentransfer an uns weitergegeben haben. Oftmals ohne es zu wissen. Ich nenne das 'Unsichtbare Staffelstäbe'. Und so kann man sA Buch der Kriegsenkel-Literatur zuordnen. Allerdings eher der Einsteiger-Literatur. Aber auch für fortgeschrittene Leser zu diesem Thema ist das Buch lesenswert. Es sortiert unser bestehendes Wissen in den Kontext des endgültigen Abschiednehmens ein. „Ausräumen ist Schwerstarbeit für die Seele“, mit dieser Aussage trifft Ursula einen wesentlichen Punkt. Wenn wir ans Ausräumen denken, dann zumeist an harte körperliche Arbeit. Auch ich habe den Umzug meiner Oma gestemmt. 4,1 Tonnen (!) sind damals 1988 auf der Müllhalde im hessischen Dillenburg gelangt. Diese Zahl weiß ich nur noch, weil das Erlebnis für mich irgendwie traumatisch gewesen ist. Immer, wenn ich in die Müllhalde gefahren bin, bin ich samt meinem damaligen kleinen blauen Fiat Tipo gewogen worden. Und wieder, als ich das Gelände verlassen habe. Das Differenzgewicht musste ich am Schluss bezahlen. 4,1 Tonnen! Mit jeder Fahrt baute sich eine Art Beziehung zum Müllhalden-Wächter auf. Ich erzählte ihm vom Umzug meiner Oma und bei meiner letzten Fahrt fragte er mich: „Und in welchem der vielen Säcke liegt nun Ihre Oma?“ Makaber. Und trotzdem musste ich lachen. Humor hilft bei schweren Situationen. Und so gibt’s auch in Ursulas Buch Stellen, die zum Schmunzeln anregen. Wenn ich heute noch die Gelegenheit hätte, dann würde ich mich gerne bei meiner Oma für mein rabiates Vorgehen entschuldigen. Ursula stellt es klar: Habt Respekt vor den Dingen Eurer Eltern (und auch Großeltern)! Auch wenn’s nicht immer leicht fällt. Mein persönliches Fazit: Respekt vor dem Besitz der Eltern bedeutet Respekt vor sich selbst zu haben. DANKE, liebe Ursula Ott für dieses wertvolle Buch. Übrigens: meine Mutter (Jahrgang 1939) hat mir dein Buch geschenkt. Eine glatte 5-Sterne-Empfehlung von mir!

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