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Rezensionen zu
Das Erbe

Ellen Sandberg

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In dem Buch spielt die Thematik der Nachkriegszeit und der Judenverfolgung eine große Rolle. Erzählt wird hier immer abwechselnd zwischen den Perspektiven der Protagonisten Mona, Sabine und Klara. Mona und Sabine leben in der heutigen Zeit während Klaras Kapitel überwiegend in der Kriegszeit spielen. Vor allem Klaras Sicht war sehr interessant beschrieben und stellenweise auch ein wenig emotional. Die Handlung hat mich allerdings erst nach den ersten 150 Seiten so richtig gefesselt. Danach hab ich die Geschichte der Personen sehr gerne gelesen. Die Autorin erzählt sehr lebendig und genau. Wodurch es sehr angenehm ist das Buch zu lesen. Die historischen Hintergründe sind auch sehr gut recherchiert. Das Buch war mein zweites Buch der Autorin und mir hat es insgesamt sehr gut gefallen. Gestört haben mich aber ein wenig die langen Kapitel. Trotzdem kann ich das Buch weiterempfehlen. Eine wirklich tolle und berührende Geschichte.

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Mona ist ein „Gutmensch“ – an Obdachlosen kann sie nicht vorbeigehen, ohne ihnen ein paar Euro zuzustecken und zum 70. Geburtstag ihres Vaters kommt sie zu spät, weil sie auf dem Bahnhof ein gut gefülltes Portemonnaie gefunden hat und dieses zunächst einem Sicherheitsmann übergeben möchte. Weil sie daraufhin den Anschlusszug verpasst, macht sich ihre Familie über ihr Gutmenschentum lustig. Aber auch Klaras Freund Bernd fällt in die Lästereien ein. Als Bernd von Monas Erbe und dem Haus erfährt, gesteht er ihr eine Affäre und trennt sich von ihr. Daraufhin zieht Mona von Berlin zurück in ihre Heimat München und macht es sich in Klaras Wohnung gemütlich. So sehr sie den neu gewonnenen Reichtum genießt, so unwohl fühlt sie sich dabei. Sie ahnt, dass hinter dem Haus eine Geschichte steckt, die es aufzudecken gilt, die ihr aber möglicherweise gar nicht gefallen wird. So wird das Buch zu einer fast schon kriminalistischen Spurensuche. Da Großtante Klara ein ziemliches Chaos in ihrer Wohnung hat und keinerlei Unterlagen am rechten Ort liegen, findet Mona nur nach und nach die Briefe von Mirjam und kann so auch nur recht langsam die Geschichte rekonstruieren. Durch den Briefwechsel und auch durch Rückblenden in die 30er- und 40er-Jahre erfährt der Leser sukzessive, was Mirjam und ihrer Familie geschehen ist. Als Juden planten sie nach Machtergreifung der Nazis und Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, nach Amerika auszuwandern. Alles war vorbereitet: Die Schiffspassagen gebucht, die Parfümerie verkauft, und auch das schöne Schwanenhaus in Schwabing an den Nachbar verkauft. Doch dann werden Mirjams Eltern von den Nazis verhaftet und Mirjam muss alleine nach England fliehen. Mirjam und Klara halten über die Jahre den Kontakt. Doch sehen sie sich jemals wieder? Und was ist aus Mirjams Eltern geworden? Wie kam es damals zum Verkauf des Hauses? Dies sind die Fragen, um die sich das ganze Buch dreht. Ellen Sandberg erzählt mit vielen Perspektivwechseln und Zeitsprüngen die Geschichte des Schwanenhauses und dessen Bewohnern. Und obwohl das Buch kein Krimi ist, kann man es schon bald nicht mehr aus der Hand legen, weil man unbedingt herausfinden muss, was damals geschehen ist und wer die rechtmäßigen Eigentümer des Hauses sind. So fiebert man gespannt mit und fliegt nur so über die Seiten. Das Gutmenschentum Mona Lang ist als Gutmensch bekannt, doch als sie droht, das Haus zu verlieren, erkennt sie, wie bequem der neu gewonnene Reichtum ist und dass sie sich eigentlich gar nicht von dem Haus trennen möchte. Kann ihre gute Seite trotzdem gewinnen? Sie befindet sich in einer Zwickmühle – und der Leser ist stets an ihrer Seite, wenn sie die wichtigen Entscheidungen treffen muss. Der einzige Kritikpunkt sind aus meiner Sicht die allzu sehr schwarz-weiß gezeichneten Charaktere: Da wäre auf der einen Seite Mona Lang, die es in ihrem Leben nicht leicht gehabt hat, die im ständigen Zwist mit ihrer Familie liegt, die dann noch von ihrem langjährigen Freund betrogen und schlussendlich verlassen wird, und die aber trotzdem an das Gute im Menschen glaubt. Auf der anderen Seite steht die gierige Familie, die nur deswegen wieder auf Mona zugeht, weil sie sich dadurch finanzielle Vorteile erhofft. Diese Gegensätze waren mir zu stark und zu wenig differenziert, um wirklich glaubwürdig zu sein. Mitunter erscheint Mona Lang auch allzu naiv, da irgendwann schon klar ist, dass ihre Familie sie nur ausnutzen möchte. Schlussendlich erfährt man dann auch noch ein pikantes Detail aus ihrer Vergangenheit, das eigentlich auch nicht mehr notwendig gewesen wäre. Mir was das zu viel Drama, zumal der Fokus des Buches ja gar nicht auf Mona, ihren Geschwistern und Eltern liegt, sondern auf Klaras und Mirjams Leben und auf der Geschichte des Hauses. Haus mit Vergangenheit Unter dem Strich ist „Das Erbe“ dennoch ein unglaublich spannendes Buches, das man schon nach wenigen Kapiteln kaum noch aus der Hand legen mag und das einen vollkommen in den Bann zieht. Die Geschichte des Hauses überrascht natürlich am Ende niemanden mehr, auch wenn Ellen Sandberg dennoch ein paar Überraschungen parat hat, mit denen man nicht gerechnet hat. Der Spannungsbogen sowie der Wechsel zwischen Zeiten und Perspektiven sind sehr gut gelungen und auch die Geschichte des Schwanenhauses konnte mich überzeugen. Mir hätten etwas differenziertere Charaktere besser gefallen, aber das trübt den Gesamteindruck nur minimal.

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Nachdem mich bereits „Der Verrat“ der Autorin als Hörbuch genossen hatte, freute ich mich sehr über ihren neuen Roman. Die Geschichte ist wieder sehr mehrschichtig. Protagonistin ist Mona, die sich von ihrem Mann trennt und überraschenderweise, von einer Tante, die sie eigentlich nur einmal richtig getroffen hat, ein imposantes Mietshaus im Herzen von München erbt. Von ihrer Mutter erfährt, dass dieses Erbe eine dunkle Geschichte umgibt. Mona, die ein starkes Helfersyndrom hat und von ihrer Familie oft als Gutmensch verspottet wird, beschäftigt sich näher mit ihrem Erbe. Der Hauskauf war nicht ganz ohne, denn dieser geschah in Zeiten des Nationalsozialismus und die Verkäufer waren Juden. In verschiedenen Handlungssträngen wird nun die Geschichte des Hauses und auch Monas Entwicklung zu einer unabhängigen Frau erzählt. Dabei gibt es noch weitere Nebenstränge, die mir manchmal etwas zu viel waren, aber die dennoch spannend sind. Die Autorin greift hier mehrere Themen auf: die Enteignung von Juden, Flucht/Tod Zweiter Weltkrieg, Mord, Verrat, Gier. Es hätten nicht so viele Themen sein müssen, denn dadurch verlieren die einzelnen Handlungsstränge an Tiefe und sie kommen etwas zu kurz. Die Charaktere sind etwas klischeehaft gezeichnet und handeln wenig überraschend. Dennoch ist es eine sehr spannende Geschichte und ich wurde gut unterhalten. Das Buch hatte für mich keine Längen, die Spannung wurde durch die gekonnten Wechsel der Handlungsstränge gut gehalten. Die Autorin kann sehr gut beschreiben, ohne dass es langatmig wirkt. Die Umgebung in München im Jetzt und auch in der Vergangenheit konnte ich mir sehr gut vorstellen. Gelungen ist ihr dabei die Beschreibung wie sich das Verhältnis zu den jüdischen Nachbarn langsam gewandelt hat, von normaler Nachbarschaft, zu kritisch beäugen, zu denunzieren und schließlich zu Verrat und Mord. Ich konnte richtig mitleiden. Die Geschichte in der Jetztzeit war auch spannend, da gingen mir nur die Charaktere nicht so nah, weil sie einfach zu einseitig und übertrieben gezeichnet waren. Ich würde dennoch dieses Hörbuch empfehlen, da es sehr gut unterhält. Es beinhaltet viele Themen, Familiengeschichte, Krimi, Liebe. Auch der Sprecher ist sehr angenehm und spricht zum Glück die überzeichneten Charaktere nicht übertrieben.

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Unter Ihrem Pseudonym hat Autorin Ellen Sandberg einmal mehr eine tolle spannende Geschichte zu Papier gebracht. Der Handlungsstrang zieht stet wechselnd seine Kreise von 1938 bis in die heutige Zeit. Die Kapitel sind kurzweilige und der stete Wechsel erfordert ein klein wenig Konzentration. Klara wächst im 3. Reich mit Ihren Eltern wohl behütet in München auf. Die mit der Familie befreundeten Juden sind gleichzeitig die Vermieter der Familie Hacker und somit Besitzer des edlen Schwanenhauses inmitten Münchens. Der Sprung zu Mona, einer Enkelin von Klara Hacker im Jahre 2018 erscheint erst im Laufe der Geschichte plausibel. Gleiches gilt für die dritte Protagonistin Sabine, deren Verbindungen zu Klara, Mona und den anderen Akteuren sich zunehmend deutlicher herauskristallisiert. Mona, die Erbin des Schwanenhauses, wird sehr sorgfältig charakterlich skizziert und somit auch ihre Wesenszüge und Verhaltensweisen rund um die Geschichte dieser Erbschaft nachvollziehbar. Das an dieser Erbschaft im Wortsinne Blut klebt und der Roman auch eine kleine Reise in die düstere Vergangenheit deutscher Geschichte ist, sollte nicht unerwähnt bleiben. Stet bleibt dabei der Stil von Ellen Sandberg aber zurückhaltend sachlich, niemals anklagend oder gar wertend. Dem Leser sei empfohlen, sich die Charaktere und Namen der vielschichtigen Geschichte gut zu merken – scheinbar völlig „fremde“ werden im Laufe des Plots zunehmend zu völlig nahestehenden der Hauptdarsteller. Wer hier den Anschluss verliert, hat wenig Chancen den gesamten Kontext in seiner Spannung zu erfassen. Das Erbe ist für Mona eine schwere Last, aber auch Sabine und ihr Bruder sehen sich – zunächst scheinbar völlig unberechtigt – im Verlauf der Story als anspruchsberechtigt. Das das liebe Geld auch innerhalb scheinbar intakter Familien zu Verwerfungen führen kann, ist eine der (wenig überraschenden) Lehren dieses Buches. Spannend bleibt es dennoch bis zum (für manchen vielleicht überraschenden) Ende. Ellen Sandberg gelingt es über 501 Seiten sehr gut, die Erzählung lebhaft zu halten, den jeweils richtigen Zeitpunkt für den Rück- oder Vorsprung in eine andere Epoche zu legen und alle Beteiligten authentisch zu präsentieren. Durch die geschickten Verknüpfungen der Akteure miteinander, sei es der sympathische Hausverwalter Sander, Klaras langjährige Mieterin und Freundin Adele, den hintertriebenen Timon oder auch nur die beste Freundin von Mona, und eine kurzweilige Zeitreise über 80 Jahre Familiengeschichte ist das Buch ein sehr guter Pageturner für lange Abende. Fazit: sehr lesenswert, kurzweilig, spannend und auch ein kleiner gesellschaftlicher Spiegel für uns Deutsche sowie uns Menschen.

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"Das Erbe" von Ellen Sandberg war mein erstes Buch der Autorin. Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen und auch die Geschichte an sich war so gut, dass ich mit Sicherheit noch weitere Bücher von ihr lesen werde. Das Buch enthält drei Handlungsstränge. Mona, die im Buch als extremer Gutmensch dargestellt wird, erbt von ihrer Tante im Jahr 2018 ein großes Haus in München mit dem Vermerk "Mona wird das richtige tun". Klara hatte das Haus ebenfalls von ihrem Vater geerbt, der es zu Beginn des zweiten Weltkrieges vom jüdischen Besitzer und Freund Roth gekauft hatte. Man erfährt über die Zustände im damaligen Deutschland und die Judenverfolgung und nicht nur Mona fragt sich ob der Kauf des Hauses rechtens war- und sei es nur moralisch. In einer weiteren Erzählebene geht es um Sabine, die durch ein Tagebuch ihrer dementen Oma die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt und Mona das Erbe nun streitig machen möchte. Monas Probleme mit Eltern und Geschwistern ist auch Thema, ist aber unwichtig. Die Freundschaft zwischen Klara und ihrer jüdischen Freundin Mirjam hingegen um so mehr. Das Buch hat mich gefesselt und einmal mehr ist man entsetzt über die Verbrechen der Nationalsozialisten. Es bleibt bis zum Schluss spannend ob Mona im Sinne von Klara richtig entscheiden wird - wie sie mit dem Erbe umgeht.

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Nachdem mich "Die Vergessenen", das erste Buch der Autorin unter ihrem Pseudonym Ellen Sandberg absolut überzeugen konnte, hat mich ihr zweiten Roman "Der Verrat" danach etwas enttäuscht. Deshalb war ich umso gespannter, wie mir nun "Das Erbe" gefallen wird. Auch in ihrem dritten Buch lesen wir wieder auf zwei Zeitebenen und diesmal sogar aus drei Sichweisen. Es klingt alleridngs komplizierter, als es ist ;) Zuerst befinden wir uns in der Gegenwart und lernen Mona und Sabine kennen. Die Berliner Bauzeichnerin Mona, erbt völlig unerwartet von ihrer Großtante Klara ein Mietshaus in München. Nach der erst kürzlichen Trennung von ihrem langjährigen Freund verlässt sie den Norden Deutschlands, um sich ihr Erbe näher anzusehen. Mona zieht in die momentan freie oberste Wohnung des alten Stadthauses, das "Das Schwanenhaus" genannt wird und sich mitten im Zentrum von München befindet. Der kryptische Satz "Sie wird sicher das Richtige tun", den ihre Großtante im Testament hinterlassen hat, lässt Mona keine Ruhe. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen. Bald entdeckt Mona, dass das gesamte Wohnhaus einst der jüdischen Familie Roth gehörte. Doch wie kam das Haus in den Besitz ihrer Tante? Im zweiten Handlungsstrang in der Gegenwart entdeckt Sabine ein Tagebuch ihrer dementen Großmutter, indem sie ein Familiengeheimnis niedergeschrieben hat. Es scheint, als wäre Sabine's Vater nicht der leibliche Sohn ihrer Großmutter gewesen. Neugierig geworden, beginnt auch Sabine nachzuforschen. Als Harz IV Empfängerin würde ihr eine reiche Verwandtschaft gerade recht kommen, denn die arbeitsscheue Sabine träumt von Luxus und Geld. Der dritte Handlungsstrang erzählt die Geschichte der jüdischen Familie Roth im Jahr 1938. Mirjam, die Tochter der Roths, ist mit Klara befreundet, deren Eltern eine Wohnung im Schwanenhaus gemietet haben. Als die Repressalien gegen die Juden immer schlimmer werden, entscheiden sich die Roths Deutschland zu verlassen. Jakob Roth und Klaras Vater unterzeichnen einen Vertrag, der verhindern soll, dass das Schwanenhaus den Nazis in die Hände fällt... Die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben. Manche von ihnen sind jedoch etwas zu schwarz-weiß gezeichnet. Mona ist ein Gutmensch. Ihre Großzügigkeit gegenüber ihren Mitmenschen, die es nicht so gut getroffen haben, war auch einer der Trennungsgründe zwischen ihr und ihrem Freund. Als sie jedoch selbst an Geld kommt, melden sich alte Freunde und auch die eigene Familie, zu der sie kaum mehr Kontakt hatte. Für ihre Eltern und Geschwister war Mona immer das schwarze Schaf der Familie, doch der reiche Geldsegen in Form des Schwanenhauses, lassen sie das sehr schnell vergessen. Während Mona mit allerlei Forderungen konfrontiert wird, zerbricht sie sich vielmehr den Kopf, ob ihr Erbe überhaupt gerechtfertig und moralisch vertretbar ist..... Sabine ist das komplette Gegenteil von Mona. Geldgierig und kompromisslos. Ich fand sie etwas sehr überzeichnet und klischeehaft. Mirjam und Klara sind seit iher Kindheit befreundet, doch ihre Freundschaft wird durch die aufkommende antisemistische Stimmung immer schwieriger. Die Roths sind eine gebildete Familie, die das Unheil kommen sehen und Vorkehrungen treffen. Mirjam ist ein liebenswertes Mädchen. Ihr Schicksal hat mich sehr berührt. Nach "Die Vergessenen" widmet sich Ellen Sandberg einem weiteren dunklen Kapitel der deutschen Geschichte. Es geht um die Enteignung der Juden während des Nationalsozialismus und um die Entschädigungen der Überlebenden und ihrer Nachkommen, die oft noch bis in die Gegenwart ein Streitthema sind. Der Vergangenheitsstrang hat mir sehr gut gefallen. Der Gegenwartsstrang war mir manchmal etwas zu überzogen und manche Verhaltensweisen kratzten arg an der Glaubwürdigkeit. Hier kam wohl die Krimiautorin Inge Löhnig durch ;) Schon im letzen Roman waren die vorherrschenden Themen Neid, Moral, Rachsucht, Eifersucht und Verrat, die wir auch in "Das Erbe" wiederfinden. Die menschlichen Abgründe hinter der Fassade zeigt Ellen Sandberg auch diesmal wieder grandios auf. Der Spannungsbogen steigt bis zum Ende hin immer mehr an und bringt noch die eine oder andere unerwartete Überraschung. Fazit: Für mich war "Das Erbe" nicht so gut, wie "Die Vergessenen", aber besser als "Der Verrat". Ein spannender Roman über ein weiteres dunkles Kapitel deutscher Vergangenheit, dessen Vergangenheitsstrang mich mehr packen konnte, als die beiden in der Gegenwart. Und es bleibt auch hier die Frage: Wie hätte ich wohl gehandelt?

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„Das Erbe“ ist nach „Die Vergessenen“ und „Der Verrat“ bereits der dritte Roman, den Inge Löhnig unter dem Pseudonym Ellen Sandberg schreibt. Sowohl die Romane als auch die Krimis sind für mich meistens ein Garant, dass ich fünf Sterne vergeben werde. Auch bei dieser neuen Veröffentlichung war ich schon nach wenigen Seiten mitten im Geschehen. Erzählt werden zunächst einmal drei Handlungsstränge. Sabine ist eine Person, die jedes Vorurteil gegenüber Hartz IV Beziehern erfüllt. Arbeit hält sie finanziell für unrentabel. Wenn sie einen neuen Kühlschrank braucht, stellt sie einfach einen Antrag beim Amt. Sie träumt gerne von teuren Kreuzfahrten und Luxuswagen. Als sie auf Ungereimtheiten in ihrem Stammbaum stößt, wittert sie eine Chance um an Geld zukommen. Ein komplett gegensätzlicher Charakter ist Mona. Sie ist rücksichtsvoll und hilfsbereit. Jederzeit versucht sie sozial Schwächere zu unterstützen. Von ihrer Familie wird sie gnadenlos gemobbt und ausgenutzt. Als sie eine überraschende Erbschaft macht und plötzlich zur Millionärin wird, kann sie sich vor Schmarotzern kaum noch retten. Parallel dazu erfahren wir noch die Geschichte von Monas Tante Klara, die in den 30er Jahren eine jüdische Schulfreundin hatte. Verrat und Lügen nehmen ihren Lauf und sollen Klara ihr ganzes Leben lang begleiten. Von Zwangsenteignungen und Denunziationen hat man schon öfters gelesen, trotzdem ist das Unrecht, dass der Familie Roth angetan wurde, nicht weniger ungeheuerlich. Ellen Sandberg verstrickt sehr geschickt die Schicksale mehrerer Familien über Generationen hinweg. Dafür verdient sie mein volles Lob. Wir reden hier nicht nur von zwei Personen. Es geht um eine Vielzahl von Menschen. Neben den erwähnten Charakteren spielen auch noch Sabines Oma, ihr Vater und Monas neue Bekanntschaft Tim eine Rolle. Ich fand es wirklich faszinierend, wie sich all das im Verlauf der Handlung zu einem großen Ganzen zusammengefügt hat. Man konsumiert hier nicht nur, sondern das Hirn wird aktiv beim Lesen gefordert. An manchen Stellen habe ich sogar nochmal zurückgeblättert um Abschnitte ein weiteres Mal zu lesen. „Das Erbe“ regt in jedem Fall zum Nachdenken an. Wie würde man sich selber in einer solchen Situation verhalten? Ich konnte Monas Zerrissenheit gut nachempfinden. Es gab jedoch eine Sache, die mich so sehr gestört hat, dass ich letztendlich deswegen einen Stern abgezogen habe. Bis auf Monas Freunde sind alle Charaktere einfach nur furchtbar. Damit meine ich nicht nur unsympathisch, denn die Personen sind allesamt dermaßen geldgierige Raffzähne, dass man nur die Hand vor Augen schlagen kann. Mir hat es wirklich leid getan, wie Mona permanent ausgenutzt wurde und wie skrupellos und selbstverständlich diese Menschen große Mengen Geld von ihr fordern. Ich fand die Häufung dieser materiell eingestellten Personen sowie die Darstellung der Hartz IV Empfänger schon sehr überspitzt und schubladenmäßig. Gleichzeitig könnte ich mir auch vorstellen, dass mit diesen Charakterisierungen der Gesellschaft ein wenig der Spiegel vors Gesicht gehalten werden soll. Ein nettes Easter-Egg war, dass auch Kommissar Dühnfort einen kurzen Gastauftritt hatte. Zusammenfassend kann ich sagen, dass auch dies wieder ein sehr fesselnder Roman war, auch wenn er nicht ganz an seine Vorgänger herankommt. Ich halte die Autorin für sehr talentiert und bin gespannt, was sie sich als nächstes einfallen lässt.

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Empfehlenswert

Von: Darja Maibach

14.02.2020

Der Roman ist sehr spannend geschrieben. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, leicht zu lesen und dennoch Spannung aufbauend. Auch die Geschichte selbst ist interessant, besonders durch durch die verschiedenen Erzählebenen. Es wird einerseits aus der Zeit vor Kriegsbeginn berichtet und andererseits von der heutigen Zeit. So erlebt der Leser oder die Leserin verschiedene Perspektiven, verschiedene Zeiten und verschiedene Geschichten, die endlich zu einer zusammenlaufen. Einen Minuspunkt gibt es von mir, da einiges in der Heutezeit etwas klischeehaft dargestellt wird und besonders Monas Schwester sehr überspitzt dargestellt wird.

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