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Rezensionen zu
Unsichtbare Frauen

Caroline Criado-Perez

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€ 15,00 [D] inkl. MwSt. | € 15,50 [A] | CHF 21,90* (* empf. VK-Preis)

Ich bin jetzt seit über einem Jahr wütend. Oder vielmehr: noch wütender als zuvor, was die systemische Benachteiligung von Frauen angeht. Vor über einem Jahr habe ich nämlich „Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez gelesen und konnte vor Empörung und Zorn abends kaum einschlafen. Ich dachte wirklich, wir wären weiter. Ich dachte, wir wären gleichberechtigter – zumindest in modernen, westlichen Staaten. Sind wir aber nicht. Und das ist kein feministisches Dramatisieren einer gefühltes Situation. In diesem Buch stehen nichts als Fakten. Belegt, nachgewiesen, traurige Wahrheit. Eigentlich wollte ich aus dieser Wut heraus meine Rezension schreiben und jedem Menschen dieses Buch so lange vor den Kopf hauen, bis sie oder er es liest. Ich war bereit für einen Aufschrei. Und dann kam die Pandemie, und ich hatte Sorge, dass dieses Buch und meine Empörung davon verschluckt werden. Weil plötzlich ganz andere Themen relevant waren und eine Autorin, die Diskriminierung durch fehlende Daten über Frauen anprangert, durch Corona an die Wand gedrängt würden. Ich wollte warten, bis die so wichtigen Aussagen dieses Buches wieder bedeutsam werden würden. Und siehe da: Sie sind es! Sie waren es sogar die ganze Zeit! Gerade die Pandemie hat entblößt, dass in der Welt der Daten, Regeln und Standards das Maß noch immer cis-männlich ist. Aber der Reihe nach. Criado-Perez, Journalistin und feministische Aktivistin, zeigt in „Unsichtbare Frauen“, nach Themen wie z.B. Medizin, Arbeitsplatz, Design etc. sortiert, wie das Nichtvorhandensein bzw. das Nichtanwenden von Daten Frauen auf der ganzen Welt nicht nur das Leben schwerer macht und zu Ungerechtigkeit auf allen Ebenen führt – finanziell, gesundheitlich, alltäglich – sondern Frauen sogar in Lebensgefahr bringt. Ob es um Arbeitskleidung geht, um Städteplanung, um Verkehr, Produktdesign, Medikamente u.v.m. geht – Daten werden über Frauen entweder gar nicht erst gesammelt oder nur in nicht ausreichendem Maße. Und liegen sie vor, fallen sie gerne mal unter den Tisch. Wusstet ihr z.B., dass Studien zu Medikamenten oft nur Daten über Frauen mit einbeziehen, deren Körper sich in ihrem hormonellen Zyklus gerade in einem Stadium befinden, wo sie Männern am ähnlichsten sind? Frauen in Studien an verschiedenen Stellen ihres Zyklus mit einfließen zu lassen, wäre nämlich aufwendiger und teurer und würde – wie lästig – wohlmöglich zu komplizierteren Ergebnissen führen. Möglicherweise müsste man dann die Dosierung eines Medikaments für Frauen und Männer (von trans und nicht-binären Menschen mal ganz abgesehen) unterschiedlich ansetzen oder die Medikamente anpassen – wo kämen wir da denn hin?! (Entschuldigt meinen Sarkasmus, aber mir kommt gerade wieder die Galle hoch). Mit anderen Worten: Medizin richtet sich dominant an cis-Männern aus – und das gilt nicht nur für Medikamente sondern auch für Richtwerte. Dass Frauenkörper anders reagieren? Dass eine falsche Dosierung, eine falsche Einordnung von Symptomen Frauen unter Umständen gar nicht hilft sondern im Gegenteil sogar schaden kann, ist nach den Daten in diesem Buch eine erwiesene Tatsache. Und kommt uns das Thema nicht bekannt vor? Wir befinden uns in einer Pandemie. Und es ist großartig, dass es schon Impfstoffe gibt (DANKE, Wissenschaft!), von denen ich es gar nicht abwarten kann, dass einer davon es endlich in meinen Arm schafft! (Ehrlich jetzt, her damit!) Allerdings deutet sich an, dass Frauen und Männer verschieden auf das Virus und auf die Impfstoffe reagieren. Möglicherweise ist auch der längerfristige Krankheitsverlauf ein anderer. Und jetzt bin ich mal gespannt, ob tatsächlich Studien folgen, die gleichberechtigt durchgeführt werden, um daraus auch geschlechterspezifische Therapien abzuleiten. Oder ob der Standard männlich bleibt, wie von Criado-Perez aufgezeigt – und ob Frauen bei bestimmten Impfungen, Medikamenten oder Therapien im besten Fall dann einfach außen vor bleiben, anstatt dass diese angepasst werden. Man(n) wird sehen. Ein weiteres Thema, das gerade brennt: Die sogenannte Care-Arbeit. Das sind all die vielen Stunden, die Frauen in die unentgeltliche Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Familienmitgliedern stecken, von der tatsächlichen Körperpflege angefangen bis zu „Taxifahrten“, Erledigungen, sozialem Kontakt und und und. Für diese Care-Arbeit gibt es – wenn überhaupt – nur in sehr reduziertem Maße Bezahlung (z.B. Elterngeld) oder Sozialleistungen. Für eine finanzielle Gleichstellung zwischen den Geschlechtern oder gar für eine sichere Altersvorsorge ist das eine Katastrophe – gar nicht zu reden von den Schwierigkeiten, nach jahrelangem Berufsausstieg wegen Kindererziehung oder Altenbetreuung wieder in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Auch hier ist Corona ein saftiger Beleg für Criado-Perez‘ Behauptungen: Wir wissen jetzt schon, dass Frauen die Benachteiligten dieser Pandemie sind. Sie sind gefährdeter, da sie in Pflegeberufen, Einzelhandel und Lehre übermäßig stark vertreten und somit an vorderster Ansteckungsfront unterwegs sind. Wo sie in der Regel auch noch weniger verdienen. Es sind die Frauen, die zuhause hauptsächlich den Spagat zwischen Home Office und Home Schooling stemmen oder gar ihren Job ganz drangeben – weil die Männer in der Regel mehr verdienen und in Vollzeit arbeiten. Und jetzt warten wir doch mal ab, ob hier konsequent Daten erhoben werden, die auch und gerade die Last von Frauen während der Pandemie untersucht – und ob aus diesen wirklich Konsequenzen folgen werden wie bessere Bezahlung, andere Betreuungsmodelle oder gar eine tatsächliche Entlohnung und soziale Absicherung für Care Arbeit. Ob es beim Applaus und Self-Care-Ratschlägen für ausgebrannte Mütter bleibt, oder ob die Datenlage tatsächlich fair erhoben und genutzt wird. Ich könnte dranbleiben mit meinem wütenden Geschnaube. Ich könnte hier auch weiter aus dem Buch erzählen, von fehlenden öffentlichen Toiletten, die hierzulande nur eine ärgerliche Unannehmlichkeit sind, für Frauen in anderen Ländern aber das Risiko einer Vergewaltigung in die Höhe treiben. Von Bushaltestellen, die in Sachen Platzierung und Beleuchtung die Sicherheitslage von Frauen außer acht lassen. Von Regularien, die im Beruf stillende Mütter außer Acht lassen und ihren Job gefährden. Von Städteplanern, die Fahrstrecken zur und von der Arbeit für Männer kurz und für Frauen, die auf dem Weg noch an der Schule, an einer Apotheke oder im Supermarkt vorbeimüssen, zu zeitraubenden Irrgärten und langen Umwegen machen. Von Studien zur Arbeitssicherheit und Berufskrankheiten, wo frauenspezifische Probleme und gesundheitliche Folgen zu wenig Beachtung finden, z.B. im Friseurberuf durch Belastung mit Chemikalien. Ich könnte hier rumpredigen. Aber ihr könnt das Buch auch einfach kaufen und selbst lesen. Und wie sehr wünsche ich mir, dass auch Männer das tun! Es geht ja schließlich nicht um ein „wir gegen die“. Es geht um gleiche Behandlung für alle! Am Buch selbst gibt es wenig zu kritisieren. Ich habe verfolgt, wie Criado-Perez vorgeworfen wurde, dass sie sehr binär vorgeht und alle weiteren Geschlechter-Varianten außer Acht lässt. Und da haben die Kritiker recht: trans Menschen, intersexuelle Personen, nicht-binäre Menschen werden im Buch nicht thematisiert. Und für gerade diese Gruppen gilt das gender data gap noch viel mehr. Über sie werden so gut wie gar keine Daten erhoben. Vielleicht geht die Autorin in einer neuen Auflage ja mal auf diese Kritik ein? Fände ich gut. Dann gibt es die Kritik, dass Criado-Perez die Gleichstellung von Frauen vor allem an ihrer Leistung für das BIP festmacht. Dass es um eine Ebenbürtigkeit im kapitalistischen Leistungssinne geht, und nicht um Erfolg, der sich an anderen Faktoren festmacht. Ja, da ist was dran. Aber Criado-Perez zeigt auch viele andere Themenkreise auf. Und ich finde, wir wären wirklich schon mal weiter, wenn es für jeden, egal welchen Geschlechts, die eigene Entscheidung bliebe (und nicht eine Entscheidung anhand der unfairen Umstände), was, wann, wieviel und ob man überhaupt arbeitet – mit den gleichen Konsequenzen für alle. Wenn dann irgendwann auch noch persönliches Glück und Wohlbefinden zu datenmäßig belegtem und gefördertem Erfolg werden, und zwar für alle – dann befinden wir uns im Paradies. Das nehme ich dann gerne. Bis dahin wär’s schon schön, wenn das Datengap mich wenigstens nicht umbringt. Fazit: Lesen! Das hier ist kein Emanzen-Aufschrei. Das ist eine erschütternde, belegte, aufrüttelnde Beweisauflistung für die Tatsache, dass Frauen in eine systematische und systemische Datenlücke fallen, die sie benachteiligt und sogar gefährdet. Und zwar weltweit. Der Standard, so erfahren wir hier konkret, ist immer noch männlich. Das muss sich ändern! Dringend. Sofort. Und gerade jetzt! Criado-Perez erschlägt uns mit Zahlen, Daten, Fakten. Das ist keine lockere Unterhaltungslektüre. Und abends vor dem Schlafengehen ist das auch nicht gut für den Blutdruck. Aber es ist wichtig und gerade aufgrund der erschlagenden Fakten so überzeugend und Augen öffnend.

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Women‘s Rights are Human Rights • “Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado Perez zeigt anhand zahlreicher Studien auf, dass das Fehlen der weiblichen Perspektive eine unabsichtliche Verzerrung unserer Lebensweise zugunsten der Männer befördert, die sich selbst als »geschlechterneutral« begreift. Das Buch ist ein absolutes Must-Read (5+/5 ⭐️), wobei ich auch sagen muss, dass es keine leichte Kost ist. Ich habe es über mehrere Monate gelesen, da mich die gesammelte Bandbreite dermaßen frustriert hat, dass ich immer wieder pausieren musste. Es hat zu zahlreiche Diskussionen mit Mitmenschen angeregt. Auch wenn einem als Frau die eigene Benachteiligung allgemein bewusst ist, so haben mich manche Beispiele doch schockiert. „Alltägliche Folgen können relativ gering ausfallen, etwa wenn Frauen frieren, weil die Temperaturnormen in Büros an den Bedürfnissen von Männern ausgerichtet sind, oder wenn sie ein Regal nicht erreichen können, das gemäß der Norm nach männlicher Körpergröße gebaut wurde. Gewiss, solche Dinge nerven. Und sind zweifellos ungerecht. Aber sie sind nicht lebensbedrohlich – anders als bei einem Unfall mit einem Auto, dessen Sicherheitsvorrichtungen weibliche Körpermaße nicht berücksichtigen. Anders als bei einem unerkannten Herzinfarkt einer Frau, dessen Symptome als »untypisch« gelten. Für Frauen in diesen Situationen kann das Leben in einer Welt, die auf männerbezogenen Daten basiert, tödliche Folgen haben. Eine der wichtigsten Feststellungen über die Gender Data Gap ist, dass sie keine bösen Absichten verfolgt oder auch nur bewusst erzeugt wurde. Im Gegenteil. Sie ist schlicht und einfach Ergebnis eines Denkens, das seit Jahrtausenden vorherrscht. Männer sind die unausgesprochene Selbstverständlichkeit, über Frauen wird nicht geredet. Wenn wir »Mensch« sagen, meinen wir meistens den Mann.“ „Die Folge dieser zutiefst männlich dominierten Kultur ist, dass männliche Erfahrungen und Perspektiven als universell angesehen werden, während weibliche Erfahrungen – also die Erfahrungen der Hälfte der Weltbevölkerung – als Randerscheinung wahrgenommen werden.“

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Auf dieses Buch bin ich in einer Zeitschrift aufmerksam geworden und wollte es einfach mal lesen. Der Klappentext gibt genau das wieder was man in diesem Buch findet. Faszinierend wie sich die Welt verändert, wenn man die Verschiedenheit von Männern und Frauen beachtet. Allein das erste Beispiel anhand der Schneeräumung. Es ist faszinierend, was mit ein paar Kleinigkeiten, die man ändern könnte, alles ins Rollen kommt. In diesem Buch waren einige Themen aufgegriffen über die ich mir nie Gedanken gemacht habe. Sehr viele Informationen, sehr viel Neues gelernt. Mit jedem Kapital war ich geschockt, wie wenige ich eigentlich weiß. Als Beispiel nicht jeder hat eine Sanitäranlage in eine Wohnung. Dabei spreche ich nicht über die "dritte Welt Länder", nein als Beispiel wird Mumbai angegeben. Nichts was mal einfach mal so lesen kann, ich habe dafür über 1 Monat gebraucht. Obwohl ich täglich darin gelesen habe. Durch dieses Buch habe ich viel gelernt. Neben einiges Fachbegriffen, habe ich auch mit vielen Freunden darüber geredet, was ich in diesem Buch erfahren habe und werde mit mehr offenen Augen durch die Welt gehen.

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Meine Perspektive auf die Welt hat sich so verändert durch dieses Buch. Ich bin innerlich so erschüttert und gleichzeitig bin ich so wütend, aber auch so motiviert. Es ist so erleuchtend und gleichzeitig so unfassbar ernüchternd. Lesen!

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Phantastisch! Bitte lesen!

Von: Sfbhh aus München

05.12.2020

Das neue feministische Standardwerk kann man kaum zusammenfassen.. ein Feuerwerk an Fakten und Beweisen für alles, was Sie immer schon gewusst haben aber nie belegen konnten. Hier finden Sie die Antworten, die sie immer schon geben wollten, wenn mal wieder behauptet wurde, die Gleichstellung sei längst erreicht. Dieses Buch lesen Sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Bitte korrigieren auf Seite 271: thalidomid wurde unter dem Handelsnamen „Contergan“ vertrieben, es hieß nie „Methadon“.

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„Kann Schneeräumen sexistisch sein?“ Was auf den ersten Blick wie ein Witz klingt, passierte tatsächlich in der schwedischen Stadt Karlskoga. Denn dort sollte die Stadtpolitik unter der „Genderbrille“ neu betrachtet werden. Was also kann beim Schneeräumen schon falsch sein, wenn jahrzehntelang zuerst Straßen und erst danach Radwege und Fußwege vom Schnee befreit werden. Es stellte sich nämlich heraus, dass es meist Frauen sind, die die ungeräumten Verkehrswege benutzen mussten auf ihren vielen Wegen, nicht nur zur Arbeit, sondern auch um Kinder zu bringen, zu holen, Einkäufe zu tätigen, Nachbarschaftshilfe zu leisten…, während sich der Großteil der Männer in deren bequemen 4x4 Fahrzeugen auf den schneefreien Straßen bequem ausschließlich zur Arbeit und wieder nach Hause zu kutschieren. Dies ist eines der vielen Beispiele, welches die britische Autorin und Journalistin Caroline Criado-Perez in ihrem Buch „Unsichtbare Frauen“ aufzählt, um Datenlücken aufzuzeigen, wenn Daten nicht geschlechtsspezifisch erhoben und ausgewertet werden. Das generische Maskulinum wird tatsächlich immer noch vorwiegend maskulin interpretiert denn generisch: „Männlich bis zum Beweis des Gegenteils“. In Führungspositionen – politisch, technisch, wirtschaftlich - sind heute immer noch vorwiegend Männer. Männer die nicht konfrontiert sind mit Ausgrenzung, physischer und/oder sexueller Übergriffe und Gewalt. Die abwiegeln, was sie nicht selbst erlebt haben (können). Es braucht Frauen, die in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, um Frauen sichtbar zu machen! Es sind vor allem drei Themen, die wieder und wieder in dem Buch genannt werden: Der weibliche Körper, die von Frauen geleistete, unbezahlte „Care“-Arbeit und Gewalt von Männern an Frauen. Dabei geht es nicht nur um First World Problems, ob eine Frauenhand groß genug ist für ein modernes Smartphone. Oder Spracherkennungssoftware, die nur auf männliche Stimmen anspricht. Und es geht nicht nur um gutsituierte, ausgebildete, ausreichend bezahlte Frauen unserer Wohlstandsgesellschaft, die bei kulturellen Events die Schlange vor dem Damen-WC monieren könnten. Es geht um Frauen weltweit, auch und vor allem aus Drittweltländern, Migrantinnen, die unterprivilegiert, schlecht bezahlt, unsichtbar sind. Der Zugang zu sichern Toiletten für Frauen und Mädchen ist vielleicht für uns selbstverständlich. Ganz anders sieht es beispielsweise in Indien aus, wo sich tausende Frauen in den Slums ein Waschhaus teilen müssen. Oder wenn mexikanische Erntehelferinnen lieber Dehydrierung in Kauf nehmen und keine Flüssigkeit zu sich nehmen, weil sie keine Möglichkeit habe sich während der Arbeit zu erleichtern. Arbeitsmittel und -kleidung - für Männer konzipiert, wie beispielsweise Overalls oder Schuhe, die nicht an Frauenfüße passen. Es sind nicht die Frauen, die sich an diese Dinge anpassen sollten, sondern die Dinge an Frauen. Und ist es nicht ein Hohn, dass es in afrikanischen Ländern Fortbildungskurse für Frauen gibt, die in Sprache und Schrift unterrichtet werden, die diese Frauen nie die Möglichkeit hatten zu erlernen. Die Apple Health App soll ein umfassendes Tool für Gesundheitsdaten sein, doch die Erfassung des Menstruationszyklus fehlt. Crash Test Dummies sind männlich, das „weibliche“ Modell ist schlicht kleiner, und wird nur am Beifahrersitz getestet . Teilnehmerinnen an medizinischen Studien? – Vorwiegend männlich. Medikamente, die aufgrund der hormonellen und sonstigen physischen Gegebenheiten einer Frau bei Frauen wirken könnten, kommen nicht zur Anwendung, weil bei Männern eine erfolgreiche Testung ausblieb. „Na no na net!“, fällt mir dazu nur ein. Erst langsam spricht es sich herum, dass sich bei einem Herzinfarkt die Symptome bei Mann und Frau unterscheiden. Entsprechende Datenerhebungen und -auswertungen können also nicht nur das Leben von Frauen deutlich erleichtern, sie können auch das Leben von Frauen retten. Einziger kleiner Kritikpunkt an diesem Buch: mir scheint eine gendergerechte Sprache nicht immer eindeutig und konsequent. Mal Binnen-I, mal *, manches Mal war ich nicht sicher, ob eine männliche Form gewünscht war oder dem tatsächlich dem generischen Maskulinum geopfert wurde. Das mag auch ein Problem der Übersetzung sein, sollte aber gerade bei diesem Buch sehr sensibel geprüft werden. „Wenn Frauen in der Forschung und Wissensproduktion beteiligt sind, werden Frauen nicht vergessen. Die Leben und Perspektiven von Frauen werden sichtbar. Davon profitieren Frauen auf der ganzen Welt… Es stellt sich heraus, dass wir die Lösung die ganze Zeit vor Augen hatten. „Man“ muss nur die Frauen fragen.“

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Mehr als gut gelungen

Von: Cel83

02.09.2020

Mich hat das Buch sehr angesprochen und fasziniert. ich habe es mit großem Interesse gelesen und kann es nur jedem empfehlen auch zu lesen.

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Zwischen Faszination und unbändiger Wut

Von: wort.bildung

12.08.2020

🤯, kurz gesagt. Selten hat mich ein Buch so sehr gefordert, und das gleich auf zwei Ebenen: intellektuell wie emotional. Zwischen Faszination und unbändiger Wut. In sechs verschiedenen Teilen und mit über 1300 (!) Fußnoten auf nur gut 400 Seiten beschreibt die Autorin, wie sexistisch unsere Welt im Grunde ist. Und wo. Spoiler alert: In allen erdenklichen Bereichen unseres Lebens. Dabei geht es nicht um den plumpen Alltagssexismus, der vielen Frauen tagtäglich widerfährt. Und schlimm genug ist! Der Teufel liegt (leider) im Detail. Warum bedeutet Geschlechterneutralität nicht gleich Geschlechtergerechtigkeit? Warum sind Menschenrechte nicht gleich Frauenrechte? Ja, warum eigentlich? Die Antworten lägen so nah, wenn man Frauen nur eine Stimme geben würde. Wenn Frauen ihre Perspektiven bedingungslos mitteilen dürften. Wenn wir unsere von Daten (und dem Penis) beherrschte Welt immer auch auf die Lebenswelt der Frauen beziehen würden. Aller Frauen. Denn das Geschlecht bestimmt tatsächlich mit, welche Fragen wir stellen. Und welche Antworten wir bekommen. Puh, manchmal wünschte ich, ich wüsste weniger…

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