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Rezensionen zu
Frühling

Ali Smith

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vivunt spe

Von: Ingeborg Rosen

24.05.2021

„Erzählstrategie und Wirklichkeit“, diese Dichotomie, die scheinbar ganz en passant von der Drehbuchschreiberin Paddy benannt wird, scheint mir wie programmatisch für den „Frühling“, aus dem starren Frost keimt das bewegliche Leben, aus Verzweiflung wächst Hoffnung, gehören jeweils zusammen und bedingen einander. Wer sich zu Beginn des Romans durch die Seiten von Hassmails der übelsten Sorte gekämpft hat - ein Spiegelbild der noch vor dem vollzogenen Brexit 2018 bestehenden Spannungen - wird im Folgenden von einer Geschichte, in der die Hoffnung wie die Knospen im Frühling keimen, belohnt. Richard, Filmregisseur, trauert um seine langjährige Seelenfreundin/Drehbuchautorin Paddy. Ausgehend von der Idee der gleichzeitigen Präsenz von Rainer Maria Rilke und Katherine Mansfield soll ein Film über deren (mögliches) Zusammentreffen entstehen, Ausgangsidee - wie wiederholt aufgegriffen - ist eine Postkarte, die möglichweise geschrieben wird. Diese schöne Idee wird im wahrsten Sinne des Wortes vom groben Szenario des “neuen” Drehbuchautors kaputtgeschrieben. Ganz grossartig, wie virtuos Ali Smith das “schlechte Schreiben” beherrscht! Brittany, Security-Angestellte in einem Flüchtlingszentrum, aber, so erscheint es, auch in der Auswegslosigkeit ihres Lebens gefangen. Die Handlung entwickelt sich in zwei Strängen, dem von Richard/Paddy und dem von Brittany, an deren beider Tiefpunkt kunstvoll zusammengeführt durch die Person der 12jährigen Florence. Von ihr wird zunächst berichtet, dass sie - wie auch immer - den Leiter des Flüchtlingszentrum überzeugt hat, alle Toiletten zu reinigen. Ob Florence eine Kunstfigur ist oder nicht, mögen die Leser entscheiden. Beglückend: der unerwartete Twist am Ende des Romans, verbunden mit der Erkenntnis, dass in jedem Fall mit festem Willen zur Durchsetzung alles (!) möglich sein kann.

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Der alternde Filmregisseur Richard Lease trauert um eine langjährige, kürzlich verstorbene Freundin und legt in seiner Verzweiflung den Kopf an einem kleinen Bahnhof in Schottland auf die Schienen. Gerettet wird er von Florence, einem zwölfjährigen Mädchen, das bereits wie durch ein Wunder seine Mutter aus einer Flüchtlingsunterkunft befreit hat und jetzt nach Schottland gefahren ist, begleitet von Brit, die eigentlich für den Sicherheitsdienst des Flüchtlingszentrums arbeitet. In dem schottischen Dorf treffen sie Alda, die für eine Untergrundorganisation arbeitet, die Flüchtlinge befreit, und die sie in ihrem Auto mitnimmt, was allerdings nicht lange gut gehen kann. Dieser Roman hat ganz unterschiedliche Teile und Themen, Smith kritisiert die Politik und speziell Migrationspolitik, thematisiert den Brexit, es geht aber auch um Popmusik, Kunst und Literatur, wie etwa den Dichter Rainer Maria Rilke und die Schriftstellerin Katherine Mansfield, um deren Affäre sich ein Filmprojekt von Richard drehen soll. Wer schon die anderen Bücher des Jahreszeitenquartetts gelesen hat, weiß, dass Smith es den Leser*innen nicht immer einfach macht, Frühling dagegen ist teilweise geradezu leicht, ab und zu kommt eine Roadtrip-Stimmung auf, es ist insgesamt wirklich schön zu lesen. Wie auch in den vorherigen Büchern schreibt Ali Smith sehr eigen, erschafft skurrile Charaktere und greift sich das Absurde, ist politisch und witzig, aber auch poetisch. Die Bücher sind wie zeitgenössische Kunst mit integrierter Gesellschaftskritik, definitiv ein besonderer Roman aus Großbritannien. Aus dem Englischen von Silvia Morawetz.

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Hoffnung

Von: Letteratura

19.04.2021

Hoffnung ist eins der Themen, die über Ali Smiths Roman „Frühling“, dem dritten Teil aus ihrem Jahreszeitenquartett, stehen. Hoffnung, dass das Kommende, in welcher Form auch immer, eine Verbesserung sein möge, dass nach dem Schlimmen, Düsteren, etwas Helleres, Schönes folge. Dafür steht auch die Jahreszeit: Der Frühling löst den kalten Winter ab, es entsteht neues Leben, mit Farbe, mit Wärme. Natürlich wird Ali Smith, die ich sehr verehre, dies nicht schematisch abarbeiten, sondern eher zwischen den Zeiten andeuten und generell uns Leser*innen überlassen, was wir aus ihrem Roman herauslesen. Smith erzählt in zwei zunächst einmal getrennten Erzählsträngen von ihren Protagonist*innen: Da ist zunächst Richard, ein Regisseur, der um seine gute Freundin Paddy trauert, die vor kurzem gestorben ist. Paddy war Drehbuchautorin und Richard und sie hatten sich über die Arbeit kennengelernt, nur kurz gab es dann die Möglichkeit, dass da mehr sein könnte zwischen ihnen. Stattdessen wurden sie enge Freunde. Richard erinnert sich nun an sie, an Stationen ihrer Freundschaft, an die letzte Zeit, in der sie schon sehr krank war, an das Verhalten ihrer Zwillingssöhne, die, selbst längst erwachsen, glaubten, Richard im Kontakt zu ihrer geschwächten Mutter in seine Schranken weisen zu müssen. Er denkt an ihre Gespräche über Rainer Maria Rilke und Kathrine Mansfield, die einst zur gleichen Zeit in einem Hotel in der Schweiz lebten, wobei niemand weiß, ob sie sich begegnet sind. Nun spürt er nur noch eine große Leere und sieht in seinem Leben keinen Sinn mehr. Zwischen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit gefangen, steigt er in einen Zug nach Norden mit der vagen Idee, allem ein Ende zu machen. Später lernen wir Brit kennen, die in einem Flüchtlingszentrum arbeitet. Dort verwaltet man im Prinzip nur noch den bestehenden Status Quo, und die diejenigen, die dort leben, haben wenig, auf das es sich für sie zu hoffen lohnt. Brit ist noch nicht so abgestumpft, wie ihre Kollegen, doch nur so scheint man die Arbeit dort ertragen zu können. Sie hat sich noch nicht daran gewöhnt, wie herablassend man die Inhaftierten behandelt, ist aber auch sehr pflichtbewusst. Doch eines Tages begegnet sie der 12-jährigen Florence, die es irgendwie schafft, bis zum Leiter der Einrichtung vorzudringen und ihn damit zu konfrontieren, wie schlecht die Bedingungen im Zentrum sind und ihn davon zu überzeugen, die Toiletten reinigen zu lassen. Florence überredet schließlich Brit, mit ihr nach Schottland zu fahren. Dieses 12-jährige Mädchen ist so etwas wie jemand aus einer anderen Welt, was für mich auch erklärt, dass sie in ihrem Auftreten und ihrem Reden ihrem Alter voraus zu sein scheint. Florence ist freundlich, selbstbewusst und stoisch und offenbar voller Glauben an das Gute im Menschen, den all die anderen schon verloren zu haben scheinen. Ein bisschen entrückt kommt sie daher und wirbelt mit ihrer starken Präsenz alles durcheinander. Ali Smith schafft es wieder einmal, ihre Themen sehr gekonnt und organisch miteinander zu verknüpfen: Der zur Zeit der Geschichte noch drohende Brexit, der Umgang mit Flüchtlingen, überhaupt die sich so schnell veränderte Welt, all das ist im Hintergrund auch immer dann spürbar, wenn es gerade nicht Teil der Handlung ist. Aber vor allem sind es ihre Figuren, die mich wieder einmal überzeugt haben. Smith weckt sie souverän mit wenigen Sätzen zum Leben, wie immer schafft sie mehrdimensionale Charaktere, die schnell hineinziehen in die Geschichte. Die Dialoge sind klug und auf den Punkt, während an anderer Stelle alles unkonkret wird und man als Leser*in die Wahl hat, wie man die Fragen, die sich während der Lektüre stellen, beantworten möchte. „Frühling“ ist kreativ und unerwartet. Wie so oft bei Ali Smith sind es also auch wieder in „Frühling“ Suchende, Fragende und Unglückliche, die im Zentrum der Geschichte stehen. Und wie immer kommt das alles einerseits sehr leichtfüßig daher, was aber auf der anderen Seite zur Folge hat, dass das Schwere dann nur umso mehr trifft. Wie die beiden Vorgänger „Herbst“ und „Winter“ ist auch „Frühling“ wieder originell und klug, unterhaltsam und sehr menschenfreundlich und wie auch ihre anderen Romane sehr lesenswert. Im Juli wird bereits der abschließende Teil „Sommer“ bei Luchterhand auf Deutsch erscheinen, der es auch auf die Longlist für den Women’s Prize for Fiction 2021 geschafft hat.

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Ali Smith halte ich mittlerweile für eine der großartigstens englischspachigen AutorInnen. Gesllschaftlich und politisch aktuell, überraschend, sprachlich gewitzt und versiert, und stilistisch frisch, hält sie ihren LeserInnen den Spiegel vor. Kommentarlos, ohne Anklage. Denken darf jede/r selber. Ihre kurzen Skizzen sind aussagekräftiger als viele politische Artikel. Dazu schafft sie ihre ganz eigene Poesie, die sie ab und an in ihren Romanen freilässt. Wenige AutorInnen gewähren eine so freundliche Teilhabe am Leben der Anderen wie Ali Smith. Sie benötigt dazu nicht viele Worte, kleine Einschübe, Szenen hier und da und die Persönlichkeit ihrer Protagonisten wird deutlich. Ihr Jahreszeitenzyklus ist im Frühling angelangt. Der ausstehende Sommer ist im Original bereits erschienen. Steht in deutscher Übersetzung aber noch aus. Frühling erzählt, mittels einer Prise Magischen Realismus, von den geduldeten Zuständen in den britischen Auffanglagern, von einem Mann der glaubt nichts mehr zu verlieren zu haben und einem Kind das zeigt, dass der „Kaiser nackt ist“ und sich unsichtbar machen kann. Immer wieder blitzt das Prinzip Hoffnung auf, die vielen kleinen Schritte die nötig sind, um unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen. Bereits auf den ersten drei Seiten dieses Romans schildert die schottische Schrifstellerin die Mechanismen, Profiteure und Unterstützer des Populismus. Gnadenlos pointiert und nachvollziehbar in ihrer Widerwärtigkeit. „Wir wollen die Not. Wir brauchen das Elend.“ Dabei liest sich ein Roman, so auch dieser aktuelle von ihr, weg wie nichts. Fluffigwolkig, inhaltsvoll und trotz der Brutalität der Themen immer wieder vergnüglich. Von mir eine ganz klare Leseempfehlung und den Dodo- Award für großartige Literatur.

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Grandios!

Von: Frederike

09.04.2021

„Und falls du vor mir stirbst, werde ich die ganze Zeit, die ich ohne dich lebe, durch die verschiedenen Zeitzonen der Welt reisen, damit ich auf diesem Planeten so viel Zeit wie möglich im Frühling verbringen und nach die suchen kann.“ (S. 106) Er bedeutet Verwandlung, Anfang, Wiederbelebung. Frühling bedeutet, dass etwas Neues beginnt, etwas Altes der Vergangenheit angehört und dass jeder, so unscheinbar man für sich allein gesehen auch sein mag, die Chance hat, etwas Großes, Bedeutendes anzustoßen. All diese Kraft, die vom Frühling ausgeht, scheint Richard, einem unbekannten Regisseur, der nach dem Tod seiner geliebten Freundin Paddy den vergangenen Zeiten nachtrauert, den Projekten, die sie gemeinsamen erarbeitet haben, komplett entsagt zu sein. Ziellos steigt er in einen Zug in King’s Cross und steigt auf einem abgelegenen Bahnsteig in Schottland einfach aus – immer in Gedanken bei den Wolken, die ihn seiner großen Liebe näherbringen. Und da ist auch Brit, die als Angestellte in einem Flüchtlingszentrum in London dem wundersamen Einbruch eines kleinen zwölfjährigen Mädchens, Florence, beiwohnt, dass es, ohne in jeglicher Weise aufzufallen, bis zum Leiter der Einrichtung schafft, um ihn dazu zu bringen, die Toiletten der Wohneinheiten – oder vielmehr, der Zellen – reinigen zu lassen und mit ihm über die Flüchtlingspolitik zu reden. Kurzerhand fahren die beiden gemeinsam in den Norden, um dort zufällig auf Richard zu treffen und ihrer aller Geschichten verschmelzen zu lassen. Der dritte Band des Jahreszeiten-Quartetts von Ali Smith wartet mit einer atemraubenden Atmosphäre auf, die die der beiden vorherigen Bände noch übertrifft. Düster, voller Trauer und Bedauern führt sie zunächst in das Leben von Richard Lease, einem Regisseur, ein. Er hängt mit seinen Gedanken noch immer in der Vergangenheit fest, als alles besser war, sowohl privat als auch beruflich. Er hat niemanden mehr, außer seine imaginäre Tochter, mit der er in Gedanken redet, die ihn aufzieht, wenn er mit der modernen Welt nicht zurechtkommt, kein gutes Haar an ihm zu lassen scheint. Und doch ist sie ihm eine ungemeine Stütze. Bereits in diesem ersten Abschnitt verflicht Ali Smith bravourös die Bedeutung der Werke von Katherine Mansfield und Rainer Maria Rilke, über deren vermeidliche Liaison Richard einen Film drehen sollte, mit gegenwärtigen Ereignissen: dem Verbreiten von Fake News und der damit verbundenen Aufforderung, zu hinterfragen, sich seines Verstandes zu bedienen. Aktueller erscheint der Erzählstrang, der Brit und Florence thematisiert: Als Mitarbeiterin des IRC, des Immigration Removal Centres, sieht Brit täglich die Kontroversen der vorherrschenden politischen Linie, die Auswirkungen des (damals) drohenden Brexit. Erst die Erscheinung der geisterhaften, nicht näher beschriebenen, sehr vage existierenden Florence weckt sie auf. Nicht zuletzt ihre Tagebucheinträge: detailliert hat das Schulmädchen Proklamationen, Zeitungsüberschriften, Revolten aufgeschrieben, die die Autorin immer wieder unwillkürlich in die fortlaufende Geschichte einschiebt, und zunächst im Satz und auch in Brit Verwirrung auslösen. Mit einem imponierenden Auge für Details, mit Sprachverständnis und stimmreifen Pointen verbindet Ali Smith die gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Ereignisse mit vergangener Literatur, mit Kunst, überlagert und radiert aus, um im Nachhinein auf Verständnis zu treffen, was auf den ersten Blick abwegig erschien. Mir gefällt, wie sie die Bedeutung des Frühlings, die Kraft der neuen Jahreszeit, auf all diese Aspekte übertragt, und sie in einem fröhlicheren, hoffnungsvolleren Licht erscheinen lasst. Insgesamt gefielen mir der Erzählstrang und die Protagonist:innen in „Winter“ besser, wirkte die Geschichte dort in sich gebündelter, während „Frühling“ durch kunsthistorische Referenzen und den starken und immens wichtigen, aufmerkenden Fokus auf die Flüchtlingspolitik im Vereinigten Königreich brilliert. Ali Smith schafft es wie keine Zweite, gesellschaftspolitische Kritik in leichtfüßige Erzählungen einzubinden, die im Gedächtnis bleiben und gleichzeitig moralische Diskussionen einfordern. Große Empfehlung!

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Ali Smith‘ Jahreszeitenquartett als Romane zu bezeichnen, wird diesen Büchern nicht gerecht. Es sind Chroniken, außergewöhnliche Belletristik, die von der Lage der Nation, von Strömungen und Stimmungen innerhalb der Gesellschaft berichten. Und ihre Aussagen sind, obwohl der Fokus auf Großbritannien liegt, dennoch übertragbar auch auf andere Länder. „Frühling“, die Zeit der Hoffnung auf Veränderung. Zwei Erzählstränge und vier Menschen bestimmen die Handlung, die sich aus vielen Vignetten zusammensetzt: Paddy, die witzige, intelligente Drehbuchautorin, deren Tod ihren Freund und Kollegen Richard im Innersten erschüttert, ihn sich, sein Tun und sein Leben komplett in Frage stellen lässt. Der ohne konkretes Ziel in einen Zug gen Norden steigt, um seinem Leben dort ein Ende zu setzen. Brit arbeitet seit kurzem für eine Sicherheitsfirma in einem sogenannten Durchgangszentrum für Asylbewerber nahe der englischen Hauptstadt, das längst seine ursprüngliche Funktion aufgegeben hat. Migranten werden in diesem völlig überfüllten Lager unter unmenschlichen Zuständen über lange Zeiträume interniert. Niemand interessiert sich für sie, für ihre Geschichte, die Gründe ihrer Flucht. Das Auftauchen der zwölfjährigen Florence setzt einen Prozess in Gang, gibt Denkanstöße. Sie überzeugt Brit, das Lager zu verlassen und mit ihr in einen Zug zu steigen. Nach Norden, wo sich ihr Weg mit dem von Richard kreuzen wird. Die Autorin betrachtet die politische Gegenwart durch die Augen einer Kunstschaffenden, stellt Bezüge her zwischen Gesellschaft und Werken aus Literatur und Malerei, veranschaulicht dies durch Analogien, schleift so auf den ersten Blick die Kanten ab, macht sie aber im genaueren Hinsehen um ein Vielfaches eindrücklicher. Poetisch, empathisch und äußerst kraftvoll erinnert sie uns daran, dass wir zwar nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe des Jahreslaufs sein mögen, aber dennoch die Möglichkeit haben, die Richtung zu bestimmen und Veränderungen einzuleiten.

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#werbung (Rezensionsexemplar) Ali Smith - Frühling In einer Welt die zerrüttet scheint, dem Untergang geweiht, braucht es manchmal ein 12 jähriges Mädchen wie Florence, das sich mutig und unvoreingenommen dem althergebrachten entgegenstellt. Oft war ich versucht sie mit Greta Thunberg zu vergleichen, oftmals verlacht und verspottet, ähnlich wie es Florence ergeht, aber doch auch den Frühling symbolisiert der den Aufbruch bringt. Dankbar bin ich auch auf die Verweise auf Rilke und Katherine Mansfield, deren Verbindung im Buch erklärt wird. “Wie sich die gestern noch stummen Räume der Erde vertonen, nun voller Singen und Summen: Rufen und Antwort will wohnen” (Rainer Maria Rilke) Wir lernen den erfolglosen Regisseur Richard der in Schottland auf einen Zug wartet, und Brit eine Angestellte eines Flüchtlings- und Abschiebezentrums kennen die den dortigen Umgang mit den Flüchtlingen und deren Lebensgeschichten nur stoisch ertragen kann und wir erleben ihre Begegnung mit Florence einem 12 jährigen mutigen Mädchen. Brit und Florence begeben sich zusammen auf eine Reise, in deren Verlauf sie auf Richard treffen. Richard selbst der kürzlich einen tragischen Verlust erlitten hat scheint jede Hoffnung verloren zu haben. Erst Florence ermöglicht Brit und auch Richard durch ihre Art die Dinge zu sehen neuen Lebensmut zu schöpfen. Es riecht nach Aufbruch. Es riecht nach Frühling. Wie schafft es ein 12-jähriges Mädchen, verkrustete Strukturen zu sprengen und allen die Augen zu öffnen? Ali Smith erzählt die unmögliche Geschichte einer unmöglichen Zeit und stößt in einer Welt, die zunehmend von Mauern und Schließungen geprägt ist, eine Tür auf. Frühling, die Zeit der Hoffnung. Frühling, die Kraft, die verbindet und wandelt. Ich halte schon Ausschau nach Frühlingsboten, (Katherine Mansfield) Ali Smith zeigt mit Frühling auf die Missstände dieser Welt, ihre Sprache ist klar und deutlich aber sogleich auch voller Poesie. Es sind Wahrheiten deren wir uns nur zu gerne entziehen, und gleichzeitig keimt wie im Frühling selbst Hoffnung auf. Kann aber nur durch das genaue hinschauen ermöglicht werden. Mich hat das Buch sehr bewegt und wird mich noch lange beschäftigen. Aber, ich glaube ähnlich wie Florence, oder alle Gretas dieser Welt es tun, an die Möglichkeit der Veränderung. „Hinschauen ist nämlich erst der Anfang von Verstehen, gerade mal das Äußere, die oberste Schicht allen Verstehens, sagt das Mädchen.“ Seite 170 „Nein, ich meine Revolution, sagt das Mädchen. Eine Umwälzung, wir wälzen uns in einen neuen Zustand.“ Seite 185 #frühling #alismith #spring #leilanis_books #bloggerportal @bloggerportal #luhcterhandverlag @luchterhand_verlag #bookworm #booklove #bibliophile #booknerd #bücherliebe #bookstagram #bookstagramgermany #rainermariarilke #katherinemansfield

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Endlich ist er da: „Frühling“, der dritte Teil des Jahreszeitenquartetts von Ali Smith. Mit großem Vergnügen habe ich schon die beiden Vorgänger „Herbst“ und „Winter“ gelesen und meine Erwartung an diesen dritten Teil wurde nicht enttäuscht. Der Titel passt so wunderbar zum Inhalt. Faszinierend! Wir lernen den unbekannten und erfolglosen Regisseur Richard, einen Mann mittleren Alters kennen, der in einem Bahnhof in Schottland sitzt und vergeblich auf den Zug wartet. Er schwelgt in traurigen Erinnerungen um Verlorenes und Vergangenes. Vor einigen Monaten hat er seine geliebte Freundin und Arbeitskollegin Paddy verloren und denkt unter anderem an ihr letztes Gespräch, in dem es um Rilke und um Katherine Mansfield ging, die beide ohne sich zu kennen gleichzeitig im selben Ort in der Schweiz gelebt haben. Richard ist verzweifelt und deprimiert. Er denkt darüber nach, sich das Leben zu nehmen. Dann begegnen wir Brit in ihrem heftigen und harten Berufsalltag in einem Flüchtlings- bzw. Abschiebezentrum in der Nähe von London. Sie ist dort noch nicht lange für den Sicherheitsdienst tätig und muss sich erst noch an den herablassenden Umgang mit den Flüchtlingen und an deren erschütternde Lebensgeschichten gewöhnen. Wir erleben mit, wie sie an ihrem Arbeitsplatz die 12-jährige Florence kennenlernt und sich von ihr überzeugen lässt, in einen Zug nach Schottland einzusteigen. Richard sitzt in Schottland im Bahnhof und will sich gerade vor den Zug legen und Brit und Florence sind auf dem Weg nach Schottland und kommen genau an diesem Bahnhof an. Wie man leicht ahnt, treffen die drei nun aufeinander. Wie sich das Aufeinandertreffen und die Bekanntschaft nun weiter entwickelt, erzähle ich natürlich nicht. Nur soviel: Florence ermöglicht mit ihrem jugendlichen Enthusiasmus und mit ihrer Beharrlichkeit Blicke hinter die Kulissen und ebnet damit den Weg für Veränderungen. Sie hat etwas Rebellisches und Stürmisches (wie der April) und widersetzt sich dem Althergebrachten. Etwas Neues keimt. Ein Neubeginn scheint möglich. Hoffnung und Lebendigkeit blitzen auf (wie im Frühling). Das Ende ist nicht vorhersehbar, interessant, schlüssig und stimmig. Wieder einmal überzeugte mich Ali Smith mit ihrem Talent, auf hohem literarischen Niveau zu unterhalten und gleichzeitig politische Sachverhalte aufzugreifen, bzw. unaufdringlich unterzubringen. „Frühling“ ist ein beeindruckender und besonderer Roman, der berührt und zum Nachdenken anregt. Sowohl die Gedanken Richards, als auch die Gespräche zwischen Brit und Florence animieren dazu, über das eigene Leben zu sinnieren. Ali Smith ist eine brillante und scharfsinnige Beobachterin. Sie experimentiert und spielt mit den Wörtern und Sätzen und schreibt kraftvoll, wortgewandt, anschaulich, ergreifend und poetisch. Ich empfehle den Roman und freue mich sehr auf den nächsten und zugleich letzten Band „Sommer“, der wohl im Juli 2021 im Luchterhand Verlag erscheinen wird.

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