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Rezensionen zu
Frühling

Ali Smith

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Der dritte Teil der Jahreszeiten Serie war für mich bisher der beste. In "Frühling" ist Ali Smiths gesellschaftskritischer Standpunkt anhand der Beispiele aus einem Abschiebezentrum sehr viel konkreter als zuvor. Die Elemente des scheinbar Übernatürlichen waren überraschend, aber ein netter Bonus. Die drei Charaktere treffen auf wunderliche Weise zusammen und auch wenn ich die individuellen Handlungsstränge mehr mochte, war es interresant alle zusammen zu sehen. Wie bereits bei den anderen Teilen zuvor ist Ali Smiths Schreibstil wunderschön und lyrisch, was mich trotz einiger Kleinigkeiten immer wieder davon überzeugt, dass ich die Serie mag. Ihre Bücher sind nicht unbedingt vom Plot getrieben, aber sind es dennoch wert, gelesen zu werden. Ich bin sehr gespannt auf den letzten Teil und darauf, ob Ali Smith diesen Aufwärtstrend mit einem Höhepunkt beenden konnte.

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Frühling, mein jetziger Favorit der Jahreszeiten Reihe von Ali Smith. Die Geschichte dreier Menschen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Und doch hat Ali Smith es zu etwas stimmigen gemacht. Ich glaube das liegt an ihrem Schreibstil. Dieser ist teilweise einfach nur absurd. Mehrere Handlungssträngen gleichzeitig, Kapitel im Zusammenhang keinen Sinn ergeben, ihre einzigartige Art Dinge in Worte zu fassen: alles was Smith‘s Romane ausmachen und man auch von ihr erwartet. Nachdem mich Winter nicht soll ich beeindruckt hat, hat Frühling das alles wieder wett gemacht. Die Charaktere, die Szenerie in welcher der Roman spielt; besser hätte man es nicht machen können. Frühling übertrifft meiner Meinung nach sogar Herbst, auch wenn ich den ersten Teil der Reihe auch unbeschreiblich gut fand.

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Bei "Frühling" handelt es sich um eine eher andere Geschichte. Es ist der dritte Teil im Jahreszeiten-Quartett von Ali Smith. Ich habe zwar "Herbst" und "Winter" (noch) nicht gelesen, jedoch kann man die Bücher auch unabhängig voneinander lesen. In ihren Büchern behandelt Smith stets diverse Themen, die gesellschaftlich oder auch politisch aktuell sind. In diesem Teil werden vor allem Themen wie der Brexit, der Klimawandel, Feminismus und viele weitere behandelt. Sehr bemerkenswert ist die Verwendung der Stilmittel oder auch der Intertextuellen Aspekte, denen sich Smith bedient. Durch die Geschichte hindurch, kritisiert die Autorin auf verschiedene Weise die Politik und Gesellschaft und zieht zur Veranschaulichung auch die Geschichten verschiedener Personen heran. Einmal wäre da der erfolglose Regisseur, Richard. Er hat seine geliebte Freundin vor einiger Zeit verloren und lebt nun ein eher trostloses Leben. Weiter wäre da Brit, sie arbeitet in einem Abschiebezentrum bei London und muss sich mit dem Umgang und dem Verhalten mit den Flüchtlingen auseinandersetzen, was sie zuvor nie mitbekomme hat. Auf der Arbeit lernt Brit die junge Florence kennen. Gemeinsam steigen sie schließlich in einen Zug nach Schottland. Auf der anderen Seite sitzt Richard bereits wartend in Schottland am Bahnhof. Letztendlich begegnen die drei sich. Und es scheint, als würde eben diese Begegnung für alle drei etwas verändern. Die Inhalte aus "Frühling" passen sehr gut zu der Intention, die auch durch das Lesen deutlich wird. Die Verbindung zur Hoffnung und einem Neuanfang. Man muss sich zunächst bestimmt erst einmal an den außergewöhnlichen Schreibstil und die Verwendung der Stilmittel gewöhnen, aber ich denke, dass "Frühling" für den Leser etwas bewirken kann.

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Es ist nie zu spät für einen Neuanfang

Von: elashin.testet

07.09.2021

FRÜHLING Bezeichnet sich als die Zeit der Hoffnung. In Band Frühling des Jahreszeitenquartetts von Ali Smith, kommen wieder unterschiedliche Menschen zusammen. Hier gibt es zwei verschiedene Erzählstränge und auch zwei verschiedene Zusammenkünfte, die im Laufe des Buches alle zusammentreffen. Richard der den Tod seiner Freundin und Kollegin Paddy nicht verkraftet, stellt sein ganzes Dasein in Frage. Er hat innerlich mit seinem Leben abgeschlossen und möchte es sich auch nehmen. So setzt er sich in einen Zug nach Norden ohne richtiges Ziel. Die 12-jährig Florence die in ein überfülltes unmenschliches Flüchtlingslager kommt in dem Brit als Sicherheitsmitarbeiterin arbeitet, veranlasst Brit darüber nachzudenken was Menschen wohl erlebt haben müssen um in diesem Lager zu landen. Bis dahin interessierte keinen was für Schicksale diese Menschen erlebten. Florence überredet Brit mit ihr von Lager wegzugehen und in einen Zug nach Norden zu steigen. Auf dieser Fahrt werden sich die Wege von Richard, Florence und Brit kreuzen. Auch in diesem Buch werden aktuelle Themen wie Politik und Flüchtlinge thematisiert, der Blick den man selbst hat nochmal vor Augen gehalten und wie andere Menschen darüber denken. Alles ist in einer kunstvollen und wieder melodisch poetischen Sprache verfasst und regt den Leser an tiefer nachzudenken. Dieses Buch ist wie der Frühling, es zeigt auf, dass im Leben alles von Neu beginnen kann, wie der Frühling, alles ein neues Erwachen haben kann und man aus Zuständen die schlecht sind, auch wieder etwas Gutes starten kann. Die Veränderung kann beginnen, immer dann, wenn man die Hoffnung nicht aufgibt und losgeht um etwas zu verändern.

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Eine von vielen Fragen, die sich nicht nur Richard Lease, seines Zeichens weithin unbekannter Regisseur, im Angesicht des nahenden Todes seiner besten Freundin und langjährigen Partnerin „in crime“ im Film-Business Paddy stellt. Mit ihr konnte er neue Realitäten erschaffen, sich an gesellschaftspolitischen Themen abarbeiten und in literarische Diskurse treten. Sein ausstehendes Projekt über Katherine Mansfield und Rainer Maria Rilke sowie deren fiktives (?), zufälliges Gleichzeitig-am-gleichen-Ort-Sein füttert Paddy mit Expertise und Herzensinformationen. In einem zweiten Erzählstrang lernen sich Brit, die in einem Abschiebezentrum arbeitet, und die 12-jährige Florence kennen. Die Aura des jungen Mädchens bringt Brit zum Nachdenken: über ihre Arbeit, ihr Leben und moralische Vorstellungen. Florence hat eine Überzeugungskraft, die ihresgleichen sucht, und so begeben sich die beiden auf einen ungeplanten Road-Trip, auf dem sie auch Richard begegnen. „Ich sehe keine Grenze, sagt das Mädchen. Hast du sie gesehen? Ich seh nichts, was anders wäre“. (S. 183) Der dritte Teil von Ali Smiths Jahreszeiten-Quartett „Frühling“ greift erneut die großen soziokulturellen, politikkritischen Themen der Gegenwart auf. Es geht um den Brexit und dessen Fortschreibung, den Klimawandel und Migration. Smith legt dabei wiederum nicht nur den Finger in die von der Zeit aufgerissenen Wunden, sondern streut mit einem hohen Maß an Süffisanz, aber auch Klarheit, pfundweise Salz hinein. Die möglichen Perspektiven exemplifiziert sie dabei an der jungen Florence, die sich referentiell an der englischen Band „Florence & The Machine“ orientiert. Deren größter Hit: „You‘ve Got the Love“! Im Vergleich zu „Herbst“ und auch „Winter“ legt Smith noch einmal ordentlich an Vehemenz zu. Ihre Meinungen zu den hochrelevanten Themen äußert sie vor allem über das Sprachrohr Florence mal extrem deutlich, mal mit kindlicher Schläue. Sie legt die oftmals nicht verständlichen Strukturen politischen Handels offen, entlarvt fast schon kafkaesk den bürokratischen denkenden Apparat. Gleichzeitig entwickelt sie auch ein hohes Maß an Hoffnung, lässt die nachfolgenden Generationen mit einer hohen Awareness auftreten. Hier steht der „Frühling“ ganz klar für mögliche Neuanfänge, für die Zeit des Sich-neu-Sortierens. Die anderen beiden Protagonist*innen Richard – der fast schon „Unsichtbare Dritte“ – und Brit – eine ganz und gar nicht versehentliche Referenz zum Establishment Großbritanniens – blicken aus anderen Perspektiven auf die Entwicklungen, streiten, denken und fühlen miteinander. Ali Smith führt ihr Projekt der Bestandsaufnahme der Gegenwart mit „Frühling“ konsequent weiter. Sprachlich erneut absolut auf den Punkt, blieb für mich dieser dritte Band in der Erzählung ein wenig hinter den beiden Vorgängern zurück. Die Mansfield-Rilke-Referenzen empfand ich als zu vage, zu angedeutet, um genug Impact für die Erzählung zu haben, so dass ein kleiner Eindruck von Beliebigkeit entstand. Dennoch: Auch „Frühling“ ist ein großer Roman, wichtig, kreativ und stark in der Aussage mit kleinen dramaturgischen Schwächen, die dritte Teile von Tetralogien gerne einmal an sich haben.

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Frühling

Von: Bearnerdette

24.07.2021

Frühling ist der dritte Teil von Ali Smiths Viejahreszeiten-Reihe. Die Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen. Herbst und Winter haben mir bereits sehr gut gefallen. Hat auch Teil 3 ins Schwarze getroffen? Brit arbeitet in einem Abschiebezentrum in England, kaum besser als ein Gefängnis. Hier werden Flüchtlinge und illegale Einwanderer untergebracht, bis entschieden wurde, was mit ihnen geschehen soll. Richard ist ein Regisseur, dessen beste Filme er gemeinsam mit seiner Freundin, Paddy, geschaffen hat. Nun ist Paddy tot, und Richard fühlt sich verloren. Beide werden ein Mädchen treffen, die scheinbar alle Menschen dazu bringen kann, zu tun, was sie will. Diese Begegnung bringt ihre Wege dazu, sich zu kreuzen. . . Ali Smith widmet sich wieder brandaktuellen Themen. Stand in Winter noch verstärkt der Brexit im Fokus, geht es diesmal in erster Linie um die Flüchtlingskrise und Englands Umgang damit. Das garniert Smith gewohnt gekonnt mit anderen interessanten Themen, zum Beispiel dem Leben der Autoren Rilke und Mansfield. Wenn ich Smith lese, denke ich mir: Könnte ich doch nur so schreiben. Auch diesmal wieder. Trotzdem ist es für mich der bisher schwächste Teil der Reihe, die Figur des Mädchens für mich schwer zugänglich. Aber lesenswert ist das Buch trotzdem, selbst wenn Smith nicht in Höchstform ist, schreibt sie immer noch sehr gut.

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Die britische Autorin Ali Smith hat mit ihrem Jahreszeiten-Zyklus, dem aktuell nach Herbst und Winter der Frühling zugesellt wurde, eines der interessantesten Buchprojekte der letzten Jahre geschaffen. 2016 begonnen und jährlich um einen Band erweitert, waren und sind die Romane nah dran an den aktuellen Geschehnissen und Befindlichkeiten auf der Britischen Insel und der Schieflage, die in vielen Bereichen dort aufgetreten ist. Ob Brexit, zunehmende soziale Kälte oder Ende des Wohlfahrtstaats, ihre politisch brisanten Themen kombiniert sie mit zahlreichen literarischen Anspielungen, viel Geist und Witz. Shakespeare und Dickens ihre literarischen Heiligen, in Frühling huldigt sie zusätzlich noch Rainer Maria Rilke, Katherine Mansfield, Charlie Chaplin und Beethoven – wie immer augenzwinkernd. „Andy Hoffnung“ ist der Titel des Films, mit dem ihr Protagonist, der Regisseur Richard Lease, bekannt geworden ist. Eher so mittel begabt, hat er in letzter Zeit viel fürs Fernsehen gearbeitet und trauert nicht nur seinen Glanzzeiten, sondern aktuell seiner Kollegin und Freundin Paddy nach, die unlängst mit 85 Jahren verstorben ist. Stets war sie seine Ratgeberin, sein Lebensmensch und kurzzeitige Geliebte. Richard selbst geht nun auf die Siebzig zu und steckt in einer Schaffenskrise. Für eine Literaturverfilmung soll er die rein hypothetische Begegnung von Rainer Maria Rilke und Katherine Mansfield, die 1922 zur gleichen Zeit in der Schweizer Stadt Siders weilten, zu einer kitschigen Liebesromanze umdichten. „April“ heißt die Romanvorlage, geschrieben von einer gewissen Bella Powell. Das Projekt bereitet ihm Bauchschmerzen. Auch privat hält ihn vermeintlich nichts – am Leben. Richard besteigt wahllos einen Zug nach Norden und steigt irgendwo, im kleinen Nest King Gussie, aus mit dem Plan, sich unter den Zug zu legen. „Ganz ungefährlich ist es nicht, mit einem Bein in Märchen zu stehen“. Zwar ist es Brit, die zweite Hauptprotagonistin, die das sagt, aber auch Ali Smith beginnt hier in Frühling eine Art Märchen. Und auch das ist nicht ganz ungefährlich. Aber es funktioniert. Denn kurz bevor der Zug anfährt und Richards Leben beendet, erscheint Florence, ein zwölfjähriges Schwarzes Mädchen. Wie eine Heilige oder eben eine Märchengestalt reicht sie Richard die Hand und holt ihn zurück ins Leben. Zuvor hat sie schon Brittany, die bodenständige, pragmatische Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes in der Flüchtlingsunterkunft, in der auch Florence lebt, dazu bewogen, mit ihr in eben jenem Zug nach Norden zu fahren. Weitere Wundertaten werden ihr nachgesagt und es ist tatsächlich auch fast ein Wunder, dass man diesem Plot Twist der Autorin ins Surreale so bereitwillig folgt. Aber das ist ja bei den beiden Vorgängerromanen auch nicht anders, in denen man den Traumwelten eines Sterbenden 101jährigen folgt oder einem schwebenden Kinderkopf zuschaute. Zusammen mit Richard, Brit und der Kaffeetruckfahrerin Alda, die allerdings leider keinen Kaffee im Angebot hat, fährt Florence weiter nach Norden, nach Nordschottland. In Frühling geht es Ali Smith diesmal um Obdachlosigkeit, um den Umgang mit Geflüchteten und mit unserer Welt, um Mitmenschlichkeit. Trotz Märchen, trotz Heiligen- und Wundergeschichte gibt es keinen Kitsch und kein Happy-End. Da ist die Autorin zu sehr Realistin. Endpunkt der Reise ist das Culloden Battlefield in Inverness. Hier fand 1746 die letzte Schlacht zwischen Schotten und Engländern stattfand. Wie alle ihre Romane erzählt Ali Smith auch Frühling in einer hochliterarischen, wunderbaren Sprache, die gleichzeitig sehr lesbar, ja geradezu leicht ist. Gerade die Dialoge sind leicht versponnen, es gibt Heiterkeit und Humor. Ali Smith geht es genauso um Literarizität ihrer Prosa wie um ihre Relevanz. Denn, dass sie eine politische Autorin ist, der es um den Zustand der Gesellschaft geht, dass sie etwas dazu zu sagen hat, macht sie wieder gleich zu Beginn deutlich. In einer wütenden, aggressiven, zynischen Tirade, die sehr an einen mittlerweile abgewählten Politiker erinnert, legt sie los: „Also Tatsachen, die können wir nicht gebrauchen. Wir wollen Verwirrung. Wir wollen Wiederholung. Wir wollen Wiederholung. Wir wollen Menschen mit Einfluss, die sagen, die Wahrheit ist nicht die Wahrheit. (…) Wir wollen die Not. Wir brauchen das Elend.“ Das Buch entstand 2018, die Veränderungen, die die US-Wahl im letzten Jahr brachte, waren noch nicht zu erwarten. Aber einem Buch, das Frühling betitelt ist, würde etwas fehlen, gäbe es nicht die Hoffnung, den Aufbruch, den Neubeginn. Deshalb stellt Ali Smith ihm neben Zitaten von Shakespeare, Rilke und Mansfield auch eines des Philosophen Alain Badiou voran: „Wir müssen anfangen, darauf kommt es an. Nach Trump müssen wir anfangen.“ Der Beginn ist gemacht. Und in einer Art zweitem Prolog lässt Ali Smith diesmal die Lebenskraft der Natur, die im Frühling zum Tragen kommt, zu Wort kommen. Das sie stärker ist als wir, ist Hoffnung und Überzeugung. „Verpfuscht nur mein Klima, ich vermasseln euch das Leben. Euer Leben ist für mich ein Klacks. Im Dezember reiße ich Narzissen aus dem Boden. Im April versperre ich euch die Tür mit Schnee und werfe den Baum um, der dann euer Dach zertrümmert. Ich bedecke euer Haus mit dem Fluss. Doch ich werde der Grund sein, weshalb sich wieder Leben in euch regt.“ Ich bin gespannt, was der Sommer bringen wird (ET 26. Juli 2021).

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Im Mittelpunkt des dritten Romans aus Ali Smiths vierteiliger "Jahreszeiten"-Reihe (die man nicht unbedingt chronologisch lesen muss) stehen der erfolglose Regisseur Richard und die in einem Flüchtlingslager arbeitende Brit. Beide sind in tiefen Zweifeln an ihrem Tun versunken, und trauern verlorenen Menschen und Plänen hinterher, die sie auf ihrem bisherigen Lebensweg verloren haben. Dass ihre Wege sich im Laufe der Erzählung kreuzen werden ist das Einzige, das vorhersehbar bleibt. Ein Großteil der Ereignisse, aus denen die Autorin eine insgesamt sehr ruhige und sanfte Handlung geflochten hat, kommt überraschend und geht nicht selten stark zu Herzen. Ein Begriff, der mir während des Lesens immer wieder in den Sinn kam, war "aufblühen". In gewisser Weise könnte man den Roman als Aufbruch verstehen; oder vielmehr eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, sich stets die Hoffnung zu bewahren und offen für einen Neuanfang zu sein. Der Titel "Frühling" ist somit symbolisch hervorragend gewählt und zieht sich bedeutungsvoll durch den gesamten Roman. Ali Smith benutzt zudem eine wirklich wunderschöne Sprache, die ich in diesem Fall tatsächlich als poetisch und vor allem sehr kraftvoll bezeichnen würde. Sie ist sprachlich auf einem für meine Begriffe recht hohen Niveau, ohne dabei jedoch ins Hochtrabende abzugleiten. Was ich an Frühling besonders mag ist, dass die eigentliche Wirkung dessen, was man gelesen hat, sich erst einige Zeit nach dem Beenden entfaltet. Ein Zeichen für die Qualität des Romans, den ich somit gerne empfehle.

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