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Rezensionen zu
Die Weiße Rose

Miriam Gebhardt

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Wenn man die Weiße Rose hört, denkt man automatisch an die Scholl-Geschwister. Ich zumindest dachte immer an sie. Doch in diesem Buch macht Miriam Gebhardt klar, dass hinter dieser Widerstandsgruppe noch weitere Kräfte standen. Alexander Schmorell, Kurt Huber, Christoph Probst und Willi Graf. Bis auf Alexander Schmorell waren mir die anderen Namen nicht bekannt. Das Buch ist in drei große Teile unterteilt. Wachstum. Auseinandersetzung. Bewährung. Im Teil Wachstum, setzt sich Miriam Gebhardt mit den Familien der Charaktere auseinander. Gibt einen Einblick in ihre Familienverhältnisse und die die Erziehung und Bildung die sie alle genossen. So wird schon im ersten Kapitel klar, dass diese Menschen ihre Kraft und den Mut zum Widerstand gewollt ungewollt von ihren Familien mit auf den Weg gelegt bekommen haben. Im zweiten Teil geht es dann darum, wie die Gruppe zueinander gefunden hat und wie sie gemeinsam den Nationalsozialismus hinterfragen und ihre Aktionen starten. Sie bereiten die Flugblätter vor. Treffen sich heimlich zu Lesungen. Nehmen gefährliche Wege auf sich um die Flugblätter an ein weites Publikum heranzubringen. Immer mit der Angst erwischt zu werden. Im dritten Teil werden die Geschwister Scholl bei ihrer Aktion dann erwischt. Wer kennt es nicht von uns? Das Bild vor den Augen von Sophie Scholl, wie sie die Flugblätter in der Universität in München in die Luft wirft. Dann fangen die Prozesse an. Man wird Zeuge der Vernehmungen von den Geschwistern und nacheinander der anderen Hauptcharaktere. Diesen Teil habe ich, obwohl ich sehr viel über die Geschichte dieser Vernehmungen weiß, trotzdem mit Herzrasen gelesen. Im Epilog lernt man noch einige Charaktere, die eher im Hintergrund waren, kennen. Und auch liest man darüber, wie sich die Familien, deren Kinder mit der Todesstrafe verurteilt worden sind, nach dem Tod ihrer Kinder versucht haben, einen Fuß in die Gesellschaft zu setzen. Sehr schwierig war es für sie. Ich muss sagen, dass mir das Buch im Großen und Ganzen sehr gut gefallen hat. Doch in einem bin ich mir sehr unsicher. Ich weiß nicht, ob ich dieses Buch nur als ein Sachbuch betiteln kann. Es ist vielmehr als nur ein Sachbuch. Ich kann es nur empfehlen. An dieser Stelle möchte ich mich für das Rezensionsexemplar bedanken.

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Für mich war dieses Buch ein sehr beeindruckendes Werk. Es war kein trockenes Sachbuch, in dem einfache Tatsachen beschrieben wurden, sondern ein sehr emotionales Werk über das Schicksal von 6 Menschen. Gebhardt schreibt das Werk unter der Frage, wie „normale“ Menschen zu Widerstandskämpfern gegen ein Regime werden, dem sie doch aussichtslos unterlegen sind. Für mich war es unglaublich spannend in die Lebenswelt dieser sechs noch so jungen Menschen einzutauchen. Nicht nur Hans und Sophie, über die ich ohnehin schon viel wusste, sondern auch die 4 anderen Gründungsmitglieder der Weißen Rose werden beleuchtet und man bekommt ein unglaublich detailliertes und menschliches Bild dieser Personen, die man sonst nur aus sachlichen Dokus und dem Geschichtsunterricht kennt. Mitgenommen haben mich vor allem die anderen beiden Teile. In der Auseinandersetzung erlebt man die Geschichte der Gruppe, ihre Entstehung und ihr Wachsen und auch ihre Kämpfe gegen das Regime. Man taucht ein in diese Welt, in der sich Hans, Sophie und die anderen bewegt haben, immer im Bewusstsein, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie überleben werden, sehr gering ist. Der dritte Teil beginnt nach der Verhaftung und Ermordung von Hans und Sophie, also nach dem 18.2.1943. Dieser Teil war für mich besonders berührend. Gebhardt hat zusammengetragen was nach der Verhaftung geschehen ist. Die letzten Worte der Ermordeten zu denen neben Hans und Sophie noch viel mehr Mitglieder zählen, aber auch die Berichte derjenigen, die überlebt haben, die ihre Freunde verloren haben waren sehr emotional und treffend. Das Besondere an diesem Werk ist aber, dass nicht nur Opfer, sondern auch die Täter zu Wort kommen. Man liest nicht nur von denen, die gelitten haben, sondern auch von denen, die getan haben und am Ende konnte ich kaum sagen, wessen Schmerz eigentlich größer ist. Die Weiße Rose ist ein sehr berührendes Buch, das für mich unglaublich wichtig ist, weil es ein Stück Geschichte erzählt, die nicht vergessen werden sollte. 5 von 5 Sterne dafür.

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Bereits am Ende des Vorwortes weiß man als Leser, dass man es hier nicht mit einem alt bekannten Sachbuch zum Thema Widerstand im Nationalsozialismus am Beispiel der Gruppe Weiße Rose zu tun hat. Vielmehr schafft es Miriam Gebhardt bereits nach nur wenigen Seiten das Interesse für einen neuen Blickwinkel auf die Forschung zu wecken- und das alles, indem sie eine für mich ganz neue Forschungsfrage in den Raum stellt: Was macht gerade diese Gruppe an jungen Menschen zu Widerstandskämpfern. Was unterscheidet sie von anderen? Wo liegen ihre Ressourcen? „Wie tickt jemand, der sein junges, bequemes Leben aufgibt, um gegen das Unrecht zu kämpfen?“ (S.16) Eine weitere Besonderheit des Buches ist, dass das Hauptaugenmerk nicht wie in vielen Veröffentlichungen bisher auf den Scholl Geschwistern liegt, sondern auf allen 6 Haupt- Mitgliedern der Widerstandsgruppe. Das Buch ist in drei Abschnitten unterteilt. Im Ersten – Wachstum – wird detailliert das Leben von Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst, Willi Graf, Alexander Schmorell und Kurt Huber beleuchtet. Sehr gründlich wird hier ein Bild von den verschiedenen Schicksalen gezeichnet, in welches Elternhaus wurden die sechs geboren, was waren ihre Schwierigkeiten und ihre Stärken, mit welchen Schicksalsschlägen hatten sie zu kämpfen? Und vor allem- wie erlebten sie den Aufstieg des Nationalsozialismus, welche Rolle spielten sie im System und wie haben sie dieses wahrgenommen. Im zweiten Teil des Buches, Auseinandersetzung, wird auf die Entwicklung der Widerstandsgruppe Bezug genommen, wie ist diese gewachsen, wer hatte welche Aufgaben und was war der Inhalt der berühmten Flugblätter. Münden wird dieser Abschnitt in der Beschreibung der Geschehnisse des 18 Februar 1943, rund um die Verhaftung der Scholl Geschwister. Im dritten Abschnitt, Bewährung, dann die schmerzhafte Auseinandersetzung mit den Verhören und der Ermordung der Widerstandskämpfer der Weißen Rose durch das Deutsche Reich. Und auch hier bekommt man ein gutes Bild der Geschehnisse, Miriam Gebhardt zitiert die letzten Worte der Widerstandskämpfer, lässt Überlebende und Täter zu Wort kommen und den Schmerz der Angehörigen Teil der Geschichte werden. Zusammenfassen kann ich also die Stärken des vorliegenden Sachbuches folgendermaßen: Die Autorin zeigt hier die Gründe für die bisherige Darstellung der Weißen Rose auf, wer dafür verantwortlich ist und entmythologisiert sie diese. Das alles jedoch, ohne den Teilnehmern der Gruppe etwas abzusprechen, nein, vielmehr macht sie diese menschlicher, angreifbarer, fehlbarer und vielleicht gerade deshalb auch zu stärkeren Vorbildern als bis jetzt. Denn wenn dieses Sachbuch eines zeigt, dann wohl das es immer Menschen braucht, die in einem abscheulichen System aus den Reihen treten und zeigen das die Menschlichkeit nicht komplett abhandengekommen ist.

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„Die weiße Rose“ Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden. Miriam Gebhardt. Neuerscheinung DVA Verlag Es ist das Bild fliegender Blätter in die Aula der Münchner Universität, das einem zuerst in das Gedächtnis tritt. Die Geschwister Hans und Sophie Scholl verteilen am 18.Februar 1943 Flugblätter der Widerstandsgruppe der „Weißen Rose“ in der Münchner Universität. Sophie stößt den letzten Stapel derselben von der Balustrade und langsam schweben sie zum harten Steinboden nieder. Große Symbolkraft steckt auch in diesem Bild – wer hat jetzt den Mut diese Flugblätter mit ihrer Kritik an der menschenverachtenden Kriegs- und Rassenpolitik aufzuheben und sich in Widerstand zu erheben? Wer schließt sich der Gruppe junger Studenten an, die nicht länger schweigen und hinnehmen wollen? Wird es jetzt endlich zum entscheidenden Funkenschlag kommen, der eine Befreiung von Diktatur und Sprachlosigkeit bringt und Menschenrecht wie freies Wort wiederherstellt? Die Gruppe junger Widerstandskämpfer glaubt ganz fest daran und ist bereit die Todesgefahr für ihr Gewissen auf sich zu nehmen. Jetzt ist es Zeit zu handeln, entschieden zu handeln… Die Historikerin und Journalistin Miriam Gebhardt geht in ihrer historischen wie philosophischen Spurensuche nach persönlichen Voraussetzungen von Mut und Widerstand von den lebensweltlichen wie kulturellen Grundlagen der Mitglieder der „Weißen Rose“ aus. Sie sucht dabei bisherige Interpretationen und Muster gemeinsamen Antriebes der Gruppe kritisch zu reflektieren und sich den je persönlichen Motiven, die aus individuellen Lebensläufen entstehen, zu nähern und die Mitte „innerer Autonomie“ in Freiheit und Verantwortung herauszuarbeiten. Dabei werden sowohl sozialpsychologische wie soziologische Parameter herangezogen und die Rahmenbedingungen des Wachstums von Persönlichkeitsstärke und Konsequenz analysiert. Die Autorin findet für diesen komplexen Ansatz einen guten Erzählstil, der spannend wie interessiert den Lebensläufen der Widerstandsgruppe wie auch der Zusammenschau und den Schussfolgerungen folgen lässt. Das Buch wird so auch zur Anregung zum Weiterdenken über persönliche Freiheit und Autonomie in verschiedensten gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart. „Die weiße Rose“ Miriam Gebhardt. Neuerscheinung DVA Verlag Walter Pobaschnig, Wien 5_2017 https://literaturoutdoors.wordpress.com https://literaturoutdoors.wordpress.com/Rezensionen

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„Die weiße Rose“ der Name der Widerstandsgruppe rund um Sophie und Hans Scholl sollte jedem ein Begriff sein. In der Schule wird darüber gesprochen und es gibt unzählige Literatur dazu, vor allem zu den beiden Scholl-Geschwistern. Die Historikern Miriam Gebhardt fügt der Literaturliste ein weiteres Werk hinzu, welches sich nicht hauptsächlich mit den bekannten Persönlichkeiten Hans und Sophie beschäftigt, sondern auch mit den weiteren Hauptakteuren Alexander Schmorell, Christoph Prost, Willi Graf und Kurt Huber. Diese Namen waren mir bis dato nicht bekannt, beziehungsweise ich habe nicht viel über die weiteren Widerstandsgruppenmitglieder gewusst. Die Autorin untersucht die Biografie der Beteiligten und versucht die Frage zu beantworten, wie ganz normale Deutsche zu Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus entwickeln konnten und so ihr Todesurteil unterschrieben. Miriam Gebhardt ist Historikern und Journalistin, und genau das merkt man diesem Werk an. Sie bemängelt vorhandene Literatur zur weißen Rose, indem sie die unreflektierte Sichtweise vieler Autoren bemängelt und ihren Blickwinkel auf die Historie als vollständiger betrachtet. Inwieweit sie damit Recht hat, kann ich nicht beurteilen. Ich hatte das Gefühl sie konnte sich nicht entscheiden ob es ein geschichtswissenschaftliches Werk sein soll oder ein Sachbuch mit journalistischem Anspruch. Als Einführung ist es auf jeden Fall lesenswert, die Sprache ist einfach und fließend zu lesen. Dennoch hätte ich mir den Fokus mehr auf den Ereignissen gewünscht. Der Untertitel – Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden – weist natürlich darauf hin, dass der Fokus mehr auf den Akteuren als auf dem Geschehen selbst liegt. Den Teil der Persönlichkeitsstudien finde ich gelungen, da viele Namen mir keinen Begriff waren. Der Leser bekommt einen Überblick über die Personen, deren Biografie und den Motiven. Viel bleibt spekulativ, wahrscheinlich wegen mangelnder oder ungenauer Quellen. Die Motive der Gruppe bleiben schwammig und die Interpretation der Autorin etwas fragwürdig. Wer sich mehr mit den Flugblättern, Handlungen und Auswirkungen beschäftigen möchte, ist meiner Meinung nach mit diesem Werk nicht gut bedient. Wer mehr über die Charaktere erfahren möchte, oder generell wenig über „Die weiße Rose“ weiß, kann dieses Werk zur Hand nehmen. Als historisch korrektes Werk kann dies nicht betrachtet werden, da viel reine Interpretation der Autorin ist und viele Fakten o.ä. über „Die Weiße Rose“ nicht in Erfahrung gebracht werden konnte und nicht mehr gebracht werden kann.

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Das Werk „Die Weiße Rose“, erzählt in einem neuen Blickwinkel, die Geschichte der gleichnamigen Widerstandsgruppe und ihrer sechs Hauptfiguren, die sich mit Flugblattaktionen gegen das NS-Regime stellten. In ihrem Buch wirft die Autorin die Frage auf, wie aus ganz normalen Deutschen, widerstandskämpfer wurden. Das Buch ist in drei große Teile gegliedert. Im ersten Teil, wird auf das Leben der sechs Hauptakteure, Sophie Scholl, Hans Scholl, Christoph Probst, Willi Graf, Alexander Schmorell und Kurt Huber und ihr Leben als Kinder und Jugendliche, eingegangen. Sei es ihre familiäre Situation, der Glaube, oder dergleichen. Keiner der Hauptakteure, zeigt große Gemeinsamkeiten auf. Wobei auch einige der Mitglieder zuvor selbst positiv der Idee des Nationalsozialismus gegenüberstanden. Im zweiten Teil, wird dann sehr detailreich auf die Pläne, die Entwicklung und die Aktionen selbst eingegangen. Im dritten und letzten Teil des Werkes, wird dann auf die Verfolgungen, den Verhören, den Prozessen und den Hinrichtingen eingegangen. Dieses schafft die Autorin so detailliert zu beschreiben, das man sich doch ein wenig in die schreckliche Situation der Mitglieder und deren Angehörigen, einfühlen kann. Natürlich erfährt man über das gesamte Buch hinweg, viele Details über die Zeit des Nationalsozialismus. Wie die Kinder indoktrinierten wurden zum „Wohle“ für die Gemeinschaft, Feinde des Regimes verfolgt, diskriminiert und zum Schluss ermordet wurden, uvm. Im Epilog werden dann noch die eher nicht so bekannten Mitglieder der Weißen Rose aufgezählt. Auch versucht die Autorin, den bis heute so endlos großen Mythos um die Weiße Rose, zu lüften und aber auch, auf alle Mitglieder einzugehen und nicht wie anderen Schriften, nur auf die Geschwister Scholl. Zusammengefasst: Ein sehr interessantes Buch und empfehlenswertes, wo hervorgeht, dass es in einem System wo die Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit herrscht, es Menschen geben muss, die sich dagegenstellen.

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Die Weiße Rose ist ein Begriff, der aus der deutschen Geschichte nicht mehr wegzudenken ist. Der Mythos dieser Widerstandsgruppe, die mit Flugblättern das Grauen der nationalsozialistischen Herrschaft aufzudecken versuchte, und gleichzeitig andere zum Mitmachen animieren wollten, ist enorm. Zentral dabei die Geschwister Scholl und vor allem Sophie Scholl. Straße, Schulen, Denkmäler wurden benannt. Erst kürzlich hat der Film über die letzten Tage von Sophie Scholl diesen Mythos weiter befeuert. Dabei war die Weiße Rose weit mehr. Miriam Gebhard setzt früh an. Sie versucht die unterschiedlichen Theorien zum Grund für den Widerstand aufzuarbeiten. Dabei trifft sie auf ganz unterschiedliche Gründe bei den einzelnen Mitgliedern. So unterschiedlich sind die Vorgeschichten der Münchener Widerstandsgruppe, so vielseitig die Hintergründe. So zeigt das Buch, dass ein gemeinsamer Grund ebenso unglaubwürdig ist, wie ein gemeinsames Ziel. Die Münchener Gruppe wollte viele verschiedene Dinge. Sie war sich allein darin einig, dass die nationalsozialistische Regierung weg musste. Ich fand es unheimlich spannend, tiefer in diese Materie einzudringen. Dass Miriam Gebhard zu Beginn die Mitglieder der Gruppe einzeln fokussiert, fand ich sehr gut. So wurde nicht nur die unterschiedliche Position der Akteure klar. Gleichzeitig wurden Sophie und Hans Scholl eingeordnet, von dem Podest gehoben, das im gleichen Rahmen auch erklärt wurde. Dieser Blick erzeugte eine gewisse Nähe. Und auch der weitere Verlauf, die Geschichten hinter den Flugblättern, war so interessanter und konnte sehr gut verfolgt werden. Das Buch ist deshalb so gut, weil es relativiert, Unstimmigkeiten in dem bisherigen Mythos um die Weiße Rose aufzeigt und dann entmythologisiert. Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurde heißt auch diese „Normalität“ zu zeigen. Die Verbindungen und Abgrenzungen zum Nazi-Regime. Die individuellen Beweggründe und Verläufe. Das große Problem der Aufklärung um die Münchener Gruppe, da gerade die ersten Berichte maßgeblich von der Schwester von Hans und Sophie geleistet wurden. Es ist, was es sein soll. Ein Sachbuch, das nicht wertet. Eines, dann zugibt, wenn es an seine Grenzen kommt. An die Grenzen kommt es beispielsweise auch, wenn es um den Tag der Verhaftung von Hans und Sophie geht. Weil niemand weiß, warum die beiden sich nicht an das bisherige, sicherere Prozedere hielten, weil niemand weiß, warum sie nicht weggelaufen sind, weil so viele Dinge danach unklar werden. Die Befragungsberichte beispielsweise seien, so das Buch, erst nachträglich aufgeschrieben worden. Verfälschungen also, Unklarheiten, Mutmaßungen und Berichte aus dritter Hand. Dieses Buch hat die Größe, die Weiße Rose zu betrachten, ohne einen Märtyrermythos zu erzeugen. Großartig schafft es Tiefe und Nähe, ohne zu werten. Die Lücken, die es gibt, werden aufgezeigt, Probleme bei der Historizität zugegeben. Es ist ein ehrliches Buch, das mag ich sehr. Eines, das fesselt, das eine ganz eigene Spannung erzeugt. Eines, das wirklich Geschichte vermittelt, Hintergründe, Argumentationen. Und eines, das nicht bei den Mitgliedern der Münchener Gruppe aufhört. Es verrät auch etwas über die Gegner, den Richter, den Beamten beim Verhört, den Scharfrichter. Dadurch entsteht ein rundes Bild. Lesenswert.

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Keine Widerstandsgruppe gegen die NS-Diktatur ist bekannter als die Weiße Rose. Und wem diese nichts sagen sollte, der kennt zumindest noch die „Geschwister Scholl“. Miriam Gebhardt hat sich der Widerstandskämpfer angenommen, in einer Zeit in der Zivilcourage scheinbar immer wichtiger wird. „Das Hauptproblem ist und bleibt vielmehr die schon eingangs aufgeworfene Frage, wie jemand (plötzlich?) zum Widerstandskämpfer wurde.“ Gebhardt begnügt sich also nicht damit, die Geschichte der Widerstandsgruppe um Hans Scholl und Alexander Schmorell zu erzählen, sie will vielmehr der „Psychologie des Widerstands“ nachspüren. Deshalb auch der plakative und an die Täterforschung erinnernde Titel: „Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden.“ Das Problem solcher Ankündigungen ist freilich, dass sie in der Regel nicht eingehalten werden können. Einerseits ist die menschliche Psyche zu komplex und zum anderen ist die Quellenlage für Deutungen meist recht spärlich, zumal wenn es sich um konspirativ agierende Widerstandsgruppen handelte. Und das ist auch das Grundproblem des Buches. Miriam Gebhardt ist Journalistin und Historikerin und so liest sich auch „Die Weiße Rose“, unentschieden ob es ein geschichtswissenschaftliches Werk oder ein journalistisches Sachbuch sein möchte. Inhaltlich ist es deutlich letzteres, vom eigenen Anspruch her, soll es wohl auch ersteres sein. So finden sich Sprachbilder, die eher in eine Reportage gehören, denn in ein Sachbuch: „Schon als junges Mädchen war Inge Scholl wie eine Sonnenblume auf ihre Familie und ihre Geschwister ausgerichtet.“ Wirklich schön geschrieben, wenn es ein Roman wäre. So gut und richtig Vieles auch sein mag, für ein Sachbuch zur Geschichte ist es viel zu spekulativ. Immer wieder finden sich folgende Formulierungen: „vielleicht“, „möglicherweise“, „vermutlich“, „könnte sein“, „denkbar wäre“, „oft ist es so“, „nicht selten ist es so“, „nach meinem Dafürhalten“. Bei „die Wahrheit wird wohl in der Mitte liegen“, schlägt allerdings mein Phrase-O-Meter aus. Selbstverständlich ist Geschichte immer eine Frage der Perspektive und Interpretation. Aber bei einem Sachbuch muss die Darstellung der Ereignisse im Vordergrund stehen. Erst dann kann anschließend meinetwegen spekuliert und interpretiert werden. Hier geht alles Hand in Hand, um nicht zu sagen drunter und drüber. Der Konjunktiv ist der Spekulation bester Freund. Letztlich ist es eher eine leicht zu lesende Einführung in die Thematik um die Widerstandsgruppe des Scholl-Schmorell-Kreises. Und hier liegen dann auch die Stärken des Buches. Im ersten Abschnitt werden die zentralen Personen der „Weißen Rose“ vorgestellt: Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und Kurt Huber. Gebhardt zeichnet im journalistischen Feature-Stil Charakterstudien der Protagonisten. Dabei verbleibt sie leider nicht immer im deskriptiven, sondern wechselt auch hier immer wieder ins Spekulative. So wird die These zurückgewiesen Kurt Huber sei ein „Hobbymilitärstratege“ gewesen, mit der kaum einleuchten Begründung: „Viele deutsche Männer mauserten sich in der ersten Kriegsbegeisterung zu Westentaschengenerälen.“ Als würde das eine, das andere ausschließen. Gerade die Rolle Hubers scheint Gebhardt herunterspielen zu wollen. Verständlich, war doch Huber das Gegenteil des bürgerlichen Narratives des christlich-humanistisch, bildungsbürgerlichen Widerstandes. Huber war Nationalist dem der NS-Faschismus zu weit nach „links“ gerückt war. Eine wenig rühmliche Eigenschaft einer Person im Widerstand der Weißen Rose. Warum Gebhardt der Meinung ist der völkische Rassismus eines Kurt Hubers sei anders als der völkische Rassismus der Nationalsozialisten, bleibt ihr Geheimnis. Wie leider so vieles, dass ohne Quellenangabe einfach behauptet wird. Gebhardt führt Huber aber, das muss auch gesagt werden, als Kontrapunkt der Gruppe ein. Nichts desto trotz ist der erste Teil des Buches gelungen und die persönlichen Geschichten werden nachvollziehbar. Vor allem und das scheint mir auch besonders wichtig, nimmt Gebhardt eine wichtige Einordnung vor, nämlich die Bestimmung der Rolle der Personen in der Widerstandsgruppe. So wird Sophie Scholls Rolle im öffentlichen Narrativ häufig überhöht, während andere Personen an den Rand gedrängt werden oder teils gar nicht bekannt sind. Warum Gebhardt allerdings so sehr darauf insistiert, dass die Religion eine weitaus weniger große Rolle gespielt hat, als häufig angenommen wird, wird durch ihre Arbeit nicht hinreichend erkennbar. Ihre Ausführungen scheinen im Gegenteil eher darauf zu verweisen, dass der Glaube der Beteiligten sehr wohl eine entscheidende Rolle einnahm. Miriam Gebhardt verweist auf eine zentrale Schwierigkeit mit historischen Ereignissen: „Zeitabhängige Deutungsvorlieben betonten immer wieder unterschiedliche Motivlagen.“ Warum sie diese Erkenntnis nicht etwas weitreichender auf die eigene Interpretation angewendet hat, bleibt rätselhaft. Der zweite große Abschnitt beschäftigt sich mit den Motiven und Aktionen sowie den Entwicklungen des Münchner Kreises hin zu einem größeren Netzwerk, alles in Zeiten des Krieges und der Überwachung durch den totalitären NS-Staat. Auch hier ist der beschreibende Teil wieder sehr gelungen und man wünschte sich es wäre dabeigeblieben. Dann kommen aber Schlussfolgerungen und Begründungen, die vollkommen unnachvollziehbar sind. So seien die Argumente der Weißen Rose zwar christlich und philosophisch fundiert gewesen, was aber nicht bedeuten dürfe, dass die Motive christlich oder philosophisch motiviert gewesen seien. Aha. Man könnte es auch anders ausdrücken: wir haben zwar Dokumente vorliegen, die deutlich auf eine christliche Motivlage hindeuten, dem ist aber gar nicht so weil… Ja, und das weil fehlt dann. Erschreckend wird es auf Seite 226. In einem der Flugblätter der „Weißen Rose“ gibt es den Satz: „Deutsche! Wollt Ihr und Eure Kinder dasselbe Schicksal erleiden, das den Juden wiederfahren ist?“ Gebhardt möchte hier keine Relativierung der Judenvernichtung erkennen, sondern vielmehr eine „nicht besonders glücklich[e]“ Formulierung. Waren es bisher die wohlgebildeten Studenten und ein Professor, die die Flugblätter geschrieben haben, unterläuft ihnen plötzlich eine unglückliche Formulierung. Damit nicht genug schreibt sich Gebhardt an dieser Stelle um Kopf und Kragen, vielmehr gehe es um „allgemein kursierende, christliche Metaphern […]: Wenn ihr diesen Krieg verliert, ohne euch vorher von der verbrecherischen Regierung distanziert zu haben, dann geht es euch wie den Juden, sprich, ihr fallt der Strafe Gottes anheim, verliert den Nationalstaat und werdet ‚zerstreut unter allen Völkern‘“. Heißt das, dass der Holocaust die Strafe Gottes ist, weil sich das „jüdische Volk“ nicht von seiner verbrecherischen Regierung getrennt hat? Diese Interpretation wäre ja noch schlimmer als die ursprüngliche, die Gebhardt abwenden wollte. Zumal ihr offensichtlich nicht auffällt, dass bereits die Trennung von Deutschen und Juden, dass nationalsozialistisch-rassistische Narrativ ist, denn selbstverständlich waren viele Juden ebenfalls Deutsche. Hier hat Gebhardt die Chance vertan, kritisch mit den Einstellungen der „Weißen Rose“ umzugehen, anstatt den Versuch zu unternehmen, sie reinzuwaschen von jeglichem Antisemitismus. Den Abschluss bilden die Verfolgung und die Verhöre, die Prozesse sowie die Hinrichtung. Gebhardt gelingt es trotz der angesprochenen Mängel eine sensible, empathische Geschichte der „Weißen Rose“ zu erzählen. Wer noch gar nichts oder wenig über den „studentischen“ Widerstand weiß, ist mit diesem Buch sicherlich gut beraten, wer eine wissenschaftliche Aufarbeitung sucht, wird hier enttäuscht werden. Weniger Spekulation und Interpretation, dafür mehr Dokumentenanalyse hätten hier sicherlich gutgetan. Vielleicht hätte das aber auch den leicht zugänglichen Duktus des Journalismus gestört. Man kann Gebhardt sicher in vielen Punkten zustimmen und das Buch als Einleitung in die Thematik empfehlen. Für eine allgemeine Empfehlung weist es aber viel zu viele Mängel auf. Wer also überhaupt erst einmal etwas über die „Weiße Rose“ erfahren möchte, z.B. dass die Gruppe gar nicht Weiße Rose hieß, kann meiner Empfehlung sicherlich noch einen Punkt draufschlagen.

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