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Rezensionen zu
Die wundersamen Abenteuer der Galina Petrowna

Andrea Bennett

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"Die wundersamen Abenteuer der Galina Petrowna" konnte mich wirklich sehr begeistern. Eine schrullige alte Dame kann sich behaupten und sich gemeinsam mit ihrer Freundin Soja zu ihrem Recht verhelfen lassen. Ob es wirklich ihr Recht ist, stelle ich nicht in Frage, da jeder Mensch eine andere Auffassungsgabe besitzt und von dieser Gebrauch machen wird. Es ist skurril und auf eine gewisse Art und Weise sehr amüsant in das Russland der 90er einzutauchen. Man erlebt Armut, Kapitalismus und einen Aufbruch. Der Mensch beginnt sich zu verändern und in all dem steckt Galina Petrowna und muss sich behaupten. Trotz ihres Alters kann sie überzeugen, was sehr imponierend ist und dem Buch wirklich die nötige Würze verleihen konnte. Sehr amüsant sind die Wege, die Galina Petrowna geht, um ihren Hund zu retten, der ohne Halsband als Straßenköter gekennzeichnet ist. Mitja, der überall als Hundemörder bekannt ist, da er die Straßen von Hunden befreit, kommt in den Genuss Bekanntschaft mit Galina Petrowna zu machen. Dieses lässt ihn nicht kalt und er beginnt sich nach und nach zu verändern. Zuvor hielt er seine Rituale ein und nun lässt er eines nach dem anderen ausfallen. Manchmal kommt auch die Liebe in die Quere, die zum Umdenken und Loslassen einlädt. Schuld an der ganzen Misere ist Boroda, die sich in Galina Petrownas Herz geschlichen hat und ihr in Einsamkeit Trost gespendet hat. Nun ist der Hund dem Tod geweiht und viele Menschen beteiligen sich an ihrer Rettung. Amüsant ist, das auch die Gedanken der Hündin ihren Platz im Roman finden, was doch eher unüblich ist, dem Roman aber eine andere Note vergeben kann. Das der Verehrer Galinas auch gerettet werden muss, ist eher zweitrangig. Im Nachhinein wird sich herausstellen, das Mitja und auch Wasja eine gemeinsame Vergangenheit haben. Auch Soja wird Dinge offenbaren, die die Vergangenheit in ein anderes Licht rückt und eine sehr lange bestehende Freundschaft gefährden könnte. Vieles wird eine Wendung nehmen, was sich nicht vermuten ließ, nachdem ich begann den Roman zu lesen. Die unterschiedlichen Menschen könnten verschiedener nicht sein und das gab dem Roman einen wirklich interessanten Rahmen. Ich konnte mich sofort auf die Story einlassen, auch wenn diese oder jenes sehr überspitzt und unglaubwürdig dargestellt wurde, dennoch konnte der Charme der Protagonisten überzeugen. Insgesamt ist der Roman eigentümlich wie sein Cover. Eine russische Provinzstadt die Kopf steht, was ich als sehr passend empfunden habe. Es wirkt ansprechend und weckte meine Neugier. Gerne eine Leseempfehlung für ein doch recht außergewöhnliches Buch.

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Wundersame Pilgergänge und seltsame Hundertjährige gab es ja durchaus nicht wenige in den letzten Jahren, nach den Erfolgen der ersten Romane einer solchen Form. Und ja, auch dieses Debüt kann man in ähnlicher Richtung zunächst verorten. Eine (ältere) Frau, die aus ihrem Tagestrott herausgenommen wird (aufgrund ihres (zugelaufenen) Hundes, besser Hündin) und sich mit allerlei anderen Personen auf eine „Queste“ begibt. Eben jene Hündin sicher wieder „nach Hause“ zu bringen. Dennoch bietet dieser Roman keinen Neuaufguss eines alten Themas und auch keine zu offensichtliche Nähe zu anderen Werken solch teils skurriler, seltsamer, abenteuerlicher Wege des Lebens. Sowohl, was die differenzierte und sehr empathische Darstellung der Personen des Romans angeht, wie auch deren Verhältnisse untereinander (die in wichtigen Bereichen durchaus ungeklärt sind, vor allem, was die Liebe, aber auch, was den Hass angeht) bietet Andrea Bennet eine eindrucksvolle schriftstellerische Kraft, die den Leser durchweg im Roman und bei den Personen hält, auch den unsympathischen. Vor allem aber gelingt es der Autorin, die „russische Seele“ bar jeden Kitsches und bar jeder Verherrlichung der Vergangenheit ganz in der Gegenwart erlebbar zu gestalten. Von der Armut unter dem Zaren bis zu den Unruhen unter Stalin, vom unbedingten, fanatischen Einsatz für das System bis zu einem „irgendwie“ Leben im System bis hin zu einer ablehnenden Haltung „all dem“ gegenüber stehen die Personen für die prägende Geschichte des weiten Reiches. Und stehen auch für die Haltungen von Mut bis Hass bis einfacher Feigheit. Und werden sich alle im Lauf der 350 Seiten entfalten und entwickeln. Bis hin zu den Gerüchen, der Ungepflegtheit, auch dem abstoßenden, dass sich vor den Augen eines Besuchers so mancher Orte in Russland auch gegenwärtig noch entfalten würde. Wie Mitja sich in seine (Kraft der sprachlichen Kunst Bennetts unglaublich billig wirkende) Uniform hinein bewegt, wie schon in den ersten Momenten seines „Auftritts“ die ganze Zwiespältigkeit, das Gefühl von Minderwertigkeit ausstrahlende, sich unbedingt an „etwas Höheres“ hängen müssen, um sich wichtig zu fühlende Konglomerat seiner Persönlichkeit zutage tritt, wie man umgehend erfährt, dass vielleicht die Ursache all dieser zwanghaften Verkrampfung doch nur im gestörten Verhältnis zum anderen Geschlecht zu finden ist, dass gelingt Bennet, emotional dicht in wenigen Seiten zu vermitteln. Und das ist nun beileibe kein Offizier oder zumindest „harter Kerl“, sondern ein einfacher Hundefänger mit deutlich zu viel selbst ernannter Wichtigkeit. Wie auch Galina Petrowna in wenigen Zeilen lebhaft vor den Augen des Lesers ersteht. Da reicht bereits ohne jeden Dialog das „Kennenlernen“ der dreibeinigen Hündin Boroda. In dessen Zuge ebenfalls mit ein bis zwei Sätzen nur der verdreckte, ungepflegte Imbiss und das direkte Umfeld um diesen einen ersten klaren Punkt zum russischen Leben, zum Alltag in der Gegenwart liefert. Dem einige Seiten später kontrastreich der „Altenclub“, die bärbeißige-liebevolle Galina inmitten dieses Clubs und der fürsorgliche, aber irgendwie zu nichts richtig zu gebrauchende, zunächst wenig „Standing“ ausstrahlende Wasja. Diese drei, Galinas beste Freundin Soja und noch viele weitere Personen werden den Weg des Romans säumen, wenn es gilt, die kluge, friedliche, dreibeinige Hundedame wiederzufinden. Die verschwunden ist. Woran Mitja die Verantwortung zufällt. Eine äußere und innere Reise durch die gegenwärtige russische Föderation, in der einem die Lebenswirklichkeit, die Prägungen, die Merkwürdigkeiten geschickt in all den Personen angelegt nahekommt. Auf einem allerdings nicht immer gerade laufenden Weg, bei dem es manchmal nicht einfach fällt, die rote Linie der Ereignisse im Kopf zu halten, sowie an manchen Stellen ein Abgleiten fast in eine Art Slapstick, das eher stört denn für anregenden Humor sorgt. Aber auch eine Geschichte, in der, zum Schluss hin, das Sentimentale und die Liebe in überraschender Weise seinen Platz findet und der Lesefluss allezeit in gleichmäßigem Tempo ohne „Durchhänger“ den Leser in den Bann zieht.

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Galina Petrowna lebt im kleinen russischen Städtchen Asow der 1990er-Jahre; es geht es beschaulich zu, man teilt das Wenige, das man hat, und trifft sich zu Vorträgen und Lotterien im Seniorenclub. Ihr gleichtöniges Leben wird aber gehörig durcheinander gewirbelt, als ihre dreibeinige Hündin Boroda vom städtischen Hundefänger Mitja eingefangen wird, weil sie kein Halsband trägt. Und als wäre das nicht schlimm genug, wird ihr Verehrer Wasja nach einem Befreiungsversuch ebenfalls inhaftiert und ins städtische Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Hilfe ist nur von einer Seite zu erwarten: Russlands Obrigkeit muss sich um den Fall kümmern und so reist Galina mit ihrer exzentrischen Freundin Soja nach Moskau, um dort ein gutes Wort für Wasja und Boroda einzulegen. Unterdessen hat der Hundefänger Mitja eine Begegnung der dritten Art; die geheimnisvolle Katja tritt in sein Leben und säht erste Zweifel bei ihm - kann es wirklich sein Lebensziel sein, Hunde einzufangen und an die Behörden zur Vernichtung und Leimproduktion weiter zu geben? Warum eigentlich sein großer Haß auf alle Streuner? Und wie kann er seinen folgenschweren Fehler wieder gut machen und nebenbei auch noch Katjas Herz erobern? Während Galia und Soja in Moskaus Nachtleben eintauchen und begleitet von einem ebenso mysteriösen wie dementen Cousin zielstrebig nach dem richtigen Minister für ihre Angelegenheit suchen, macht Mitja eine denkwürdige Wandlung durch, und am Ende stellt sich heraus, dass die Verwicklungen zwischen den Figuren viel enger sind als gedacht und eigentlich doch alle an einem Strang ziehen. Dieses wilde und skurille Roadmovie aus dem Russland der 90er hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Atmosphäre ist wunderbar dargestellt, eine Mischung aus Armut und guter alter Zeit, aber auch Aufbruchstimmung in die neue Welt des Kapitalismus. Nicht jeder der Protagonisten kommt damit so gut klar, aber sie schlagen sich auf ihre Art und Weise durchs Leben. Die Autorin lässt dabei immer wieder abgefahrene und schräge Situationen entstehen, bei denen ich zumindest schmunzeln und erstaunt mit dem Kopf schütteln musste, zuweilen aber auch lauthals loslachen konnte. Besonders gut gefiel mir dabei die Entwicklung von Mitja, dem Hundefänger, aber auch die in der Mehrzahl alten Menschen habe ich nach und nach ins Herz geschlossen. Was für meinen Geschmack etwas übertrieben ist, ist die Darstellung der Körperlichkeit; ich habe selten ein Buch gelesen, in dem es so hartnäckig um Körpergerüche, Blutkrusten, Hundekot und ähnliches ging. Das muss man schon mögen. Ansonsten war mir der bildhafte und bisweilen blumige Schreibstil ganz recht, ohne das ich ihn als herausragend bezeichnen würde. Was bleibt ist eine nette Geschichte mit liebenswerten Protagonisten, die ein wundersames, skurilles Abenteuer erleben und uns dabei einen Blick in das postsowjetische Russland ermöglichen.

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