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Rezensionen zu
Schicksalsjahre

Jan Guillou

Brückenbauer-Serie (4)

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Nachdem sich der letzte Band gleichermaßen den endlich wiedervereinigten Brüdern widmete, steht dieses Mal hauptsächlich Lauritz im Vordergrund. Oscar taucht hin und wieder als Gast im Hause Lauritzen auf, Sverre ebenfalls, allerdings bedeutend seltener. Es ist vor allem das Porträt eines alternden Mannes, das der Titel schon ankündigt und zugleich die Tragödie einer Familie. Im neutralen Schweden ist man zwar einerseits in relativer Sicherheit, da sich das Land nicht im Krieg befindet. Andererseits spricht Lauritz' Begeisterung für die Ziele der Deutschen im Weltkrieg und der Glaube an deren Sieg nicht nur für seine Liebe zu seiner zweiten Heimat. Die effektive Propaganda aller am Krieg beteiligter Parteien, die den gebürtigen Norweger schließlich in seinem selbstgewählten Exil erreicht, ähnelt auf unheimliche Weise den "alternativen Fakten", die sich über heutige Medientypen trotz Informationsdemokratie ebenfalls sehr effektiv streuen lassen. Da werden Massenmorde geleugnet oder anderen untergeschoben, Massaker beschönigt oder Feldzüge mit der Überlegenheit des einen oder anderen Volkes gerechtfertigt. Doch schon das Titelbild des zerbombten Dresdens zeigt, dass auch Lauritz den Glauben an das Deutschland seiner Jugend irgendwann in Frage stellen muss. Bis dahin geschieht in seiner Großfamilie allerhand. Vor allem die Töchter der Brüder Lauritzen schlagen für ihre Zeit ungewöhnliche private und berufliche Wege ein, die symbolisch den gesellschaftlichen und moralischen Wandel einer zunehmend industrialisierten und langsam von unterschiedlichen Lebensmodellen eroberten Gesellschaft nachzeichnen, wie man sie heute mit skandinavischen Staaten verbindet. Auch Lauritz selbst muss seine eigenen Ideale in Frage stellen, außerdem bleibt er selbst nicht von gravierenden Schicksalsschlägen verschont. All das beschreibt Jan Guillou mit der ihm eigenen Mischung aus gut informiertem Erzähltext und belletristischem Geschick. Ein wenig Interesse für die Zeit der Handlung sollte man als Leser mitbringen, vor allem wenn es über mehrere Seiten hinweg um die politische Lage oder gesellschaftliche Entwicklungen geht. Guillou verzettelt sich jedoch nie in der bloßen Aneinanderreihung historischer Fakten sondern findet mit verblüffender Leichtigkeit immer wieder in die Handlung des Romans zurück, der im Gegensatz zu manchem Vorgänger wieder allerhand Dialog enthält. Das tut dem Lesefluss gut und führt vor allem anhand der Hauptfigur vor Augen, dass trotz sorgfältiger Lebensplanung und reichlich Bildung niemand vor Fehlentscheidungen sicher ist und dass scheinbar durchschaubare politische Entwicklungen völlig anders ausgehen können als vorhergesagt. Nicht jedem wird diese Mischung aus Geschichtserzählung und Gesellschaftsroman zusagen, doch an literarischer Qualität hat der Autor nichts eingebüßt. Vor allem widersteht der einstmals überzeugte Linke Guillou der Versuchung, Kommunisten und Nationalisten vor dem historischen Hintergrund gegeneinander auszuspielen, sondern lässt die Beteiligten ihre Zweifel an beiden Ideologien freimütig äußern. Respekt dafür. Originaltitel: "Att inte vilja se" Seitenzahl: 432 Format: 14,6 x 22,1 cm, gebunden Verlag: Heyne

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