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Rezensionen zu
Hotel Alpha

Mark Watson

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€ 9,99 [D] inkl. MwSt. | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis)

Erfahrungsgemäß kann man in den Londoner Hotels jedes vollstellbare Szenario erleben. Von winzigen Zimmer, in denen ein Doppelbett wie ein Schiff in einer Flasche wirkt bis zu Unterkünften, auf deren Flora und Fauna jede Wildnis neidisch wäre - all dies ist keine Seltenheit in dieser Kapitale, in der Touristen bereitwillig horrende Preis für ein Nachtlager zahlen. Freiwillig unfreiwillig findet man sich so rasch in einem Abenteuerurlaub wieder, den man so gar nicht gebucht hatte. Eine durchaus ebenfalls aufregende, aber deutlich angenehmere Zeit kann man dann schon eher erleben, wenn man in das prunkvolle, mit fünf Sternen dekorierten "Hotel Alpha" wie es von einem meiner Lieblingsautoren Mark Watson erschaffen wurde, eincheckt. Das Nobelhotel Alpha ist eine Welt für sich. Seit seiner Eröffnung im Jahr ist das Hotel der Hotspot Londons geworden. Schuldig daran ist vor allem der charismatische Hotelbesitzer Howard York, der mit seinen Charme jeden Gast um den Finger wickeln kann. Ob es nun schier endlos scheinende Feiern oder ob in einem der Gästezimmer ein Brand ausbricht - im Alpha kann alles passieren. So entstehen im Laufe rund der 40-jährigen Hotelhistorie, die dieses Buch umfasst, einige teilweise schockierende Anekdoten. Erzählt werden diese Geschichten von Graham, dem alteingesessenen Concierge, und Howards blinden Ziehsohn Chas. Mark Watson ist u.a. Radiomoderator, Comedian und Romanautor. Nachdem ich bereits vor einiger Zeit sein Debut "Ich könnte am Samstag" aus einer Bücherkiste gefischt habe und nach dem Lesen mit jeder Faser begeistert und verliebt war, waren meine Erwartungen an sein neuestes Werk dementsprechend hoch. Dass sie vollends erfüllt wurden, würde ich an dieser Stelle zu gerne verkünden, doch leider war dies nicht ganz der Fall. Zwar verschlang ich den Roman in Windeseile, aber dennoch fehlte mir irgendwie ein packender Moment der Spannung, der mir in Erinnerung geblieben ist. Watson ist ein toller Geschichtenerzähler. Alle Male wett gemacht wurden die vermeindlichen Schwächen der Handlung daher durch die sprachlichen Fähigkeiten des Autors. Schon deshalb bleibt es aufregend, in diesem Buch, die merkwürdig vernetzten Geschichten, die sich in den Gemäuern des Hotels abspielen, zu erkunden. Lesenswert des Lesens wegen. "Hotel Alpha" ist ein Buch, an das ich gerne zurückdenke. Und sei es auch nur, weil ich mir wünschte, die Hotels, in die ich gewöhnlich in London einchecke, wären dem beschriebenen wenigstens ein bisschen ähnlich. P.S.: In digitaler Form kann man, wenn man möchte, noch weiter in die Geschichte(n) des Hotels eintauchen. Dieses Mal aus der Sicht der Gäste. Darunter auch so eine britische Band. Ich komme gleich auf den Namen. Es war irgendwas mit Rollen und Steinen.

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Es sind weder das Savoy noch das Ritz, die den Hintergrund für den neuen Roman des englischen Multitalents Mark Watson – Autor, Moderator und Stand up-Comedian - bilden. Und dennoch steht eine Londoner 5-Sterne-Luxusherberge im Zentrum des Geschehens, das (fiktive) Hotel Alpha. Nomen est omen, denn „Alpha“, der erste Buchstabe des griechischen Alphabets steht umgangssprachlich für „das Höchste“, „das Größte“, „das Beste“. Und genau das ist es, was Howard York im Sinn hat, als er in den sechziger Jahren ein heruntergekommenes Gebäude übernimmt und beschließt, daraus ein Luxushotel zu machen. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten stellt er das passende Personal ein, und so findet Graham Adam als Concierge bzw. als der „gute Geist“ des Hauses seine Lebensaufgabe. Komplettiert wird das Trio durch Chas, einen Jungen, der bei einem schrecklichen Unglück im Hotel nicht nur seine Familie sondern auch sein Augenlicht verliert und von dem Hotelbesitzer adoptiert wird. Watson erzählt die Geschichte des Hotels und seiner Bewohner über einen langen Zeitraum und lässt so ganz nebenbei ein halbes Jahrhundert mit seinen Veränderungen in Technologie und Gesellschaft Revue passieren. Er bedient sich dazu seiner beiden Hauptfiguren Graham und Chas, aus deren Perspektiven er sowohl Banalitäten als auch wichtige Ereignisse schildert. Gleichwohl sind es die menschlichen Dramen und Komödien, die diesen Roman lesenswert machen, denn der Autor taucht tief in seine Personen ein, gibt ihnen genügend Zeit zum Wachsen und verleiht ihnen so nach und nach Kontur, sodass man automatisch die großen und kleinen Dramen des Hotelalltags hautnah miterlebt. Fast könnte man meinen, man würde in einem Clubsessel in der Lounge sitzen und als stiller Gast das Geschehen beobachten. Und offenbar hat der Mikrokosmos „Hotel Alpha“ auch Mark Watson in seinen Bann geschlagen, denn mittlerweile gibt es noch eine Vielzahl von Kurzgeschichten, mit denen er Ereignisse und Personen in und um das Londoner Luxushotel erweitert und ergänzt. Eine nette Sommerlektüre, die sich gut im Liegestuhl lesen lässt – idealerweise im Londoner Green Park mit dem RITZ im Blickfeld.

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In dem Buch geht es um die Geschichte eines Hotels, welches einen Mikrokosmos in London darstellt. Über Jahrzehnte gehört es zu den besten Adressen der Stadt. Dabei ist es eine kleine Welt für sich. Besonders für die beiden Erzähler, Graham und Chas, stellt es fast das gesamte Universum dar. Graham der Concierge sieht alles, was vor sich geht und lebt für dieses Hotel und den adoptierten Sohn der Besitzerfamilie, den blinden Chas. Diese beiden Hauptcharaktere erzählen aus ihrer Sichtweise die Geschichte des Hauses und die Ereignisse in London. Der Autor, Mark Watson, 1980 in Bristol geboren, ist nicht "nur" Romanautor. In Cambridge studierte er Literaturwissenschaften und spielte in der Theatergruppe mit. Er ist bekannt als Kolumnist, Radio- und Fernsehmoderator und international ein erfolgreicher Stand-up Comedian, der vor allem durch seine 24h Marathonauftritte bekannt wurde. Mark Watson hat mit diesem Buch etwas anderes geschaffen. Zum einen hat er diesen sehr tollen Roman geschrieben, zum anderen hat er viele weitere Geschichte geschrieben, welche Verbindungen zwischen verschiedenen Personen bestehen. Diese Geschichten hat er auf einer Homepage (www.hotelalphastories.de) veröffentlicht. Dadurch hat er ein kleines Universum geschaffen, in welchem er nicht nur den Hauptcharaktere Leben und Hintergrundgeschichten gibt sondern, auch jeder noch so kleine Nebencharakter etwas Besonderes ist. Chas und Graham sind zwei wunderbare Hauptcharaktere. Beide sind keine allwissenden Erzähler, aber außenstehend, sodass sie manchmal objektiv berichten können und im Verlauf des Romans beginnen, Dinge zu hinterfragen Genauso sind sie aber auch in die Geheimnisse des Hotels involviert. Dabei ergänzen sich die beiden Sichtweisen sehr gut und geben dem Leser ein vielseitiges Gesamtbild, mit der Möglichkeit sich eigene Gedanken zu machen. Außerdem sind die beiden Personen sympathisch und ihre Motive werden gut erklärt, dass man als Leser die meisten Handlungen gut nachvollziehen kann. Im Verlaufe des Romans, bekommt der Kosmos des Hotels immer mehr Risse. Zum einen hält die Technik Einzug. Diese stellt für Graham eine Bedrohung dar, da er gerne auf altmodische und traditionelle Art lebt. Für Chas hingegen ist sie ein Tor in die Welt. Er entdeckt dadurch, zumindest virtuell, die Welt außerhalb des Hotels. Die Geschichte des Hotel Alphas ist verwoben mit der Geschichte des Fortschritt und der Technisierung. Eine besondere Rolle spielen dabei die Computer. Es ist interessant, zu lesen, dass vor gerade mal 50 Jahren noch keiner an diese alltäglichen Gegenstände gedacht hat und wie selbstverständlich sie sich heute in unser Leben integrieren. Watson schafft es gut zu jedem Punkt den er anbringt, wie Computer oder die Bewerbung Londons für die Olympische Spiele 2012, einen Charakter für die Pro und einen Charakter für die Kontraseite zu schreiben. Dadurch bilden sich zahlreiche Konflikte, welche dem Roman viel Spannung geben. Die Geschichte an sich ist ebenfalls durchaus lesenswert, spannend bis (fast) zum Schluss, bei dem immer mehr über das Familiengeheimnis ans Tageslicht kommt. Außerdem beschreibt der Autor die einzelnen Jahrzehnte gut und durch die Wortwahl schafft er eine Vibration zwischen den Seiten, dass das Buch gut lesbar macht.

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Über die Veränderungen im Leben

Von: Philipp Schneider

08.06.2015

Mark Watson bietet mit diesem Roman nicht bloß ein einzelnes Buch, sondern ein ganzes Universum an, denn parallel zu dem Roman hat er einige Kurzgeschichten geschrieben, von denen einige bereits am Ende des Romans zu finden sind, während die übrigen als eBooks ebenfalls bei Heyne zu erwerben sind, die ebenfalls in dem titelgebenden Hotel Alpha angesiedelt sind und das Hotel, die Personen, die erzählte Geschichte aus einem anderen Blickwinkel erzählen. Im Mittelpunkt steht das bereits erwähnte Hotel Alpha, welches in einem alten Londoner Gebäude in den 60er-Jahren errichtet wird. Dabei wird die gesamte Geschichte um jenes Hotel, das bald zum begehrtesten Schlafplatz in London, gar dem Vereinigten Königreich wird, und seinem Besitzer Howard York anhand zweier Figuren erzählt: Einerseits ist dort der sympathische Concierge Graham, von dem man das Gefühl hat, man kenne ihn schon ewig, und andererseits der nach einem schrecklichen Unfall im Hotel Alpha erblindete Chas, der daraufhin zum Ziehsohn der Yorks wird. Anregend und äußerst gefühlvoll entwickelt der Autor anhand dieser beider Figuren die Grundlage für das Universum rund um das Hotel Alpha. Besonders erwähnenswert ist, dass Mark Watson anhand des Hotel Alphas nicht nur von den tiefgründigen Veränderungen des einzelnen Menschenlebens erzählt, sondern auch die Geschichte der letzten vierzig, fünfzig Jahre rekapituliert: Technik, Politik, Wirtschaft, all das und noch mehr spielt hier eine große Rolle. An sich verspricht dieser Roman ein wirklich großer zu werden, aber dennoch schafft es Watson nicht ganz, mich mitzureißen und zu überraschen. Der eigentlich hochdramatische Höhepunkt der Geschichte vermag nicht zu überzeugen, da er nicht mit Watsons Sprache, die wirklich unglaublich ruhig ist, korrespondiert und es daher letzten Endes wie bloß positioniert und auch etwas zu konstruiert wirkt. Unterm Strich ist "Hotel Alpha" trotz dieser einen Schwäche durchaus empfehlenswert, da er eine tiefe Einsicht bietet, die ungeheuer zeitgemäß ist, nämlich sich das menschliche Miteinander, das Zivilisierte beizubehalten, zu jeder Zeit, denn ohne dieses sind wir am Ende nichts. Empfehlen möchte ich an dieser Stelle auch die Kurzgeschichten, da sie die Geschichte zwar nicht unbedingt weitererzählen, aber dennoch aus einem anderen Blickwinkel betrachten und sich somit nicht nur ein ganzheitliches Bild des Hotel Alphas ergibt, sondern auch einer auf die Geschichte und Geschehnisse seit den 60er-Jahren.

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Hotel Alpha

Von: Holger Naumann

16.05.2015

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es geht um die Geschichte des Hotels, das mit dem Schicksal dreier Menschen eng verwoben ist, so wird auch aus unterschiedlicher Sicht erzählt. Jeder der Geschichten ist für sich spannend und unterhaltsam, aber durch den Wechsel kommt auch keine Langeweile auf. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, ebenso auch das Cover des Buches. Einen Stern Abzug gibt es für ein wenig zu lang geratene Abschnitte.

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amüsant und unterhaltend

Von: Franka Wermeling

04.05.2015

Erzählt wird die 40jährige Geschichte des "Hotel Alpha", von seiner Eröffnung in den 60er Jahren bis zum Jahr 2005. Im Vordergrund stehen dabei die drei Personen, dessen Lebensgeschichten besonders stark mit dem Hotel verbunden sind: der exzentrische Inhaber Howard York, sein langjähriger Angestellter und die gute Seele des Hauses Graham Adam und der Junge Chas, der bei einem Brand nicht nur seine Mutter sondern auch sein Augenlicht verloren hat und von den Yorks adoptiert wird. Die Geschichte des "Hotel Alpha" wird aus der Sicht von Graham, dem Concierge und damit demjenigen, der mit allen Gästen des Hauses in Kontakt tritt, und aus der Sicht von Chas, erzählt. Chas hat aufgrund seiner Blindheit einen ganz anderen 'Blick' auf die Gäste und Geschehnisse des Hotels, als alle anderen handelnden Personen, daher ergänzen sich die Geschichten der beiden Protagonisten gut. Die Idee dahinter finde ich sehr schön, leider bleiben die Figuren selbst dennoch etwas zu blass. Zu Beginn brauchte ich persönlich ein wenig Zeit, um mich in die Handlung und die handelnden Personen einzufühlen. Aber ab der zweiten Hälfte nimmt das Buch immer mehr Fahrt auf. Gut finde ich auch, dass zwischendurch immer wieder Bezug auf reale Ereignisse der Geschichte genommen wird, so z.B. die Anschläge auf das World Trade Center und die U-Bahn in London. Auch auf die Fortschritte der Technik nimmt der Autor Bezug, so dass die Themen Computer und Internet einen großen Stellenwert im Roman einnehmen. Den Autor selbst scheinen diese Themen auch sehr zu faszinieren, denn er hat seinen Roman mit zusätzlichen 100 Kurzgeschichten zum "Hotel Alpha" angereichert, die man auf der Internetseite 'www.hotelalphastories.de' einsehen kann. Diese Internetseite ist wirklich toll gestaltet und bietet denjenigen, die das Buch nicht aus den Händen legen konnten, zusätzliche Lesefreude. Das Buch selbst, losgelöst von diesen zusätzlichen Geschichten, empfand ich als nicht abgeschlossen, als wäre es schon mit der Absicht geschrieben worden, dass es eine Fortsetzung der Geschichten um Howard, Graham und Chas geben soll. Ich hätte mir noch viel mehr Seiten und tiefergreifende Geschichten gewünscht, da das Thema des Romans wirklich spannend ist. Der Autor Mark Watson schreibt in einem schönen, unterhaltenden und amüsanten Stil. Alles in allem würde ich sage, dass das Buch den Leser recht gut unterhält. Für jeden, der gerne beim Lesen schmunzelt, ist es sehr zu empfehlen.

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Hotelleben

Von: Fornika

29.04.2015

„Finde heraus, was die Leute wünschen. Erfülle ihre Wünsche. Dazu ist das Alpha da.“ (S. 26) So lautet Howard Yorks Maxime, nach der seine Mitarbeiter im 5-Sterne-Hotel Alpha arbeiten. Graham ist einer der ersten, der in diesem Londoner Hotel seine berufliche Heimat als Concierge findet. Doch auch der kleine Junge Chas strandet nach dem Tod seiner Mutter im Alpha. Über mehrere Jahrzehnte hinweg erstreckt sich die Handlung. Kleine und große Dramen spielen sich im Alpha ab, aktuelle Ereignisse werfen ihre Schatten, Leben werden gelebt, die Zeit wandelt sich. Doch das Alpha bleibt einem Fels in der Brandung gleich bestehen und mit ihm seine liebenswerte „Stammbesetzung“. Watson erzählt in einem ruhigen Ton, eher bruchstückhaft ergeben einzelne Episoden das große Ganze. Die Geschichte wird abwechselnd aus zwei Perspektiven (Graham & Chas) erzählt, die sich recht gut ergänzen. Insgesamt liegt der Fokus jedoch vor allem auf der Charakterentwicklung dieser Personen. Grahams Charakter hat mir sehr gut gefallen: ein sehr höflicher und zuvorkommender Mensch, der in seiner Arbeit völlig aufgeht, ja geradezu nur für seine Arbeit zu leben scheint. Doch zwischendurch lässt er hinter die eigene Fassade blicken und da sieht es doch manchmal etwas anders aus als erwartet. Mich hat er oft an den Butler aus „Was vom Tage übrig blieb“ erinnert. Chas blieb mir die meiste Zeit doch eher fremd, er lebt ein relativ realitätsfernes Leben und das habe ich dem Autor einfach nicht so recht abkaufen können. Howard ist da der krasse Gegenpol, ein extrovertierter Lebemann, der so dem Alpha seinen ganz besonderen Stempel aufdrückt. Der vermeintlich große und dramatische Höhepunkt der Geschichte war für mich dann doch eher unbedeutend, sodass die Handlung für mich gegen Ende etwas dahinplätscherte. Im Großen und Ganzen fühlte ich mich aber trotzdem immer gut unterhalten. Ergänzend zum Roman veröffentlicht Watson weitere Kurzgeschichten rund um das Alpha unter www.hotelalphastories.de, einige davon sind als Appetithäppchen am Ende des Buches abgedruckt.

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Für Graham ist es von Beginn an die Erfüllung. Auf der Suche nach einer neuen Arbeit stellt sich der altmodisch wirkende junge Mann in der Reihe der souverän wirkenden Bewerber innerlich ganz hinten an. Warum sollte auch gerade eher den Posten als Concierge in diesem neuen Hotel erhalten, dessen Eröffnung allein schon ob des charismatischen neuen Besitzers Howard York mit größter Spannung erwartet wird. Einer, der ungewöhnliche Wege geht, einer, der querdenkt, der ein Quereinsteiger an sich bereits ist. Einer, der seine ganz besondere Form des Bewerbungsgespräches wählt und damit Graham vom hinteren Ende des Bewerberreigens direkt an den Tresen des neuen Hotels bringt. Eine Eröffnungsparty die knapp 24 Stunden dauert, ein sehr geschicktes Marketing, aber auch ein wirklich großes Herz, das ist, was Howard York auszeichnet. Und in all seinem teils auch kreativen Wirrwarr, seiner überschäumenden Art ist Graham die bestmögliche Person, ein Gegengewicht zu bieten. Den zurückhaltenden Dienst am Gast zu perfektionieren, mal auf den Knien noch kleine Flecken vom Boden zu wischen und, vor allem, immer an den persönlichen Schicksalen, ja auch an Dramen, der Menschen im Hotel beteiligt zu sein. Einer davon ist der kleine Chess, der früh erblindet (nicht einfach so, sondern unter dramatischen Umständen, die einen Kern des Buches bilden) und der nun als Adoptivsohn Howards mit im Hotel wohnen bleibt. Graham und Chess sind die beiden Perspektiven, aus denen heraus Watson seine sehr flüssige und auch im Stil anregend zu lesende Lektüre entfaltet. Der nach rückwärts gewandte, alltäglichen Ritualen verbundene Graham (der immer Schinken und Pommes Frites zum Abendessen isst, komme, was da wolle) und der heranwachsende Chess, der trotz seiner Behinderung ein Computer Fachmann werden wird und damit für die neue Zeit, die großen Veränderungen steht. Veränderungen, die Watson auch im Kleinen erzählt, in der neuen Telefonanlage, in der neuen Reservierungstechnik, sogar an das Heiligste soll es herangehen, an die wunderbaren Schlüssel zu den Hotelzimmern. Sehr lebendig verknüpft Watson die Schicksale der Personen, zeigt erzählerisch mit sprachlicher Leichtigkeit all die Veränderungen der letzten Jahrzehnte auf, die nicht nur den Hoteltresen modernisieren, sondern auch die Menschen verändern. Und lässt bei all dem die persönliche Ebene seiner Protagonisten nicht aus dem Blick, denn da wartet noch ein dunkles Geheimnis über ein dramatisches Geschehen, welches Graham und Howard teilen. Ein ruhiger Roman zur Veränderung des Lebens schon durch die Technik gegenüber der wundervoll ruhigen und menschenzugewandten Atmosphäre im neuen, bald gar nicht mehr so neuen Hotel Alpha. In dem nicht unbedingt viel an dramatischen Verwicklungen passiert. Sich das Menschliche zu erhalten, einander zur Seite zu stehen ohne das finanzielle Überlegen außer Sicht zu verlieren, dass ist das ein wichtiges Thema dieses Buches. Ein Thema, das Watson flüssig und sprachlich sehr passend vor Augen führt.

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