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Rezensionen zu
Das Streichelinstitut

Clemens Berger

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€ 10,99 [D] inkl. MwSt. | € 11,30 [A] | CHF 16,90* (* empf. VK-Preis)

Wenn man gewisse Erwartungen an einen Roman stellt, hat dieser häufig nicht die Möglichkeit diese zu erfüllen. So erging es leider auch dem Buch "Das Streichelinstitut", in dem Protagonist Sebastian, ewiger Student, besagtes Streichelinstitut eröffnet. Auf die Idee, diesen beruflichen Schritt zu gehen, ist seine Freundin Anna gekommen, die begeistert von Sebastians Streicheleinheiten, nicht nur seine Fähigkeiten, sondern auch das Bedürfnis vieler Menschen nach Nähe und Zärtlichkeit, erkennt. Klingt kurzzeitig nach einem Erotiroman, ist es aber nicht. Sebastians Absichten sind rein hilfsbereiter Natur und erfolgen nach festgesetzten Regeln, die nur Tätigkeiten oberhalb der Gürtellinie einschließen. Das Interessante am Buch sind die Personen, die aus den verschiedensten Gründen die Dienstleistung des Streichelinstituts nutzen und sich mit Hilfe von Sebastians magischen Händen ihre Probleme wegstreicheln lassen. Probleme, die sich sehr im psychologischen Bereich einbetten lassen und gewisse Grundkenntnisse in der Psychologie, aber vor allem auch der Philosophie voraussetzen. Was ich erwartet hatte: einen Wohlfühlroman, der sanft streichelnd für locker wärmende Lesestunden sorgt. Was "Das Streichelinstitut" tatsächlich ist: ein gesellschaftskritischer Roman mit deutlich spürbaren philosophischen Zügen. Dadurch, dass ich mit anderen Erwartungen an das Buch rangegangen bin, hat es lange gedauert, bis ich überhaupt in die Geschichte reingekommen bin. Das erwünschte Lesewohlbefinden hat sich leider gar nicht eingestellt. "Das Streichelinstitut" ist ein kluger und witziger Roman, der leider weder zu meiner Lesestimmung, noch zu mir gepasst hat.

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"Das Streichelinstitut" von Clemens Berger ist einer dieser Romane, die gewisse meiner Dozenten als besonders literarisch bezeichnen würden, bei denen ich immer das Bedürfnis habe, das Uni-Vokabular hervorzukramen und mit literaturwissenschaftlichen Fachausdrücken um mich zu schmeißen. Allerdings mache ich das auf dem Blog eigentlich nicht gerne, ich zumindest finde es immer nervig, wenn ich statt einer gut verständlichen und leicht zu lesenden Buchbesprechung plötzlich eine hochtrabende Literaturanalyse vorgesetzt bekomme. Also versuche ich es mal so ;) Clemens Bergers Roman ist jedenfalls keine leichte, seichte Unterhaltungslektüre, die man einfach so weglesen kann. Er stellt einen gewissen Anspruch an den Leser, hat eine gewisse Tiefe und bringt einen hier und da doch ziemlich ins Schleudern, wenn man sich mit den Personen, Konzepten, etc., auf die Bezug genommen wird, nicht auskennt. Trotzdem lässt er sich aber im großen und ganzen gut lesen. Das liegt vor allem natürlich daran, dass der Autor einfach einen sehr eingängigen Schreibstil hat und dass die Geschichte, die er erzählt, einfach eine sehr persönliche ist, sodass einem Protagonist Sebastian schnell ans Herz wächst und man seinen Werdegang und den seines Streichelinstituts mit großer Faszination beobachten will. Teilweise fand ich das Buch aber auch recht anstrengend zu lesen, denn neben vielen anderen Themen spielt auch Kommunismus vs. Kapitalismus eine Rolle und auch wenn die Politik sicherlich nicht Hauptthema ist, ist sie doch (fast) immer präsent und hat den Roman an einigen Stellen für mich etwas ermüdend werden lassen. Mit seinem Roman erzählt Clemens Berger eine Geschichte voller Konflikte, seien es nun solche auf politischer Ebene, der Versuch ideologische Überzeugungen und notwendiges Handeln unter einen Hut zu bringen oder die Auseinandersetzung mit einer Stadt, die man gleichzeitig liebt und verachtet, immer geht es hier um das Bestreben seine Wünsche und Ziele mit dem in Einklang zu bringen, was einem das Leben an Möglichkeiten bietet - dass das nur in den seltensten Fällen ohne weiteres klappt, ist wohl kaum verwunderlich. Alles in allem hat mir "Das Streichelinstitut" von Clemens Berger ziemlich gut gefallen, auch wenn ich mich eine Weile mit dem Buch herumgeschlagen habe, da es sich nicht mal eben so weg lesen lässt. Trotzdem konnte es mich, wenn auch nicht restlos, überzeugen und es gibt eindeutig eine Empfehlung für diesen Roman!

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