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Rezensionen zu
Mein Leben nach der Todeszelle

Damien Echols

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€ 20,95 [D]* inkl. MwSt. | € 20,95 [A]* (* empf. VK-Preis)

Mit nur 18 Jahren werden Damien Echols, Jason Baldwin und Jessie Misskelley Jr. für einen Mord an drei Kindern zu lebenslangen Haftstrafen bzw. Echols sogar zum Tode verurteilt. Ein langer Kampf gegen das Urteil beginnt, zermürbt und lässt drei junge Männer schrecklich altern. Mit prominenter Unterstützung von Henry Rollins, Pearl Jam, Johnny Depp, Peter Jackson und zahlreichen weiteren prominenten und privaten Helfern, gelingt es nach 18 Jahren endlich, die sogenannten West Memphis Three freizubekommen. Echols erzählt seine Geschichte in Aufzeichnungen aus dieser Zeit. Ein Fall, der weltweit für Aufsehen und Entsetzen gesorgt hat, dabei ging es gar nicht mal um die Opfer, die drei Kinder, noch keine zehn Jahre alt, die ihre Leben durch ein Gewaltverbrechen verloren. Es gibt noch mehr Opfer, deren Eltern und Angehörige, um die es aber auch nicht geht. Das alles ist eine andere Geschichte, die hier kaum Raum findet, nur in zwei, drei Nebensätzen wird ein bisschen Mitleid denjenigen entgegengeschleudert, die ihre Kinder verloren haben. Es gibt noch drei weitere Opfer und das sind die West Memphis Three, die für die Tat verurteilt wurden. Damien Echols gilt als Hauptverantwortlicher und wird mit nur 18 Jahren zum Tode verurteilt, ohne die Tat überhaupt begangen zu haben. Zu Beginn des Buches beschreibt er eine entbehrungsreiche Kindheit mit viel Hass, Ablehnung und Verzicht. Ständig auf der Verliererseite stehend, der Außenseiter seiend, der viel liest und irgendwann seine Liebe zu Metal entdeckt, was man ihm später vorwerfen und als Argument gegen ihn vorbringen wird. Es ist eine erschreckende Dokumentation von Abneigung und Vorverurteilung, die hier vorliegt. Jedes Dorf braucht seinen Sündenbock und die Schwachen werden es, ohne je einen Fürsprecher an ihrer Seite zu haben. Echols muss sich mit blinden Polizisten herumschlagen und einer parteiischen Justitia, versucht irgendwie durch das Leben zu kommen und lebt den amerikanischen Albtraum von Armut, Gewalt, Sucht und Versagen. Das ist kein Einzelfall, keine einmalige Geschichte, die nur ihm widerfährt, das erlebt man täglich, manchmal schaffen es diese Geschichten in die Zeitung, manchmal erhalten sie internationale Aufmerksamkeit, meist dann, wenn es zu spät ist, wenn es Opfer gibt, Tote. Ein Kampf gegen Windmühlen, der nicht gewonnen werden kann. Sein Weg endet in der Todeszelle, in Dreck, weiterer Gewalt, in dem Gefühl, ausgeliefert und alleine zu sein, in Hunger, unter der Willkür der Wärter, die irgendwo auf dem Weg zwischen Parkplatz und Gefängnisflur vergessen haben, dass dort Menschen vor sich hin vegetieren, hoffend, wartend, mit Würde, egal ob sie schuldig sind oder nicht, mit einem letzten Rest an Rechten. Niemand hat es leicht im Knast, der sich an Kindern vergriffen hat, das ist eines der ungeschriebenen Gesetze, und die Täter sind allen ausgeliefert, oftmals lassen die Wärter das die Gefangenen unter sich ausmachen, manchmal greifen auch sie ein und lassen spüren, dass niemand sich an einem Kind vergreifen darf. Echols hat sich nicht vergriffen, niemanden umgebracht, er hat nur die falsche Herkunft, dabei ist er nicht einmal schwarz, kein Latino, er ist ein Weißer, aber der ewig Schuldige, Verfolgte, der Satanist, der Hexer, der falsche Musikgeschmack, der Teufelsanbeter. Doch in all dem Dunkel gibt es Licht, denn Echols findet zum einen Halt in verschiedenen religiösen Anschauungen, zum anderen heiratet er im Gefängnis und zum dritten erhält er massive Hilfe und Unterstützung von außen. Da sind die Prominenten, sie von der Verurteilung und dem Fall hören, die Briefe lesen, die wiederum andere Promis darauf aufmerksam machen. Da fließen viele Gelder, die Echols ein Leben im Gefängnis, in dem man sich alles selbst kaufen muss, aber nicht arbeiten darf, überhaupt ermöglichen und auch weitere Recherchen und Anwälte finanzieren. Zu Beginn der Inhaftierung kommt mit Lost in Paradise eine knallharte Reportage über die Morde und die Verurteilungen auf den Bildschirm, die auf der ganzen Welt für Aufmerksamkeit sorgt. Am Ende, als alles vorbei ist, Echols frei, alt, hasserfüllt, ein bisschen selbstmitleidig, wie es zuweilen erscheint und in jedem einen Feind sehend, gibt es noch einen Film und einen Soundtrack mit allem, was Rang und Namen hat über die West Memphis Three. Das Buch lässt einen stumm zurück. Entsetzt und an manchmal Stellen ein bisschen wütend, nicht auf die Regierung oder die Polizei, sondern auf Echols selbst. Nichts entschuldigt, was er unschuldig verurteilt durchstehen musste. Aber irgendwo am Ende seines Buches und auch mittendrin, wird er zu arrogant, zu selbstmitleidig, er ist der einzige Intelligente im Knast, der einzige von dreien, der unschuldig im Gefängnis ist, er alleine muss Ungerechtes erdulden, ins Loch, die Willkür aushalten, sonst niemand. Dem muss man entgegenhalten, dass der Knast, gerade die Death Row unheimlich abstumpfen und zermürben, dass jeder etwas von seiner Seele in den endlosen Gängen und der Dunkelheit zurücklässt. Dass nach eigenen Angaben fast jeder unschuldig ist, dass viele gar nicht mehr wissen, warum sie noch weiter einen aussichtslosen Kampf kämpfen sollen. Vor allem aber, dass den allermeisten prominente Unterstützung fehlt, die den Fall nicht ruhen lassen und munter Geld spenden. Das macht nichts ungeschehen, das bringt keine 18 Jahre Lebenszeit zurück, aber es sind Privilegien, die die meisten Verurteilten nicht haben – und das ist es, was man dem Autor ankreiden kann, so sehr man auch seinen Hass nachvollziehen kann, dass manchmal fehlt, dass er dankbar für diese Hilfen ist und sieht, welches Glück er hatte, diese Unterstützer an seiner Seite zu haben. Was bleibt, ist ein eindrückliches Buch, das nachwirkt und nachdenklich macht. Die Hörbuchfassung ist von David Nathan eingelesen worden, der durch seine ruhige Art, sachlich und an den richtigen Stellen eindringlich emotional rüberbringt, was Echols zu sagen hat. Das Buch alleine reicht nicht, es empfiehlt sich, die Filme dazu zu sehen und sich mit dem Fall vertraut zu machen – und die Geschichte der West Memphis Three als Mahnung zu sehen, Dinge zu hinterfragen und Vorurteile abzubauen. Echols ist heute frei, arbeitet als Autor, zeremonieller Magier und Filmproduzent.

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