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Rezensionen zu
Die Entscheidung

Charlotte Link

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€ 22,99 [D] inkl. MwSt. | € 23,70 [A] | CHF 32,50* (* empf. VK-Preis)

Charlotte Link bringt in „Die Entscheidung“ wieder einmal die unterschiedlichsten Charaktere zusammen, die mitunter zu polarisieren wissen, sich gleichzeitig aber auch zurückziehen können und weniger Präsenz zeigen. Dennoch ist es für den Hörer nicht unbedingt leicht die Figuren und ihre Eigenschaften in Gänze zu erfassen, da diverse Handlungsstränge in die jeweiligen Entwicklungen einspielen und ein immer größeres Netz spinnen. Mit Sicherheit heißt das Zauberwort Konzentration, denn davon benötigt man einiges, um der Lage Herr zu werden und sämtliche Querverbindungen zu ziehen. Nichtsdestotrotz gelingt dies zuweilen nur mühsam oder leider auch gar nicht. Es scheint als wäre das Geschehen so enorm in sich verstrickt, dass selbst die Autorin nicht immer den Überblick behalten kann. Sicherlich wird im Zusammenspiel von inhaltlicher Darstellung und brisanter Thematik ein gewisses Maß an Spannung erzeugt, allerdings nicht kontinuierlich, so dass die Kurve entsprechend regelmäßig absackt. Dadurch ergeben sich mitunter langwierige Passagen, trotz dessen, dass es sich um eine gekürzte Lesung handelt, bei der man meinen könnte, ebenjene Sequenzen würden entfallen. Es ergibt sich ein ähnliches Wechselspiel wie bereits beim Erfassen der Protagonisten, denn zeitweilig hält die Autorin Überraschungsmomente bereit, die den Hörer regelrecht umhauen. Friederike Kempter versucht die vorherrschende Atmosphäre einzufangen und dem Hörer zu vermitteln. Dies klappt auf Grund der zuvor genannten Widrigkeiten nur bedingt, eine gewisse Basis allerdings kann sie erschaffen. Sie bildet gewissermaßen den Ruhepol zum ansonsten scheinbar unstrukturierten und somit unruhigen Geschehen. Man spürt deutlich die eigene Interpretation der Sprecherin, die den Hörer jedoch nicht in eine bestimmte Richtung lenkt, sondern eher eine Möglichkeit aufzeigt, der jedoch eigene Theorien entgegengestellt werden können. Es sind fast 12 Stunden lauter Höhen und Tiefen, in vielerlei Hinsicht. Positive wie negative Seiten der „Entscheidung“ halten sich inhaltlich und stilistisch in etwa die Waage, so dass man guten Gewissens auf ein solides Werk der Autorin blicken, ihm aber nur eine mittelmäßige Bewertung geben kann.

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Zuallererst muss ich sagen, dass Charlotte Link mit zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört. Eine Bücherreihe im Regal ist bei mir zuhause allein ihr gewidmet. Deswegen war ich natürlich total gespannt, als das neue Buch „Die Entscheidung“ veröffentlicht wurde. Der Titel verrät bereits: Manchmal kann eine einzige Entscheidung dein komplettes Leben verändern - wie auch bei Simon. Diese Geschichte ist für mich persönlich aber anders, als die bisherigen Bücher von Charlotte Link. Denn was ich besonders an ihren Büchern mag, ist, dass man in das Leben verschiedener Personen eintaucht und oftmals so gar nicht weiß was der eine mit dem anderen zu tun hat. Erst im Laufe der Zeit wird klar, in welcher Beziehung die Personen zueinander stehen. Bei "Die Entscheidung" ist es mir sehr früh klar wie das Ganze zusammenhängt. So beeindruckend ich die Integration von aktuellen Geschehnissen, wie dem Terroranschlag von Paris, und auch der Flüchtlingskrise finde, so fehlt trotzdem im Laufe der Geschichte das typische Charlotte Link-„Aha-Erlebnis“. Stattdessen beende ich das Buch relativ frustriert und mit einigen offenen Fragen. Simon und Nathalie sind durch die Erlebnisse definitiv um einiges stärkere Charaktere geworden. Ich frage mich aber, ob der ein oder andere Schicksalsschlag dafür tatsächlich notwendig war. Und was passiert dann am Ende mit den beiden? Wie soll Nathalies Leben weitergehen? Sie steht am Ende des Buches ja quasi ohne irgendetwas da. Und wie kann Simon sein Leben weiterleben? Er hat Stärke gegenüber seiner Exfrau bewiesen, aber was ist mit dem Rest? Er trägt eine Schuld, die niemand so einfach verarbeiten kann. Eine weitere Person ist auch Ninka: Ihre Eltern haben so viel Stärke bewiesen, die Mutter ist über sich hinausgewachsen - der Leser bleibt aber im Unklaren, ob die Familie aus Bulgarien jemals wieder vollständig und vor allem glücklich sein wird. Das Buch hat gezeigt, dass beide Elternteile ohne ihre Tochter niemals zurück in ihr normales Leben können. Mein Gesamteindruck: Nicht eines meiner absoluten Lieblingsbücher von Charlotte Link - aber lesenswert!

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Die mittlerweile 54-jährige Bestseller Autorin Charlotte Link hat ihr nächstes Buch herausgebracht. Sie gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren. Nach den letzten zwei sehr aufregenden Büchern »Im Tal des Fuchses« und »Die Betrogene«, war die Vorfreude auf den neuen Krimi »Die Entscheidung« dementsprechend exorbitant. Charlotte Link Kenner werden von der Erzählweise wenig überrascht sein. Meisterhaft spinnt die Autorin wieder ein Netz von widerwärtigen Konflikten und Geschehnissen. Erwartungsgemäß gelingt ihr das in ihrer prägnanten Sprache äußerst famos. Die Leichtigkeit der Schilderung der Ereignisse ist eine Tugend, die diese Autorin zu ihrer breiten Beliebtheit verholfen hat. Der Stil ihres Erzählens verleitet Menschen dazu, sich auch in Geschichten verlieben zu können. Bei dem neuen Werk scheint mir jedoch die Intensität zu groß zu sein. Die Beschäftigung mit den Details zu ausgeprägt. Seitenfüller. Unwichtiges als Wichtiges reklamierend. Ungewohnt bei dieser ansonsten prägnanten Schreiberin. Die Handlung spielt sich zu einer Zeit ab, in der in Frankreich wegen der Terroranschläge immer noch der Ausnahmezustand herrscht. Die Erzählung beginnt mit einer Flucht Anfang Dezember, und umfasst eine mehrwöchige Odyssee durch Missverständnisse, Elend, Macht und Angst. Kapitelweiße werden immer die Tage datiert, an denen sich die Handlung abspielt. Eine Reise ist es auch deswegen, weil sich die Geschichte an mehreren Orten abspielt und sie, trotz der großen Entfernungen zueinander, verbindet. Paris, Lyon, Les Lecques und Sofia sind dabei zentrale Verbindungsantennen. Die Hauptprotagonisten des Romans Nathalie und Simon sind die Säulen der Erzählung. Wobei Nathalie aus einer monologartigen Ich-Perspektive ihre Geschichte und die gegenwärtigen Handlungen erzählt und Simon aus der auktorialen Erzählsicht beschrieben wird. Weiters wird die Geschichte, wie bei Link gewöhnlich, aus der Sicht von vielen verschiedenen Figuren dargestellt. Man bekommt ein Konstrukt einer Geschichte aus den Augen vieler Charaktere. Diese äußerst interessante Vorgehensweise macht den Inhalt dieses Buches spannend. Die Spannung gerät jedoch immer dann ins Wanken, wenn die Erzählung dazu neigt, alles immer genau schildern zu wollen. Es macht den Eindruck einer Erklärungsnot. Mit den zunehmenden Seiten überschwemmt diese Schreibweise die Spannungselemente. Simon ist ein 40-jähriger Übersetzer aus Hamburg, der seit einigen Jahren geschieden ist. Seine Mitmenschen echauffieren sich über seine Art, es jedem recht machen zu wollen. Durch seine Gutmütigkeit erreicht er immer das Gegenteil seiner Intentionen. Als seine Kinder ihm absagen, das Weihnachtsfest mit ihm zu verbringen, bleibt er in dem Ferienhaus seines Vaters in Frankreich alleine zurück. Seine neue Beziehung läuft ebenfalls auf sehr glattem Eis, sodass er betrübt einen Spaziergang am Strand vollzieht. Als er dort einen Streit mitbekommt und von einer jungen Frau angefleht wird ihr zu helfen, ist es wieder seine Gutmütigkeit, die ihn in eine verlegene Position kommen lässt. Er nimmt die fremde, verstörte Person mit sich in das Ferienhaus. Der größte Fehler seines Lebens. Ab diesem Moment stürzt ihn seine Hilfsbereitschaft in eine Verstrickung, die sein Leben für immer verändern wird. Das Buch handelt viele Themen am Puls der Zeit ab. Machtverhalten, Armenverhältnisse, Lebenskrisen und die heutzutage sehr präsente Thematik der Schleuserbanden sind dabei das Zentrum. Der Blick auf diese verschiedenen Themen wird sehr vergrößert dargestellt und durch die verschiedenen Charaktere manifestiert. Die Figuren, die aus verschiedenen Milieus stammen, versuchen diese Begriffe, aus verschiedener Sichtweise zu tragen und zu erklären. Die Problematik scheint mir hier zu sein, dass manchen Figuren die Authentizität fehlt. Manche Figuren wirken zu plastisch und zu hohl. Simon und Nathalie, die zwei Hauptcharaktere dieser Geschichte besitzen kaum Strahlkraft. Man fühlt sich als Leser sehr distanziert zu ihnen. Man versucht viel Abstand zu ihnen zu gewinnen. Ein Ergebnis von zu wenig Leben in den Figuren. Um Marcel Reich-Ranickis Quintessenz zu Detailverliebtheit zu verwenden: 250 Seiten weniger hätten dem Buch mehr Stärke verliehen. Charlotte Link hat schon bessere Bücher geschrieben. Jedoch ist dieses Werk eines, welches sich mit sehr essentiellen, gesellschaftskritischen Themen befasst. Zu lesen lohnt es sich aus diesem Grund allemal.

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Simon will in der Provence ein ruhiges Weihnachtsfest feiern, doch dann begegnet er Nathalie, einer jungen, verwahrlosten Frau. Er bietet ihr seine Hilfe an – und wird in eine mörderische Geschichte hineingezogen, deren Anfänge in Bulgarien liegen: bei Selina, einem jungen Mädchen, das ein besseres Leben suchte und in die Hände skrupelloser Verbrecher geriet. Selina gelingt die Flucht, doch damit löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die Simon und Nathalie zum Verhängnis werden … Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und muss sagen, das die Sprecherin zwar sehr angenehm, aber gleichzeitig auch eine etwas monotone, fast schon langweile Stimme hatte. Oft bin ich deswegen aus der Story geworfen worden, weil ich einfach abgelenkt wurde und die Sprecherin mich nicht mehr zurück in ihren Bann ziehen konnte. Die Geschichte nahm sehr langsam an Fahrt auf und war trotz der Ereignisse, die sich übnerschlagen haben in meinen Augen sehr ruhig. Es ist zwar etwas passier, aber ich bin für mein Gefühl kaum weiter gekommen. Ich habe oft auf der Stelle getanzt und wusste nicht wohin mit mir uns so ging es den Charakteren scheinbar auch. Es ist eine Geschichte mitten aus dem Leben gegriffen, Menschenhandel gibt es nicht erst seit gestern auf der Welt und ich kann mir vorstellen, dass so etwas genau so irgendwo auf der Welt schon einmal passiert ist. Auch wenn es für Simon unglaublich ist in solche Ereignisse verstrickt zu werden. Leider war die Geschichte an diesem Punkt sehr vorhersehbar und das Ende für mich schon sehr sehr lange klar. Es gab keine überraschende Wendung die mich zum Ende hin noch einmal erstaunen konnte. es gab nichts unvorhergesehenes, alles war irgendwie für mich planbar und berrechenbar. Für mich als Leser gibt es nichts schlimmeres. Ich möchte überrascht und geschockt werden. Ich möchte den Atem anhalten und mir die Fingernägel abkauen. All das war hier leider nicht gegeben. Dies war ein test, ein Test an Charlotte Link, die Lieblingsautorin meiner Schwiegermutter, und leider hat Charlotte den Test nicht bestanden. Ich kann ihrer Art zu schreiben nichts abgewinnen und dies wird wohl das erste ung gleichzeitig das letzte Buch von ihr sein. Es war nicht komplett schlecht und ich kann auch nachvollziehen, das viele ihre Bücher lieben und sie gerne lesen. Aber mir war es zu unspektakulär. Ich lese lieber brutale Thriller die schnell voran gehen, die mich packen und mir meine Nerven rauben. Seichte Geschichten die leise vor sich hin plätschern um etwas Dramatisches noch dramatischer zu machen sind leider nichts für mich. Auch wenn dies bestimmt gewollt war von Frau Link. Ich bin ehrlich gesagt erleichtert jetzt durch zu sein und mich einem anderen Buch widmen zu können, denn es war wirklich langwierig. Ich glaube aber, dass das Buch nicht grundsätzlich schlecht ist sondern wahrscheinlich viele Leser sehr begeistert davon sein werden, aber ich mag es lieber brutal oder dystopisch. Dies ist aber scheinbar nicht Charlottes Art zu schreiben und das ist okay für mich. Trotz dessen hat das Buch von mir 3 Schmetterlinge bekommen, weil es mich zwar nicht überzeugt hat aber in seinen Grundsätzen solide und okay war. Ich würde Charlotte trotzdem empfehlen als Autorin und hier sollte sich jeder sein Bild selbst machen. Ich kann mir vorstellen, dass Leser die etwas zarter beisaitet sind mit diesem Buch und dieser Art von Krimi/Thriller sehr gut zurecht kommen werden und die Geschichte lieben werden. Vielen Dank an den Randomhouse Audio Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Ich bin eine absolute Charlotte Link Leserin.Hat man erstmal ein Buch von Ihr gelesen....Will man sie alle lesen.So ging es mir, und ich bin immer schon auf die Neuerscheinungen gespannt. So ging es mir auch bei ihrem neusten Werk " Die Entscheidung ".....Leider muss ich sagen...Das erste Buch welches mich enttäuscht, da das Ende so vorher sehbar war....Schade!

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„Was, wenn du im falschen Moment die falsche Entscheidung triffst?“ „Die Entscheidung“ Autorin: Charlotte Link Genre: Krimi Verlag: blanvalet Buchinfo: In diesem Krimi laufen drei parallele Geschichten zusammen, zum einem geht es um den geschiedenen Übersetzter Simon, der Weihnachten ganz allein in Südfrankreich verbringt. Am Stand begegnet er Nathalie, sie ist jung, völlig verängstigt und glaubt sich von brutalen Verfolgern gejagt. Simon bietet ihr seine Hilfe an, gerät dabei aber in eine Situation, die sich bald nicht mehr beherrschen lässt. In diesen Erzählsträngen wird abwechselnd aus der jetzigen Situation und der Vergangenheit von Nathalie eingegangen. Ein weiterer Erzählstrang geht um Selina, dieser ist etwas verwirrend, denn sie scheint ebenfalls auf der Flucht zu sein. Dann gibt es noch einen weiteren Erzählstrang über eine Familie in Bulgarien, die ihre Tochter auf mysteriöse Weise verloren haben und auf der Suche sind. Meinung: Mit über 575 Seiten liefert die Autorin einen sehr komplexen Krimi mit einem immer wieder aktuellen Thema, die Erzählstränge sind dabei am Anfang sehr spannend, doch schnell wird dem Leser klar wie alles zusammenhängt. Nur bei Nathalie tippt man noch etwas im Dunkeln. Leider ist ihr Erzählstrang dann auch etwas langatmig und wird schnell langweilig, vieles hätte hier weggelassen werden können. Zum Schluss fand ich ihre Rolle und die Zurückgänge in ihre Vergangenheit einfach nur noch nervig. Die beiden anderen Erzählstränge um Selina und das bulgarische Mädchen sind sehr spannend, leider kommen sie im Krimi viel zu kurz, werden einfach zu wenig ausgebaut und zum Schluss wird gar nicht mehr darauf eingegangen bzw. dem Leser wird hier ein sehr offenes Ende präsentiert, das ihn mit vielen Fragen zurücklässt. Insgesamt beginnt der Krimi spannend und ist auch gut zu lesen, wenn auch vieles in die Länge gestreckt wirkt. Allgemein fehlt mir allerdings die richtige Würze, etwas das mich beim Lesen mitreißt und sprichwörtlich vom Hocker reist. Einige Kapitel hätten von der Autorin getrost gestrichen werden können, da sie für die eigentliche Handlung irrelevant sind andere wiederum hätten besser ausgebaut werden können. Fazit: Mit „Die Entscheidung“ hat Charlotte Link leider nur einen mittelmäßigen Krimi vorgelegt, dem es insgesamt an Tiefgang und Spannung fehlt, die einzelnen Charaktere blieben so leider unnahbar und fern. Die Handlung fängt dabei spannend an, wirk aber schnell konstruiert und vorhersehbar. Hier habe ich einfach mehr erwartet

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Massenware

Von: ralfreitze

13.10.2016

Warum schreibt ein Schriftsteller? Um Geld zu verdienen? Um seine Aussage an den Leser zu bringen? Um auf ein aktuelles Thema hinzuweisen? Um zu unterhalten? Wohl von allem ein bisschen (von Sachbüchern und Hetzschriften mal abgesehen). Charlotte Link ist seit Jahrzehnten eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin und hat eine treue Fangemeinde.Bis dato hatte ich noch kein Buch von ihr in der Hand. Und bis dato sah ich auch keine Veranlassung, eines in die Hand zu nehmen. Mainstream hat mich immer abgeschreckt, ist es doch für mich der kleinste gemeinsame Nenner, ohne Ecken und Kanten, wenn es vielen gefällt kann es nicht den für mich individuellen Geschmack haben. Habe ich jetzt wegen des gemeinsamen Geburtsjahres (nachträglich alles Gute zum Geburtstag Frau Link (am 5.10)) oder wegen ihrer Geburtststadt Frankfurt am Main (mit der mich auch vieles verbindet), dieses Buch in die Hand genommen? Vielleicht wollte ich auch verstehen, warum meine Frau bei ihren Büchern so begeistert ist, dass alle in unseren Bücherregalen versammelt sind. Außerdem spielt das neue Buch in meiner heißgeliebten Provence. Und so nahm ich den neuesten Thriller (ein Kriminalroman ist es definitiv nicht!) von Charlotte Link in die Hand und begann zu lesen. Der Aufbau ist sehr interessant gewählt. Es wird aus den verschiedenen Blickwinkeln der Protagonisten erzählt und so bekommt der Leser eine größere Bandbreite der Handlung mit. Die scheinbar losen Erzählungsstränge verbinden sich nach und nach zu einer zusammenhängenden Geschichte. Simon will die Weihnachtszeit mit seinen Kindern im Haus seines Vaters in der Provence verbringen. Er ist Anfang Vierzig, hat eine neue Beziehung, aber nicht den Mut, diese in seinem Leben ankommen zu lassen. Überhaupt ist er mehr der Typ den man herumschubst. Als selbstständiger Übersetzer hat er keine großen Ambitionen, ganz anders seine erfolgreiche Freundin Kristina, die, als Simon erfährt, dass seine Kinder doch nicht nach Südfrankreich kommen, mit ihm endgültig bricht. Auf einem Spaziergang am Strand wird er Zeuge eines Handgemenges mit einer jungen Frau. Simon mischt sich, entgegen seiner Natur ein und hilft dem verwahrlosten Mädchen, welches ohne Papiere und Geld in ein Haus einbrach. Nach und nach wird er in eine tödliche Geschichte mit hinein gezogen. Parallel schwenkt Charlotte Link ihre Erzählung nach Bulgarien, nach Sofia. Sie schildert, wie die Eltern einer kinderreichen Familie immer verzweifelter werden, da es an allen grundlegenden Dingen, wie Arbeit, Nahrung oder warmer Kleidung fehlt. Als eine Frau auftaucht, die der ältesten hübschen Tochter eine Karriere in der Modebranche verspricht, greifen die Eltern, auch ob des für sie hohen Ablösebetrages, schnell zu. Der Leser weiß natürlich, was hinter dieser Frau, die sich als Mitarbeiterin einer Agentur ausgibt, steckt. Zeitgleich verstrickt sich Simon immer mehr in die Geschichte der magersüchtigen Landstreicherin. Charlotte Link hat einen Eintopf voller Ingredenzien zu einem aktuellen Thriller gerührt. Dabei wirft sie ab und zu aktuelle Ereignisse ein, wie die Anschläge in Paris, ohne diese aber zu vertiefen. Alle anderen Zutaten der Suppe kennt der geneigte Leser schon zur Genüge, wichtig sind zum Gelingen hierbei doch die Gewürze. Oder vielleicht ist dann doch eine Zutat dabei, die überrascht. Doch das ist hier nicht der Fall. Die Geschichte wirkt in manchen Bereichen etwas hölzern erzählt, wie mit Bauklötzen gebaut. Auch vor Binsenwahrheiten machte Frau Link nicht halt. "Ihr habt Geld. Das habe ich an dem Haus in La Cadière gesehen.' 'Und wer Geld hat, ist glücklich?' Sie hob die Schultern. 'Er hat ein paar Sorgen weniger. Weißt du, ich glaube, dass sich Jerome wegen des Geldes in irgendetwas Böses verstrickt hat. Weil er mehr Geld wollte.' Weil er mehr Geld wollte.' Simon sah sie überrascht an. 'Das hättest du Lieutnant Caparos sagen müssen.' ' Es ist nur eine Vermutung', sagte Nathalie. 'Weil es meistens Geld ist, das Menschen dazu verführt, Dinge zu tun, die sie nicht tun sollten.'" Zum Glück sind diese Stellen nicht so oft gesät in dem Roman. Die Landschaftsbeschreibungen sind ordentlich, aber auch nur oberflächlich. Die Charaktere bestehen größtenteils aus Klischees, einzig Nathalie, die aufgetauchte Unbekannte, hat mich an einigen Stellen überrascht. Der Roman liest sich auch gut, obwohl er einige Längen aufweist. Fünfzig bis hundert Seiten weniger hätten der Spannung gut getan, aber welcher Lektor sagt das einer Charlotte Link? So ist insgesamt eine ordentliche Gemüsebrühe zu vermelden, die aus bekannten Zutaten mit etwas Salz und Pfeffer vermischt, sich bestimmt wie geschnitten Brot verkauft. Aus der Masse der Neuerscheinungen ragt nur der Name Charlotte Link heraus. Aber das reicht eben für einen Bestseller.

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Charlotte Link Die Entscheidung (blanvalet) Eigentlich will Simon mit seinen beiden Kindern in Südfrankreich ein ruhiges Weihnachtsfest feiern. Doch dann kommt alles ganz anders: Die Kinder sagen ihm kurzfristig ab, seine Freundin gibt ihm den Laufpass, und auf einem Strandspaziergang begegnet er einer jungen, völlig verwahrlosten Frau: Nathalie, die weder Geld, Papiere noch eine Unterkunft hat, die fürchterlich abgemagert und hochgradig verängstigt ist. Sie tut ihm leid, und er bietet ihr seine Hilfe an. Nicht ahnend, dass er durch diese Entscheidung in eine mörderische Geschichte hineingezogen wird, deren Spuren bis nach Bulgarien führen. Und zu Selina, einem jungen Mädchen, das ein besseres Leben suchte und in die Hände skrupelloser Verbrecher geriet. Ihr gelingt die Flucht, doch damit löst sie eine Kette von Verwicklungen aus, die Simon und Nathalie, tausende Kilometer entfernt, in der Provence zum Verhängnis werden… Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre Kriminalromane sind internationale Bestseller, auch Im Tal des Fuchses und zuletzt Die Betrogene eroberten wieder auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang über 26 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main. © blanvalet Meinung zur Veröffentlichung: Schon die verlagseigene Inhaltsangabe macht es deutlich: es geht hoch her im neusten Werk von Charlotte Link. Womöglich noch höher, schneller, weiter als in den bisherigen Romanen der Autorin. Dennoch bleibt das Buch hinter der bewährten (und erwarteten) Qualität zurück. Woran liegt das? Verschiedene Handlungsfäden, das ist üblich bei Charlotte Link, wechseln in zügiger Folge. Frankreich, Bulgarien, Retrospektive, Gegenwart,… und immer herrscht schlechtes Wetter! Es ist nicht nur die fehlende Sonne, sondern überhaupt die ausnahmslos düstere Stimmung des gesamten Romans, die eine unversöhnlich negative Atmosphäre erzeugt. Wenigstens den – trügerischen - Anschein des „alles ist in Ordnung“ hätte man sich irgendwo gewünscht. Aber nein. Die ersten Kapitel beschäftigen den Leser mit der Orientierung und dem Sortieren von Handlung und Protagonisten. Ist das einmal bewältigt, kann nur mäßige Spannung aufkommen. Zu vorhersehbar die Entwicklung, zu schlicht die psychologische Zeichnung der Charaktere. Die Figuren an sich sind sorgfältig ausgearbeitet und werden umfassend eingeführt, bleiben aber in einer eigentümlichen Distanz zum Leser. Identifizieren möchte man sich mit keinem dieser Menschen. Hier haben wir Charlotte Link schon atemberaubender erlebt. Durch den häufigen Perspektiv- und Schauplatzwechsel geht die Handlung recht schwerfällig voran. So richtig spannend wird es einfach nicht. Ausnahme: Die am Ende jeden Kapitels zuverlässig eingearbeiteten Cliffhanger setzen kleine Highlights, hier kommt ein wenig von der fesselnden Spannung in Spiel, die wir als Markenzeichen der Autorin schätzen. Die vermeintlich überraschende Schlusswendung mit dem korrupten Polizisten beschleunigt die Story auf den letzten Metern, kann aber kein echtes Krimi-Feeling erzeugen. Was noch auffällt: Die verschiedenen Charaktere (von der bulgarischen Mutter in prekären Verhältnissen über die leitende Ermittlerin in Frankreich bis hin zu…) denken, handeln und sprechen in dem selben austauschbaren Stil, der in keinem Fall an die übrige Konstruktion der Figur angepasst ist. Das macht die Figuren mit der Zeit nicht glaubwürdiger. Mit den diversen Erzählsträngen scheint die Autorin sich diesmal wirklich viel vorgenommen zu haben, womöglich zu viel? Nur so ist wohl erklärbar, dass der Bulgarien-Strang nach enorm dramatisierten Wendungen am Ende indifferent ausplätschert… Schade. Wenigstens hier hätte man sich einen tröstlichen Abschluss gewünscht. Etwas bemüht wirken die zeitgeschichtlichen Bezüge (Paris-Attentate November 2015), die für die Geschichte keine erkennbare Relevanz zeigen. Bei aller Kritik hat „Die Entscheidung“ durchaus charmante Züge eines Charlotte-Link-Romans: zwischenmenschliche Beziehungen, Psychologie und Crime bei entspannter Lesbarkeit sind auch hier bewährte Zutaten. Insgesamt scheint mir die Bezeichnung „Kriminalroman“ nicht ganz treffend, eher tendiert „Die Entscheidung“ in Richtung Gesellschaftsroman. Immerhin: Das Buch ist unterhaltsam und die Fans der Autorin kommen auf ihre Kosten – auch wenn es immer nur regnet… Barbara Hauschild & Christian Funke

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