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Rezensionen zu
In die Arme der Flut

Gerard Donovan

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€ 20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empf. VK-Preis)

Inhalt: Luke Roy, Mitte dreißig, lebt in Ross Point, einer in der Bedeutungslosigkeit versunkenen Kleinstadt in Maine. Seit frühester Kindheit empfindet er eine Todessehnsucht, hat schon mehrfach seinen Suizid geprobt, aber dann doch nicht konsequent durchgezogen. An einem nebligen Tag steht er auf einer nahegelegenen Brücke, 35 Meter über einem Fluss mit todbringenden spitzen Felsen. Stundenlang sinniert er, ob er springen soll oder nicht. Doch dann sieht Luke, dass ein Ausflugsboot gekentert ist und ein Junge hilflos im Wasser treibt. Ohne zu zögern, wirft Luke sich ins Wasser und rettet Paul. Die Medien machen einen Helden aus ihm, Politiker missbrauchen ihn für ihren Wahlkampf. Die Menschen lieben ihn - bis sie ihn hassen … Meine Meinung: Auf mich übte dieser Roman einen ungemeinen Sog aus. Lukes Überlegungen zu Leben und Tod im ersten Teil der Handlung erschienen mir absolut nachvollziehbar. Wer in dieser Hinsicht psychisch vorbelastet ist, sollte lieber die Finger von dem Buch lassen! Mit eindringlichen Worten und leicht poetischen Bildern zeichnet Gerard Donovan seinen Protagonisten Luke. Der Charakter ist tiefgründig und plastisch angelegt, er wirkt authentisch und realitätsnah, dabei auch sehr sympathisch. Ich habe mit ihm gelitten und gebangt, gehofft und mich mit ihm gefreut. Es war eine Achterbahn der Gefühle. Die Medien und die Politik bekommen in diesem Buch ihr Fett weg. Sie stilisieren einen Mann, der etwas Selbstverständliches tut, zu einem Helden wider Willen hoch. Luke wird von einer üblen Maschinerie vereinnahmt, was sein Leben nicht leichter macht - stets zum Nutzen der Medien oder der Politiker. Und er wird gnadenlos fallengelassen, wenn es den anderen in den Kram passt. Mich haben die Bilder, die Gerard Donovan in meinem Kopf erzeugte, beeindruckt und bedrückt, aber nicht heruntergezogen. Diese Lektüre wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben und nachhallen.

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…bist du vollkommen glücklich und deine Seele lebt irgendwo weiter. Ich habe keine Angst zu sterben. Vollkommener Frieden nach dem Tod, jemand anderes zu werden ist die beste Hoffnung, die ich habe.“ Mit diesem Zitat von Kurt Cobain könnte man den Punkt beschreiben, an dem sich auch die Hauptfigur in Gerard Donovans „In die Arme der Flut“ befindet. Luke Roy lebt in Ross Point, einem von Gott und der Welt verlassenen Kaff in Maine, arbeitet dort in einer Fabrik, tagaus, tagein die gleiche Monotonie. Sein Denken kreist seit frühester Jugend um den Tod, es ist ein diffuses Sehnen nach dem Ende. Versucht hat er es bereits, allerdings nicht in letzter Konsequenz durchgeführt. Aber jetzt ist es soweit. Schnell soll es gehen, und im wahrsten Sinn des Wortes todsicher sein. Der richtige Zeitpunkt scheint gekommen. Ein Sprung von der Brücke in den Moss River, 35 Meter in die Tiefe, der Körper zerschmettert, von der Strömung ins Meer gezogen. Oder doch nicht? Er zaudert, er zögert, entscheidet sich dagegen, dreht um und bemerkt im Weggehen ein Kind, das aus einem gekenterten Boot gefallen ist und auf einen Strudel zutreibt. Ohne Zögern wagt er den Sprung, bekommt es zu fassen und rettet es. Es scheint, als ob Paul, so der Name des Jungen, ein Seelenverwandter Lukes wäre, da er keinerlei Anstrengungen unternommen hat, den Fluten zu entkommen. Passanten haben die Aktion beobachtet, stellen ihre Fotos davon ins Netz, die Anzahl der Klicks explodiert. Luke steht plötzlich im Zentrum des Interesses, wird zur Berühmtheit, erhält eine Tapferkeitsmedaille. Politiker lassen sich mit ihm ablichten, instrumentalisieren ihn für ihren Wahlkampf. Doch Ruhm ist vergänglich. Alles ändert sich, als ein Video auftaucht, das das Ereignis in einem anderen Licht erscheinen lässt, und plötzlich schlägt ihm blanker Hass entgegen. Diejenigen, die ihm gestern noch auf die Schulter geklopft haben, wenden sich von ihm ab. Steine fliegen, das Boot, auf dem er lebt, geht in Flammen auf. Doch dann wird der Zeitung ein weiterer Film zugespielt, der Lukes Version bestätigt, und schon ist der Außenseiter wieder der strahlende Held, der er nie sein wollte. Aber für die Brandstiftung, den Verlust seines Bootes, seines Heims, übernimmt niemand Verantwortung. Wie bereits in dem erfolgreichen „Winter in Maine“ steht auch in dem diesem Roman ein Mensch im Mittelpunkt, dessen Leben von einem Gefühl der Isolation durchdrungen ist. Luke fühlt sich fremd unter Menschen, ist einsam und hat im Laufe seines Lebens eine ungesunde Faszination für den Tod entwickelt. Leidet er an Depressionen? Will er sterben? Eindeutig ist beides nicht, es bleibt in der Schwebe. Aber der Roman ist mehr als das Psychogram eines Außenseiters, er ist gleichzeitig eine Abrechnung mit unserer medialen Welt, die sensationsgierig jede halbwegs interessante Information durch den Wolf dreht, jedoch das, was dieses Vorgehen mit den Menschen macht, völlig ignoriert. Hauptsache, die Anzahl der Klicks stimmt.

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Spannend

Von: IK

02.12.2021

Wieder ein sehr gelungenes Buch von Gerard Donovan. Ich fand esehr spannend. Mir gefallen bei Ihm immer sehr gut wie der Handlungsort und die Personern geschildert werden. So bildlich , dass man meint Handlungsort und Personen vor sich zu sehen. Ich freue mich schon auf das nächste Buch.

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Ein ruhiger Roman mit einer sehr depressiven Grundstimmung. Der Autor versteht es, sehr poetisch eine detailreiche Geschichte zu erzählen. Die Todessehnsucht des Protagonisten wird so beeindruckend beschrieben, dass man den Eindruck gewinnt, der Autor würde aus eigener Erfahrung berichten. Es wird auch gut geschildert, welche Macht die sozialen Medien heute haben. Erst wird ein Mensch als Held gefeiert, aber bei erster Gelegenheit wird er niedergemacht. Bis auf einige kleine Momente, in denen der Protagonist verliebt ist, besteht der Roman nur aus Tristesse und Hoffnungslosigkeit. Man muss als Leser nervlich schon sehr stabil sein, um das Buch bis zum Ende auszuhalten.

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Hallo Ihr Lieben Gerard Donovan In die Arme der Flut Inhalt: Nebel steigt auf über dem Fluss bei Ross Point in Maine, und auch um die hohe Brücke vor der Mündung ins Meer wallen Nebelschwaden. Dort steht Luke Roy und wartet. Er will springen - schon öfter hat er an Selbstmord gedacht. Als der Himmel endlich klar wird, hört er vom Fluss her Schreie. Ein Ausflugsboot ist gekentert, und ein Junge wird von der Strömung Richtung Klippen und Meer getrieben. Luke zögert nicht: Der Außenseiter wird zum Helden wider Willen, und sein Leben ändert sich auf eine Weise, die er sich nie hätte träumen lassen … Der Fluss Ross Point weißt eine dunkle Vergangenheit auf, so erfahren wir hier in dieser Gemeinde eine Flut an Toten. Von denen auch die Lebenden Teil dieser Stimmung werden. Der Autor hat das durch seine düstere, triste, melancholische, poetische und teilweise doch distanzierte Schreibweise fühlen lassen, was ich bei der Thematik sehr angemessen empfunden habe. Auch wenn ich immer wieder Pausen brauchte beim lesen, zog es mich hinab in die Tiefen von Lukes Sehnsüchten. Ein Buch bei dem wir das Warum nicht erfahren werden und ich das für mich auch nicht vermisst habe. Denn eine Krankheit muss nicht vergleichen werden mit Tragödien in der Biographie. Denn leiden Menschen mehr die ein Trauma erfahren haben als solche deren Ursache der Depression nicht bekannt ist? Luke der eine Todessehnsucht in sich trägt wird zum tragischen Held als er an jenem Tag seinen Phantasien nachhängt. Er handelt instinktiv und rettet ein Leben, sieht sich selbst nicht als Held für den er anfangs gefeiert wird, und er bleibt für mich ein Held, auch wenn die Medien ihn zu einem späteren Zeitpunkt als Antiheld bezeichnen, als klar wird was wirklich an jenem Tag auf der Brücke hätte passieren sollen. Hier werden wir Zeuge wie die Medien diese Thematik aufgreifen und wie schnell das ganze kippen kann. Zwar beleuchtet der Autor nur eine Seite, die sehr hoffnungslos und traurig geschildert wird. Es war irgendwie passend, anderseits hätte ich mir eine andere Wendung gewünscht. Ich bin zwiegespalten, und dennoch hat mir das Buch gefallen,stimmig in sich abgeschlossen. Aufgrund der Thematik vergebe ich aber keine Sternbewertung, aber eine Triggerwarnung möchte ich an dieser Stelle anbringen. Und bedanke mich an dieser Stelle beim bloggerportal und dem luchterhandverlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares

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Atemberaubend

Von: Kerstin

14.11.2021

Dieses Buch hat mir hervorragend gefallen und es hat mich von Anfang bis Ende nicht mehr losgelassen. Ein hervorragendes Leseerlebnis mit tiefgründiger und mitreißender Story. Eins meiner Lesehighlights diesen Jahres.

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Es gibt Bücher da fällt mir die Rezension schwer. Dieses Mal liegt es aber nicht daran, dass mir das Buch nicht gefällt. Ganz im Gegenteil. Aber es ist schwer die Stimmung zu beschreiben, die dieses Werk vermittelt. Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Wunderschön und bildgewaltig wird hier die Natur, der reißende Fluss und das kalte Wasser beschrieben. Einerseits bezaubernd, andererseits rau, grob und mächtig. Eine Naturgewalt, der man sich selbst nur schwer entziehen kann. Gerade den Charakter von Luke fand ich faszinierend. Anfänglich wusste ich noch nicht, wohin es geht, was ihn antreibt und warum er so ist, wie er ist. Doch mit jeder Seite, mit jedem Wort erkennt man ihn mehr. Er ist ein Charakter, der ganz anders ist als ich selbst. Und dennoch habe ich mich mit ihm verbunden gefühlt. Man leidet mit ihm. Man quält sich mit ihm. Und immer, wenn ich dachte, tragischer geht es nicht mehr, kam noch etwas dazu. Der Schreibstil war für mich auf den ersten Seiten ungewohnt, aber ich habe mich dann in die Erzählweise eingefunden. Tatsächlich sind die ersten 50-100 Seiten durch die konfusen Gedankengänge teils etwas langatmig. Es gibt häufig Rückblenden, die noch mehr Einblicke in die Charaktere und den Ort selbst geben. Dieses Buch ist für mich ein grandioser Spiegel der Bevölkerung. Auswirkungen von Social Media, der Druck der Gesellschaft, Kräften, denen man sich nicht entziehen kann, auch wenn man alles gibt. Es ist düster, traurig, erschreckend, schön, friedlich. Ich könnte noch so viele Worte mehr hinzufügen. „In die Arme der Flut“ ist ein tragischer Roman, der eine Mischung aus Poesie und tiefe Einblicke in die Psyche eines ungewollten Helden ist. Wenn man die ersten langatmigen Kapitel geschafft hat, erwartet einen eine Geschichte, die einen mitnimmt.

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Luke hat sich vorgestellt zu sterben. Dutzend mal auf unterschiedliche Weise sich ausgemalt und geprobt, wie es ist, am Abgrund zu stehen. Und nun ist dieser Tag da. Sein Todestag. Er befindet sich auf der gefährlichen Seite der Brücke, unter ihm, der in Nebel gehüllte Fluss. Lange Zeit verstreicht und flussabwärts ertönen auf einmal Rufe. Ein Boot ist gekentert, Menschen treiben im Wasser, klammern sich an die Retter. Nur ein Junge im roten Anorak treibt davon. Luke springt ohne Zögern hinterher, zieht ihn auf einen Felsen und flieht vom Unfallort. Doch die ganze Welt sieht zu. Gefilmt aus einem Fabrikgebäude oberhalb des Felsens. Hunderttausende Clicks auf allen Kanälen. Luke verschanzt sich auf seinem Hausboot. Wildfremde Menschen, Reporter, Kamerateams und Politiker belagern das Ufer. Luke verweigert jeden Kontakt. Die Tapferkeitsmedaille, die ihm der Bürgermeister verleiht, wirft er wütend weg, denn er erkennt, dass er nur wegen des anstehenden Wahlkampfes und für die Publicity des Ortes an der Küste Maines instrumentalisiert wird. Die Stimmung kippt, als Gerüchte aufkommen, dass sich Luke eigentlich das Leben nehmen wollte und nur deshalb in den Fluss sprang. Ein Buch über die Macht der sozialen Medien, die Helden kreieren und bodenlos niedermachen. Gut geschrieben, mit ein paar kleinen Längen. Aber nur geeignet, für Leser und Leserinnen mit einem stabilen Nervenkostüm, da es deprimierend ist und Luke nicht die einzige Person im Roman ist, die sich mit dem Gedanken an einen Suizid beschäftigt.

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