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Rezensionen zu
Winter in Maine

Gerard Donovan

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Mit 3282 Büchern lebt Julius in einer abgelegenen Hütte in den Wäldern von Maine. Er sitzt lesend vor dem Kamin, als er draußen einen Schuss hört. Dies ist nicht ungewöhnlich im Herbst, wenn die Jagdsaison begonnen hat. Doch als sein Hund nach einiger Zeit nicht zurückkehrt, beginnt er sich Sorgen zu machen. Er findet Hobbes, angeschossen von einer Schrotflinte aus unmittelbarer Nähe vor. Zwanzig Meilen sind es mit dem Auto zum Tierarzt. Aber dieser kann nur den Kopf schütteln. Am selben Abend begräbt Julius seinen treuen und einzigen Freund in seiner Einsamkeit vor der Hütte. Das Plakat, das er am nächsten Tag vor dem Supermarkt in der nächsten Kleinstadt anbringt "Hund erschossen, Hinweise erbeten", wird innerhalb kürzester Zeit mit einer Botschaft überschrieben und er begreift, dass niemand seine Trauer versteht. Aber Julius will Rache nehmen an allen Jägern, um den alleinigen Mörder zu finden. Jeder Tierbesitzer könnte die Wut verstehen, die sich aufgrund eine solch unsinnigen Tat entfachen würde. Die Brutalität und Kaltblütigkeit, die Julius daraufhin entfaltet, beschreibt der Schriftsteller trotzdem großartig mit einer sanften Melancholie, die die Gefühle des sanftmütigen Eremiten nachvollziehbar machen.

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Julius Winsome lebt mit seinem Hund Hobbes in den Wäldern von Maine. Er ist umgeben von 3282 Büchern, die seinem Leben einen tieferen Sinn geben. Er lernt Claire kennen und hat eine kurze, aber schöne Zeit mit ihr. Ihm geht es eigentlich ganz gut, er ist ein genügsamer Mensch und sich selbst genug. Eines Tages meint er, einen Schuss gehört zu haben. Erst denkt er sich nichts dabei, da in Maine gerade Jagdzeit ist. Aber als sein Hund Hobbes verschwunden bleibt und er ihn kurz darauf erschossen in der Nähe seines Hauses findet, nimmt sein Leben eine jähe Wendung. Julius trifft einen folgenschweren Entschluss. Er begräbt seinen Hund und hängt in der Stadt Plakate auf, erhofft sich dadurch Hinweise, wer Hobbes erschossen hat. Seine Plakate werden mit Parolen beschmiert und verspottet, was Julius zunehmend wütend macht. Er ist gebrochen, flüchtet sich in seine Bücher, in die Werke Shakespeares, nutzt dessen Wortkreationen, die ihn fortan täglich bei der Suche nach Hobbes Mörder begleiten. Wer hat seinen Hund erschossen? Hat Claire etwas damit zu tun, die ihm erst zu einem Hund geraten hat? Die unerbittliche Suche eines Mannes nach dem Mörder seines geliebten Hundes. Er geht wortwörtlich über Leichen. Die Sprache ist klar, ohne Schnörkel, abgesehen von den shakespeareschen Wortschöpfungen. Es ist ein klassisches Werk über Verlustängste, die jedem von uns innewohnen. Das Buch hat für ein paar kurzweilige, aber schöne Stunden gesorgt. Man überlegt sich die ganze Zeit, was man an seiner Stelle getan hätte. Man leidet mit ihm und kann seine Taten sehr gut nachvollziehen. Was Claire betrifft, so war ich mir bis zum Schluss nicht sicher, ob sie mir nun sympathisch ist oder nicht. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig, solange einem der Hauptprotagonist sympathisch erscheint. Darüber hinaus hat Donovan den Winter in den Wäldern Maines sehr schön beschrieben. Man fühlt die Kälte, hört das Knirschen des Schnees unter den Schuhsohlen, hört das leise Rieseln der Schneeflocken, das Prasseln im Kamin, sieht durch Julius' Augen die Bäume in diesem abgelegenen Waldstück, scheinbar so fernab der Zivilisation. Julius' innerer Frieden wird damit verdeutlicht, bevor die Tragödie passiert. Seine Ausflüge in die Stadt, um Lebensmittel einzukaufen oder Plakate aufzuhängen, empfand ich als störenden Gegensatz zu den sonst so friedlichen Begebenheiten in seinem kleinen Reich, hoch oben in den verschneiten Wäldern von Maine. Allein dieser wundervollen Beschreibungen willen würde ich ganz klar sagen: Pflichtlektüre!

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Wer sehr lange lebt, verliert doch nur dasselbe wie jemand, der jung stirbt. Denn nur das Jetzt ist es, dessen man beraubt werden kann, weil man nur dieses besitzt.' Dieses Marc Aurel Zitat ist dem in der vorliegenden Sonderausgabe kleinen Buch vorangestellt. Überschlägt man es erst, beschäftigt es einen nach der Lektüre des ganz und gar nicht kleinen Buchs, umso mehr. Julius Winsome lebt einsam in einer Hütte in den Wäldern Maines, der nächste Ort, Fort Kent, einige Meilen entfernt. Ende Oktober, Anfang November, zur Handlungszeit der Geschichte, bereitet man sich hier auf den Winter vor. Deckt die Holzscheite zu, damit sie nicht vom ersten Schnee überrascht und feucht werden, repariert nochmals alle Stellen am Haus, durch die Wind und Schnee eindringen könnten und kommentiert Hobbes, dem aus dem Tierheim geretteten Pitbullterrier wie ungewöhnlich nah der letzte Schuss klang... Mit dem Winter betritt und der Trauer schleicht sich noch ein anderes Gefühl in seine Hütte und Julius agiert urplötzlich und völlig nachvollziehbar in einem Rachedrama mit Shakespeare-Anklängen. Wie diese Geschichte eskaliert ist absolut verstörend. Gerard Donovan: Winter in Maine. Aus dem Englischen von Thomas Gunkel. Einmalige Sonderausgabe München, 2014.

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