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Rezensionen zu
Schläge im Namen des Herrn

Peter Wensierski

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Der Journalist Peter Wensierski berichtet in diesem Buch über die Zustände in kirchlichen Kinderheimen in den Nachkriegsjahren, vor allem in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Unzählige Kinder und Jugendliche wurden in solche Heime ohne Vorwarnung eingewiesen. Die Gründe waren oft nicht nachvollziehbar. Eine Beziehung, der falsche Kleidungsstil, eine Nacht, die nicht Zuhause verbracht wurde - solche nichtige Gründe konnten schon zur Abholung eines jungen Menschen führen. So einfach eine Einweisung war, so schwer war es aus einem solchen Heim wieder herauszukommen. Mehrere Jugendliche starben bei dem Versuch zu fliehen, andere wurden in eine Psychiatrie eingewiesen, weil die Pfleger es nicht schafften, ihren Willen zu brechen. Obwohl der Staat für die Unterbringung der Kinder und Jugendliche zahlte, mussten die Heimbewohner in der Regel zusätzlich schwer arbeiten, zum Beispiel in der Landwirtshaft, in Wäschereien oder beim Torfstechen. Die Einkünfte für diese Arbeiten machten das Kinderheim zu einem lukrativen Geschäftsmodell, vor allem weil die Erzieher nicht ausgebildete Pädagogen waren. Strafen gehörten zum Alltag. Ob Einzelhaft in einer düsteren Zelle, Schläge oder öffentliche Beschämungen, die Folgen der kleinsten Zuwiderhandlung waren ungeheuerlich. Vor allem Fluchtversuche wurden unnachgiebig bestraft. Das sollten auch die anderen Heimbewohner mitbekommen, denn das diente als wirksame Abschreckung. Spätestens mit der Volljährigkeit waren diese Jugendliche frei, doch sie schämten sich so sehr über die Heimunterbringung, dass sie zumeist darüber schwiegen. Aber diese Jahre hinterließen tiefgehende Spuren. Nächtliche Angstträume, die Unfähigkeit zu vertrauen oder eine dauerhafte Beziehung einzugehen, ein unsteter Lebenswandel, das sind nur einige der Folgen dieser grausamen Jahre. Der Autor dieses Buchs, ein Spiegel-Reporter, will das Schweigen über diese schrecklichen Taten brechen. Dieses Buch enthält viele Erfahrungsberichte von ehemaligen Bewohnern der Heime, die ergänzt werden mit hilfreichen Hintergrundinformationen und Erklärungen über den geschichtlichen Zusammenhang. An manchen Stellen erscheint dieses Plädoyer etwas einseitig, was aber wegen dem Schmerz der Opfer verständlich ist. Fazit: Ein wichtiges Buch über ein trauriges Kapitel der deutschen Geschichte. Gut geschrieben und empfehlenswert!

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