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Rezension zu
Winter in Maine

Ein Mann und eine Geschichte

Von: WortGestalt-BuchBlog
20.02.2017

Ein Mann lebt seit gut 50 Jahren in einer Hütte in den Wäldern Maines, hoch oben im Norden, unweit der kanadischen Grenze. Er lebt dort mit den 3282 Büchern, die ihm sein Vater nebst Hütte vererbt hat und mit seinem Hund Hobbes, der nach dem englischen Philosophen und Mathematiker benannt wurde. Der Mann heißt Julius Winsome. Und ist Protagonist, Ich-Erzähler und Hauptelement dieses Romans, der im englischen Original deshalb schlicht den Titel seiner Hauptfigur trägt, „Julius Winsome“. Ein Mann und eine Geschichte Denn Julius Winsome ist diese Geschichte. Eine Geschichte voller Stille und Kälte und Einsamkeit, voller Liebe und voller Ruhe. Und von eigenartiger Wucht. Ein Mann voller Stille und Kälte und Einsamkeit, voller Liebe und voller Ruhe. Und von eigenartiger Wucht. Das ist Julius Winsome. Während er im Sommer als Landschaftsgärtner für wohlhabende Leute in der Umgebung arbeitet, zieht er sich in den Wintermonaten in seine Hütte zurück, fährt ab und an in den Supermarkt und ins Café im Ort und verbringt ansonsten seine Tage lesend vor dem Ofen in Gesellschaft seines Hundes. Bis an einem Nachmittag Ende Oktober der Hund nicht mehr in die Hütte zurückkehrt. Julius findet ihn später, angeschossen von einer Schrotflinte. Wie der Tierarzt ihm bestätigt, wurde das Tier aus nächster Nähe getötet. Die Bücher und das Gewehr Mit der gleichen stoischen Ruhe, mit der Julius seine Tage begeht, zieht er nun mit dem alten Gewehr seines verstorbenen Großvaters los und sucht den Mörder seines Hundes. Dabei schreitet die Handlung in einem Wechsel aus Erinnerungen an Julius Vergangenheit und den Ereignissen in den Wäldern Maines voran und erzählt von einem Großwerden zwischen den Werken von Shakespeare und Dickens, von einem besonnenen und liebevollen Vater, von den Kriegerlebnissen des Großvaters und der Abneigung gegen das Töten. Und doch greift dieser Mann, der mit Respekt vor dem Leben aufgewachsen ist und die Jagd verabscheut, zur Waffe. Der Mord an seinem treuen Begleiter hat etwas in ihm aufgerührt. Eine Konstante gestört. Ist in seine Behaglichkeit eingedrungen. Julius Reaktion eine leidenschaftslose Notwendigkeit, so scheint es. Während man also erlebt, wie er ohne merklich die Fassung zu verlieren, zum Mörder wird, fragt man sich so vieles. Und auch wieder nichts. In seinem Handeln liegt eine bedächtige Ruhe, etwas, das fast wie Routine wirkt, obwohl es die völlige Abkehr von seinem bisherigen Leben bedeutet. Ein Kleinod Das alles wäre stellenweise sehr schwer zu greifen, wäre da nicht die wundervolle, klare Sprache des Autors, mit der seinen Protagonisten und sein Setting passgenau schneidert. Dadurch entsteht ein wahres Kleinod an Roman, das aus Worten eine ganze Welt enstehen lässt. Die Szenerie der Wälder Maines, der fallenende Schnee, die Kälte, die Abgeschiedenheit, das alles wird fühlbar. Und auch wenn mir für mein persönliches Glück der Plot etwas zu schlicht ausgestaltet war, liegt in eben dieser Schlichtheit auch seine Schönheit. Fazit: Ein intensiver Roman, der mit seiner schönen, klaren Sprache eine Art distanzierte Nähe zu dem Geschehen aufbaut, die fast hypnotisierend wirkt. Dazu die Atmosphäre der Wälder im Norden Maines, die Kälte, der Schnee, die Stille, das Weiß, das alles umgibt einen beim Lesen wie eine Glocke. Auch wenn der Plot gern etwas komplexer sein dürfte, bringt „Winter in Maine“ ein wunderbar andächtiges wie konzentriertes Leseerlebnis. Bewertung: 4,2 Punkte = 4 Sterne Stil: 5/5 | Idee: 5/5 | Umsetzung: 4/5 | Figuren: 5/5 Pot-Entwicklung: 4/5 | Tempo: 4/5 | Tiefe: 4/5 Komplexität: 3/5 | Lesespaß: 4/5 | = 4,2 Punkte