Sie haben sich erfolgreich zum "Mein Buchentdecker"-Bereich angemeldet, aber Ihre Anmeldung noch nicht bestätigt. Bitte beachten Sie, dass der E-Mail-Versand bis zu 10 Minuten in Anspruch nehmen kann. Trotzdem keine E-Mail von uns erhalten? Klicken Sie hier, um sich erneut eine E-Mail zusenden zu lassen.

Rezension zu
Wo Milch und Honig fließen

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Der schmale Grat zwischen Glaube und Wahn

Von: Helga Hensel aus Herzogenrath
10.05.2013

Die 10jährige Judith lebt zurückgezogen mit ihrem Vater. Die Mutter starb bei Judith’s Geburt. Die Familie gehört den Zeugen Jehovas an. Bedingt durch ihren starken Glauben und das dadurch bedingte Anders-Sein hat Judith keine Freunde und wird in der Schule gehänselt und gemobbt. Ihr Rückzugsort ist ihr „Land der Zierde“, welches sie aus allerlei Wegwerfartikeln und Pflanzen selbst gestaltet hat. Für die Zeugen Jehovas ist das Land der Zierde der Ort, wo sie nach dem Weltuntergang weiter leben und ihre verstorbenen Angehörigen wiedersehen werden. Als die Hänseleien ein bedrohliches Maß annehmen, zieht Judith sich noch mehr in sich zurück und wünscht sich von ganzem Herzen ein Wunder, z. B. starker Schnee, damit sie ein paar Tage nicht zur Schule muss. So lässt sie es in ihrem „Land der Zierde“ schneien. Und das Wunder geschieht: am nächsten Tag – mitten im Oktober – ist draußen alles weiß. Judith nun ist fest davon überzeugt, Wunder bewirken zu können. Ihr Vater will nichts davon hören, also vertraut sie sich ihrem Gott an, der schließlich sogar zu antworten scheint. Nur mit den Wundern ist es so eine Sache; man sollte sich genau überlegen, was man sich wünscht. Judith’s Leben und das ihrer Mitmenschen, insbesondere auch das ihres Vaters, gerät aus den Fugen und die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu. Letztendlich gibt Judith sich für alles die Schuld und will durch ein großes Opfer Wiedergutmachung leisten. „Wo Milch und Honig fließen“ ist ein wunderschönes Buch und Judith ist mir ans Herz gewachsen. Bezüglich des im Buch praktizierten starken Glaubens im Kreise der Zeugen Jehovas hatte ich direkt sehr große Vorbehalte. Nachdem ich die Handlung relativ losgelöst hiervon betrachten konnte, wurde es zu einer sehr schönen, aber auch traurigen und nachdenklich stimmenden Geschichte. Und die Grenzen zwischen praktiziertem starken Glauben und religiösem Wahn sowie Realität und Fiktion liegen sehr nah beieinander, aber meine Sorge um das Kindeswohl konnte Judith letztendlich beheben.