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Rezension zu
Wo Milch und Honig fließen

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Meine absolute Leseempfehlung!

Von: Monika Schulte aus Hagen
11.03.2013

Eine Stadt in Amerika. Die zehnjährige Judith lebt dort mit ihrem tief religiösen Vater. Judiths Muttter ist bei ihrer Geburt gestorben. Judith kennt ihren Vater nur ohne Lächeln. Alles was für ihn zählt, ist die Religion. Diese steht über alles. Judith muss ihren Vater auch regelmäßig zum "Predigen" begleiten. Sie gehen dann von Haus zu Haus, von Tür zu Tür und wollen die Menschen von ihrem Glauben überzeugen. Hamargedon, der Weltuntergang wird kommen. Das Ende ist nahe. Die kleine Familie wird deshalb angefeindet. Insbesondere Judith hat darunter zu leiden. In ihrer Klasse hat es Neil auf sie abgesehen. Immer wieder ärgert er sie und pöbelt sie an. Als Neil ihr droht, ist Judith sich sicher, dass sie Anfang der kommenden Woche sterben muss. Sie ist sich sicher, dass Neil sie in der Schultoilette ertrinken lassen wird. Das Mädchen flüchtet sich in ihre Traumwelt. Das "Land der Zierde" ist zu ihrer ganz persönlichen Welt geworden. Hier kann sie das Mädchen sein, dass sie gerne wäre. Hier kann sie ihre Träume wahr werden lassen. Das "Land der Zierde" wäre für jeden anderen nichts als ein Haufen Müll, doch für Judith werden hier Träume wahr. Rutschen aus Orangenschalen, Dampferschornsteine aus den Verschlüssen von Zahnpastatuben. Als Neil ihr so zusetzt, wünscht sich Judith, dass es schneit. Es soll so viel schneien, dass Neil nicht kommen kann. Judith lässt Watte und Mehl über ihr Traumland wehen. Schnee, nichts als Schnee. Als sie am nächsten Morgen wach wird, hat es tatsächlich geschneit - mitten im Oktober Die Welt ist tief verschneit. Die Schule fällt aus. Neil kann Judith nichts anhaben. Ist Judiths Wunsch tatsächlich in Erfüllung gegangen oder war alles nur purer Zufall? Auf einmal hört Judith Stimmen. Sie fängt an, Zwiesprache mit Gott zu halten. Gott sagt ihr, dass all ihr Tun, ihre Wünsche Folgen haben werden. Als weitere Wünsche in Erfüllung gehen, glaubt Judith ganz fest daran, dass sie Wunder bewirken kann. Sie möchte ihrem Vater davon berichten, doch wie so oft, will er nicht zuhören. Judiths Wünsche, die Wunder, ihre bisherigen Welt ändert sich. Sobald sie etwas an ihrem "Land der Zierde" verändert, ändert sich auch in der wirklichen Welt etwas. Auf einmal passieren unvorhersehbare Dinge, die sie so nicht gewollt hat. Sie bittet Gott in einem Gespräch darum, ihr zu helfen, doch sie muss allein zurecht kommen. Judith setzt alles daran, dass alles wieder gut wird. Ob es ihr gelingen wird? Ein wunderschöner Roman. Ein Roman über ein Mädchen, das sich auf der einen Seite mit der extremen Gläubigkeit des Vaters auseinandersetzen muss. Ein Mädchen, das darunter leidet, anders zu sein als die anderen. Und wer kennt sie nicht, die Zeugen Jehovas, die von Tür zu Tür ziehen und teilwwise sehr aggressiv für ihre Religion werben? Man leidet mit Judith mit, wenn sie wieder von ihren Mitschülern drangsaliert wird. wenn sie vom Vater wieder einmal nicht verstanden wird. Ob ihre in Erfüllung gegangenen Wünsche nun tatsächlich Wunder waren und obb Judith wirklich mit Gott gesprochen hat oder ob die Gespräche nur in ihren Gedanken stattgefunden haben, das bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Das Thema ist eigentlich eher traurig, doch in einer so wunderbaren Sprache geschrieben, dass dieser Roman einfach nur schön ist. Ich weiß jetzt schon, dass "Wo Milch und Honig fließen" eines meiner persönlichen Lese-Highlights 2013 sein wird. Unbedingt empfehlenswert!