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Rezension zu
How To Be Parisian wherever you are

Tres Magnifique

Von: Ana Disaster
13.01.2016

Es ist kein Geheimnis mehr, dass in der heutigen Zeit das Image ganz weit vorne ist. Wie wirke ich auf andere? Was sagt das über mich aus? Und: Zu welcher Position in der "heimlichen" sozialen Hierarchie werde ich in der Folge zugeordnet. Frauen vergleichen sich, Frauen wollen schöner, klüger, attraktiver, besser sein. Perfektion ist bekanntlich unerreichbar - dennoch ein bekanntes Ziel, welches man aber besser für sich behalten sollte. Einen Verhaltenskatalog, ja sogar eine Art Bibel, für junge moderne Frauen haben das Autorenquartett Sophie Mas, Audrey Diwan, Caroline de Maigret und Anne Berest mit "How to Be Parisian" auf den Markt gebracht. Die perfekte Frau? Die Pariserin natürlich! Aber... woran erkennt man die Spezies der Pariserin eigentlich? Genau das gilt es hier herauszufinden. Schritt für Schritt wird das perfekte weibliche Geschöpf promoviert, in dem der Leserin Richtlinien für pariserisches Verhalten mitgegeben werden. Der Titel passt wie Arsch auf Eimer - How to be Parisian! Klingt ziemlich verführerisch, wenn einem bei dem Wort Pariserin Bilder von natürlich schönen Madames in klassischen Outfits, edlem Schmuck, einer Tasse Kaffee in der einen Hand und einem etwas verpeilten Liebhaber in der anderen Hand in den Kopf schießen. Was wollen wir sein? Pariserinnen! ... hmm nein, das wollen wir nicht. Ich zumindest nicht. Die Autorinnen haben mich zugegebenermaßen mit ihrem Schreibstil überrascht. Beim Lesen hatte ich dauerhaft das Gefühl, das Buch würde auf mich hinabblicken, mich dazu auffordern ihren Geboten Folge zu leisten und mir den Eindruck vermitteln, dass die Pariserin ganz oben in der Hierarchie der Frauen stehen würde. Der Sarkasmus ist oft ein Stück zu beißend und ließ mich hoffen, dass er endlich von seinem hohen Ross runterkommen möge - anders würde ich die folgenden Seiten nicht mehr aushalten. Glücklicherweise gestaltet sich der Humor nicht immer so überspitzt. An diesen Stellen sollte man sich daran erinnern, dass es tatsächlich nicht überheblich gemeint ist, sondern eine Form darstellt, die Pariserin zu satirisieren. Zu zeigen, dass man als Frau gerne überheblich sein kann, sich aber selbst nicht zu ernst nehmen sollte. Mit diesem Verständnis im Hinterkopf genießt man die 250 Seiten, die sich durch die kurzen Kapitel und dem schnellen Wechsel der Formate schnell lesen lassen. Mein eigentlicher Kritikpunkt bezieht sich allerdings auf das Bild, welches hier von der Pariserin gemalt wird: Neben vielen bewundernswerten Eigenschaften, wird auch eine eisige Kälte, eine isolierende Distanz und sicherlich auch eine Arroganz empfohlen, die ich persönlich nicht für gesund halte. Der Roman schreit: Bau dir ein Image auf! Handle immer komplett durchdacht! Was? Du trägst dein eigenes Gesicht im Alltag? Unmöglich! Wie wärs mit einer Maske? Ich persönlich verabscheue diese Botschaft unserer Gesellschaft, bin selber in diese Falle getappt und somit mittlerweile immun gegen solche Tendenzen. Aber wie sieht es mit vielen jungen Mädchen aus, welche "How to Be Parisian" zu ernst nehmen? Dieses Buch als negativen Einfluss zu bezeichnen halte ich nicht für abwegig, da hier ganz nach der Strategie "Wenn du so tust als seist du wichtig, denken alle auch du wärst wichtig" vorgegangen wird. Dieses Buch schaut auf dich hinab und du kannst gar nicht anders, als zu ihm hochzuschauen. Da haben wir's. Neben diesen Passagen (die mich tatsächlich wütend machten), finden sich auch zahlreiche Kapitel, die ich von ganzen Herzen geliebt habe. Diese Passagen zitiere ich gerne im Alltag - ich rufe sie mir in Erinnerung, wenn ich manchmal dabei bin mich unpässlich zu verhalten und sie flößen mir mehr weibliche Vernunft und Strategiebereitschaft ein. Beim Lesen habe ich zustimmend genickt, herzlich gelacht und meiner Mama in ihren Film reingequatscht, weil ich ihr unbedingt davon erzählen musste. "How to Be Parisian" kann auch was - und zwar ziemlich viel! Die Sprache ist gekonnt und der Humor erinnert an Tratschgespräche mit der besten Freundin - tres magnifique! Auch das Format ist ansprechend, vor allem wenn man eifriger Blog- und Magazinleser ist. "Do Nots", Fauxpas, Kleiderschrank-Must-Haves, Rezepte, Französische Vorbilder und Strategische Ratgeber, wenn es um Verhalten gegenüber Männern geht, gehören beispielsweise dazu. Auch das Design kann überzeugen, da es perfekt auf die Botschaft, die Sprache und den gesamten Stil des Buches abgestimmt ist. Blankweiße Hintergründe, tief schwarze Buchstaben in einfachen Schriftarten und schlichte Fotografien - gerne auch mal in schwarz-weiß -, die hauptsächlich Frauen abbilden, verkörpern den Minimalismus und betonen, dass es sich in diesem Buch ganz allein um die feinen Details im Leben einer Frau dreht. Mein persönlicher Favorit sind die kleinen fiktiven Anekdoten und Dialoge, in welchen sich die Pariserin dem Gesprächspartner gegenüber schlagkräftig, gelassen und selbstbewusst verhält, innerlich allerdings an jedem ausgesprochenen Wort zweifelt. Hier zeigt sich die Pariserin von ihrer authentischen Seite und zeigt, dass Selbstzweifel etwas menschliches sind und selbst in den Köpfen von sehr selbstbewussten Frauen omnipräsent sind. Fazit: Hin- und Hergerissen zwischen wütender Ablehnung und grenzenloser Begeisterung kann ich nur eine einzige Sache sicher sagen: "How to Be Parisian" berührt die Leser und bleibt in Erinnerung. In welchem Licht wir uns jedoch an diese moderne Frauenbibel erinnern, hängt stark von der Interpretation ab. Schaut man über den arroganten Schreibstil, die weltfremde Haltung und die bedenkenswerten Botschaften hinweg, dann findet man in dieser Lektüre einen grandiosen (wenn auch nicht immer durchschaubaren) Humor, viele erwähnenswerte Formate und einen Haufen Weisheiten und Zitate, die auch im Alltag ihre Anwendung finden. Mit einem Lächelnden und einem Weinenden Auge empfehle ich euch einen Blick in "How to Be Parisian" zu werfen und lege euch den Tipp ans Herz, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Die Pariserin ist kein makelloses oder anstrebbares Vorbild, sondern ein Exempel für unperfekten Perfektionismus, den jede einzige von uns verkörpert. Anstatt mir jetzt den Kleiderschrank der Pariserin penibel nachzukaufen und im Restaurant genau das zu bestellen, was mir die vier Autorinnen befehlen, stöbere ich lieber durch die Pariser'ische Filmsammlung und lasse den Abend mit "2 Tage Paris" ausklingen....