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Rezension zu
Nomaden der Arbeit - Die Buchvorlage für den Oscar-prämierten Film »Nomadland«

eine großartige Reportage

Von: überalldiewörter
09.01.2021

Raus aus dem Alltagstrott und weg aus der Stadt, stattdessen mit dem Bus durchs Land fahren, unabhängig sein, selbstständig arbeiten. Klingt gut, oder? Auf Instagram steht das #vanlife für #freiheit und #happiness – für viele Menschen in den USA dagegen ist das Leben im Wohnwagen die letzte Rettung vor der Obdachlosigkeit. Jessica Bruder hat diese Menschen ein Jahr lang begleitet, ist dafür selbst in einen Wohnwagen gezogen und mit den Nomaden durch die USA gefahren. Es sind zehntausende Menschen, die eigentlich schon im Rentenalter sind, sich den Ruhestand aber nicht leisten können. Viele von ihnen haben in der Finanzkrise Geld oder Immobilien verloren und sich nie davon erholt, manche hangelten sich jahrelang von einem Job zum anderen und verdienten nie genug, um sich eine Altersversorgung anlegen zu können; andere sind aufgrund von Erkrankungen und daraus resultierenden hohen Arztrechnungen schwer verschuldet. Sie leben nun in Bussen, Wohnwagen und Anhängern und reisen für schlecht bezahlte Jobs durch das Land. Die Arbeit, die sie machen, ist hart: Viele verbringen die Tage als Erntehelfer auf den Feldern in der Hitze, andere verräumen für einen Hungerlohn nachts Produkte in Amazon-Lagern. Jessica Bruder beleuchtet in ihrem Buch meisterhaft nicht nur die Schicksale der einzelnen Senioren, sondern macht auch auf die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen der temp jobs aufmerkam. Sie berichtet von bürokratischen Problemen und den Auseinandersetzungen, die insbesondere BPoC häufig mit der Polizei haben, wenn sie sich keinen Stellplatz leisten können und auf öffentlichem Grund campen; aber sie erzählt auch vom Optimismus der Arbeitenden, von der Abenteuerlust der Nomaden und der Lagerfeuergemeinschaft, in der sich die Reisenden bedingungslos unterstützen. Am Ende steht das großartig gezeichnete Bild einer Gesellschaftsgruppe, die sich durchbeißt, immer alles gibt und den Mut nicht verliert – die aber auch so viel Besseres verdient hätte. Eine Reportage, die bewegt und deutlich macht, dass sich dringend etwas ändern muss.

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