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Rezension zu
Das eiserne Herz des Charlie Berg

Die Rezension bezieht sich auf eine nicht mehr lieferbare Ausgabe.

Ein grandioser Künstler-/Coming of Age-Roman

Von: eschenbuch
30.12.2020

Inhalt: Endlich möchte Charlie seinen Roman schreiben. Damit dies gelingt, hat er fest den Zivildienst in einem einsamen Leuchtturm eingeplant. Ein Ereignis kippt allerdings sein Vorhaben: Gemeinsam mit seinem Opa, einem Wildhüter, geht er auf die Jagd, wobei ihnen ein Hirsch begegnet. Im letzten Moment entscheidet Charlie sich gegen den todbringenden Schuss. Doch ein anderer Schuss trifft; zuletzt liegt nicht nur der Hirsch auf dem Waldboden, sondern auch ein Wilderer - und Opa. Charlie muss umplanen. Persönliche Meinung: Lasst euch von dem kurzen Inhaltsteaser nicht abschrecken: Ich habe mich – um Spoiler zu vermeiden – nur auf die ersten Seiten beschränkt. Die Handlung von „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ geht weit über die Jagdszene hinaus und ist thematisch höchst vielschichtig. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive des 19-jährigen Charlie Berg, dessen olfaktorische Wahrnehmung sogar noch Süskinds Jean-Baptiste Grenouille übertrifft. Trotz seines Talents möchte Charlie allerdings nicht Parfümeur, sondern Schriftsteller werden. Dementsprechend ist „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ (unter anderem) ein Künstlerroman, der den Literaturbetrieb und den Prozess des Erzählens auf einer Metabene diskutiert. Insgesamt steht dabei weniger das tatsächliche schriftstellerische Schaffen Charlies im Vordergrund. Stärker werden die häufigen Rückschläge und Zweifel Charlies fokussiert, die ihn vom Schreiben abhalten. Dabei spielt besonders die defekte Familie Berg eine große Rolle, deren Funktionieren nur auf dem Verantwortungsbewusstsein Charlies beruht. Charlie ist somit zudem ein (Über-)Lebenskünstler. Auch viele der Nebenfiguren sind (in irgendeiner Form) Künstler: Charlies Vater ist Musiker, seine Mutter schreibt Theaterstücke, sein Großvater mütterlicherseits fertigt maßgeschneiderte Anzüge an, seine Großmutter zimmert Möbel. Fast jede Figur besitzt einen skurrilen Zug, wodurch sie einmalig wird (Damit meine ich besonders dich, Dave Killer! :D). Gegliedert ist das ca. 700 Seiten starke Werk in fünf Teile. Teil 1, 3 und 5 spielen dabei im September 1993; Teil 2 im Jahr 1985 und Teil 4 im Jahr 1989. Der Roman zeichnet sich durch eine analytische Erzählweise aus. Dies betrifft vor allem die Nebenfiguren, die in Teil 1 eingeführt werden. Zwar werden Andeutungen zur Beziehung der Figuren untereinander gemacht, doch die tatsächliche Konstellation ist zu Beginn (zunächst) für die Leser_innen noch unklar. Die gemeinsame Vergangenheit (oder: Vergangenheiten) der Figuren wird dann in den 1985/1989 spielenden Teilen beleuchtet und aufgefächert. Durch diesen geschickten, Spannung erzeugenden Aufbau lernen die Leser_innen sukzessiv das gesamte Figurenrepertoire näher kennen. Teil 2 und 4 sind dabei Coming of Age-Handlungen in schönster Form. In Teil 2 ist Charlie noch mehr Kind; Liebe ist ein noch nicht wirklich bestimmbarer Hauch, Sexualität in der Ferne. Lebenslange Freundschaften beginnen, aber auch Mobbing spielt eine Rolle. Teil 4 dreht sich stärker um die Selbstfindung, die erste Liebesbeziehung und dem Bewusstwerden der eigenen Sexualität. Die Handlung ist insgesamt vielschichtig, wendungsreich und überraschend, was vor allem daran liegt, dass immer Mal wieder Krimielemente anklopfen. Oftmals nimmt „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ mit seinen seltsamen Figuren, der Situationskomik und den Kommentaren Charlies tragikomödienhafte – teilweise: aberwitzige - Züge an. Lange Rede, kurzer Sinn: „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ ist ein interessanter und vielschichtiger Roman, der grandios unterhält - auf allen Ebenen.

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