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Rezension zu
Sterben

"Wenn uns der Tod als Phänomen nicht ängstigt, woher rührt dann dieses Unbehagen angesichts der toten Körper?"

Von: Travel Without Moving
28.11.2020

"Wenn uns der Tod als Phänomen nicht ängstigt, woher rührt dann dieses Unbehagen angesichts der toten Körper?" (Track 3) Im 30. Lebensjahr des Autors stirbt dessen Vater, und Karl-Ove Knausgård erzählt in der ersten Hälfte von ‚Sterben‘ von seinen eigenen Kindern, von seiner Kindheit und Jugend, von Alkohol, von sexuellen Erfahrungen und von Musik; im zweiten Teil befasst er sich näher mit dem Tod seines Vaters, während er mit seinem Bruder das zugemüllte und heruntergekommene Haus des Vaters aus- und aufräumt, die Beerdigung plant und versucht zu verstehen, wie die letzten Jahre seines Vaters ausgesehen haben, wie genau er zu Tode gekommen ist. Die ‚Min Kamp‘-Reihe stand schon eine gefühlte Ewigkeit auf meiner Lese-To-do-Liste, aber ich wollte ganz klassisch mit dem ersten Band beginnen und habe den Einstieg mit ‚Sterben‘ aufgrund eigener Erlebnisse und Erfahrungen lange vermieden. Jetzt habe ich das Buch endlich in Angriff genommen - und ich fand es einfach großartig, so dass nun auch schon Band 2 (‚Lieben‘) und Band 3 (‚Spielen‘) bei mir eingezogen sind und ich mich zum Knausgård-Fan erklärt habe. Knausgård ist ein sehr genauer Beobachter und kann seine Beobachtungen perfekt in Worte fassen. ‚Sterben‘ ist in anspruchsvoller und dennoch flüssiger Sprache geschrieben, und obwohl Knausgård sehr detailliert über Erfahrungen und Geschehnisse schreibt, kann man als Leser und Hörer stets gut folgen - und möchte auch folgen. Ich finde es erstaunlich, wie packend diese minutiösen Schilderungen aus dem Leben eines Unbekannten sind, wie sehr man Teil an Knausgårds Leben hat und wie gebannt man auf weitere Gedanken, Gefühlsäußerungen, Handlungsbeschreibungen wartet. Mich hat die schonungslose und entwaffnende Offenheit Knausgårds beeindruckt und die ausführliche Erzählweise, in der Knausgård die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen überzeugend abbildet, sehr berührt. Das Hörbuch wird von Sascha Rotermund auf sehr angenehme Weise gelesen. Ich habe oft lange Passagen am Stück gehört, wollte und konnte stundenlang dabeibleiben und finde, er ist der perfekte Sprecher für die ‚Min Kamp‘-Reihe, hoffe also, er wird auch die anderen 5 Bücher einlesen. Karl-Ove Knausgård: Sterben. Das autobiographische Projekt 1. Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Ungekürzte Lesung mit Sascha Rotermund. der Hörverlag, 2016; 29,95 Euro.