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Rezension zu
Die Vergessenen

Zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind

Von: Marie's Salon du Livre
01.10.2020

Ellen Sandberg hat ein ausgesprochen gutes Gespür für Geschichten und für Geschichte. Bereits in "Das Erbe" beschäftigt sie sich mit Geheimnissen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Nun nimmt sie sich eines sehr tragischen Themas an: Euthanasie im Dritten Reich. Ausgangspunkt dieser Geschichte ist die Suche nach einem Dossier. Papiere, Fotos oder ähnliches. Während die Journalistin Vera erst langsam herausfinden, welche Informationen sie eigentlich sucht, erfährt der Leser viel über ihre Tante Kathrin, die 1944 in einem Pflegeheim für geistig und körperlich Behinderten als Pflegerin zu arbeiten anfängt. Dort begegnet sie dem Leiter Dr. Landmann, der sie in seinen Bann zieht. Kathrin beginnt jedoch bald genauer hinzuschauen. Viele Patienten sterben, werden verlegt und tauen nie mehr auf. Sie kommt hinter Landmanns Geheimnis und durchschaut das perfide System. 68 Jahre später nimmt sich Vera der Geschichte an. Zwar hat sie einen unsichtbaren Verfolger, der ebenso sehr an dem Dossier interessiert ist wie sie, aber Unwissenheit ist manchmal auch ein Segen. So forscht sie weiter und erhält aber auch Unterstützung. So ist sie in der Lage die Puzzleteile Stück für Stück zusammenzusetzen. Ich trenne mal zwischen dem spannenden Fall der Suche und der Geschichte. Die Suche: Hänsel und Gretel wären stolz auf die Autorin. Einen Krümel nach dem anderen lässt sie fallen und wir folgen den Spuren. Zusätzlich gibt es noch einen geheimen Auftraggeber, einen skrupellosen? Beschaffer von Informationen somit ist für Spannung gesorgt. Die Geschichte in der Geschichte: Im Nachwort erklärt die Autorin, dass es dieses Pflegeheim nicht gegeben hat. Es aber stellvertretend für andere stehen könnte. Euthanasie ist ein Thema, das gerade in den letzten Tagen bei uns in Tirol wieder aktuell war. In Hall i. T. gab/gibt es ein Pflegeheim. Damals wurde es zwar nicht zu einer Tötungsstation aber viele PatientInnen wurden in andere Heime verlegt und kamen nie mehr wieder nach Hause. 360 Menschen, die in ihren Familien schmerzlich vermisst wurden. Für zigtausende steht hier in dem Buch Therese, deren Schicksal mich weinen hat lassen. Wie grausam Menschen sein können, überrascht mich leider immer wieder. Ende Oktober erscheint von Ellen Sandberg "Die Schweigende". Dieses wird sicherlich auf meiner Weihnachtsliste landen.